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Die Erfahrungen eines Vaters

Vertreten Waldorfschulen nazistische Ideologie?

Germanenkult, Sütterlin-Schrift, Kadavergehorsam und Rassismus auf Waldorf-Schulen?

Das staatliche Schulsystem, das war mir klar, ist grottenschlecht: unmotivierte verbeamtete Lehrer, damals in den 80er Jahren einschüchtert durch die Berufsverbote, die kritische Lehrer in die Nähe von Staatsfeinden stellten. Meine Tochter, meinte ich, wolle ich das ersparen. Die Lösung, so schien mir: die Waldorf-Schule.

Das dreigliedrige Schulsystem, die heilige Kuh der Bildungspolitiker, das schon im Alter von 10 Jahren eine Festlegung verlangt, ob ein Kind studieren kann oder nicht; die Gesamtschulen, riesige Bildungsfabriken, die dem einzelnen Schüler, aber auch Lehrer, in der Masse untergehen lassen, - das wollte ich meiner Tochter ersparen. Eine Waldorf-Schule, so meinte ich, hat diese Nachteile nicht.

Sie wurde sogar angenommen – was keineswegs selbstverständlich ist.

Der Anfang

Noch vor dem ersten Schultag gab es das Einstufungsgespräch. Die Eltern wurden nach ihren Einkommensverhältnissen befragt und legten die Höhe des Schulgeldes fest. Jedes Elternpaar wurde Mitglied im Trägerverein der Schule. Die Schule ist also offiziell Eigentum dieses Vereins, der auch die Lehrer einstellt, entlässt, der die Immobilie gehört. Damit haben die Eltern formal eine starke Stellung, ein Umstand, der mich beeindruckte.

Die Waldorfschule in D. befand sich damals in M. und war in der dortigen Waldorfschule zu Gast. Es gab außer der Klasse meiner Tochter nur noch eine Klasse drüber. Ab der 2. Klasse zog die Der Schule um und mietete sich ein Schulgebäude im Norden der Stadt.

Ein Beispiel von – zunächst – Unverständnis unsererseits: Unsere Tochter und ihre Freundin hatten im Fernsehen etwas vom tropischen Regenwald und dessen Zerstörung gehört. Das bedrückte sie und sie sagten das mir. Ich fand es beeindruckend, das kleine Mädchen sich mit diesen Problemen befassten und erklärte ihnen die Zusammenhänge.

Ich dachte, die Anthroposophen, die in der Alternativbewegung damals als eine Art Vorreiter der Ökologiebewegung  angesehen wurden, müssten sich doch damit befassen und sprach beim Elternabend davon, das mal zu besprechen. Das wurde strikt abgelehnt: Kinder in diesem Alter könnten das nicht begreifen.

Und noch ein Beispiel: In der 4. Klasse etwa fand meine Tochter unter unseren Bücher eines mit den Sagen der griechischen Antike. Sie las sich drin fest und fand das Buch interessant. Davon sprach sie auch in der Schule und ich bekam einen Anruf, was ich meiner Tochter da zu lesen gegeben habe. Ich dachte, sie hätte heimlich ein erotisches Buch erwischt und war fragte belustigt, was sie denn erzählt habe. Die Lehrerin erklärte mir, dass meine Tochter von antiken Sagen berichtet habe, z.B. den Trojanischen Krieg, von Athene und Zeus. Auf meine Frage, was daran schlimm sei, wurde mir gesagt, das entspräche nicht dem Alter meiner Tochter. Es würde ihr schaden, wenn sie es zu lesen bekäme.

Ich erklärte der Lehrerin kurz und bündig, wir als Eltern würden bestimmen, was unsere Tochter zu lesen bekäme und nicht die Schule. Etwas pikiert verabschiedete sich die Lehrerin.

Die Erklärung für diese etwas irritierenden Haltungen: Rudolf Steiner hat starre Entwicklungsstufen beim Kind festgelegt. Von Alter w bis x kann das Kind das, aber nicht jenes. Dieses wiederum ab Alter y bis z usw. Was wir getan hatten war, zu fördern, wenn unsere Tochter sich für etwas interessierte. Ein normaler Vorgang bei Kindern, der aber von den Waldorfschulen als schädlich für die Kinder angesehen wird.

Wir sind alle eine Waldorf-Gemeinschaft

Das Konstrukt, was alles zusammenhalten soll, ist die fiktive Gemeinschaft aller an der Waldorfschule. Damit wird jegliche Kritik abgewürgt, Aufmüpfigkeit ebenso wie schlimmere Sachen.

Da war die Geschichte von Stefanie. Stefanie war ein blondes und selbstbewusstes Mädchen, sehr hübsch und mit ihren 14 Jahren sehr entwickelter Weiblichkeit. Eines Tages berichtete man uns, Stefanie sei laut schreiend aus dem Unterricht gelaufen. Meine Tochter war mit der jüngeren Schwester von Stefanie befreundet. Es sickerte durch, dass sie – in der Klasse des Gründungslehrers, von diesem sexuell belästigt worden sein soll. Später bestätigte sich das. Der Gründungslehrer tat noch Jahre später seinen Dienst an dieser Schule, dann verschwand er sang- und klanglos. Wir erfuhren – hintenherum – es sei ein ähnliches Vorkommnis der Grund gewesen. Zu einer Strafanzeige kam es nicht. Aber das war schon nach meiner Zeit als Vater einer Waldorf-Schülerin.

Ein anderes aufschlussreiches, wenn auch weniger spektakuläres Beispiel: Das sich die Schule am anderen Ende der Stadt befindet, gab es einen Schulbus. Nach Auskunft der Schule bezahlt das Land den Bus, habe aber seit Jahren den Betrag nicht erhöht. Das aber die Dieselölpreise damals sprunghaft gestiegen waren, musste der Busunternehmer die Haltepunkte immer weiter auseinander legen. So mussten wir schließlich morgens unsere Tochter, später auch unseren Sohn, in einen anderen Stadtteil fahren, dort war der nächste Haltepunkt.

Ich bezweifelte die Version der Schule und vermutete Vetternwirtschaft. Ich verlangte eine Neuausschreibung des Schulbusdienstes, was allerdings rundweg abgelehnt wurde. Mit wurde versichert, nur diese Firma fahre zu diesem Preis, mein Vorschlag verärgere sie nur unnütz. Ich erklärte, ich würde mich beim Kultusministerium informieren, wie hoch die Zuschüsse des Landes seien.

Das hatte für mich ungeahnte Folgen: Ich wurde Samstags zum Gespräch mit dem Gründungslehrer, der Klassenlehrerin und den Vorsitzenden des Trägervereins gebeten. Man eröffnete mir, ich wolle die Waldorfschule in D. anschwärzen. Nichts lag mir ferner, ich wollte nur Klarheit.

Ein geradezu typisches Verhalten der Lehrer sei hier noch am Beispiel der Schülerin Claudia erwähnt.

Die Waldorfschule in D., war, wie ich oben schon schrieb, bei der Stadt in einer ehemaligen Hauptschule eingemietet. Man wollte aber eine voll ausgebaute Waldorfschule. Hierzu gab es zwei Möglichkeiten:

1.       Die vorhandene Schule kaufen, sie ausbauen und umbauen und

2.       die Schule vollkommen neu bauen.

Billiger wäre das erste gewesen, aber genau das wollte der Gründungslehrer nicht. Er wollte die Schule komplett neu bauen, sich quasi ein Denkmal setzen. Ein Grundstück hatte er auch schon und zwar in der Nachbarstadt. Das Land gehörte einen anthroposophischen Bauern. Das war die teurere Lösung. Nicht nur, dass die Gebäude vollkommen neu errichtet werden mussten, unter dem Grundstück wurde Kohle abgebaut, es wat also mit Bergschäden zu rechnen. Es mussten, bevor das Schulgebäude errichtet werden konnte, erst aufwendige und teure Sicherungsmaßnahmen verrichtet werden. Der Kostenunterschied war, wenn ich mich recht erinnere, 10 Millionen Mark.

Claudias Vater war selbständiger Immobilienmakler, kannte sich also in der Branche aus. Er war Gegner des Neubaus und legte Fakten auf den Tisch, die zeigten, dass hier mit dem Geld der Eltern Schindluder getrieben wurde. Die Folge: Auf einmal war seine Tochter nicht mehr beschulbar. Sie sollte auf eine Sonderschule. Sie wurde dort getestet, die Waldorf-Sonderschule fand sie aber gar nicht unbeschulbar und lehnte die Aufnahme ab. Daraufhin musste Claudia die Waldorfschule in D. verlassen.

Ich stellte in einem Brief der Schule die Frage, ob der Grund für den Rauswurf die Aufmüpfigkeit des Vaters war und wurde prompt zum hochnotpeinlichen Gespräch bestellt. Diesmal war ich aber klüger als beim Gespräch wegen der Busfahrten und stellte von vornherein klar, ich sei hier nicht als Angeklagter, sondern als Gleichberechtigter, der die Klärung eines Problems erwartete. Da die Einschüchterungsversuche des Gründungslehrers nicht fruchteten, war dieser irritiert und das Gespräch war schnell zu Ende. Eine Antwort auf meine Frage bekam ich allerdings nicht.

Überhaupt wurden wir Eltern nie wirklich informiert. Als z.b. von heute auf morgen die Englischlehrerin wegging und die Buschtrommel sagte, sie hätte Probleme mit dem Gründungslehrer gehabt, bekamen wir ein Rundschreiben des Inhalts, sie sei aus „technischen Gründen“ weggegangen. Überhaupt waren die „technischen Gründe“ schuld an vielen unterschiedlichen Ereignissen.

Ich regte an, um den Informationsfluss zu verbessern, eine Elternzeitung herauszugeben. Hier sollten neben schulischen Fragen, auch pädagogische, finanzielle usw. ihren Platz finden, aber auch eine Diskussionsplattform geschaffen werden, wo Kritik möglich ist usw. Diese Zeitung, so mein Vorschlag, solle eine unabhängige Redaktion aus Eltern bekommen. Ich bot mich an, mich daran zu beteiligen und auch den Satz kostenlos zu übernehmen.

Man lehnte diese Zeitung ab, denn wir hätten, wie man sagte, keine Ausbildungen in „Menschenbildung“ (hierunter ist zu verstehen die Bildung des Menschen im Sinne seines Entstehens, nicht das Vermitteln von Bildung.

„Menschenbildung ist der soziale Zweck der Schule. In Verantwortung für diese Aufgabe wird die Schulgemeinschaft gebildet von Mensch zu Mensch zwischen Eltern, Kindern und Jugendlichen, Lehrern und Lehrerinnen, Freunden der Schule, Vertretern aus Kultur, Behörden, Wirtschaft. Die Schule kann ihre Aufgabe umso besser erfüllen, wenn sie als autonome kulturelle Stätte der Menschenbildung in freiem Geist von allen an ihr beteiligten Menschen gestaltet wird, wenn sie ihre rechtlichen Verhältnisse in partnerschaftlicher Gleichberechtigung ordnet und wenn ihre wirtschaftliche Existenz in Zusammenarbeit und Solidarität wurzelt.“

http://www.steinerschule-zuerich.ch/leitmotive.htm

Oder mit Hokuspokus:

„Daß der Mensch dieses außerirdische Kosmische in sich entwickelt, ist Wirkung der Planeten und sonstiger Sterne. Was er so entwickelt, das trägt die Sonne mit ihren Kräften zur Erde. Das Menschlich-Kosmische wird durch die Sonne in den Bereich des Irdischen versetzt. Durch sie lebt der Mensch als Himmelswesen auf der Erde. Nur dasjenige, wodurch er über seine Menschenbildung hinausgeht, die Fähigkeit seinesgleichen hervorzubringen, ist eine Gabe des Mondes.“ http://www.anthroposophie.net/steiner/leitsaetze/bib_steiner_leitsaetze_143_reinkarnation.htm

Alles klar?

Was dann gemacht wurde, war ein schreckliches Käseblatt mit reiner Hofberichterstattung, ohne jegliche kritische Stellungnahmen. Man bat mich, in der Redaktion mitzuarbeiten und den Satz zu übernehmen. Ich lehnte ab.

Geld

Klar, dass eine private Schule Geld kostet. Wir zahlten zum Schluss 170 Mark monatlich Schulgeld. Das sieht nicht nach eben viel aus. Aber es kamen noch schulbedingte Kosten dazu. Schule war an 6 Wochentagen, also auch an Samstagen. An dem Tag aber fuhren die Schulbusse nicht, wir mussten die Kinder selbst fahren. Von unserer Wohnung und zurück sind das 45 km, die morgens hin und mittags zurück, also 90 km. Samstags mussten wir sie also zweimal fahren: die Kinder hinbringen und abholen.

Alle paar Wochen gab es etwas zu machen: Streichen, renovieren, Garten pflegen usw. Das auch und vor allem in den Ferien. Also, auch hier Kosten. Ferner war erwünscht – im Sinne der Gemeinschaft – dass sich Kinder und Eltern auch privat treffen. Diese aber wohnen über die ganze Region verstreut und in allen Stadtteilen.

Einmal im Vierteljahr gab es die Monatsfeier. Hier führten die Kinder was vor. Das war nicht hier am Ort, denn die gemietete Schule verfügte über keine geeignete Aula. Zum Ort der Veranstaltung und zurück  war es ca. 60 km.

Wir haben mal an einem Wochenende die Kilometer festgehalten: Nur für schulbedingte Fahrten legten wir an einem Wochenende 250 km zurück. Das alles zahlten wir natürlich selbst.

Als dann der Schulneubau anstand, wurde der Druck auf die Eltern erhöht mehr zu zahlen. Auch wir wurden mehrfach zu solchen Gesprächen bestellt. Gesprächsführer waren Eltern einer bestimmten Kommission. Angeblich seien diese Gespräche unabhängig und ohne Wissen der Lehrer. Ob das immer eingehalten wurde, vermag ich nicht zu sagen.

Ein Fall jedoch hat nachhaltig das Vertrauen unserer Tochter in ihre Klassenlehrerin gestört. In ihrer Klasse waren Zwillingsschwestern, deren Eltern eine Boutique besaßen und immer den neuesten Luxusschlitten fuhren. Die Mädchen waren nach neuester Mode bekleidet und feierten aufwendige Geburtstagsfeiern in Restaurants. Dazu luden sie einige ausgewählte Klassenkameradinnen und Kameraden ein, die auch in der Schule eine Clique bildeten.

Meine Tochter gehörte nicht zu der Clique, sie hatte andere Freundinnen. Dass aber die Clique der Zwillinge die Klasse tyrannisierte und das von der Klassenlehrerin gebilligt und unterstützt, zumindest aber toleriert wurde, erfuhr ich so richtig erst, als die Lehrerin die Schule verlassen hatte. Die Klagen meiner Tochter hatte ich abgetan. Die Lehrerin, die dann folgte, wurde von der Clique der Zwillinge so in die Zange genommen, dass sie nach einigen Monaten aufgab. Diese Lehrerin bevorzugte die Clique nicht mehr, das war der Anlass zu einem Kesseltreiben gegen sie. Der Gründungslehrer ermunterte dann die Schüler auch noch dazu, die neue Lehrerin zu mobben.

Die Eltern der Zwillinge standen in dem Ruf reich zu sein und die Schule brauchte Geld – viel Geld.

Lehrstoff – Lehrmethoden – Zeugnisse

Die Lehrinhalte der Waldorfschulen unterscheiden sich stark von denen auf staatlichen Schulen. Am Ende des 1. Schuljahres können die Kinder keineswegs lesen und schreiben, manchmal noch nicht einmal im zweiten. Man sagte uns, das käme irgendwann und sie Kinder könnten es besser, wie die an staatlichen Schulen.

Tatsache war, dass meine Kinder, als wir sie von der Waldorfschule nahmen, noch Jahre die Defizite mitschleppten.

Am 1. Schultag bekam meine Tochter als einziges Lernmittel ein Heft. Sie war zeichnerisch begabt, von uns auch immer mit Papier und Zeichenstiften versorgt, benutzte das Heft als Zeichenheft. Dabei malte sie einen Jungen, der in einen See schwimmen geht und dessen Mutter am Strand zusieht. Die Zeichnung war sehr detailgenau, die Proportionen und die Bewegungen stimmten. Je ein Bewegungsabschnitt pro Seite, so nach dem Prinzip eines Daumenkinos. Und das alles ohne von uns angeleitet zu werden.

Am nächsten Tag zeigte sie stolz der Klassenlehrerin das Heft und – bekam einen Rüffel. Weinend berichtete sie uns davon. Wir verstanden diese Haltung nicht und sprachen bei der nächsten Gelegenheit mit der Klassenlehrerin. Sie sagte uns nur, das Heft sei kein Zeichenheft und sei zweckentfremdet verschwendet worden. Dabei mussten wir die Hefte bezahlen, es war keineswegs so, dass das „verschwendete“ Heft den Schuletat belastete. Wir bewahren dieses Heft bis heute auf. Später erfuhr ich die Ursache des Verhaltens der Lehrerin.

Mir schien zwar die Lehrmethode – der Stoff wird in Epochen eingeteilt, in der nur das eine Thema behandelt wird – etwas eigenartig, aber die Begründung, man könne dadurch den Lernstoff vertiefen, leuchtete mir ein. Einleuchtend war auch, dass bereits ab der 1. Klasse eine Fremdsprache gelehrt wird und ab der zweit eine weitere. In der Regel englisch und französisch.

Auffallend war aber, das es überhaupt keine Kinder von ausländischen Eltern gab, sieht man mal von einem Mädchen aus Asien ab.

Was die Inhalte betrifft, erschien mir alles etwas eigenartig. Da lernten die Kinder nicht lesen und schreiben wie in den staatlichen Schulen, sondern mit dicken Wachsmalklötzen Striche zu machen (Grade und Krumme genannt). Am Ende des 1. Schuljahres konnten sie noch immer nicht schreiben und lesen.

Das sei, sagte man uns Eltern, ganz normal. Es sei so besser, man ging da auf die Belange des Kindes besser ein, sie hätten spätestens im 3. Schuljahr die Kinder an staatlichen Schulen eingeholt, dazu aber noch den Stoff aus dem Fremdsprachenunterricht.

Dass die Kinder ab der ersten Klassen eine Fremdsprache (englisch oder französisch) haben und ab der 2. eine 2. Fremdsprache, ist oft auch fragwürdig. Als meine Tochter ab der 7. Klasse auf eine staatliche Schule kam, hatte sie, trotz dass sie schon 7 Jahre französisch hatte, die Klasse an der staatlichen Schule aber erst 2 Monate, starke Defizite.

Der Grund: Sie lernen die Sprache nicht wirklich, sondern Lieder und Gedichte in der Sprache sprechen und hören sie – ohne, dass sie den Sinn begreifbar gemacht bekommen. Das richtige Lernen der Sprache beginnt ab der 7. Klasse.

In einer der Epochen lernte meine Tochter – es dürfte in der 4. Klasse gewesen sein – Sütterlin. Den Sinn begriff ich nicht und frage nach. Sie Schrift sehe gut aus, war die Antwort der Klassenlehrerin.

In einer anderen Epoche lernten sie nur germanische Gottheiten kennen, das ging soweit. Die Karnevalszeit fiel in diese Epoche – sie sich als germanische Gottheiten verkleiden musste. Das stimmt: sie mussten.

Faschistische oder faschistoid Ideologie?

Eine schwierige Frage. Man muss zunächst feststellen, dass Rudolf Steiner, der Säulenheilige der Anthroposophen, eine fast idealtypische idealistische Weltanschauung vertrat. Idealistische Philosophie aber geht mit Faschismus schwanger. Das bedeutet aber nicht, dass alle Anhänger des Idealismus Faschisten sind.

Ein wichtiges Merkmal des Faschismus ist der Rassismus. Ich konnte keine offensichtlichen rassistischen Inhalte finden – aber versteckte. Schüler hänselten, schlugen und mobbten zwei Brüder, Söhne eines deutsch-türkischen Ehepaars. Wie mir mein Sohn, er war mit dem jüngeren der Brüder befreundet, empört berichtete. Sah der Lehrer, der die Pausenaufsicht verrichtete, tatenlos zu. Ich intervenierte, man sagte mir, jeder mache mal einen Fehler. Die rassistischen Tiraden Rudolf Steiners gegen den "Negerroman" kannte ich damals noch nicht (siehe auch).

Die faschistische Ideologie von Blut und Boden ist auch nicht weit von manchen anthroposophischen Standpunkten. In der 20er Jahren gab es eine Bewegung hin zu – wie wir heute sagen, ökologischer Landwirtschaft. Ich will nichts gegen den Verzicht von Chemie in der Landwirtschaft sagen. Aber das geht einher mit einer Ideologie der Überbetonung des Bodens. Der wird quasi göttlich überhöht bei den Anthroposophen gesehen – ganz ähnlich bei den Nazis. Der Bewegung damals, am  rechten Rand angesiedelt, gingen immerhin Spitzenkriegsverbrecher wie Heinrich Himmler und der Kommandant von Auschwitz, Rudolf Höß, hervor. Auch das rechtfertigt keine Gleichsetzung mit den Faschisten. Aber es zeigt doch eine gewisse Nähe auf.

Die faschistische Ideologie der Volksgemeinschaft hat auch bei den Anthroposophen ihre Entsprechung. Ich habe oben von der fiktiven Gemeinschaft der Lehrer-Schüler-Eltern der Waldorfschulen berichtet. Jeder Verstoß – oder vermeintliche Verstoß – wird geahndet. Ein Ausbrechen aus dieser Gemeinschaft bedeutet den Ausschluss aus ihr.

Die Waldorfschule stehe in den Ruf besonders demokratisch zu sein. Dieser Ruf ist falsch. Weder der Unterricht berücksichtigt den einzelnen Schüler, noch haben die Eltern mehr Rechte als an staatlichen Schulen. Auch die Unterrichtsmethoden sind undemokratisch. Sie Autorität des Lehrers darf nicht in Frage gestellt werden. Die Schüler müssen – wie früher auch an staatlichen Schulen – zu Beginn des Unterrichts aufstehen und sprechen einen Spruch (wie früher das Schulgebet).

Es wird keine Rücksicht auf die individuelle Begabung der Schüler gelegt. Was zählt ist die fiktive Gemeinschaft und in Schemen eingeteilte kindliche Entwicklungsstufen. Ein siebenjähriges Kind kann noch nicht lesen können, wenn es das doch kann, dann ist das von Übel und richtet Schaden beim Kind an.

Dass die Waldorfschulen einen auffallend hohen Stellenwert den germanischen Mythologien beimessen, habe ich schon erwähnt.

Es sei also festgestellt: Nein, faschistisch würde ich die an den Waldorfschulen gelehrte und vertretene Ideologie nicht. Aber viele – auffallend viele – Gemeinsamkeiten sind nicht wegzuleugnen.

Auf keinem Fall aber sind sie die demokratischere Alternative zum staatlichen Schulsystem. Das trifft auf die Inhalte, die Qualität und die Methoden zu.

Die staatlichen Schulen sind die Widerspieglung der Klassenstruktur des bürgerlichen Systems – und des Bildungsprivilegs der Bourgeoisie. Die Ideologie der Waldorfpädagogen ist auch nichts anderes. Sie bringt eine, sich als Elite verstehende, bourgeoise Minderheit hervor.

Günter Ackermann

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