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08.03.2002

 

Inland

Thomas Klein

Öffentliche Empörung war groß genug

Schülerproteste gegen Abschiebung hatten Erfolg: »Man darf nicht zu schnell klein bei geben«

Marija Brisevac, eine vor einem Monat nach Bosnien abgeschobene Schülerin, konnte diese Woche nach Deutschland zurückkehren. Sie darf bis zum Abschluß ihrer mittleren Reife in Wiesbaden bleiben. »Einen gnadenlosen Umgang mit Menschen nicht einfach hinzunehmen, sondern dagegen zu protestieren und Druck zu machen, ist nicht aussichtslos, das hat uns Marijas Fall gezeigt«, sagte einer der Mitschüler aus der zehnten Klasse der Wiesbadener Gerhart-Hauptmann-Realschule. Ein anderer ergänzt: »Es war gut, daß wir nicht klein beigegeben haben«. Tatsächlich haten in den zurückliegenden Wochen Marijas Mitschüler, Lehrer und Eltern die Abschiebung der 15jährigen Schülerin, die am 6. Februar zusammen mit ihrer Mutter um sieben Uhr morgens von der Polizei abgeholt, sofort zum Frankfurter Flughafen gebracht und nach Bosnien abgeschoben worden war, nicht nur mit ungläubigem Kopfschütteln, Wut und Verbitterung zur Kenntnis genommen. Es wurden danach alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine Wiedereinreise zu ermöglichen.

Dabei hatte das hessische Innenministerium den Schülern nach Protestbriefen und Kundgebungen zunächst keine Hoffnung gemacht. Die Abschiebung sei nach Recht und Gesetz verlaufen, so die offizielle Erklärung. Schließlich sei bereits 1996 von den Innenministern der Länder »die Rückführung bosnischer Kriegsflüchtlinge« beschlossen worden. Und die Regelung, daß »beim Ausreisezeitpunkt« der bevorstehende Abschluß einer Ausbildung berücksichtigt werde, sei 1999 ausgelaufen.

Doch damit ließen sich die Schüler nicht abspeisen. Sie führten Gespräche mit dem Wiesbadener Oberbürgermeister und dem Integrationsdezernenten. Sie zogen protestierend vor das hessische Innenministerium - und hatten am Ende Erfolg.

Marijas Mutter mußte nun zwar in Bosnien bleiben, aber bei Marija gewährte die Ausländerbehörde Wiesbadens, mit Duldung des hessischen Innenministeriums, eine Wiedereinreise. Ein bemerkenswerter Vorgang, denn an sich gilt, daß einmal Abgeschobene nicht wieder nach Deutschland einreisen dürfen. Offenkundig war die öffentliche Empörung aber so groß, daß die zuständigen Stellen hier lieber eine Ausnahme gewährten, als anhaltende Proteste in Kauf nehmen zu müssen.

So war die Rede davon, daß die Lebensumstände von Betroffenen die Mitarbeiter der Ausländerbehörde offenbar »nicht die Bohne« interessierten, wie es der SPD-Mann Peter Schickel formulierte.

Eine anders akzentuierte Kritik hatten Schüler, die sich für eine Wiedereinreise einsetzten, bei einer Protestkundgebung vor dem Innenministerium vorgetragen: »Abschiebung ist Menschenhaß, ändert die Gesetze« war da zu hören. Marija wurde Anfang der Woche am Frankfurter Flughafen von ihren Mitschülern empfangen. Ihr Kommentar: »Ich weiß nicht, ob ich euch je dafür danken kann, was ihr für mich getan habt, aber ich werde es versuchen«.

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