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Marija
Brisevac, eine vor einem Monat nach Bosnien abgeschobene Schülerin,
konnte diese Woche nach Deutschland zurückkehren. Sie darf bis zum
Abschluß ihrer mittleren Reife in Wiesbaden bleiben. »Einen gnadenlosen
Umgang mit Menschen nicht einfach hinzunehmen, sondern dagegen zu
protestieren und Druck zu machen, ist nicht aussichtslos, das hat uns
Marijas Fall gezeigt«, sagte einer der Mitschüler aus der zehnten Klasse
der Wiesbadener Gerhart-Hauptmann-Realschule. Ein anderer ergänzt: »Es
war gut, daß wir nicht klein beigegeben haben«. Tatsächlich haten in
den zurückliegenden Wochen Marijas Mitschüler, Lehrer und Eltern die
Abschiebung der 15jährigen Schülerin, die am 6. Februar zusammen mit
ihrer Mutter um sieben Uhr morgens von der Polizei abgeholt, sofort zum
Frankfurter Flughafen gebracht und nach Bosnien abgeschoben worden war,
nicht nur mit ungläubigem Kopfschütteln, Wut und Verbitterung zur
Kenntnis genommen. Es wurden danach alle Hebel in Bewegung gesetzt, um
eine Wiedereinreise zu ermöglichen.
Dabei hatte das hessische Innenministerium den Schülern nach
Protestbriefen und Kundgebungen zunächst keine Hoffnung gemacht. Die
Abschiebung sei nach Recht und Gesetz verlaufen, so die offizielle Erklärung.
Schließlich sei bereits 1996 von den Innenministern der Länder »die Rückführung
bosnischer Kriegsflüchtlinge« beschlossen worden. Und die Regelung, daß
»beim Ausreisezeitpunkt« der bevorstehende Abschluß einer Ausbildung
berücksichtigt werde, sei 1999 ausgelaufen.
Doch damit ließen sich die Schüler nicht abspeisen. Sie führten Gespräche
mit dem Wiesbadener Oberbürgermeister und dem Integrationsdezernenten.
Sie zogen protestierend vor das hessische Innenministerium - und hatten am
Ende Erfolg.
Marijas Mutter mußte nun zwar in Bosnien bleiben, aber bei Marija gewährte
die Ausländerbehörde Wiesbadens, mit Duldung des hessischen
Innenministeriums, eine Wiedereinreise. Ein bemerkenswerter Vorgang, denn
an sich gilt, daß einmal Abgeschobene nicht wieder nach Deutschland
einreisen dürfen. Offenkundig war die öffentliche Empörung aber so groß,
daß die zuständigen Stellen hier lieber eine Ausnahme gewährten, als
anhaltende Proteste in Kauf nehmen zu müssen.
So war die Rede davon, daß die Lebensumstände von Betroffenen die
Mitarbeiter der Ausländerbehörde offenbar »nicht die Bohne«
interessierten, wie es der SPD-Mann Peter Schickel formulierte.
Eine anders akzentuierte Kritik hatten Schüler, die sich für eine
Wiedereinreise einsetzten, bei einer Protestkundgebung vor dem
Innenministerium vorgetragen: »Abschiebung ist Menschenhaß, ändert die
Gesetze« war da zu hören. Marija wurde Anfang der Woche am Frankfurter
Flughafen von ihren Mitschülern empfangen. Ihr Kommentar: »Ich weiß
nicht, ob ich euch je dafür danken kann, was ihr für mich getan habt,
aber ich werde es versuchen«.
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