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Der Journalist Jürgen Elsässer als Einiger aller Klassen

Von Gerd Höhne

Kommunisten-online vom 19. Februar 2009 – Er gründete eine „Volksinitiative“ und hat nun programmatische Grundsätze veröffentlicht. Ich habe das Elaborat mehrfach durchgelesen und mich gefragt, was das soll? Das reihen sich Allgemeinplätze an Unfug und Unfug an Allgemeinplätze und dazwischen entdeckt „Genosse“ auf einmal wieder die Nation und dichtet dem Nationalstaat antiimperialistische Fähigkeit an.

Jürgen Elsässer schreibt u.a.: „Die gegenwärtige Wirtschaftskrise ist auch ein Wirtschaftskrieg: der Angriff des internationalen Finanzkapitals auf den Rest der Welt.“[1]

Was versteht Elsässer unter „Finanzkapital“? Es gibt zwei Definitionen, die zwar eng miteinander verbunden sind, aber die eine ist unvollständig, im Gegensatz zur anderen.

Den ersten Erklärungsversuch leistete der Austromarxist Hilferding. Der schrieb; 

„Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie, gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muss die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.“ Das Finanzkapital ist also „Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen“[2]

Lenin widerspricht dem nicht, hält es aber für unvollständig.

Diese Definition ist insofern unvollständig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nämlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daß die Konzentration zum Monopol führt und geführt hat. Doch wird in der ganzen Darstellung Hilferdings überhaupt und insbesondere in den zwei Kapiteln, die demjenigen, dem diese Definition entnommen ist, vorangehen, die Rolle der kapitalistischen Monopole hervorgehoben.

Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie - das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.“[3]

Elsässer meint aber weder das, was Hilferding definiert und schon gar nicht das von Lenin. Er meint schlichtweg nur die Banken allein. Aber es gibt seit mindestens 100 Jahren eine enge Verflechtung von Banken und Konzernen. Die Hausbank eines Großkonzerns ist mehr, als ein Tresor, wo die Profite gebunkert werden, sondern beide Teile bedingen einander. Und genau das ist Finanzkapital. Also nicht ein dicker Geldsack, dessen Inhalt über die Börsen der Welt geistert, sondern damit verbinden auch Riesenkonzerne, die Waren aller Art produzieren.

Wir sind Kommunisten, also Anhänger des Wissenschaftlichen Sozialismus. Daher bemühen wir uns um wissenschaftliche Exaktheit und huldigen nicht den kleinbürgerlichen Eklektizismus[4], wie Jürgen Elsässer es macht.

Wer also, folgt man Elsässer, greift hier wen an? Das Finanzkapital den Rest der Welt? Wer ist das? Das „Nicht“-Finanzkapital? Gibt es das denn als relevante Größe? Oder kämpfen hier die beiden Seiten der gleichen Sache mit sich selbst? Also: Die Deutsche Bank gegen Siemens und Siemens wehrt sich gegen  die Hausbank Deutsche Bank, die auch noch einen Batzen der Siemens-Aktien hält? Hat womöglich vor ein paar Jahren, als Siemens seine Handy-Sparte  abwickelte, der böse Teil von Siemens (Deutsche Bank) diese böse Tat gegen die guten und menschlichen Konzernchefs durchgeführt. Das liest sich etwas abenteuerlich und verrückt. Das ist es ja auch.

Richtig dagegen ist, dass beide Teile untrennbar verflochten sind und nur zwei Seiten der gleichen Medaille sind. Eine Trennung ist unmöglich.

Elsässer folgert weiter:

„Um diesen Angriff abzuwehren, muß der Nationalstaat aktiv werden.“[5]

Lassen wir mal außen vor, was wir von diesen deutschen – oder anderen – kapitalistischen Nationalstaat halten. Betrachten wir nur das, was ein jeder Staat ist: Unterdrückungsinstrument der herrschenden Klasse gegenüber den anderen Klassen;
„. „Die politische Gewalt im eigentlichen Sinne ist die organisierte Gewalt einer Klasse zur Unterdrückung einer andern.“ (MEW 4:482)

Aber wer ist bei uns, in Frankreich, England, den USA usw. die herrschende Klasse: Das Finanzkapital.

Folglich will Elsässer die Angriffe des Finanzkapitals gegen das Finanzkapital des Restes der Welt mittels des nationalen Staates des Finanzkapitals bekämpfen. Bemerkt ihr den Blödsinn?

Weiter Elsässer:

„In allen Staaten, auch in Deutschland, entwickelt sich ein zunehmender Widerspruch zwischen großen Teilen des Finanz- und des Industriekapitals.“

Da haben wir es: Das böse – nennen wir es Geldkapital – und das gute Industriekapital. Natürlich ist Siemens (Industrie) unser Freund, und Siemens (Finanzen) der Feind. Soll man da verwundert den Kopf schütteln, laut schreien oder in Gelächter ausbrechen? Machen wir alles zusammen.

Weiter Elsässer:

„Aus der Geschichte wissen wir: Weltwirtschaftskrise führt zu Weltkrieg. Viele von der Großen Depression 1929 ff. zerstörten Gesellschaften wurden durch den Faschismus formiert.“

Unsinn! Nicht die Weltwirtschaftskrise führte zum Weltkrieg – die war 1939 längst vorbei – sondern die Aggressivität und der Drang, die Ergebnisse des Ersten Weltkrieg zu revidieren, Sowjetrussland zu erobern und dem deutschen Imperialismus zu unterwerfen, also den deutschen Imperialismus eine riesige Einflusszone zu verschaffen, war die Ursache des 2. Weltkrieges. Um das zu erreichen, musste die Herrschaft des Finanzkapitals (so wie Lenin es versteht) allein gültige Doktrin sein und alles, was sich dem in den Weg stellte, vor allem die Arbeiterbewegung, vernichtet werden. Dazu brachte das Finanzkapital die Faschisten an die Macht.

Die „zerstörten Gesellschaften“[6]. Die durch den Faschismus formiert wurden? Was er hier meint, ist unklar. Die großen AG’s. wie Krupp, Thyssen, IG-Farben wurden nicht zerstört, sie wurden auch nicht durch den Faschismus formiert, sondern sie formierten den Faschismus.

Selbstverständnis von Elsässers „Volksinitiative”:

Er schreibt: „wir wollen alle Menschen mitnehmen, die sich dem Gedanken der sozialen Gerechtigkeit verpflichtet fühlen und sich nicht den Diktaten der politische Korrektheit unterordnen wollen.“[7]

Da haben wir die große Volksgemeinschaft, von der bürgerliche Politiker seit Entstehen des Kapitalismus träumen – nicht nur die Nazis, aber die auch. Was dabei heraus kam, war die Unterordnung der arbeitenden Menschen unter das Kapitalinteresse.

Natürlich kommt Elsässer hier wieder mit der ollen liberalen Kamelle von Volk. „Unter Volk” verstehen wir in der französischen Tradition ein politisches Bündnis der Unterdrückten, unabhängig von Herkunft, Religion und Geschlecht.“  

Was aber versteht Elsässer unter Volk? Das, was er mein, also die "französischen Tradition ein politisches Bündnis der Unterdrückten, unabhängig von Herkunft, Religion und Geschlecht.“ ?

Soweit ich mich da auskenne, kann er nur das 1758 veröffentliche Werk des Philosophen Jean Jacques Rousseau „Der Gesellschaftsvertrag oder Die Grundsätze des Staatsrechtes“ (Du contrat social ou Principes du droit politique) meinen. Rousseau war sicher einer der fortschrittlichsten Denker seiner Zeit, aber er lebte im Feudalismus und dachte an eine Gesellschaft des Bürgertums.

„Wie gewisse Krankheiten den Kopf der Menschen verwirren und ihnen das Gedächtnis rauben, so kommen im Verlauf der Staaten bisweilen leidenschaftlich erregte Zeitabschnitte vor, in denen Revolutionen auf die Völker eine gleiche Wirkung ausüben wie gewisse Krisen auf einzelne Menschen und der Abscheu vor der Vergangenheit die Stelle der Vergessenheit ersetzt, Zeitabschnitte, in denen der durch Bürgerkriege in Brand gesetzte Staat wie aus der Asche wiedergeboren wird und die Kraft der Jugend wiedergewinnt, nachdem er sich erst mühsam aus den Armen des Todes freigemacht hat. Dies zeigt Sparta zur Zeit Lykurgs und Rom nach der Vertreibung der Tarquinier, dies haben zu unserer Zeit Holland und die Schweiz nach der Vertreibung ihrer Tyrannen bewiesen.

Aber solche Entwicklungen sind selten; es sind Ausnahmen, deren Grund stets in der besonderen Verfassung des sich ausnahmsweise entwickelnden Staates liegt. Sie würden sogar nicht zweimal bei demselben Volke stattfinden können, denn es vermag sich nur frei zu machen, solange es noch in Zustande der Barbarei verharrt, aber es ist dazu nicht mehr imstande, wenn die Kraft des Bürgerstandes verbraucht ist. Dann können die Unruhen es vernichten, ohne dass es die Revolutionen wiederherstellen können, und es zerfällt und besteht nicht länger, sobald seine Fesseln gebrochen sind; von dem Augenblicke an hat es einen Herrn und nicht einen Befreier nötig. Ihr freien Völker, erinnert euch folgenden Grundsatzes: »Man kann sich die Freiheit erringen, gewinnt sie aber nie noch einmal!«“

Klingt gut, zu Rousseaus Zeiten war es revolutionär, aber er meint das Bürgertum, nicht das Proletariat – das aber meinen wir Kommunisten. Rousseau ist über 230 Jahre tot, er war ein Vordenker der bürgerlichen Revolution, vielleicht auch der größte. Aber wir wollen Geburtshelfer der proletarischen Revolution sein. Rousseaus Vorstellung von Volk sind nur bedingt richtig. Jedenfalls hat es Marx konkretisiert. Wenn Marxisten von Volk sprechen, meinen sie in erster Linie die Arbeiterklasse. Elsässer aber ein Sammelsurium von allen. Reale Klassenwidersprüche gelten für den „Linken“ Elsässer nicht. Aber sie sind da und wirken auch real - auch wenn Elsässer sie nicht sieht.

Weiter:

„Die Volksinitiative will zum Entstehen eines breiten gesellschaftlichen Bündnisses beitragen, das neben den unteren Klassen auch die Mittelschichten umfassen sollte und darüber hinaus auch die Teile des Kapitals ansprechen will, die sich dem spekulativen Angriff des internationalen Finanzkapitals entgegenstellen.“

Hier haben wir es im Klartext. Unter „unterer Klasse“ meint er sicher das Proletariat und das geht ein Bündnis ein mit seinen Ausbeutern. Das ist genau das Konzept der Klassenversöhnung und nicht des Klassenkampfes.

Elsässers Alternativen:

„Hauptaufgabe dieses breiten gesellschaftlichen Bündnisses ist die entschädigungslose Nationalisierung des Finanzsektors und die Entmachtung des internationalen Finanzkapitals zunächst im eigenen Land. Dabei entstünde ein Mischsystem mit sowohl privatem wie genossenschaftlichem als auch staatlichem Eigentum an Produktionsmitteln. Der Finanzsektor wäre unter strenger Kontrolle des Staates, der seinerseits umfassend demokratisiert werden müsste.“[8]

Das mag ja gut gemeint sein, aber der Staat des Finanzkapitals wird kaum in der Lage sein, die Nationalisierung des  Finanzsektors und die Entmachtung des internationalen Finanzkapitals durchzuführen. Den Finanzsektor streng zu kontrollieren (was ist denn das und wie soll das geschehen?) ist ein Windei. Den Finanzbereich – wie auch den der gesamten Wirtschaft – zu demokratisieren, ist eine Illusion und verkennt den Klassencharakter des kapitalistisch-imperialistischen Staates.

Aber zum Schluss wird Elsässer auch noch richtig komisch:

„Eine Achse Paris-Berlin-Moskau hätte große wirtschaftliche Synergieeffekte und als Verbindung früherer Erzfeinde große Ausstrahlungskraft auf weitere Staaten in Europa und Asien.“

Was für Aussichten eröffnen sich da: Im Westen die französische Force de frappe, die französische Atomstreitmacht, in der Mitte Germanien mit seiner industriellen und militärischen Stärke und im Osten das riesige Russland, seine Bodenschätze, wie Erdöl und Erdgas, aber auch seine Atombewaffnung  könnten sehr gut für den deutschen Imperialismus dienstbar gemacht werden. Auch müsste der Geografieunterricht geändert werden: Europa würde am Pazifik enden und Wladiwostok wäre eine europäische Stadt.

Die „Ausstrahlungskraft“ dieser Achse auf Poen und Tschechien, aber auch auf die Benelux-Länder wären enorm. Keine polnische Regierung könnte es mehr wagen, gegen Deutschland in der EU etwas zu s agen. Eine Vierte Teilung Polens könnte die Folge sein.

Einfach ideal und sehr gewinnträchtig. Das, was die Faschisten im 2. Weltkrieg nicht erreichten, könnte friedlich erfolgen: Getreide aus der Ukraine, russisches Erdöl und Erdgas zum Wohle deutscher Konzerne – einfach wunderbar. Und das so geeinte Europa wäre auch militärisch stark genug, um den Rest der Welt Paroli zu bieten. Die „große Ausstrahlungskraft auf weitere Staaten“ wäre enorm.

Ich zerbreche mir nicht den Kopf des deutschen Finanzkapitals über die „Achse Paris-Berlin-Moskau und deren „Synergieeffekte“. Ich versuche meinen Beitrag zu leisten gegen diese Achse und gegen diese Synergieeffekte. Was dabei rauskommen könnte, wäre immer zum Nutzen des Kapitals.

Wir sollten dem Scharlatan Elsässer nicht auf den Leim gehen. Was wir brauchen ist keine dubiose „Volksinitiative”, sondern eine Kommunistische Partei, die die Klassenkämpfe organisiert und Orientierung gibt.

G.H.


[2]  R. Hilferding, „Das Finanzkapital“, M. 1912, S. 338/339.

[3]  Wladimir Iljitsch Lenin: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, Werke. Band 22, III. Finanzkapital und Finanzoligarchie, S. 189-309

 

[4]  Als Eklektizismus (von griech. eklektós: „ausgewählt“) bezeichnet man Methoden, die sich verschiedener entwickelter und abgeschlossener Systeme (z. B. Stile, Philosophien, Religionen) bedienen und deren Elemente neu zusammensetzen. siehe

[6]  Meint das Elsässer im Sinne von Industriegesellschaften, also z.B. Aktiengesellschaften?

„Es würde mich überdies keineswegs wundern, wenn eines Tages herauskäme, dass Jürgen Elsässer Gehaltsempfänger beim Verfassungsschutz ist.“

Leserbrief von U.B. zu Jürgen Elsässer vom 25. Februar 2009

Lieber Günter,

herzlichen Dank für den entlarvenden Bericht über Jürgen Elsässer. Man spürt die deutliche inhaltliche Nähe zu besonders Lafontaine und einer „Linkspartei“, die keine ist.

Unter den seriösen linken Blättern gibt es in der BRD wohl kaum eine Zeitung, die Elsässer noch nicht von hinten sehen mag.

Dann klappert er halt das umliegende Ausland ab, bis zum bitteren Ende:

http://www.zeitpunkt.ch/news/artikel-einzelansicht/artikel/volksinitiative-

will-internationales-finanzkapital-entmachten.html

Diese Zeitschrift nennt sich „Zeitung für intelligente Optimisten.“

Ich stieß auf diese Auslassungen über Konstantin Wecker's Webmagazin „Hinter den Schlagzeilen“. Dessen Redakteur Roland Rottenfusser teilte mir auf Anfrage mit, er könne es sehr wohl vertreten, Leuten wie Elsässer eine Plattform zu verschaffen, denn, so Rottenfusser „Das ist halt ein Außenseiter, der nirgendwo so recht hinzupassen scheint, weil er sich überall gleich überwirft. An und für sich nicht unsympathisch, auch wenn ich ihm natürlich nicht in allem folgen kann. Sicher ist, dass er Zustimmung von rechts bekommen hat (was er nicht wollte).

Sicher ist auch, dass er der Linken vorgeworfen hat, dass sie den Grundkonsens (immer gegen den Krieg) aufgegeben hat. Man findet beim Durchblättern der Berichte über Elsässer immer wieder etwas Gutes und immer wieder etwas, was einen ärgert. Das finde ich aber an und für sich nicht schlimm, eher erfrischend, da die Magazine, die sich eindeutig zum Sprachrohr der Linkspartei machen (z.B. Linkszeitung) auf die Dauer zu eindimensional sind.“

Soviel zum Redakteur eines Webmagazins, welches mit den folgenden Worten für sich wirbt (Zitat Konstantin Wecker, 2002):

„Abweichende Meinungen werden immer dann unterdrückt, wenn sie besonders wichtig sind“ - dieser Satz von Roger Willemsen (vor über einem halben Jahr in der Frankfurter Rundschau) hat mich nicht mehr losgelassen.
Und so habe ich mich auf die Suche nach diesen abweichenden Meinungen gemacht.“

Also dass Applaus von Rechtsaußen als erfrischende Bereicherung empfunden wird, befremdet mich zutiefst.

Wenn der Autor, welcher solche Duftnoten setzt, ein ausgeprägtes Faible für Esoterik und zinsfreie Regionalwährung in Anlehnung an Silvio Gesell hat, setzt langsam die Dämmerung ein.

Das o. g. „was er nicht wollte“ soll dann jeglichen Argwohn vertreiben.

Hier geht es nicht um wissenschaftliche Gründlichkeit, um historische Faktizität, sondern hier geht es einzig und allein um die Optimierung von Marketing:

Die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge der Kapitalismuskrise werden uns weitestgehend vorenthalten. Dadurch soll das Verstehen im Kontext unmöglich gemacht werden, während der Focus ständig auf Einzelkapitel der Theaterinszenierung „Sozialhilfe für Bonzen“ gehalten wird.

Das setzt erwünschtermaßen jede Menge Wut frei, wobei noch zusätzlich das Gehirn durch eine entsprechende Zahl von Wiederholungen auf das Rezipieren von Symptomen getrimmt wird.

Dies wiederum führt zum Zusammenbruch von Wertvorstellungen, Glaubensbekenntnissen und oft auch Weltbildern in beliebige Segmente, die für sich sinnfrei und zusammenhanglos sind.

Und in genau diese Bresche springen Leute wie Elsässer, welche sich auf das Aufsammeln von Überresten und Versatzstücken spezialisiert haben.

Die spezifische Weltsicht oder gar „Meinung“, oder wie man diesen verbalen Spam von Elsässer sonst nennen soll, ist nichts weiter als eine Ware, die sich verkaufen lässt.

Und die Grundelemente sind immer die gleichen:

1. Das national überschaubare Paradieses, in dem „die Welt noch in Ordnung ist“, selbstverständlich in Verbindung mit der „Demokratisierung der Wirtschaft.“

2. Die Hegemonialansprüche und Großmachtträume, wie sie von Nazis einst nicht schlimmer hätten gehegt werden können: Achse Berlin-Paris-Moskau.

3. Ein Antiimperialismus, der so sehr entstellt ist, dass er nicht mehr als „links“ bezeichnet werden kann, weil er durch sein Gemisch mit nationalen Gebiets- und Machtansprüchen so entstellt ist, dass ihn in der von Elsässer dargestellten Form auch bedenkenlos jeder Nazi übernehmen könnte.

Apropos Verwendung der Vokabel Volk:

Die Vereinnahmungsgestik, jeden mitzunehmen, nachdem man vorher einem Teil der Kapitalisten oder gar missliebigen Sozialdemokraten einen Positivnimbus angedichtet hat, kenne ich von der MLPD aus Montagsdemozeiten.

Alles, was die MLPD in bester Zusammenarbeit mit dem trotzkistischen RSB seinerzeit zustande gebracht hatte, war, dass wir uns als Hartz-Betroffene wie Randfiguren fühlten auf Veranstaltungen, die vorgeblich unserem Schicksal galten. Zumindest war das der offizielle inhaltliche Anspruch. Die wenigen in die Jahre gekommenen gestandenen Kommunisten, die es hier noch gibt, haben sich da weitaus respektvoller und zurückhaltender verhalten.

Das unreflektierte und nahezu bedenkenlose Herumjonglieren mit der Vokabel „Volk“ ist dabei nur ein taktisch fauler Trick unter vielen bei dieser populistischen Rattenfängerei zur Vortäuschung von „Volksnähe“ bzw. Mehrheitskompatibilität oder „Bürgernähe“. MLPD-intern gibt es einen strengen Verhaltenskodex, der bei dem geringsten Bruch mit Parteiausschluss sanktioniert wird. Nichts für libertäre Geister also! Und wer zum Volk gehört und wer nicht, wird dann doch schon sehr eng definiert bei denen.

Es lohnt sich, die Wikipedia-Seite von J. Elsässer mal zu besuchen, und sich ganz besonders gründlich die Fußnoten vorzunehmen:

Es würde mich überdies keineswegs wundern, wenn eines Tages herauskäme, dass Jürgen Elsässer Gehaltsempfänger beim Verfassungsschutz ist.

Mit solidarischen Grüssen

U. B.

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Elsässer und kein Ende:

Der Streit geht weiter

Heute erhielten wir zunächst folgenden Brief von Peter Kleinert aus Köln[1]:

„Was Jürgen Elsässer betrifft, fangt Ihr sachte an, mich anzukotzen, vor allem, wenn Ihr Unterstellung wie die mit dem Verfassungsschutz dann auch noch anonym – als Totschlagzeile – veröffentlicht.

Aber vermutlich fehlen Euch die Themen.

Peter Kleinert“

Da sich diese Zuschrift am unteren Rand der journalistischen Niveauskala bewegt, war die Antwort entsprechend.

Antwort Roter Webmaster:

„Hallo,
Wir haben genug Themen, z.B. Jürgen Elsässer und seine Nationale Front des wiedervereingten Deutschlands. Das mit der Unterstellung Verfassungsschutz fand ich auch nicht besonders geistreich, aber es war ein Leserbrief und die geben ja bekanntlich nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider. Außerdem stand da zumindest ungedruckt: "Name der Redaktion bekannt". Leserbriefe versehen wir selten bis gar nicht mit dem Namen des Autors.

Der redaktionelle Beitrag dazu war nicht anonym, Fängt das dich auch an anzukotzen, was da steht? Wenn ja, dann kann es sein, dass wir bald in unterschiedlichen politischen Lagern stehen: Du gemeinsam mit Elsässer, Gauweiler und NPD/Verfassungsschutz-Voigt auf der einen und wir mit dem Rest der Linken auf der anderen Seite. Irritiert dich das nicht? Mich würde es erschrecken.

Oder ändert eure Zeitung dann ihren Namen in "Wacht am Rhein" oder so? Ich mache mir ernsthaft Sorgen. Siehst du, aber eben wegen solchen naiven Gemütern, die den ideologischen Durchblick nicht haben, hatte der Schreiber die Vermutung wg Gehaltsliste des Verfassungsschutzes für Elsässer.

Rotfront
Der Rote Webmaster
Günter Ackerman“

Kleinert konterte:

Ich bin halt schon seit 1968 gegen die - leider auch von Euch - immer mal wieder betriebene Zersplitterung der Linken. Darüber freut sich der Verfassungsschutz ganz besonders.

That's the problem.

PK“

Meine kurze Antwort, der Einfachheit halber nur hier:

Elsässer vereinigt die Linke nicht, er verwischt nur die Unterschiede zu ganz rechts und spielt sich als Linker auf. Wenn du inhaltliche ideologische Auseinandersetzung als eine Liebestat gegenüber dem Klassengegner auslegst, so empfehle ich dir doch mal Marx, Engels usw. zu lesen. Deren Werke sind voll von solchen Auseinandersetzungen. Das hat aber nicht zur Zersplitterung, sondern zu Klarheit geführt.

Aber was hat das mit der Kritik gegenüber den Unsäglichkeiten von Elsässer gemein? Was der da loslässt, hat mit links nichts mehr zu tun.

Rotfront

Günter

Eine weitere Reaktion auf dieses Meinungsaustausch:

Richtig so Günter!

Was regt sich denn Peter Kleinert auf?
Es war ein Leserbrief und gar kein schlechter, wenn man die etwas dick aufgetragene Vermutung "Verfassungsschutz" mal beiseite lässt!
Es geht doch nicht um Hetze sondern schlicht um die Auseinandersetzung mit Jürgen Elsässer. Wenn der meint, er müsse die Brühe aus dem rechten Trog mit Einlagen aus dem Linken mischen, dann soll er die Suppe löffeln! Wenn linke Zeitungen seine "Speisekarte" nicht drucken, zeugt dies vom "guten Geschmack" in weiten Teilen der Linken und wenn Kommunisten ihren Senf dazugeben, darf dies auch so erwartet werden! Wer sind wir denn?
Mir reicht es schon, wenn mir in der Korrespondenz von Rechts Elsässer als "gutes Beispiel" unter die Nase gerieben wird. Das allein ist Grund genug das Geschreibsel Elsässers als "Suspekt" zu betrachten, der Inhalt ist es so und so!
Die imperialistische Globalisierung wird sich durch nationales Getöse nicht aufhalten lassen, oder sucht Elsässer nur den Beifall von Rechts?
Den hat er! Und wenn er sich darauf etwas einbildet, soll er doch gleich in deren Reihen mitmarschieren. Wir haben mit Marx, Engels und Lenin unsere Klassiker, das Gepansche Elsässers kann uns gestohlen bleiben!
Rotfront!
O.W.

Und schließlich schreibt mir der Genosse U.B. (Autor das ersten Leserbriefs zu Elsässer):

Hallo Günter,

der Vorwurf, es sei nicht besonders geistreich, zu vermuten, Herr Elsässer sei auf der Gehaltsliste des VS, trifft mich wirklich hart.

Ich möge fehlbar sein und ich kann mich irren, so wie jeder andere auch.

Jedoch sollte man mir mal erklären, wie es angeht, dass jemand zu Beginn der 80er Jahre in Filbingers und Späths Vorzeigeländle Lehrer sein kann, obwohl er Mitglied eines Kommunistischen Bundes ist. Der Radikalenerlass liess niemanden durch, der in den Staatsdienst wollte. Da machte nur jemand eine Ausnahme, der einen Deal mit dem Teufel hatte. Die jahrelange KB-Mitgliedschaft kann man nicht verheimlichen.

Dann fällt der häufig verlaufende Pferdewechsel auf: Elsässer wechselt sehr schnell sein Meinungsgefüge, wie bei der Marketing-Optimierung. Wo geht was? Wo öffnet sich ein Markt, wenn ich die Klaviatur wie spiele? Das allein als Opportunismus zu brandmarken weigere ich mich inständig, weil immer wieder rechter Schmutz seitens Elsässer befördert wird.

Das Geschwafel von der „Schicksalsgemeinschaft“, auch fußend auf Elsässer, ist nicht gerade ein Indikator für ein linkes Weltbild, weil in einem linken Weltbild der Betroffene Akteur des Handelns, und eben nicht des Erleidens ist.

So, das soll erst mal reichen. Natürlich kann ich in einem Leserbrief nicht alles begründen und aufdröseln, da mein zweiter Entwurf eh schon viel zu lang war.

Ich habe eher den Eindruck, mit meinem Verdachtsmoment und meinen sonstigen Ausführungen in ein Wespennest gestochen zu haben.

Die NHRZ des Herrn Kleinert ist mir natürlich über Weckers Webmagazin bestens bekannt für allerlei halblinke Seichtigkeiten: ständig werden dort Artikel der NHRZ verlinkt.

Ich habe mich auch neulich über Herrn Rottenfusser wahnsinnig aufgeregt, als er den Quatsch eines gewissen Bernd Rausch aus Saarbrücken kommentarlos verlinkt hatte. Ausser der Grafik mit Lafontaine, welche Du auch verwendest, weil sie wirklich originell ist, war der Artikel nur zusammengesetzter hirnloser Müll. Diesmal war es die „Linkszeitung“ und der Herr Rausch (takt@takt.de) forderte die Wiedereinführung der Sozialhilfe nach Abschaffung von Hartz 4.

Das ist im Blick auf heutige Produktivitätsziffern nicht nur strohdumm, sondern darüberhinaus seit Existenz der Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens auch noch im Wortsinn reaktionär.

Zwar verläuft das Thema BGE seit Jahren wie eine indifferente Schwatzmauldebatte, weil jeder in diese Blase hineininterpretiert, was ihm gerade in den Kram passt, doch ist die Idee an sich genial.

In Namibia läuft indes das BGE als eine Art Pilotprojekt (zu finden in den Archiven der TAZ).

Ausserdem habe ich in der Zuständigkeit des hiesigen CDU-Landratsamtes 10 Jahre lang die Hölle durchgemacht, so dass mich allein der Zuständigkeitswechsel bzw. Kopfwechsel durch Einführung von Hartz 4 regelrecht wie eine Erleichterung traf. Das mag auf den ersten Blick verrückt klingen, trifft aber zumindest im Sinne aller hiesigen Betroffenen recht genau den Sachverhalt.

Von Rottenfusser und Rausch kam wieder nur Senf, als ich nachfragte.

Und als ich nun den Link in Richtung Elsässer und Rottenfussers Stellungnahme dazu vernahm, dachte ich mir, dass es jetzt mal Zeit wäre, ein paar Leuten gehörig auf den Schwanz und in den bürgerlichen Arsch zu treten....

Ich bin vieles, und man kann mir vieles vorwerfen, aber blöde bin ich nicht.

In diesem Sinne

U.B.

Anmerkung Roter Webmaster:

Wenn wir fortan Stellungnahmen zu Elsässer bringen, so nur inhaltlicher Art. Genosse U.B.’s zwei Leserbriefe sind in Ordnung und in vielen stimme ich überein. Ich meine aber wirklich: Mit dem Vorwurf „Agent des Verfassungsschutzes“ soll man nichtinflationär umgehen. Hat man dann mal einen nachgewiesenen Spitzel enttarnt, dann wird es nicht mehr geglaubt. Und ob Elsässer für die angebräunte Firma des Herrn Schäuble arbeitet oder nicht, es unwichtig. Dass er objektiv die Geschäfte dieser Seite macht, ist mir unbestritten.

Es erübrigt sich eigentlich zu Fragen, ob es zwischen uns und der NPD oder auch nur Gauweiler Gemeinsamkeiten gibt. Wenn es so scheint, als gebe es sie, so ist es Schein. Sieht man genauer hin, bemerkt man schnell, dass die Motive deren Anttiimperialismus ganz andere wie die unseren sind. Sie wollen die Interessen des deutschen Imperialismus – wenn es sein  muss auch mit Militär – durchsetzen.

Wir aber haben die Interessen der Völker – des deutschen und anderer – im Auge und dem Streben der Völker nach einen Leben ohne Krieg, Hunger und Unterdrückung. Mit den angeblichen Antiimperialisten von rechts haben wir nichts gemeinsam. Wer das dennoch behauptet oder die Gemeinsamkeiten konstruiert, ist ein Lügner, Betrüger und Scharlatan. Ober er nun auf Schäubles Gehaltsliste steht oder nicht.

G.A.


[1]  Peter Kleinert ist Redakteur der in Köln erschienenden Neuen Rheinischen Zeitung siehe

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