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Duisburg:
Almosenbetteln
bei den Reichen statt Lernmittelfreiheit
Duisburger
PDS-Fraktionschef und führender Trotzkist bettelt mit CDU und Grünen bei
den Millionären um Almosen für Hartz IV-Opfer
Kommentar
vom ehemaligen linken Kreisvorsitzenden der PDS-Duisburg und Webmaster von
K-online, Günter Ackermann/18. November 2006
Die
Auswirkungen von Hartz IV sind überall offenkundig. Auch in den Schulen.
Spätestens seit der letzten PISA-Studie wissen wir, warum das deutsche
Bildungssystem so miserabel abschneidet: Kindern aus Familien mit geringem
Einkommen, werden materielle Hürden aufgebaut, die ihnen die Bildung
erschweren.
Seit
Hartz IV sind sie für viele unüberwindbar geworden. Denken wir nur
daran, dass die Bundesländer jetzt dazu übergehen, von Studenten
Studiengebühren zu erheben.
Aber
auch an den Schulen zeigt es sich. Immer mehr Eltern können sich die
Schulbücher oder die Teilnahme an Klassenfahrten nicht leisten. Da hatten die Grünen und die CDU im Rat der Stadt Duisburg die Idee, die
dieses Problem aus der Welt schafft soll: Der Rat schafft einen Bettelfonds,
der aus Spenden reicher und Superreicher Duisburger gespeist wird.
Zu erwähnen
ist eine superreiche gelangweilte Dame aus der Ruhrgebietsdynastie Grillo.
Sie macht auf reiche Mäzenin, getreu dem Brechtschen „Guter Mensch von
Sezuan“, der bekanntlich dadurch gut ist, indem er auf der anderen Seite
grundschlecht ist.
Oder:
Wer sich als großzügiger Mäzen aufspielt, muss das, was er an guten Taten verteilt, woanders mit schlechten Taten den anderen wegnehmen.
Aus
Sorge um das Wohlergehen junger Mädchen stellte Frau Gabriela Grillo ein Häusle
am Rande ihres Gift ausstoßenden Werkes dem Jugendamt für die Aufnahme
gefallener Mädchen zur Verfügung. Dort wohnen die nicht ganz so schlimm
gefallenen Mädchen und dürfen einmal im Jahr, vor Weihnachten, auf
Kosten der Mäzenin chinesisch essen gehen.
Frau
Grillo ist eine Sportsfrau. Sie wurde bei den Olympischen Spielen 1976
sogar Olympiasiegerin im Sport der ganz Reichen: im Dressurreiten.
Die
Grillos sind eine jener reichen bis superreichen Ruhrgebiets-Dynastien,
wie Haniel, Krupp, Thyssen. Nicht so bekannt, wie diese, aber nur etwas
weniger reich. Sie besitzt im Norden Duisburgs einen Großbetrieb, der berüchtigt
ist wegen seines Giftausstoßes.
Natürlich verdienten sie auch an den
beiden Weltkriegen prächtig. Über ihre Verstrickung mit der Nazibarbarei
schweigt die offizielle Firmengeschichte, indem sie diese Zeit einfach
ausblendet.
Die
Rathausparteien fassen die Firma Grillo tunlichst mit Samthandschuhen an,
ihnen tut die örtliche Politik also
kein Leid an. Man will ja keine reichen Sponsoren verschrecken.
Der
Frau Grillo und anderen mit dicken Bankkonten füllen also den Härtefall-Fonds
von sage und schreibe müden 50.000 €, davon sollen 30.000 € für
Beihilfen für Schulbücher und 20.000 € für Beihilfen zu
Klassenfahrten ausgegeben werden. Das Geld wird, wie gesagt, mittels
Sammelbüchse vom CDU-Oberbürgermeister bei den Duisburger Villenbesitzern steuermindernd
aufgebracht. Geholfen werden soll Eltern, die Opfer von Hartz IV sind, die
ihren Kindern nicht mehr das Geld für Schulbücher und die Teilnahme an
Klassenfahrten geben können.
Dass
die CDU mit den Grünen die Antragsteller im Rat waren, die SPD dem
heftig widersprach und das Ganze richtigerweise eine „Almosenlösung“
nannte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Waren es doch die SPD und
die Grünen, die weiland unter dem heutigen Gazprom-Managager und
damaligen Bundeskanzler Schröder, Hartz IV auf den Weg brachten und die
CDU, die freudig dafür stimmte und der das alles noch nicht weit genug
ging, doktern also jetzt als Ratsparteien an den Folgen ihrer
Bundespolitik herum.
Dabei
betteln sie um die Almosen jener, für die
die SPD-CDU/CSU-FDP-GRÜNE diese Politik macht: Für das Großkapital
und dessen Profitsicherung. Sie sollten ihre Profite ungeschmälert von
Sozial“lasten“ steigern können. Diese Chance nutzten sie ja auch, die
Gewinne der großen Unternehmen sind so hoch wie lange nicht. Von diesen
Riesengewinnen sollen sie jetzt vom Klimpergeld in Duisburg für
PR-Ausgaben ein paar Promille denen geben, denen ihre Profitgier die
Margarine vom Brot nahm und die sie vor allem zuerst einmal zu Empfängern
von Sozialleistungen – hier Arbeitslosengeld – machten, indem sie
ihnen den Arbeitsplatz wegrationalisierten. Denen gibt nun die
Ratsmehrheit in Duisburg die Gelegenheit, sich als Wohltäter der Armen
– die sie ja erst einmal produziert haben – publizitätswirksam und
Bundesverdienstkreuz-verdächtig und steuernmindernd zu vermarkten.
Der
Trotzkist, PDS-Mitglied, PDS-Ratsfraktionschef und seine Mannschaft machen
das alles mit und heben brav die Hände bei der Abstimmung im Rat. Das ist eben die Politik der Trotzkisten: sich links aufspielen und, kommt
es zur Nagelprobe, rechte Politik machen.
Diese
Angelegenheit hat noch eine pikante Nebenseite:
Die
Schwesterpartei der PDS und designierter Partner in einer gemeinsamen
Partei, die WASG, polemisierte heftig gegen diesen Almosenfonds. Allein, dass die Bedürftigkeit
noch mal bei den Bedürftigen von Hartz IV geprüft werden sollte,
missfiel z.B. dem Verdi-Chef von Duisburg und WASG-Mitglied Thomas Keuer.
Der
schrieb zutreffend: „Der ursprünglich
von CDU und Grünen und dann später von der OL (gemeint ist die
PDS-Fraktion im Rat, G.A.) übernommene Antrag erfordert eine zusätzliche
„Härtefallüberprüfung“. Dabei ist die Bedürftigkeit bereits vor
der Gewährung des Arbeitslosengeldes II geprüft worden. Deshalb sind
alle die Arbeitslosengeld II erhalten Bedürftig und somit „Härtefälle“.
Der Spatz in der Hand für 10% der Opfer von Hartz IV ist viel zu klein um
ihn als Erfolg zu feiern.“
Gemeint
ist hier eine PDS-Presseerklärung vom 9. November 2006. In der erklärte
der PDS-Kreissprecher: „Besser ein Spatz in der Hand, als eine Taube auf dem Dach. Wir erwarten,
dass der Topf gefüllt wird, und dass die Verwaltung ein Verfahren
erarbeitet, das unbürokratisch den Betroffenen hilft.“
Warum
wohl stimmt die PDS-Fraktion unter dem Trotzkisten Dierkes im Rat für
einen Antrag, den die Partner seiner Partei strickt ablehnen?
Die
Erklärung: Dierkes hintertreibt den Zusammenschluss. Nicht etwa, weil er
am Zusammenschluss PDS-WASG viele politische Bedenken hat. Aber die
WASG-Mitglieder am Ort kritisieren die Politik von Dierkes. Kommt es zum
Zusammenschluss, dann hat die WASG nicht nur mehr an Quantität – sie
hat mehr Mitglieder – auch mehr Qualität zu bieten. Die
Dierkes-Ortspartei ist in den letzten Jahren ausgeblutet. Erst gingen die
Linken, dann ekelte er, mittels Intrigen, die Anhänger des
PDS-Parteivorstands aus der Kreispartei. Jetzt ist er der unangefochtene
Herrscher über die Duisburger Rest-PDS, niemand macht ihm die Führung
streitig.
Nur
die WASG macht es. Der Führungsstil und auch die Politik des
PDS-Fraktionskönigs erregt ihr Missfallen, vor allem seine Politik. Solange er
sich diese Kritiker organisatorisch von Hals hält, bleibt er absoluter
Monarch. Seine Truppe besteht nur aus einer ehemaligen Sekretärin des
Trotzkisten Winfried Wolf und sonst nur aus Bürgerinitiativbewegten und
radelfahrenden, naiven Gänseblümchenfans ohne politisches Fundament, die
aber Dierkes wie einen Messias verehren.
Als
gelernter Spitzentrotzkist beherrscht Dierkes die Klaviatur der Tricks und
die setzt er ein. Dass die Sache der Partei, der er angehört, Schaden
nimmt, ist gleichgültig. Ein typisches trotzkistisches Ränkespiel also.
Seine
Fraktion wird in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 24.11.06 den Kampf, den sie mit dem
Bettelfonds einleitete, weiterführen. Sie stellten einen
„linksradikalen“ Antrag – man
soll es nicht glauben – „Die Jugendhilfeplanung in Duisburg
soll sich vor allen Dingen an dem Ziel orientieren, Kinderarmut zu bekämpfen.“
(Hört, hört!)
Weiter
heißt es im Antrag:
„Grundlage
der Planung sollte ein Bericht über die soziale Lage von Kindern und
Jugendlichen in Duisburg sein, der im Einzelnen aufgeschlüsselt nach
Altersgruppen, Migrationshintergrund, Kindergärten, Schulen und
Stadtbezirken, die sozialen Gefährdungslagen in ihrem Ausmaß und in
ihrer Entwicklung erfasst, Ziele definiert, und zugleich bestehende
Jugendhilfemaßnahmen auf ihre Wirksamkeit hin bewertet sowie Defizite
erfasst.“
Na
also. Nachdem mittels der Almosen ein paar Hartz IV-Opfer einen Spatzenflügel
zum Schlemmen hingeworfen bekamen, wird ihnen nun wirklich geholfen.
Geholfen, wie man es so kennt. Man wartet auf einen Bericht von Experten
und fertig ist alles.
Wer
sagt da, die PDS sei (k)eine Linkspartei?
G.A.
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