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Massenabfertigung
Altenheim:
Der
Profit ist wichtiger als der Mensch
„Jeder
Zoo hat mehr Pfleger für die Tiere, als unser Heim Personal für die
Menschen.“
Von
whs
Arbeiterkorrespondenz
auf Kommunisten-online vom 14. November 2010 –
Dieser Tage stand ein Artikel in
der Tageszeitung über die Situation in der Betreuung älterer,
demenzkranker Menschen. Ein Artikel, der eigentlich aufrütteln sollte,
ein Artikel, der untergeht, wie so vieles in dieser
Ellenbogengesellschaft. Was die Bourgeoisie nicht interessiert geht
unter im Wust völlig unnützer Informationen über den Gemütszustand
der Hündchen der Hotelerbin Paris Hilton oder der Farbe der Dessous der
Prinzessin Letizia. Informationen zur Verschleierung von Informationen,
das ist das Wortgeprassel der bürgerlichen Presse, des Fernsehens und
des Radios. Die „Informationspflicht“ als Ausrede der Desinformation
genutzt, erfüllt wie immer ihren Zweck.
In
dem genannten Heim wohnen 20 demenzkranke Patienten. Zu ihrer Verfügung
stehen eine Pflegefachkraft und eine Pflegehilfskraft. Letzteres ist
auch schon mal ein Zivi, der keinerlei Ausbildung und demzufolge auch
keine Ahnung hat, wie mit Demenzerkrankten umzugehen ist.
Läuft
ein Kanker weg, ist nur noch eine Kraft mit den 20 Leuten allein. Was
passiert eigentlich, wenn zwei oder gar drei Kranke das Weite suchen?
Werden dann Polizei und Feuerwehr eingesetzt? Für die Gesunderhaltung
des jeweiligen Menschen sicher nötig, aber auch für die
Profitmaximierung des Unternehmens?
Es
ist mir klar, dass sich auch in der Pflege der Betrieb rechnen muss.
Aber dann ergibt sich doch die Frage, warum der Herr Dr. Rösler nicht
hier etwas ändert, sondern dort dreht, wo wieder Profitmaximierung
ansteht? Weil die FDP Klientelpolitik betreibt? Herr Rösler wehrt ja da
heftig ab. Aber spätestens seitdem er behauptet, seine Reform belaste
alle, nur nicht die Patienten, glaube ich ihm gar nichts mehr.
Die
Pflegefachkraft, mit der sich die Autoren des Artikels unterhielten,
zieht einen drastischen Vergleich: „Jeder Zoo hat mehr Pfleger für
die Tiere, als unser Heim Personal für die Menschen.“ [1] Und was
macht man mit dem Personal, das sowieso schon über die Maßen
beansprucht ist, man teilt ihm die Schicht. Damit ja für die persönlichen
Dinge und die Familie noch weniger Zeit über bleiben.
Dabei
sind diese Leute gefragt. Sie werden jederzeit mit Kusshand von anderen
Betrieben übernommen. Da frage ich mich doch, warum wird dann ihre
Arbeitskraft so auf Verschleiß gefahren? Der Grund ist immer wieder der
gleiche: in dieser Gesellschaft geht Profit über alles.
„„Kapital“,
sagt der Quarterly Reviewer, „flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher
Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das
Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem
Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird
Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden;
20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100
Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300
Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst
auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es
sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel.“ (.J.
Dunning, l.c.p. 35, 36.)“ [2]
Aber
zurück zu unserer Betrachtung. Die Pflegekräfte arbeiten z.T. 9 bis 13
Tage am Stück. Dafür bekommen sie mit Nachtschicht und anderen
Teildiensten ca. 1000 € netto. Ein zweiter Befragter nannte das „…
irgendwo zwischen frech und lächerlich …“[3]. Flexible
Arbeitszeiten für Mütter sind auch nicht gern gesehen. Wer über 50
Jahre alt ist, kann diesen Job meist nur noch mit Hilfe von Tabletten überstehen.
Wie
sagte die Bundesregierung? „Wir müssen alle länger arbeiten.“ Ja,
wenn diese Leute sich in die Sessel des Plenarsaales flegeln könnten,
um Zeitung zu lesen oder ein Schläfchen zu halten, würden sie sicher
auch mit 20.000 € im Monat bis weit in die 70 arbeiten können. Aber
nicht jedem ist halt der „schwere“ und „verantwortungsvolle“ Job
als „Volksvertreter“ vergönnt. Dazu braucht´s schon gute
Beziehungen.
Noch
etwas anderes kommt hinzu: „Bei der Einstellung ist knallhart gesagt
worden, dass ich mich hüten soll, mich gewerkschaftlich zu organisieren
oder mich an die Öffentlichkeit zu wenden, wenn es Probleme im Heim
gibt.“[4]
Hier
bekommt die Arbeiterklasse ihren geringen Organisationsgrad um die Ohren
gehauen. Solange der Organisationsgrad nicht besser wird, wird sie mit
solchen Androhungen leben müssen. Dabei ist aber immer die Frage, ob
der Einzelne sich solche Dinge gefallen lässt. Die Gewerkschaften sind
sicher nicht meine Freunde. Aber gewerkschaftliche Organisation kann und
wird die Spitzen brechen.
Und
mit der Zeit werden auch die Gewerkschaften wieder zu kampfstarken
Klassenorganisationen der Arbeiterklasse. Ich weiß, es ist noch ein
weiter Weg dahin. Vor allem müssen solche Traumtänzer wie Sommer und
Consorten von der Spitze der Gewerkschaften entfernt werden. Aber sie können
jetzt schon nicht mehr umhin, die Stimme der Arbeiterklasse zu vernehmen
und ihre Interessen zu vertreten. Zumindest die ökonomischen Interessen
gelangen wieder ins Blickfeld der Gewerkschaften.
Noch
eine Meldung: Westerwelle war in Gaza. Ganz wie es sich für einen
deutschen Außenminister gehört, nimmt er keinen Kontakt zu den
Regierenden in Gaza auf. Um die Hamas „macht der Vizekanzler einen großen
Bogen“.[5] Deutlicher kann man sein Desinteresse an einer Entspannung
in Nahost nicht demonstrieren. Zur Verdeutlichung, die Hamas ist rechtmäßig
gewählt worden. Westerwelle vertraut da lieber auf die israelischen
Besatzer.
Westerwelle
weihte eine Kläranlage ein, die mit deutscher Hilfe gebaut wurde. Sie
soll das Abwasser von 630.000 Menschen reinigen. Ausgelegt ist sie für
die Hälfte. Die zweite Seite ist der Anfall von 2000 m3 Klärschlamm.
Der soll einen halben Kilometer von Israels Grenze gelagert werden.
„Und schon kommen für Israel Sicherheitsbedenken ins Spiel.“[6]
Haben die jetzt Angst, dass die Hamas in Zukunft mit Schei** schießt?
„Im
Interesse der politischen Ausgewogenheit hat Westerwelle seinen Besuch
in Gaza gut verpackt. Am Vortag sprach er mit dem Vater des entführten
israelischen Soldaten Gilat Schalit. In Gaza wendet sich Westerwelle an
die Entführer: „Lasst den jungen Mann nach Jahren der Gefangenschaft
nach Hause reisen.“„[7]
So
und so eine anrüchige Sache, Her Westerwelle. Warum nicht der Appell an
Israel, die palästinensischen Gefangen auch zu entlassen? Warum nicht
der Appell, die illegale Siedlungspolitik zu beenden? Sind die Palästinenser
schuld an der jetzigen Situation in Nahost? Oder sind die in Israel
herrschenden Zionisten die Schuldigen? Ein klares Wort dazu würde Ihnen
gut zu Gesichte sehen, Herr Westerwelle. Aber ich weiß, lieber haben
Sie gar kein Gesicht, als ihren imperialen Ziehfreunden in den Arm zu
fallen.
Rot
Front
Werner
[1]
Ilga Gäbler und Horst Schalling „Personalnot in Heimen“ Freies Wort
vom 9.11.2010
[3]
dito
[4]
dito
[2]
Karl MARX „Das Kapital“ Bd.1 Fußnote 250 Dietz Verlag Berlin 1962
[5]
Hans Dahne „Westerwelles kurzes Gastspiel in Gaza“ Freies Wort vom
9.11.2010
[6]
dito
[7]
dito
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