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Atomkraft
Stoppt
die verrückten Bombenleger!
Quelle:
Roter
Morgen
Auf
Kommunisten-online am 31, M ai 2911 – Die imperialistischen
Atomkonzerne haben hunderte tickende Zeitbomben auf unserer Welt
verteilt. Die Super-GAUs erst von Harrisburg 1979, dann von Tschernobyl
1986 und nun von Fukushima 2011 wurden vom Kapital und seinen Staaten
planmäßig in Kauf genommen. Weltweit blicken die Menschen besorgt auf
Staaten und Konzerne, die für ihre Profite auch über tausende Leichen
und Millionen Krebskranke gehen: Der Wahnsinn der kapitalistischen
Stromerzeugung muss ein Ende haben! Sofort!
„Es
war die Naturgewalt – glaubt uns doch!“
Menschliches
Versagen, Materialfehler, Erdbeben. Viele Einzelursachen sollen, recht
zufällig, die jeweiligen Kernschmelzen (Super-GAUs) vor dreißig Jahren
in den USA, vor fünfundzwanzig in der Ukraine und jetzt, vor einem
Monat, in Japan ausgelöst haben. „Die Mächte der Natur“ tragen
angeblich die Verantwortung für die schon jetzt verseuchten 20
Kilometer um Fukushima, für dutzende Geisterstädte, ganze Seen voll
vergifteten Meer- und Trinkwassers, für den auf Jahrtausende
verstrahlten Staub in der Region und den tödlichen nuklearen Regen, der
auch hunderte Kilometer abseits der Fukushima-„Todeszone“ abregnen
kann. Es ist klar, dass das Märchen von den „unkontrollierbaren
Naturgewalten“ besonders dem japanischen Staat und Tepco einfällt,
dem Betreiber des havarierten AKW Fukushima. Es ist klar, dass sich die
Profiteure der Atomstromproduktion und ihre Verbündeten in Regierungen
und Medienkonzernen weltweit zur Verschleierung ihrer ungeheuerlichen
Verbrechen zusammengetan haben.
„Das
Erdbeben war nicht absehbar!“
In
der Nähe Japans ereigneten sich seit 1930 mindestens fünf gigantische
Erdbeben und Tsunamis und hunderte weitere, zum Teil ebenfalls
erhebliche Erdbeben. 1952 wurde das östliche Kamtschatka von einem
Beben erschüttert, das wie jetzt auch wieder die Marke von 9 Punkten
auf der „Richter“-Skala für Erdbeben überschritt. 1963 gab es auf
den Kurilen-Inseln ein ähnliches Beben; 1933, 1944 und 1946 auf dem
japanischen Festland selbst. Die meisten starken Beben lösen in Japan
Tsunamis aus. Im Juli 2007 wurde durch ein deutlich schwächeres „Standard“-Erdbeben
(6,6 Richter-Punkte) das AKW „Kashiwazaki Kariwa“ stark beschädigt
und musste deshalb „abgeschaltet“ werden. Selbst die den Interessen
der Atomindustrie unterworfene internationale Atomernergiebehörde
(IAEO) und ein Gremium des G8-Gipfels, das angeblich für nukleare
Sicherheit und Sicherung sorgen soll (NSSG), schlugen damals dezenten
Alarm: Die japanischen AKW seien offenbar nicht erdbebensicher und das
sei ein „ernstes Problem“. Außerdem seien die Notstromgeneratoren
der AKW häufig in der Position von Wellenbrechern an der Küstenfront
angebracht – und das in einer der am meisten flutwellengefährdeten
Regionen der Erde! Das Kashiwazaki-AKW liegt keine 300km vom
Fukushima-AKW entfernt. Es wurden aber keinerlei Verbesserungen zum
Erdbebenschutz vorgenommen, geschweige denn AKW abgeschaltet.
Warten
auf den Super-GAU
Der
japanische Staat und das japanische Atomkapital um das Monopol Tepco
warteten de facto seit Jahrzehnten auf das nächste große Beben und den
Super-GAU. Sie hofften sicher, es möge nicht so bald passieren und
bitte in keinem ihrer AKW. Ihre Medien setzten derweil alle Hebel der
Verdummung und Einschläferung gegen die arbeitenden Massen ein: Die größte
Tageszeitung Japans „Yomiuri“, die ebenso wie Japans erster
Fernsehsender „Nippon TV“ vom japanischen Faschisten Matsutaro
Shoriki und der CIA gegründet wurde, betreiben seit Beginn der
Atomstromproduktion in den 1950er Jahren zu diesem Zweck die massivste
Propaganda. Der japanische Politikprofessor Eiichi Kido von der
Universität Osaka spricht von einem „abgekarteten Spiel von
Informationsindustrie, Politik, Bürokratie, Wirtschaft und
Wissenschaft“. Eine in der Yomiuri-Zeitung veröffentlichte Umfrage
vom 26. März 2011 mit äußerst manipulativer Fragestellung weist
beispielsweise eine Zustimmung von 47% der Japaner zu Erhalt und Ausbau
der Atomkraft aus.
Gestern,
heute, morgen: Lügen für die Arbeiter
Die
japanischen Werktätigen wurden, wie überall auf der Welt, belogen und
systematisch desinformiert. Wochen nach dem Beginn des Super-GAUs waren
ganze Ortschaften in der gefährdeten Region von den Informationen völlig
abgschnitten. Der Bürgermeister von Minamisoma, 30km nördlich des
Fukushima-AKW, hatte viele Tage lang keinerlei Informationen oder gar
Hilfe erhalten und fasste bezüglich der japanischen Regierung zusammen:
„Sie haben uns betrogen. Sie lassen uns hier zum Sterben“. Der
online-Ticker des Nachrichtensenders BBC brachte zudem etliche Tage nach
dem Erdbeben twitter-Meldungen von Japanern, die ihren britischen
Familienangehörigen versicherten, der „Atomunfall“ in Fukushima sei
„völlig unter Kontrolle“ und „es gebe keine Gefahr“. Ähnlicher
Desinformation werden auch und gerade die Arbeiter ausgesetzt, die den
Super-GAU vor Ort eindämmen sollen.
Unfreiwillige
Helden
Hunderte
von ihnen werden in einfache, noch nicht einmal dicht schließende Anzüge
aus dünnem Plastik gesteckt und müssen mit einfachem Schuhwerk durch tödlich
strahlendes Wasser waten. Sie werden zu unfreiwilligen Helden. Wenn sie
bald qualvoll sterben, wenn auch die Bewohner (Ost-)Japans in den nächsten
Jahren von immer mehr Krebserkrankungen getötet werden, dann wird das
viertgrößte Energiemonopol der Erde, Tepco, wie immer alles tun, um
sich aus der Verantwortung zu ziehen und die Spuren zu verwischen. Die
Unsichtbarkeit der radioaktiven Strahlung und die rein äußerlich
vergleichsweise „unspektakulären“ Folgen vom Krankenbett bis zum
Tod trugen auch schon im letzten Vierteljahrhundert dazu bei, dem
Imperialismus die Vertuschung der weit mehr als 100.000 Toten in der
Folge des Super-GAU von Tschernobyl zu erleichtern. In einer aktuellen,
von der linken Ärzteorganisation IPPNW am 18. April im Radiosender WDR
5 scharf kritisierten Studie behauptet z.B. die IAEO allen Ernstes, die
gesundheitlichen Folgen des Super-GAUs von Tschernobyl seien insgesamt
„vernachlässigbar“.
Unser
Leben: Ihr Wetteinsatz
Mit
immer größerer Gewalt drängt sich den Millionenmassen der Arbeiter,
Angestellten, Studenten, Schüler und Rentner hier in Deutschland die
Einsicht auf, dass alle Regierungsparteien der letzten Jahrzehnte
bewusst das Super-GAU-Risiko in Kauf genommen haben. Dass sie also mit
dem Leben der deutschen Bevölkerung wie einem Wetteinsatz umgegangen
sind. Ein lange verschlossenes Gutachten der bekannten Prognos AG, das
1992 von der damaligen Kohl-Regierung in Auftrag gegeben worden war,
kommt zu dem Schluss: Ein Super-GAU in einem deutschen AKW würde 10.000
bis 100.000 Menschen töten, je nach Wind- und Wetterlage. Vom
kapitalistischen Standpunkt werden die im Fall eines Super-GAU ca. 5
Millionen zu erwartenden zusätzlich an Krebs erkrankenden Arbeitskräfte
wie Geld gewertet. Das Ergebnis: Die Umsiedlung von 5 Millionen
Menschen, die teilweise Räumung von Fabriken und Landwirtschaft etwa
50km um den Super-GAU, die Krebserkrankung von 5 Millionen Menschen, die
Toten und der wirtschaftliche Einbruch wegen unterbrochener
Stromleitungen, Straßen, Schienen usw. würden heute etwa 3500 bis 8500
Milliarden Euro kosten. Also etwa das Doppelte der aktuellen
Jahresproduktion aller 40 Millionen Beschäftigten in Deutschland.
Lizenz
zum Töten
Dieses
auch finanziell „astronomisch hohe“ Risiko, schreibt der Jurist
Pelzer in dem erwähnten Gutachten, könnten die Atomkonzerne nicht
tragen. Die Erklärung, die er dafür gibt, ist erschlagend logisch.
Alle anderen Industriezweige müssen die durch ihre Produktion
nachweisbar entstehenden Risiken natürlich in voller Höhe selbst
versichern. Jeder Kioskbesitzer muss das tun und wird nicht selten Opfer
überteuerter Versicherungspolicen. Die Atombranche aber muss alle noch
betriebenen 15 AKW in Deutschland nur bis zu einem Gesamtschaden von 2,5
Milliarden Euro versichern, weil(!) sonst, so Pelzer, „der Betrieb
eines Kernkraftwerks praktisch unmöglich“ würde - also keine Profite
mehr abwürfe. Die Atomkonzerne müssen ihre AKW also deshalb nur bis zu
einem Tausendstel der bei einem Super-GAU zu erwartenden Schadenssumme
versichern, weil sie sonst einfach nicht profitabel wären. Zudem habe
der Staat den AKW-Betreibern ja schließlich amtliche Lizenzen für ihre
nuklearen Zeitbomben ausgestellt. (Am Rande sei bemerkt, dass die Banken
und auch andere Großkonzerne in Wirtschaftskrisen mittlerweile de facto
ebenfalls eine Gratisversicherung des Staates genießen, wie jeder
Mensch kürzlich sehen konnte. Das ist aber rein formell nirgendwo
festgehalten.) Der österreichische Energieminister Berlakovich fordert
nun, eine volle Versicherung auch von Atomkonzernen zu erzwingen. In Österreich
gibt es keine AKW.
Faulender
Staatskapitalismus
Der
Gedankengang des Juristen – der Staat soll eine menschenfeindliche
Technologie mit viel Geld versichern, weil sonst keine Selbstverwertung
des dort angelegten Kapitals funktioniert – ist Ausdruck der Fäulnis
des modernen Imperialismus. Zunächst einmal wirft der technischen
Fortschritt Aufgaben an die Produktion auf, die die einzelnen
Kapitalisten und Aktiengesellschaften schon nicht mehr alleine bewältigen
können. Die Eisenbahnen, die Post- und Telefonnetze, die Stromnetze hätten
historisch nicht entstehen können ohne das kapitalistische Eingreifen
des Staates, der durch Kredite, Garantien, Geldgeschenke (Subventionen),
Hilfe bei der Verwaltung usw. selbst als ökonomischer Organisator und
Eigentümer tätig wurde. War allerdings bei der Entstehung der modernen
Infraktstuktur der Staatskapitalismus in mancher ökonomischer Hinsicht
noch Träger des Fortschritts, so ist er heute offenbar zu einer bloßen
Fessel der technischen Entwicklung geworden. Nirgends sieht man dies
deutlicher als hier: Seit einem halben Jahrhundert wird für die
Produktion der ständigen Grundbedingung der Weltwirtschaft, der
Elektrizität, gerade diejenige Technologie vom Staatskapitalismus
entwickelt und gerade in diejenige Technologie Steuergeld investiert,
die die größten Risiken für die Gesundheit und das Leben der Arbeiter
hervorruft: Die Atomkraft.
Für
wen ist Atomkraft eigentlich „billig“?
Nun
wurden auch die Eisenbahnen einst zum Teil aus Steuergeldern bezahlt. Über
die den Lohnarbeitern abgeknöpften Steuern konnten die Kapitalisten in
ihrem Staat schon immer wie über ihr „Klassenbudget“ verfügen
(Marx). Nur sind im Falle der Atomkraft die enormen staatlich bezahlten
Investitionen von Anfang an ins private Eigentum der Kapitalisten und
gleichzeitig in eine menschenfeindliche Technologie geflossen. Atomkraft
war auch vor einem halben Jahrhundert nur „billiger“, also
„produktiver“ als Kohlestrom, weil die enormen Super-GAU-Risiken aus
der Rechnung ausgeblendet und gratis staatlich versichert wurden. Der
Produktionspreis von Atomstrom würde ohne eine solche staatliche
Gratisversicherung nach Berechnungen von Greenpeace in Deutschland von
0,12 Euro pro kWh auf 2,70 Euro steigen, wäre also mehr als zwanzig mal
höher. Aber auch wenn nur alle bereits tatsächlich getätigten
staatlichen und privaten Ausgaben herangezogen werden (also ohne den
Preis einer Super-GAU-Versicherung zu berücksichtigen): Atomstrom ist
schon heute teurer und unproduktiver als Windstrom, wie die FAZ am 18.
April unter Berufung auf eine neue Greenpeace-Studie berichtete. Wind
kommt mit 0,076 Euro Produktionskosten pro kWh ein gutes Drittel
billiger als Atom!
Profitzentralen
gegen den Fortschritt
Der
deutsche weltgrößte Energiekonzern E.on und seine beiden
Partnerkonzerne RWE und EnBW haben in den letzten zehn Jahren mehr als
100 Milliarden Euro Profite gemacht. Sie investieren dort in
Atomenergie, wo es staatliche Subventionen abzustauben gibt. Trotz des
absehbaren Atomausstiegs in ihrem Heimatmarkt wollen sie bis 2030 den
Anteil des Atomstroms an ihrer Stromerzeugung steigern. Sie wollen
aggressiv expandieren. Da interessieren auch Erdbebengebiete nicht. In
Bulgarien, Rumänien, Indien und andernorts planten die deutschen
Atomriesen bereits an AKW in solchen Gebieten. Siemens-Chef Löscher
spricht von einer Renaissance der Atomkraft. Bis 2030 sollen 400 neue
AKW weltweit entstehen, doppelt so viele, wie heute laufen. In Indien
ist die Haftungssumme für Betreiber sogar auf wenige Millionen Euro
beschränkt... Für die Atomriesen sind die AKW
„Gelddruckmaschinen“, wie ein Experte in der Financial Times vom
27.9.2008 zugab. Eine Verdoppelung des jährlich umgesetzten Kapitals
und mehr seien möglich, also Umsatzrenditen über 100%. Eon
erwirtschaftet die Hälfte seiner Profite mit vier AKW – und die sind
nunmal bereits gebaut, werden tausendfach bezuschusst und steuerbefreit
usw. Aus der Sicht der Aktionäre dieser Atomriesen ist Windkraft sehr
„teuer“ und Atomkraft sehr „billig“. Weil sie und ihre Manager
mit SPD, CDU, FDP und auch Grünen (in persona: Rezzo Schlauch)
personell verflochten und verschmolzen sind, wird der technische
Fortschritt systematisch gehemmt und verlangsamt. Deshalb bedeutete der
angebliche „Atomausstieg“ von Rot-Grün in 2002: „Es geht
eigentlich noch 20 Jahre plus X weiter“. Und deshalb wurde selbst
dieser lächerliche „Atomausstieg“ von Schwarz-Gelb im letzten Jahr
wieder aufgekündigt. Deshalb dürfen wir Kommunisten keinen Zweifel
entstehen lassen, dass wir gegen die schwarz-rot-grün-gelbe Atommafia für
einen sofortigen Atomausstieg auf die Straße gehen!
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