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Die Folgen des Rationalisierungswahns bei der Bahn:

Berlin ist nicht allein

Jetzt auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen massive Störungen im Schienenpersonennahverkehr. GDL fordert mehr Personal

Von Rainer Balcerowiak
Quelle: jungeWelt  vom 04.01.2011

Es wird wohl nur ein schwacher Trost für die Kunden der Berliner S-Bahn sein: Am Montag gab es auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen massive Behinderungen im Schienenpersonennahverkehr. In Sachsen sind alle Verbindungen zwischen Leipzig und Hoyerswerda sowie Dresden und Hoyerswerda gestrichen. Auch auf den Strecken Dresden–Coswig und Dresden–Zwickau fallen Züge aus. Probleme gibt es außerdem im S-Bahn-Verkehr zwischen Meißen und Schöna.

In Sachsen-Anhalt sind unter anderem Züge auf den Strecken Magdeburg–Halle und Lutherstadt Wittenberg–Magdeburg betroffen. Zwischen Stendal und Tangermünde fahren nur noch Busse. Auch in Thüringen wurden am Montag morgen einige Züge von und nach Blankenstein gestrichen. Der DB AG zufolge sorgen kaputte Weichen im Bahnhof Holzhausen noch bis zum Wochenende für Verspätungen und Zugausfälle zwischen Weimar und Kranichfeld. Die Gründe ähneln denen, die auch in der Hauptstadt genannt werden. Die Werkstätten seien überlastet und kämen mit der Reparatur der Züge nicht hinterher, erklärte ein Bahn-Sprecher am Montag. Da das Unternehmen die Fahrzeugreserve drastisch reduziert hat, können die Engpässe nicht kompensiert werden. Vorsorglich kündigte die Bahn AG an, daß mindestens bis zum Ende der Woche mit weiteren Ausfällen und Verspätungen zu rechnen ist.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat die Personalpolitik der Deutschen Bahn für das Winterchaos im Zugverkehr verantwortlich gemacht. Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky sagte am Montag im Rundfunksender MDR-Info, Ursache für die Probleme sei neben fehlenden Zügen vor allem der Personalmangel. Lokführer und Zugbegleiter »schrubben Überstunden ohne Ende«, weil die Personaldecke zu knapp ist. Weselsky forderte deshalb unter anderem eine Ausbildungsinitiative, »um mehr Lokführer auf den Markt zu bringen«. Um das zu finanzieren, solle der Konzern bei seinen Auslandsaktivitäten sparen. Die Bahn müsse nicht alles in Europa einkaufen, »was nur annähernd was mit Logistik zu tun hat«. Geld zur Konsolidierung des »Brot-und-Butter-Geschäfts« sei vorhanden, so Weselsky unter Verweis auf den 2010 erwirtschafteten Konzerngewinn in Höhe von 1,7 Milliarden Euro. Der Gewerkschaftschef beklagte zudem einen »riesengroßen Know-how-Verlust« bei der Bahn. »Wir haben tolle Manager an Bord, aber diejenigen, die was vom Eisenbahngeschäft verstehen, sind über lange Strecken hinweg hinausgedrängt worden. Jetzt fehlen sie uns.« Durch den Börsenkurs seien Probleme entstanden, die jetzt gründlich beseitigt werden müßten.

Sozusagen »planmäßig« begann die Woche bei der Berliner S-Bahn. Vier weitere Linien, darunter die wichtigen Verbindungen von Spandau nach Westkreuz und von Hennigsdorf nach Schönholz sind bis auf weiteres eingestellt worden. Damit solle der Fahrplan auf den verbleibenden Strecken »stabilisiert« werden, erklärte ein Sprecher, der die Situation immerhin als »nicht befriedigend« bezeichnete.

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