|
Belgier
protestieren wegen Weltrekord in Regierungslosigkeit
FRITTEN-REVOLUTION
MIT STRIPTEASE-EINLAGEN
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Havanna,
18. Februar 2011, Cubadebate. (auf Kommunisten-online am 21. Febrruar
2011) – Belgien demonstrierte, warum Brüssel die Hauptstadt des
Surrealismus ist. Nur zwei Schritte vom populären Museum René Magritte
genehmigten sich ca. tausend flämische und wallonische Studenten ein
Bier, trugen ihre ganz eigene Version eines Modeschlagers vor und verkündeten
sich zu den Trägern der „Fritten-Revolution“. (Dies wohl in
Anlehnung an den Anspruch der Belgier, die Pommes frites erfunden zu
haben.)
Die
ganze Aktion wurde zu einer der landesweiten Demonstrationen voller
Protest gegen den Weltrekord an Tagen ohne Landesregierung. Dieser
Rekord wurde bis einen Tag zuvor noch vom Irak mit 249 Tagen gehalten.
„Fête et frites!” („Fest und Pommes frites!“), rief unablässig
ein Jugendlicher gegenüber dem Justizpalast, dem Sitz des geballten
Kapitals. „Sie wollten uns glauben machen, dass Wallonen, Brüsseler
und Flamen nicht zusammen leben können würden“. Etwas, was „Lüge
ist“, protestierte von einem improvisierten Podium aus einer der Angehörigen
der Veranstalterplattform „Nicht in unserem Namen“.
Kein
Rasieren mehr!
In
Belgiens Hauptstadt Brüssel demonstrierten 1.100 Studenten laut
Polizei-Angaben. Laut Veranstalter-Angaben waren es 2500 Teilnehmer. Zu
den humorvoll protestierenden Studenten gesellten sich weitere hunderte
Studierende in anderen Universitätsstädten Belgiens. Bei all dem war
die Demonstration nicht so massenhaft wie jene mit einer Beteiligung von
35.000 Menschen vor einem Monat in Brüssel.
Die
Duktus der Demonstration paßt zu einer Reihe dieser bizarren Proteste,
die die sexuelle Enthaltsamkeit („Kein Sex bis zur Lösung des
Regierungsproblems“) oder das Unterbrechen des Rasierens („Keine
Rasur bis zur Lösung des Regierungsproblems“) einschließen, bis die
flämischen und wallonischen Parteien sich endlich wieder über die
Staatsreform einig sind. Die Meinungsverschiedenheiten der Parteien
ergeben sich aus den Prioritäten, denen sich die Wallonen
entgegenstellen, die eine kleinere Reform wollen, und den Flamen, die
die bundesstaatliche Ebene völlig zerschlagen wollen.
Según
Pascal Delwit, uno de los politólogos más respetados del país, la
ausencia de nerviosismo se explica en parte porque Bélgica funciona
„con relativa normalidad” sin Gobierno. Más
allá de los sentimientos nacionalistas o unitarios de la clase política,
la situación económica de Bélgica está fuera de la zona de peligro y
tanto las regiones como las comunidades lingüísticas en las que se
subdivide el Estado administran competencias clave para el día a día
del país. Salvo el Presupuesto, „no hay grandes decisiones que tomar”,
reconoce Delwit.
Laut
Pascal Delwit, einem der renommiertesten Politologen Belgiens, erkärt
sich das Fehlen jeder Nervosität zum Teil dadurch, dass Belgien
„relativ normal“ ohne Regierung funktioniert. Über die
nationalistischen oder auf Einheit gerichteten Befindlichkeiten der
Politiker hinaus ist die wirtschaftliche Lage Belgiens aus der
Gefahrenzone raus und sowohl die Regionen als auch die Kommunen der
sprachlich geteilten Gebiete dieses Staates führen alltäglich im Land
einen Wettbewerb. Außer beim Haushalt „gibt es keine großen
Entscheidungen zu treffen“, meint Delwit.
(Mit
Informationen von Público)
Foto:
Demonstrationsteilnehmer machten gestern in Brüssel einen Striptease in
der „Fritten-Revolution“.
Quelle:
http://www.cubadebate.cu/
|