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Belgien:

Justiz befasst sich mit faschistischer „Blood and Honour“ - Organisation

GEGEN HITLERGRUSS, RASSISMUS UND GEWALTVERHERRLICHUNG

von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel

Brüssel, „metro“ 22. Oktober 2008.-  Die belgische Bundesstaatsanwaltschaft in Brüssel sowie das örtliche Gericht in Veurne haben Ermittlungen gegen die Organisatoren faschistischer Musikkonzerte aufgenommen. Drei Verdächtige wurden daraufhin vorläufig festgenommen. Computer und Dokumente wurden als Beweismittel bei Haussuchungen der Inhaftierten beschlagnahmt. Die drei Männer stammen aus Antwerpen, Bocholt und Gullegem. Die Ermittlungen gegen sie laufen wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Antirassismusgesetz. Der Festgenommene aus dem limburgschen Bocholt stand übrigens auf der Kandidatenliste des „Vlaams Belang“ bei der letzten Wahl. Die Partei schloss ihn am 21. Oktober 2008 formell aus.

Gerichtsbekannt waren die drei Faschisten schon länger. Anlass der nun eingeleiteten polizeilichen Maßnahmen war die Fernsehreportage eines deutschen Undercover-Journalisten. Er hatte Bilder von einem Skinhead-Konzert in Bellegem gemacht, welches von der faschistischen Organisation „Blood and Honour“ („Blut und Ehre“) im letzten April organisiert worden war. Dort wurde der Hitlergruß zelebriert und rassistische Texte wurden verbreitet, so der zuständige Richter Erik van der Sypt von der belgischen Bundesstaatsanwaltschaft. Bei solchen „Konzerten“ rotten sich jeweils ca. 2000 Neonazis aus ganz Europa zusammen. Sie treffen sich in einschlägigen Diskotheken wie der Disco „The Wall“ in Weelde bei Antwerpen. Oftmals liegt die Organisation der Veranstaltungen in den Händen deutscher Neonazis. Die Bürgermeister werden erst in letzter Minute unterrichtet. Belgiens Demokraten fordern seit langem das Verbot von allen faschistischen Organisationen. Alte erfahrene Kommunisten in Belgien wissen, warum z.B. das Thema der Nazikollaborateure nur äußerst unzureichend angepackt wurde. Auf alten Fotos aus den letzten Jahrzehnten zeigen sie unsereins gelegentlich ganz gerne etliche strafrechtlich verschonte einstige Nazikollaborateure, die im Auftrag der belgischen Staatssicherheit Kommunisten bei Parteiveranstaltungen bespitzelten. Die Altkader aus Kreisen der Nazikollaborateure wurden vom belgischen Imperialismus übernommen, wie sich die bundesdeutschen Geheimdienste bekanntlich auch aus einstigen hochrangigen Naziverbrechern bildeten. Die CIA und ihre Vorläufer standen da Pate.

Letztes Wochenende folgte ein weiteres Skinhead-Konzert in Diksmuide, wo Ermittler dann erneut Verstöße gegen das Antirassismusgesetz feststellten. Die Untersuchungsrichter hatten in diesem Zusammenhang dann auch den belgischen militärischen Geheimdienst, die belgische Staatssicherheit sowie die Terror-Sonderkommission der belgischen Polizei eingeschaltet. Zwei der drei Festgenommenen sind inzwischen vom Haftrichter wieder auf freien Fuß gesetzt worden, wobei gegen sie weiterhin ermittelt wird. Der dritte Festgenommene befindet sich weiterhin im Gefängnis von Antwerpen, weil er den Auflagen für eine vorläufige Haftverschonung nicht nachkommen will. Wegen Verstoß gegen das Antirassismus- und Antigewaltgesetz ist dieser Faschist bereits vorbestraft.

Die weitere Untersuchung befasst sich vor allem mit den beschlagnahmten Beweismitteln. Justizminister Jo Vandeurzen ließ mitteilen, dass er Zusammenrottungen von Neonazis künftig schon im Vorfeld vorbeugend verbieten lassen will. Der Minister will auch die Ermittlungsmethoden für Polizei und Justiz ausweiten.

„Blood and Honour“ ist auch in Deutschland aktiv, trotz Verbot seit September 2000. Dies belegen kopierte Datensätze aus dem Server jener Nazi-Organisation, welcher im August 2008 von der Antifa gehackt worden ist. NPD-Chef Udo Voigt trat vor ungarischen „Blood and Honour“-Anhängern auf. Die Organisation veranstaltet auch in Deutschland weiterhin Skinhead-Konzerte, wie die Auswertung der Beweismittel zeigt.

Quellen: „metro“, flämische Ausgabe, 22. Oktober 2008

http://www.brf.be/brftv/national/verhaftungen-blood-and-honour

http://www.zoomer.de/

http://www.deredactie.be/

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