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„Benda,
wir kommen“
Notstandsgesetzes-Minister
Ernst Benda ist tot
Von
Gerd Höhne
Kommunisten-online
vom 3. März 2009 – Am 11. Mai 1968 fand in Bonn die große
Demonstration gegen die Pläne der Regierung Kiesinger/Brandt zu den
Notstandsgesetzen statt. Ich wohnte damals in Köln und kam im übervollen
Zug in Bonn an. Über uns knatterten Hubschrauber der Polizei. Der Platz
vor dem Bonner Hauptbahnhof war von einer unübersehbaren Menschenmenge
gefüllt. Und all sangen „Benda
wir kommen“.
Ernst
Benda, das war der Innenminister der Regierung des Ex-Nazi, Mitarbeiter
von Goebbels und damaligen Bundeskanzlers der Großen Koalition, Kurt
Georg Kiesinger. An der Spitze der BRD stand damals der KZ-Baumeister
Heinrich Lübke.
Damit deren reaktionäre Gesinnung getarnt wurde, stand ihnen der
SPD-Vorsitzende, Antifaschist und spätere Erfinder der Berufsverbote
(Radikalenerlass), Willy Brandt, zur Seite.
Bendas
politische Karriere begann bereits Ende der 40er Jahre. Er war damals
Vorsitzender des RCDS, der studentischen Juniortruppe der CDU, in Westberlin. Bereits
damals gründete er mit einem gewissen Rainer Hildebrandt den
„Kampfbund gegen Unmenschlichkeit“ (KgU). Das war eine der unzähligen
antikommunistischen Westberliner Terror, Spionage- und Diversionstrupps, deren Aufgabe es war, die
DDR zu destabilisieren und die DDR-Bevölkerung aufzuhetzen, Ferner
Sabotageakte zu verüben, Infrastruktur zu zerstören, Gewalt gegen
DDR-Funktionäre auszuüben und überall zu stören und zu zerstören.
Die KgU arbeitete eng mit dem CIA-Sender RIAS zusammen und wurde auch
aus CIA-Quellen finanziert. Und die KgU war die übelste..
terroristischste und verbrecherischste Vereinigungen dieser Art in der
Frontstadt Westberlin.
Allein
vom 1. Juni bis 1. September 1948 registrierten die Verwaltungsorgane
der sowjetischen Besatzungszone 28 Sabotagefälle in Betrieben, 18
Brandstiftungen, neun Scheunenbrände, neun Waldbrände drei Explosionen
in Betrieben, eine bewusst herbeigeführte Überschwemmung, zwei Anschläge
auf öffentliche Einrichtungen und ein Versuch von Massenvergiftung,
Beimischung von Arsen in Mehl. (siehe)
„Später
ging die KgU zu Sabotageanschlägen über. Hierbei handelte es sich
vornehmlich um Wirtschaftssabotage, die Zerstörung von Gleisanlagen und
Produktionsmitteln durch Termitsprengsätze, die Aufkündigung von
Wirtschaftsverträgen und die Preisreduzierung bestimmter Waren durch
gefälschte Dokumente vorgeblich staatlicher Stellen. Ein von Teilen der
KgU geplanter Terroranschlag, der die Einbringung größerer Mengen
Rattengiftes in das Trinkwasser vorsah, wurde nicht ausgeführt.“
Solch
eine Pflanze war der damalige Bundesinnenminister und spätere oberster
juristischer Hüter der Verfassung.
Wir
demonstrierten gegen die Pläne der Regierung Kiesinger/Brandt, den Bundesregierungen im Falle eines „Notstands“ das Recht zu geben, bürgerlich-demokratische
Grundrechte außer Kraft zu setzen. Heute weiß ich, Ernst Benda hatte
auch etwas gegen diese Notstandsgesetze – nur aus anderen Gründen.
Der meinte nämlich, dass sie nichts nützen, wenn nach außen der
„Rechtsstaat“ weiterbestünde. Zu Deutsch: Zu was die bürgerliche
Demokratie, wenn der Kapitalismus in Gefahr ist? Schaffen wir sie gleich
ab. Oder, wie der chilenische Putschist Pinochet so schön sagte: Die
Demokratie müsse von Zeit zu Zeit im Blut gebadet werden.
Das
qualifizierte ihn dann zu einem neuen Amt. Als Kiesinger abgewählt
wurde und Willy Brandt Bundeskanzler wurde, musste er den Ministersessel
für Genscher räumen. Unter Brandts Kanzlerschaft wurde Ernst Benda
dann im November 1971 Präsident des höchsten bundesdeutschen Gerichts,
des Bundesverfassungsgerichts.
Seine herausragenden Leistungen in dieser
Funktion waren dann, dass sein Gericht mit Benda als Vorsitzenden, die
Neufassung des § 216 StGB kassierte. Brandt wollte die Fristenregelung
bei Schwangerschaftsabbrüchen ermöglichen – Benda war dagegen. Die
Folge: Wer es sich leisten konnte, fuhr nach Holland, dort blühte das
Geschäft mit Frauen aus Deutschland, denen in ihrer Heimat der
Schwangerschaftsabbruch nicht möglich war oder sie gingen, konnten sie
sich Holland nicht leisten, zu „Engelmachern“ und riskierten Leben
und Gesundheit.
Seine
zweite herausragende Tat war, dass der Radikalenerlass (Berufsverbote),
den die Regierung Brandt zur Eindämmung der Außerparlamentarischen
Opposition mit den Landesregierungen erlassen hatte, die Weihen der
Rechtsstaatlichkeit bekamen. Damals durfte ein Kommunist – oder einer,
der für einen solchen gehalten wurde – weder Professor, Lehrer,
Richter usw. werden. Aber auch Briefträger, Lokomotivführer,
Zugschaffner bei der Bahn fielen unter diesen Erlass. Man konnte sicher
sein, kaufte man sich eine Briefmarke, dass der Beamte am Postschalter
stets zur FDGO (Freiheitlich-Demokratische Grundordnung) steht. Sie alle
waren damals Beamte.
Benda
stand also nicht eben für eine fortschrittliche Gesinnung. Er war eher
reaktionär.
Offiziell
heißt es nun im Nachruf:
„Bundespräsident
Horst Köhler und Vertreter aller Parteien haben die Verdienste des früheren
Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Ernst Benda, gewürdigt. Der
CDU-Politiker war am Montag im Alter von 84 Jahren in Karlsruhe
gestorben. Köhler bezeichnete Benda als einen unabhängigen, liberalen
Geist, der mit großer Zivilcourage stets für die Freiheit eingetreten
sei. Benda stand von 1971 bis 1983 an der Spitze des höchsten deutschen
Gerichts. In seine Amtszeit fielen unter anderen die Urteile zum
deutsch-deutschen Grundlagenvertrag, zum Abtreibungsrecht, zum
Radikalen-Erlass und zur Volkszählung. Von 1968 bis 1969 war Benda auch
Bundesinnenminister.“
„Benda
wir kommen“ skandierten wir
1968 – am 2. März 2009 ist er gegangen. Meine Trauer hält sich in
engen Grenzen.
G.H.
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