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Neue
Besen kehren gut?
Von
whs
Arbeiterkorrespondenz
auf Kommunisten-online vom 30. November 2009
– Unser Bundesengelchen hat
nach dem Rücktritt des Herrn Jung (er hat spät die Verantwortung für
sein verantwortungsloses Handeln übernommen), einen der wenigen
verloren, die wissen, was sie tun. Herr Jung kam aus dem Bereich Arbeit
und Soziales. Das hat nun unsere Bundesmutti, Frau von der Leyen, übernommen.
Wahrscheinlich ist sie der Meinung, eine Volkswirtschaft ist auch nur
eine etwas größere Familie. Hoffentlich hat sie sich die Dienste der
Super-Nanny schon gesichert.
Sie
ist aber nicht die einzige Inkompetente der Regierung. Der erste war ja
Herr Westerwelle, der, keine Ahnung von Außenpolitik, zum Hoffnungsträger
der Bundesrepublik avancierte. Kenner bescheinigen ihm, er habe bisher
nichts falsch gemacht – dich jedoch, er habe alles richtig gemacht.
Sunny-Boy
zu Guttenberg (Kenner und Liebhaber von Big Apple) durfte nun auch das
Wirtschaftsressort abgeben und die Verteidigung übernehmen. Er hat
schon Einiges zum Besten gegeben, das er dann innerhalb kurzer Zeit
wieder zurücknahm und erst einmal Prüfung anmahnte. Warum hat er nicht
erst geprüft und dann gesprochen? Macht man das heutzutage nicht mehr?
Nun
haben wir die vierte im Bunde, die, keine Ahnung von Familienpolitik,
zur Familienministerin ernannt wurde. Fachleute nannten sie sehr
kompetent, außer in Fragen Familienpolitik. Nun, einhellige Meinung,
sie wird sich schon hineinarbeiten. Auch Westerwelle, von der Leyen, zu
Guttenberg „werden sich schon hineinarbeiten“.
Langsam habe ich den Eindruck, auch Merkel „wird sich schon
hineinarbeiten“.
Was
uns Frau Merkel anbietet, hat sich nicht mal Kohl gewagt, seinem Volk
anzubieten, obwohl auch er schon ganz schön Mist gebaut hat. Aber
„Kohls Mädchen“ setzt dem ganzen noch die Krone auf. Langsam aber
sicher schäme ich mich, mit dieser Frau in einem Land groß geworden zu
sein. Sie ist eine Schande für alle Ossis.
Die
Politik wird immer beliebiger. Nur die Gehälter der Politiker werden,
im Gegensatz zu denen des Volkes, nicht beliebig. Da schlagen sie
ordentlich zu. Und da wissen sie komischerweise auch, was sie machen.
Um
zur Überschrift zurückzukommen, die neuen Besen werden ohne Borsten
ausgeliefert. Wozu brauchen wir auch Besen, den Dreck frißt das Volk.
Rot
Front
Werner
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Wenn
schon, denn schon
Von
whs
Arbeiterkorrespondenz
auf Kommunisten-online vom 10. Dezember 2009 – Bei
Anne Will trafen sich wieder einmal die Befürworter des Krieges. Aber,
wir leben ja in einer Demokratie, zwei durften auch dagegen sprechen. Es
ging um die Verstärkung der Truppen in Afghanistan. Bezeichnend ist,
dass weder CDU noch CSU einen Vertreter zu dieser Diskussion entsenden
wollten. Aber Herr Gerhardt, eingedenk seiner Verantwortung, nahm diese
Aufgabe auf sich und verteidigte die Unionsposition bis aufs Blut (keine
Angst, nicht sein eigenes Blut).
Herr
Willemsen (Publizist) und Herr Ströbele (Bündnis 90/Die Grünen, MdB)
hatten gegen Herrn Gerhardt (FDP, MdB), Herrn Kujat
(Ex-Generalinspekteur der BW) und Frau Koelbl (Journalistin) einen
schweren Stand.
Nun
könnte ich die einzelnen Positionen der Beteiligten darlegen. Nur was nützt
es. So versuche ich mal, hinter die Kulissen zu schauen. Es wurden
immerhin einige interessante Fragen gestellt, die im Kontext der Sendung
eigentlich untergegangen sein dürften. So antwortete Herr Gerhardt auf
die Frage, warum die Mehrheitsentscheidung der deutschen keine Rolle im
Bundestag spiele: „Wenn man politische Verantwortung trägt, muss man
auch selbst Entscheidungen treffen und verantworten.“ Zu gut Deutsch,
was interessiert mich eure Meinung, wenn Krauss-Maffei meint, wir
brauchen dort unten Panzer, brauchen wir dort unten Panzer. Eure Söhne
und Töchter dürfen ja dann auch damit spielen und „Taliban“
umbringen.
Herr
Kujat brachte sehr gute Argumente für den Luftschlag. Die 179 zivilen
Opfer, die den Bomben der Amerikaner (auf Befehl der deutschen
Leitstelle) zu Opfer fielen, stehen folgenden Opferzahlen auf Seiten des
Militärs gegenüber:
4
deutsche tote Soldaten,
20
z.T. schwer verletzte deutsche Soldaten,
27
tote deutsche, afghanische und alliierte Soldaten,
ca.
80 verletzte deutsche, afghanische und alliierte Soldaten,
6
entführte Last- bzw. Tankwagen.
D.h.,
laut Herrn Kujat rechtfertigen 27 tote Soldaten, ca. 80 verletzte
Soldaten und 6 entführte LKW 179 zivile Tote. Wie zynisch darf man als
Generalinspekteur der BW eigentlich sein? Nach Herrn Kujat hatte Herr
Oberst Klein auch keine Aufklärungsmittel, keine eigenen Kräfte und
keine schweren Waffen.
Die
Amerikaner boten einen Überflug im Tiefflug an.
Aus Daffke? Hatten gerade Mal Lust dazu? Keine Aufklärung? In
der Region waren 45oo deutsche Soldaten. Keine Kräfte? Hätte man noch
ein paar Schäferhunde einfliegen lassen sollen? Die Truppe verfügt über
Hubschrauber und Marder-Panzer. Keine schweren Waffen? Was wollen die
noch? Atomwaffen?
Wenn
Herr Kujat „seine Jungs“ schützen will, soll er dafür sorgen, dass
sie nach Hause geholt werden, denn in Afghanistan haben sie absolut
nichts verloren. So wie die die Sache z. Zt. aussieht, entwickelt sich
in dieser Region ein neues Vietnam. Wo das hinführt, wissen wir zur Genüge.
Dort wie hier wird es in eine Massenschlächterei im Interesse hoher
Profite führen.
Aber
das ist ja das Ziel. Wären nicht die hohen Profite, gäbe es die
Bundeswehr schon lange nicht mehr. Jeder gefallene deutsche Soldat
bringt eben ein paar Cent zum Klingen im Beutel der internationalen
Monopole. Und da ist es schon gerechtfertigt, über eine Aufstockung der
Truppe nachzudenken. Wenn sich der Profit damit steigern lässt, sind
die Soldaten nicht umsonst gestorben. Die Menschenrechte in Afghanistan
kommen da erst an zweiter?, dritter?, vierter?, … Stelle.
Rot
Front
Werner
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Hier
bin ich Politiker, hier darf ich´s sein
Von
whs
Arbeiterkorrespondenz
auf Kommunisten-online vom 16. Dezember 2009 – Bei
Anne Will war am Sonntag wieder mal Märchenstunde in der
Vorweihnachtszeit. Herr Wulff (Ministerpräsident des Landes
Niedersachsen, CDU) und Herr Fricke (MdB, FDP) erwiesen sich den Gebrüdern
Grimm zumindest ebenbürtig.
In manchen Genres waren sie denen sogar eindeutig überlegen. Aber die Märchen
der Gebrüder werden wohl doch noch öfter gelesen. Das dürfte mit der
Wahrhaftigkeit der Geschichten etwas zu tun haben.
Herr
Fricke betonte dann auch, dass die Steuersenkungen für den Bürger in
der Mitte gedacht seien, also für die Masse. Nun hat Herr Fricke
allerdings vergessen, dass „die Masse“ (nämlich so ca. 50% der Bevölkerung)
keine Steuern zahlt, weil einfach nichts da ist zum Versteuern. Die
„Masse“ meint Herr Fricke also offensichtlich nicht. Er outet sich
dann später, in dem er feststellt, dass er Politik für die macht,
„die größte Steuerlast tragen“, „die im Staat hart arbeiten“
(meint er sich etwa selbst?), die „durch Leistung Vermögen“
schaffen.
Herr
Fricke erweist seiner Klientel natürlich alle Ehre. Anderes hätte ich
auch nicht von ihm erwartet. Der Elefant kreißt eine Maus. Aber das mit
einem Wortgedöns, dass der normal sterbliche Bürger meint, der Turmbau
zu Babel sei wieder in Mode. Auf die Vorhaltung, dass Kommunen aufgrund
der Beschneidung der Finanzen durch den Bund, die Bürger stärker
belasten müssen, hat Herr Fricke natürlich ein Gegenargument. Keine
Gemeinde darf Gebühren anheben, weil Finanzbedarf da ist, sagt er. Wo
die Kommunen das Geld aber hernehmen sollen, weiß er auch nicht. Die
einzige Möglichkeit, die
ihm einfällt, ist die Gewerbesteuer, aber die wird ja (auf Kosten der
Kommunen) gesenkt. Tja, war wohl nix. Seht zu, wie ihr mit dem Arsch an
die Wand kommt. Das sagt er
zwar nicht, aber es steht zwischen den Zeilen. Zumal für Herrn Fricke
alles Schlechte schwarz-rot eingefärbt ist, alles Gute hingegen
schwarz-gelb. Nun ja, weder das Eine noch das Andere hat sich der
Normalbürger in dieser Republik wohl gewünscht. Fragt man sich nur,
wozu wurde dann die gelbe Blase gewählt? Eine Frage lässt Herr Fricke
allerdings im Raum stehen. Wahrscheinlich fürchtet auch er die
Konsequenzen, die sich aus der Antwort ergeben. Er fragt: „Was
passiert, wenn die Krise vorbei ist und wir müssen an´s Sparen
denken?“ Aber, Herr Fricke ist natürlich Demokrat, er stimmt allem
zu, was von der Partei beschlossen wurde, obwohl er nicht davon überzeugt
ist. Da der Politiker (lt. Grundgesetz) nur seinem Gewissen verpflichtet
ist, nicht der Parteilinie, wurde das Gewissen ein bisschen poliert?
Herr
Albig (OB von Kiel, SPD) stellt fest, dass die Politik weit weg von den
Menschen ist. Am Beispiel seiner Stadt legt er dar, dass er den Menschen
das Geld aus der Tasche ziehen muss, um einigermaßen den Kopf über
Wasser zu kriegen. Die Stadt Wuppertal steht ebenfalls unter
Zwangsverwaltung. Bäder und andere kulturelle Einrichtungen müssen
dicht machen. Schülervorstellungen werden abgesetzt, weil kein Geld da
ist, Bürgerbüros werden geschlossen. Wuppertals OB: “… den Letzten
beißen die Hunde, das sind die Kommunen. … müssen den Bürgern neue
Grausamkeiten zufügen.“
Herr
Wulff (Ministerpräsident von Niedersachsen, CDU) ist natürlich Befürworter
des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes. Warum er es befürwortet, wurde
nicht so recht klar. Gab es
schon Zugeständnisse des Bundesengelchens? Oder gab es erst mal nur ein
paar Versprechungen? Herr Wulff ging damit nicht an die Öffentlichkeit.
Aber er gab ein paar Wahrheiten von sich, die andere in den Bereich
Wunschdenken verweisen: „Die Politik ist besser als ihr Ruf.“ Darüber
lässt sich zumindest trefflich streiten. Aber er sagte auch, dass die
Umweltprämie die Bürger entlastet hätte. Dass im Nachtrab die
Umweltprämie die Bürger zusätzlich belastet, hat er wohlweislich
verschwiegen. Und Verschweigen ist immerhin kein Lügen.
Was
ihm aber Probleme bereiten könnte, sind seine Aussagen betreffs großer
Konzerne. Zu Herrn Albig meinte er:“ Seien Sie froh, wenn Sie Mittelständler
haben. … Mit VW habe ich einiges erlebt.“ Hoffentlich hat das Herr
Piech nicht gehört und kürzt Herrn Wulff die Apanage. Das wäre fatal.
Herr
Wulff hat auch sonst einige Probleme, aber die sind wohl persönlich
bedingt. Auf seine Aussage, dass er die Kröte Umsatzsteuersenkung für
Hotels schlucken musste, wurde ihm die Frage gestellt, warum das
Umsatzsteuergesetz nicht geändert wird. Antwort: „Das ist
gesetzestechnisch zu schwierig.“ Das ist gut, oder? Neue
Ungereimtheiten lassen sich besser beschließen, als alte zu
korrigieren. Das ist doch mal eine Aussage, die uns politisch nach vorn
bringt. Jetzt wissen wir auch, warum die BRD heute noch ein Strafrecht
hat, das 1871!! beschlossen wurde. Es lässt sich zu schwer ändern,
Leute!
Frau
Wagenknecht (die kompromisslose „kommunistische“ Lady der
Kommunistischen Plattform der Partei Die Linke) durfte auch noch ein
paar linke Gemeinplätze los werden. Sie wiederholte die linken
Wahrheiten, die Gysi und Lafontaine landauf, landab tragen. Natürlich
stimmen die Aussagen. Sie werden nicht zwangsläufig dadurch falsch,
dass sie von Revisionisten vertreten werden. Die Lösungsvorschläge
lassen aber sehr zu wünschen übrig. Diesmal fehlten sie ganz, Frau
Wagenknecht beschränkte sich auf´s Anprangern. Aber das ist auch
wichtig.
Auch
Frau Niejahr (Journalistin) haute mit in diese Kerbe. Aber auch sie
beschränkte sich darauf, Missstände anzuprangern.
Übrigens,
die Herren Wulff und Fricke konnten Gegenargumente nur schwer
verkraften. Demzufolge waren sie diejenigen, die den anderen Teilnehmern
immer wieder ins Wort fielen. Auch das ist „political correctness“,
wie sie gern von unseren Herrschenden verstanden wird. Dabei sind es
noch nicht einmal die Herrschenden, sondern nur die Lakaien, die im
Rampenlicht stehen und für ihre Silberlinge (in der Zwischenzeit viel
zu viele) die Ideologie derer im Hintergrund der Mehrheit des Volkes
unter die Weste jubeln dürfen.
Rot
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Werner
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Schöne
Bescherung
Von
whs
Arbeiterkorrespondenz
auf Kommunisten-online vom 19. Dezember 2009 –
Bei Plasberg wurde über Mobbing diskutiert. Die Sendung hätte
übrigens nach zehn Minuten beendet werden können, denn da war alles
Wesentliche gesagt. Eingeladen war eine illustre Runde, Herr Blüm
(Rentner und Arbeitsminister a.D.),
Frau Käsmann (Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirchen in
Deutschland), Herr Claassen (Topmanager), Herr Herbst (Schauspieler
[Stromberg]) und Herr Naujoks (Rechtsanwalt, vertritt ausschließlich
„Arbeitgeber“).
An
dieser Stelle sei mein Respekt gegenüber Norbert Blüm ausgedrückt. Er
war der Einzige aus der Runde, der zumindest moralisch den derzeitigen
Kapitalismus verdammte. Darüber dürfen wir natürlich nicht vergessen,
auch wenn Herr Blüm mal Arbeiter war, er ist keiner mehr. Aber
zumindest hat er sich noch ein Stückchen Charakter bewahrt, was den
Anderen offensichtlich mehr oder weniger abging.
Wie
schon dargelegt, war nach 10 Minuten Sendung das Wesentliche bereits
gesagt.
Herr
Claassen: „Leistungsdruck erzeugt Lügen.“
Frau
Käsmann: „Junge Leute können keine Familie mehr gründen.“
Herr
Blüm: „Angst ist keine Motivation. Leistung hängt von Anerkennung
ab. Die moderne Tagelöhnerei ruiniert die Gesellschaft. Das ist eine
Welt, in der es keine Bindungen mehr gibt.“
„Die
Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen,
patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die
buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen
Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band
zwischen Mensch und Mensch übriggelassen als das nackte Interesse, als
die gefühllose „bare Zahlung“.“ Karl MARX/Friedrich ENGELS
Manifest der Kommunistischen Partei Kapitel I Bourgeois und
Proletarier
Das,
Herr Blüm, ist der Kapitalismus, oder wie Sie zu sagen pflegen, die
soziale Marktwirt-schaft. Aber sozial ist an dieser Marktwirtschaft
schon lange nichts mehr, weil der Anreiz
zum Sozialsein nicht mehr da ist. Und diese soziale
Marktwirtschaft hätte es nie gegeben, wenn die Sowjetunion im zarten
Kindesalter erwürgt worden wäre. Dass die Bourgeoisie dieses Ziel der
Beseitigung des Sozialismus doch noch geschafft hat, feierte sie in
einer wahren Orgie des Sozialabbaus.
Das
Ergebnis des Sozialabbaus, der Zunahme des Leistungsdrucks, fasste Frau
Käsmann in der Aussage zusammen, dass jedes dritte Kind sich in der
Schule gemobbt fühle. Das muss man sich einmal vorstellen, jedes dritte
KIND wird gemobbt! Klar können
Kinder grausam sein. Sie sind direkt und sagen die Wahrheit. Aber Kinder
mobben nicht. Das tun Erwachsene. Also müssen Lehrer dafür
verantwortlich sein. Was ist das für eine Gesellschaft, in der Leute,
die die zukünftige Arbeitsgeneration mit heranziehen, diese bereits
auseinandertreiben? Keiner soll mir sagen, das seien Einzeltäter, nicht
bei 30% der Kinder! Das ist systemimmanent.
Die
Deutsche Bahn will in der nächsten Zeit „sozial verträglich“
14.000 Menschen entlassen. 14.000 Existenzen werden in den Abgrund
Arbeitslosigkeit getrieben. „Sozial verträglich“ heißt dann, über
58, wird nicht mehr vermittelt, fällt aus der Statistik. „Sozial
verträglich“ heißt, du bist noch zu jung, noch nicht genug
eingezahlt, kriegst kein Arbeitslosengeld. Raus aus der Statistik. Du
bist krank, raus aus der Statistik.
58%
der „gehobenen“ Angestellten, also nicht solche Leihpinscher wie ich
(die sowieso nicht zählen), sondern wirklich „gestandene“ Menschen,
haben Angst, ihren Job zu verlieren. Und die haben tatsächlich etwas zu
verlieren. Da ist nicht bloß ein popliger Renault weg, da geht’s um
große VW, Audi, BMW oder Benz. Da geht es um Häuser (nicht um Hütten).
Da wird aus dem Spruch „mein Haus, meine Frau, mein Auto“ sehr
schnell „mein versteigertes Haus, meine geschiedene Frau, mein
eingezogenes Auto, meine Brücke“. Die psychischen Erkrankungen nahmen
2009 gegenüber 2008 um 8% zu. Bei „Arbeitnehmern“, also Leuten, die
ihre Arbeitskraft verkaufen müssen.
Wie
sagte Herr Blüm? „Der Level des Zusammenhalts ist gesunken und unsere
Flaggschiffe machen das vor. Das ist keine Wirtschaftskrise sondern eine
moralische Krise in unserem Land. Wenn das so weiter geht, muss man die
Kinderarbeit wieder einführen.“
Dass Herr Blüm die wahren Ursachen nicht sieht, nicht sehen
will, nicht sehen kann, wundert mich nicht. Dafür ist er mit diesem
System zu sehr verflochten. Dass er aber als Einziger in dieser Runde
die Dinge wirklich so sieht, wundert mich schon. Dass er dann noch der
Einzige ist, der es wagt, die Wahrheit zu sagen, verlangt meinen
Respekt.
Herr
Claassen gibt dann noch eine Runde Weltwirtschaft. Die wörtliche Rede
ziehe sich der geneigte Leser bei der ARD ein. Was er meint, ist
Folgendes: Früher durften wir die Dritte Welt ausbeuten, dafür bekam
der Normalbürger ein kleines Stück vom Kuchen ab. Heute wehren die
sich. Die wollen ihre Leute selbst ausbeuten, also muss dieses Stück
Kuchen verkleinert werden. Da die Bourgeoisie nicht verzichten kann
(entweder Profit oder Untergang) muss halt der Normalbürger verzichten,
also Sozialsysteme runter. Auch so kann man´s erklären und jeder
versteht es und meckert nicht. Sind doch die dran schuld.
Zum
Schluss noch einige Worte zu Herrn Naujoks. Solche Leute sind wie Chimären,
kaum zu fassen.
Im Gemüt ein bisschen hausbacken, versucht er seine Sicht auf
den Kapitalismus zu verkaufen. Er dient der Bourgeoisie, weil der
„Arbeitgeber“ „… Werte schafft…, …bildet aus…, …
entwickelt Personal…, schafft Arbeitsplätze…“. Und Herr Naujoks möchte
den Zuschauer glauben machen, dass er selbst glaubt, was er sagt. Außer
Herrn Blüm scheinen aber zumindest die anderen Vier in der Runde diesen
Sermon zu fressen. Nun denn, wir Arbeiter wissen, dass wir uns vor
solchen Vögeln schützen müssen.
In
dieser Runde war wenig los, aber die Aussagen ließen tief blicken. Wir
wissen, wie wir das zu werten haben. Uns steht unsere wissenschaftliche
Weltanschauung zur Seite, auf die wir uns verlassen können. Deshalb müssen
wir nicht, wie Herr Blüm, an das moralische Gewissen appellieren.
Unsere Forderungen sind untermauert und treffen dieses System im Kern.
Noch sind wir wenige. Aber die Wenigen werden immer mehr, und dann wehe
euch, ihr Ausbeuter und Unterdrücker.
Eines
Tages werden die, die ihr tagtäglich unter eure Knute zwingt, vor eurer
Tür stehen und Rechenschaft fordern. Rechenschaft darüber, wie ihr zu
euren Mitmenschen gestanden habt. Hoffentlich könnt ihr dann von euch
sagen: „Ich war wie Norbert Blüm.“ Und noch hoffentlicher, stimmt
das auch.
Rot
Front
Werner
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Sie
haben Geld und Kanonen,
Die Gummiknüppel zählen wir nicht.
Polizisten und Soldaten.
Ja, wozu denn?
(Haben sie denn so mächtige Feinde?)
Sie glauben, da muß doch ein Halt sein,
Der sie, die Stürzenden stützt.
Eines Tages, und das wird bald sein,
Werden sie sehen, daß ihnen alles nichts nützt.
Und dann können sie noch so laut Halt schrei'n,
Weil sie weder Geld noch Kanonen mehr schützt.
Von
Bert Brecht |
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