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Er
sprang ab als Tiger und landete als Bettvorleger
oder
DKP-Chef
Heinz Stehr gibt sich radikal:
„Enteignet
Vattenfall“
Von
Günter Ackermann/2. August 2007
Ich
will im Einzelnen nicht auf die Schweinereien in den deutschen AKWs
eingehen, darüber wurde ja schon oft berichtet. Zum Ereignis in
Norddeutschland in den AKWs Brokdorf
und Krümmel schrieb DKP-Chef Stehr in der UZ einen Artikel mit
wortradikalen Phrasen, dabei verwechselt er das AKW Brokdorf mit dem AKW
Brunsbüttel.(siehe Fotos) Das mag zu entschuldigen sein, man kann ja
nicht alles wissen und an Skandalen fehlt es ja bei beiden nicht.
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AKW
Brokdorf

80%
e.on, 20 % Wattenfall, Betreiber e.on |
AKW
Brunsbüttel

67%
Vattenfall, 33% e.on
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AKW
Krümmel

50
% Vattenfall, 50% e.on |
Obwohl
vom Diplomingenieur und DKP-Parteichef eine gewisse Kenntnis der
geografischen Lage eigentlich zu erwarten sein müsste, stammt er doch aus
Pinneberg, keine 20 km von der Innenstadt Hamburgs entfernt,
entschuldigen wir Heinz Stehr trotzdem diese Bildungslücke. Wir wollen ja keine
Kleinigkeitskrämer sein.
Heinz
Steht beginnt mit der richtigen Feststellung: „Die
Ereignisse um die Atomkraftwerke Brokdorf und Krümmel in
Schleswig-Holstein stehen für die realen Machtverhältnisse in diesem
Land.“
Was
auch sonst? Heinz Stehr entdeckte also 500 Jahre nach Kolumbus ein
weiteres Mal Amerika.
Dann:
„Besonders alarmierend waren die im Jahre 1990 erstmals
festgestellten Leukämiefälle in der Elbmarsch rund um das Atomkraftwerk
und des Forschungszentrums GKSS.“
Hier
ist – bewusst oder nicht – etwas drin, was falsch verstanden werden
kann und wohl auch falsch verstanden werden soll. Inzwischen steht
zweifelsfrei fest, dass Verursacher der Leukämie in der Elbmarsch nicht
die AKW’s sind – deren Gefährlichkeit ich nicht in Frage stellen möchte
– sondern das Forschungszentrums GKSS. Das hat nämlich vor Jahrzehnten
an Atomwaffen gebastelt, wohl heute noch immer – was eigentlich in der
BRD verboten ist – und dabei ist es 1986 zu einer Art atomarer
Verpuffung gekommen. Die Umgebung wurde mit sogenannten „sphere
PAC’s“ (kleine Kügelchen aus Uran, Plutonium-241, Americium-241
und Curium) verseucht.
Die kommen in der Natur und auch in AKW’s nicht vor – wohl aber bei
Atomexplosionen, wohl auch in Hochtemperaturreaktoren und Schnellen Brütern
– beides aber gibt es hier nicht.
Hier
aus dem Bericht „Tschernobyl ist überall“:
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„sphere
PAC’s“ aus
Plutonium-241,
Americium-241 und Curium |
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„Inmitten
dieser aufgeheizten Stimmung und politisch äußerst brisanten Lage
ereignete sich am 12. September 1986 ein weiterer »Atomunfall«, nicht in
der Sowjetunion, weit weg, sondern bei Geesthacht an der Elbe. Auf dem Gelände
des staatlichen Forschungszentrums GKSS (früher Gesellschaft zur
Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt) kam es zu einem »Brand«.
In Folge dieses Ereignisses wurde eine erhöhte Radioaktivität in der näheren
Umgebung gemessen. Ein »Brand«, ein (atomarer) Unfall, der bis 2001
geheim gehalten werden konnte.
Alarmiert
durch erhöhte Radioaktivität machte die dort aktive Bürgerinitiative
zuerst das nahe liegende AKW Krümmel dafür verantwortlich. Die
Landesregierung und vor allem Bundesstellen und (Aufsichts-)Behörden
nahmen dankbar den Verdacht eines radioaktiven Lecks im AKW Krümmel auf
und veranlassten entsprechende Untersuchungen. Weder wurde in ›alle
Richtungen‹ ermittelt, noch in eine andere, ausschließlich in die
falsche!
(…)
So
brauchte es 15 Jahre, bis der Nachweis erbracht werden konnte, dass nicht
das AKW Krümmel für die erhöhte Radioaktivität ursächlich
verantwortlich war, sondern das ganz in der Nähe gelegene
Forschungszentrum GKSS. Viel zu spät entdeckten Wissenschaftler der
Arbeitsgemeinschaft für Physikalische Analytik und Messtechnik (Arge PhAM)
in der Umgebung der GKSS millimetergroße Kugeln, die weder in der Natur,
beim Betrieb eines AKWs, noch bei oberirdischen Atomtests »abfallen«.
Auf Dachböden und im Erdreich wurden Transurane, u.a. Plutonium-241 und
Americium-241 gefunden.
Nachdem
alle deutsche Forschungsinstitute unisono eine Untersuchung der Bodenprobe
ablehnten, wurde die internationale Sacharow-Universität in Minsk mit der
Analyse beauftragt. Das Ergebnis war sensationell und ist bis heute nicht
bestritten: Die nukleartechnischen Kügelchen enthalten die spaltbaren
Stoffe Uran, Plutonium-241, Americium-241 und Curium.
In der Fachwelt werden sie als »sphere PAC« bezeichnet.
Diese
»PAC-Kügelchen« versinnbildlichen auf anschaulichste Weise den
zivil-militärischen Doppelcharakter (Dual-Use) der angeblich ausschließlich
friedlichen Nutzung der Nuklearforschung: Sie können als Brennstoffe für
Hochtemperaturreaktoren genutzt werden. Aufgrund des hoch angereicherten
Urans bzw. Plutoniums stellen sie zugleich die entscheidenden Komponenten
für militärische Optionen dar.“
Das,
lieber Genosse Stehr, sollte man eigentlich erwähnen, denn es zeigt, dass
der angebliche Verzicht der BRD auf Atomwaffen immer nur ein
Lippenbekenntnis war und auch heute noch ist. Insgeheim bastelt die
deutsche Kriegsforschung seit Jahrzehnten an Atomwaffen. Und wenn dabei
Kinder an Leukämie sterben – die jeweiligen Kriegsminister nehmen es
billigend in kauf.
Hinzu
kommt das eigenartige Verhalten der Justizbehörden: Die
Staatsanwaltschaft Lübeck durchsuchte und beschlagnahmte nicht das
obskure Forschungszentrum für – offensichtlich – Atomwaffen, sondern
es beschlagnahmte am 18. Juli 2001 die Proben aus der Elbmarsch der unabhängigen
Gutachter der Arbeitsgemeinschaft für physikalische Messtechnik und
Analytik (ARGE Pham), in denen radioaktive Teilchen nachgewiesen wurden.
Bis heute wurde von der Atomaufsicht der Unfall beim Forschungszentrum
nicht aufgeklärt. Zufall?
Aber
weiter Stehr:
„Das
Grundgesetz muss angewandt werden. Enteignung von Vattenfall sofort!
Gesundheit und Leben der Bevölkerung lassen keine andere Entscheidung zu.
Schnellstmögliche
Rückführung der Energiekonzerne in öffentliches Eigentum bei
demokratischer Kontrolle!“
Ach
o je, schon wieder die alte Schimäre
von Grundgesetz und Sozialbindung von Eigentum! Das ist so abgedroschen,
dass es keinen Hund mehr hinterm Ofen vorlockt und ebenso falsch.
Die
„Verfassungsväter“ des Grundgesetzes, Theo Heuss, Adenauer, Carlo
Schmid, Dehler und andere hatten nichts mit Enteignung im Sinn und
schrieben das nur in die Verfassung, um die Öffentlichkeit irre zu führen.
Aber auch in Landesverfassungen, z.B. in Hessen, in denen die Enteignung
der Großindustrie stand, wurde kein Handschlag in diese Richtung
unternommen. Der GG-Artikel von Sozialbindung des Eigentums ist das Papier
nicht wert, auf dem es gedruckt wurde.
Das
sollte Stehr wissen und weiß er sicher auch. Er weist wieder einmal
die Öffentlichkeit in eine Richtung, die in die Irre geht. Also typisches
Verhalten eines bourgeoisen Ideologen im Gewande eines Kommunisten.
Den
dicksten Bock aber schießt Stehr ab, indem die Enteignung von Vattenfall
fordert. Wer soll hier eigentlich was enteignen? Vattenfall kann nicht
enteignet werden, weil es das längst ist. Es gehört zu 100 % dem
schwedischen Staat. Ändert das aber etwas am Verhalten des Konzerns? Und
selbst dann, wenn der deutsche Staat den schwedischen Konzern Vattenfall
„germanisiert“ wäre nichts gewonnen. Das Verhalten des
deutsch-staatlichen Forschungszentrums
GKSS zeigt das doch deutlich.
Die
AKWs an der Elbe, mit all ihrem Pfusch am Bau und Skandalen, wurden zumindest
mit „in öffentliches Eigentum bei
demokratischer Kontrolle!“ gebaut. Die HEW - Hamburgische Electricitäts-Werke
AG, also die Stadtwerke in Hamburg (gehören heute Vattenfall), haben die
Reaktoren, gemeinsam mit der PreussenElektra
haben die Meiler bauen lassen und dann betrieben. PreussenElektra war in Staatsbesitz und nennt
sich heute E.ON AG.
Also
alles – nach bürgerlichen Maßstäben – in „öffentlichem
Eigentum bei demokratischer Kontrolle“ befindliche Unternehmen.
Stehrs Forderungen sind längst erfüllt – aber trotzdem die Skandale,
trotzdem die Preistreiberei im Energiebereich. Wie kann das sein?
Es
sollte Stehr eigentlich klar sein: Eine Enteignung – oder
Verstaatlichung – eines Unternehmens ohne Änderung der
Gesellschaftsordnung führt zu gar nichts. Notwendig sind die Abschaffung
des kapitalistischen Eigentums und die Beseitigung des Kapitalismus überhaupt.
Der kapitalistische Staat muss durch die Diktatur des Proletariats ersetzt
werden.
Schönheitschirurgie
á la Stehr ist Sand in die Augen gestreut und kann nicht einmal im
Bereich der Mobilisierung der Massen gegen Fehlentwicklung des
Kapitalismus benutzt werden. Und das sollte eine Partei, die sich
kommunistisch nennt, eigentlich auch erreichen wollen.
Und
noch was sei Genossen Stehr ins Stammbuch geschrieben: Recherchiere
besser, Brokdorf ist nicht Brunsbüttel und Brokdorf ist auch nicht das Forschungszentrums
GKSS. Oder war dir, Genosse Stehr, die Sache mit der Atomwaffenforschung
beim Forschungszentrums GKSS zu heiß? Da sind bürgerliche Atomgegner
aber weiter und mutiger.
G.A.
Als Schimäre werden irregeleitete Gedanken, „fixe
Ideen“ und gedankliche Trugbilder bezeichnet, die der Wirklichkeit täuschend
ähnlich sind. (Wikipedia)
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