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Der
Bundesgrenzschutz vs. Demokratie und
Frieden
Dieser
Geist unter´m Helm…
Von
Harry Popow
Kommunisten-online
vom 19. November 2011 – „Ich
habe in der Bundeswehr gedient. Die hat mit ihrem Auftrag und ihrer Präsenz
den Krieg damals verhindert und sichert Deutschland weiterhin! Auch im
Einsatz!! Mir jedenfalls genügt das und es macht mich stolz!“
Schön
für ihn. Es ist ein User, der diese Zeilen in einem Forum schreibt.
Sicher,
jeder hat so seine eigene Sicht, das muß man wohl jedem zugestehen. So
auch dem einstigen Bundesgrenzschutz, seit dem 01.März 2008 umbenannt
in Bundespolizei. Das betrifft vor allem die Aufgaben und Ziele. Nach
der Lesart und Überzeugung der Unterführer und Dienstanfänger dienten
sie der „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ der BRD gegen
„innere und äußere Feinde“. Wenn alleine das genügend Fragen
aufwirft, dann macht doch folgendes bereits stutzig: Der BGS besitzt
zwei Helme. Den blankgeputzten Helm aus der Nazizeit und den Polizeihelm
mit klappbarem Visier für den inneren Notstand.
In
einem Aphorismus heißt es: „Jeder hat seine eigene Sicht, aber nicht
jeder sieht etwas.“
Es
ist einem ehemaligen DDR-Grenzer seiner Sehstärke zu verdanken, dass er
als Autor des Sachbuches „Zwei Helme im Spind“ (Verlag Wiljo Heinen,
282 Seiten, 2011, ISBN 978-3939828-84-6) diesen Nebelvorhang über
dieses Machtinstrument der Regierung der BRD durchleuchtet und Fakt für
Fakt nachweist: Der BGS war und ist nicht das, wofür er sich ausgibt, nämlich
friedfertig.
Horst
Liebig ist in der Literatur kein unbekannter. Vor Jahren schrieb er
seine Autobiografie „Ein Leben in Reih und Glied“. Der 1929 in
Leipzig geborene überlebte den Zweiten Weltkrieg als Flak-Helfer. In
der SBZ und später in der DDR sieht er als Grenzer und u.a. als Militärjournalist
seine Hauptaufgabe darin, dem Kriegsgebaren der Westzonen und der BRD
einen Riegel vorzuschieben. Hautnah also dran an einem aggressiven Gegenüber
erlebte er den wahren Charakter des BGS.
Und
nun, mit über achtzig Jahren, holt er noch einmal aus und reißt den
scheinheiligen Friedensengeln mit seinem Enthüllungsbuch die Maske vom
Gesicht.
Mit
einer erstaunlichen Akribie sucht und findet er in Büchern, Zeitungen
und im Internet die vor allem selbstentlarvenden Fakten. Dabei holt er
weit aus: Von der Gründung der BRD im Jahre 1949 bis zur Umformierung
als Bundespolizei. Dies ist nachvollziehbar: „… der
Bundesgrenzschutz (war) ein äußerst wichtiges Machtorgan … und
diente vor allem der Sicherung und Aufrechterhaltung der
monopolistischen Eigentumsverhältnisse und der Herrschaft des Großkapitals.“
(Seite 281)
Adenauer
in einem Tagesbefehl: Er bezeichnet die Angehörigen des BGS „als Träger
bester deutscher Tradition (…) bei der Wiedergeburt deutschen
Soldatentums. (…) Der im BGS lebende Geist möge auch ihre fernere
Arbeit (…) beseelen bis zu dem Tag, an dem ein wiedervereinigtes
Deutschland ihnen danken wird.“ (Seite 49)
Welch
eine gefährliche Ignoranz, den tatsächlichen Charakter der Grenze
zwischen der BRD und der DDR lediglich in „innerdeutsch“ bzw. in
„Zonengrenze“ umzudichten. Dazu ein Zitat aus dem Buch mit dem Titel
„Wir tragen den Adler des Bundes am Rock…“ von einem Hans-Jürgen
Schmidt. Zur Planung, den BGS per Gesetz in die Streitkräfte zu überführen,
sagt er: „Damit wäre gleichzeitig auch seine sogenannte
,Pufferfunktion‘ an der Nahtstelle zwischen den beiden Machtblöcken
entfallen und Soldaten beider Paktsysteme, der NATO und des Warschauer
Paktes, hätten sich im Krisenfall unmittelbar gegenüber gestanden.“
Ein nicht gewolltes Eingeständnis?
Der
gleiche Schmidt läßt die Katze aus dem Sack, indem er die Leistungen
der Väter und Großväter in den beiden Weltkriegen gewürdigt wissen
will. Man solle wachsam sein gegen alle Versuche, „unsere Freiheit zu
untergraben“. (Seite 145)
Noch
schlimmer. Er markiert den künftigen Weg des BGS, indem er aus dem
letzten Wehrmachtsbericht des Oberkommandos zitiert. Da hieß es: „Die
einmaligen Leistungen von Front und Heimat wird in einem späteren
Urteil der Geschichte ihre endgültige Würdigung finden… (…) Horst
Liebig kommentiert: Kein Wort vom Autor zu den Verbrechen der Faschisten
zum millionenfachen Mord (…) Schmidt beklage nur die deutschen
Verluste an Menschen und Territorium. Und: Keine Frage nach den
Ursachen! (Seite 118)
Wofür
die Angehörigen des BGS der aggressiven Zielstellung zufolge nicht
alles gut waren: Als NATO-Späher, als Zünder zum Konflikt, als
Grenzprovokateure, als Fluchthelfer, als Truppe des ersten Schusses, als
Sprachrohr des Kalten Krieges und nicht zuletzt als Unterdrücker
jeglicher friedlicher Demonstrationen gegen die Macht der Monopole im
Innern des deutschen Landes.
Hasserziehung
auch gegen Andersdenkende. So forderte der ehemalige Bundesinnenminister
Genscher von den BGS-Leuten, „mit aller Konsequenz gegen jene“
vorzugehen, „die nicht Reformen wollen, sondern Revolution“. (Seite
95)
Für
Kenner der Materie kein Wunder, u.a. auch auf folgende bezeichnende
Schlagworte zu stoßen: Gefahr des Kommunismus, nuklearer Erstschlag,
Feindbilder, Anwendung des ersten Schusses, präventive Aufstandsbekämpfung,
Rammkurs auf der Elbe, Seelsorge. Genug davon.
Zu
danken sind dem Autor vor allem die Aussagen über die Geisteshaltung
der Männer und Frauen des BGS. Charakterisiert dies doch ohne jeden
Zweifel am stärksten deren Absichten und Motive, die ihnen
aufdoktroiert und in manipulierender Weise eingetrichtert wurden. Auf
den Seiten 32 bis 38 zählt der Autor allein dreizehn Offiziere und
Generäle namentlich auf, die als Stammväter des BGS bezeichnet werden.
Man hat nichts dagegen, wenn sie allesamt der faschistischen Wehrmacht
entstammten und deren Geist nun in die Köpfe der Jüngeren einfließen
ließen.
Wenn
Ende der siebziger Jahre laut Aussagen des Autors allein an den Grenzen
zur DDR und zur CSSR 93 Prozent des BGS standen und sie einer
Geisteshaltung entsprachen, die nicht weniger als stockreaktionär,
weitgehend demokratiefeindlich und als aggressiv bezeichnet werden kann,
dann Hut ab vor den jungen DDR-Grenzsoldaten, die – auch trotz
mitunter fehlerhafter Handlungen – im Grunde zuerst ihren Kopf
hingehalten haben für alle Bürger im Hinterland der DDR. Die bei
Gefahr ihres eigenen Lebens standhaft ihren Mann an dieser Systemgrenze
gestanden haben, die klug und sehr besonnen zig Provokationen abgewehrt
haben, denn jede einzelne hätte zu einem Weltbrand führen können.
Darauf waren diese ja kaltblütig angelegt. Den Mutigen und Standhaften
also sei dies Buch empfohlen und auch sonst allen politisch aufgeweckten
und geschichtsinteressierten Leuten.
Das
Buch des Autors, in einem sachlichen Stil geschrieben, nur mit kurzen
Kommentaren bestückt und die Schlußfolgerungen weitgehend den Lesern
überlassend, reiht sich ein in die Literatur der wiederzugewinnenden
Deutungshoheit der DDR-Geschichte und ihrer Widersacher. Man denke dabei
nur an das heiße Diskussionen herausfordernde Buch „Ohne Mauer hätte
es Krieg gegeben“ von den beiden NVA Generälen Heinz Keßler und
Fritz Streletz. Auch diesmal, so ist zu vermuten, werden die Fetzen um
diese Veröffentlichung fliegen. Gemach: Es ist wie es ist: Der Invasion
der Vernebelungen und Lügen über die Ursachen des Kalten Krieges kann
nicht genug Paroli geboten werden. Um der Zukunft willen!
Nicht
jeder sieht etwas? Die Frage erübrigt sich in diesem Fall. Der Autor
– ein ehemaliger Grenzer der DDR – er hatte in seinem Spind nur
einen Helm. Ohne Visier, versteht sich. Und unter diesem – wie unter
allen Helmen der Soldaten des Friedens – herrschte wahrlich ein
anderer Geist. Ein ganz anderer…
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