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 Todesschwadronen

„Die transnationalen Unternehmen Nestlé, Coca-Cola und Chiquita Brands sind direkt für die Verletzungen von Arbeitsrechten, insbesondere bezüglich Gewerkschaftsfreiheit, und die unwürdigen Lebensbedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter und die Gemeinden im Allgemeinen verantwortlich zu machen.“ 

Verwaltungszentrale der Bananenrepublik

Zentrale der Chiquita Brands International alias United Fruit Company (UFC) in Cinncinnati, Ohio 

Blutige Bananen: 

Chiquita finanzierte Todesschwadronen

Die Paramilitärs (Todesschwadronen) - der bewaffnete Arm des Neoliberalismus - zwingt sich den Kolumbianern auf.

nach: Red Globe/ 17. März 2007

 

Blutige Bananen: 

Chiquita finanzierte Todesschwadronen

Die Paramilitärs (Todesschwadronen) - der bewaffnete Arm des Neoliberalismus - zwingt sich den Kolumbianern auf.

nach: Red Globe/ 17. März 2007

Die Konzernzentrale des Bananen-Konzerns Chiquita (früher: United Fruit Company) hat eingeräumt, jahrelang die rechtsextremen Paramilitärs in Kolumbien mit Geldbeträgen in Millionenhöhe unterstützt zu haben. Der Konzern will eine vom US-Justizministerium geforderte Strafe in Höhe von 25 Millionen Dollar akzeptieren. „Die durch die Firma gemachten Zahlungen waren zu jederzeit in unserem guten Glauben geleistet worden, somit die Sicherheit unserer Angestellten sicherzustellen“, behauptet die Konzernzentrale in Cincinnati, die zugleich von „rechts- und linksextremistischen paramilitärischen Gruppen“ zu den Zahlungen „gezwungen“ worden zu sein. – „Linksextreme Paramilitärs“?

In Kolumbien führen der Staat mit seiner Polizei und Armee seit Jahrzehnten einen schmutzigen Krieg gegen die Opposition im Land, die sich gezwungen sah, selbst zu den Waffen zu greifen. Die ersten Guerrilla-Gruppen entstanden vor über 40 Jahren, als sich Bauern gegen Misshandlungen und Ausbeutung durch die Großgrundbesitzer zur Wehr setzten. Aus diesen Widerstandsbewegungen entstanden die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), heute mit geschätzten 15.000 aktive Mitglieder die größte Guerrilla-Organisation des Landes, die sich als marxistisch-leninistisch und bolivarianisch versteht. Wenig später gründete sich auch das Nationale Befreiungsheer (ELN), das sich auf revolutionär-theologische und guevaristische Grundlagen bezieht.

In den von ihnen kontrollierten Gebieten, in denen die Guerrilla faktisch die Regierungsgewalt ausübt, erheben die Organisationen Steuern. Auch manche internationale Konzerne haben diese realen Machtverhältnisse in großen Teilen des Landes anerkannt und zahlen solche Steuern.

Die Paramilitärs hingegen sind eng verwoben mit dem kolumbianischen Militär, mit dem sie eine schmutzige Arbeitsteilung eingegangen sind. Immer wieder berichten Augenzeugen, dass sich Paramilitärs nach Gefechten mit der Guerrilla in den Schutz regulärer Kasernen der kolumbianischen Streitkräfte zurückziehen. Auch wurden bei Gefechten bereits mehrfach Offiziere der regulären Armee getötet, die sich „nach Feierabend“ ihre offizielle Uniform ablegten und sich an Massakern der Paramilitärs gegen die Zivilbevölkerung beteiligten.

Gerade wird Kolumbien durch einen Skandal erschüttert, durch den die engen Verbindungen zwischen Staatsapparat und Paramilitärs deutlich wurde. Acht Senatoren und weitere Politiker wurden aufgrund ihrer Verbindungen zu den Terrorbanden verhaftet, gegen andere laufen Ermittlungsverfahren.

Der Chiquita-Konzern ist kein unbeschriebenes Blatt, auch wenn die Konzernzentrale sich derzeit liebend gerne als unschuldiges Opfer böser Erpresser darstellen würde. Die Chiquita Brands International, Inc. vermeldet einen jährlichen Umsatz von 4,5 Milliarden US-Dollar als einer der wichtigsten Vermarkter und Lieferanten von Bananen und anderen Früchten. „Die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens wurden entwickelt, um die Herzen und das Lächeln der weltweiten Verbraucher zu erobern, indem diese dabei unterstützt werden, gesunde und frische Nahrungsmittel zu sich zu nehmen“, schreibt der Konzern in der selben Pressemitteilung, in der die Zahlungen an die Paramilitärs eingeräumt werden.

Der Konzern wurde 1899 als United Fruit Company gegründet. Im Juni 1970 schloss sich die United Fruit Company (UFC) mit der AMK Corporation zusammen und wurde zur United Brands Company. Im August 1984 übernahm Carl H. Lindner Jr. die Kontrolle über die Firma und benannte sie in Chiquita Brands International um. Jahrzehntelang war die United Fruit Company durch ihren riesigen Großgrundbesitz die eigentliche Macht in Mittelamerika. Der Konzern hat nachweislich Regierungen in der Region gestürzt (oder stürzen lassen), wenn deren Politik den Interessen des Konzerns zuwider lief.

Das bekannteste Beispiel dafür ist der Sturz der demokratisch gewählten Regierung von Jacobo Arbenz in Guatemala, bis 1985 der Hauptsitz der UFC. Der Konzern betrieb Plantagen, die Post, die Eisenbahn sowie den einzigen Karibikhafen. Diese Infrastruktur wurde fast ausschließlich für wirtschaftliche Zwecke benutzt, die Gebühren waren für die Zivilbevölkerung meist unbezahlbar. Der bis 1944 regierende Diktator Jorge Ubico gewährte der UFC zollfreie Importe auf Baumaterialien und geringe Ausfuhrzölle auf Bananen. 1944 wurde jedoch die Diktatur in Guatemala gestürzt und daraufhin Juan José Arévalo als neuer demokratischer Präsident gewählt, 1951 wurde Jacobo Arbenz sein Nachfolger. Die neue Regierung enteignete gegen eine angemessene Entschädigung etwa 530 km² Land der United Fruit Company und verteilte es an Kleinbauern. Außerdem forderte sie bessere Arbeitsbedingungen, Mindestlöhne und Sozialleistungen. Die UFC protestierte daraufhin beim US-Außenministerium und forderte unter dem Vorwand, die neue Regierung sei kommunistisch, einen Regierungssturz. Der damalige Außenminister der USA, John Foster Dulles (welcher früher als Anwalt bei UFC arbeitete) sowie sein Bruder Allen Dulles, Chef der CIA, stürzten daraufhin am 16. Juni 1954 mittels einer Söldnertruppe die Regierung. Der neue Diktator, Castillo Armas, gab als eine seiner ersten Amtshandlungen der UFC das enteignete Land zurück und strich sämtliche Arbeitnehmerschutzgesetze. Es folgte eine fast 40 Jahre andauernde, von der CIA unterstützte Militärdiktatur, die Schätzungen zufolge über 100.000 Tote forderte.

Dass die Unterstützung der Paramilitärs durch Chiquita weit über „Schutzgeld“-Zahlungen hinausgeht, belegen die Ermittlungen des im vergangenen Jahr aufgenommenen „Ständigen Tribunals der Völker“ in Bogotá zur Rolle transnationaler Konzerne in Kolumbien. So wurden 2001 in Carepa im Lager von Chiquita Banadex 3000 Maschinengewehre und fünf Millionen Patronen gefunden. In dem vorläufigen Urteil des Tribunals heißt es außerdem:

„Die transnationalen Unternehmen Nestlé, Coca-Cola und Chiquita Brands sind direkt für die Verletzungen von Arbeitsrechten, insbesondere bezüglich Gewerkschaftsfreiheit, und die unwürdigen Lebensbedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter und die Gemeinden im Allgemeinen verantwortlich zu machen.“

17. März 2007

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