|
BP
erntet riesige Gewinne durch ihre
weltweite Plünderung
British
Petroleums Ölkatastrophe ist das jüngste Verbrechen einer langen
kriminellen Geschichte
AUTOR: Mazda
MAJIDI ãÒÏÇ ãÌیÏی
Übersetzt
von Einar Schlereth. Herausgegeben von Fausto Giudice
Quelle:
Tlaxcala
Auf
Kommunisten-online am 6. August 2010
Am
20. April explodierte eine Ölplattform der gigantischen Erdölgesellschaft
British Petroleum und tötete 11 Arbeiter. Unmittelbar nach der
Explosion gab BP bekannt, dass durch die zerstörte Plattform kein Leck
entstanden sei. Die US-Küstenwache ließ diese Behauptung gelten. BP
behauptete auch, dass in jedem Falle, falls es ein Leck gäbe, dies
klein sein würde und leicht eingedämmt werden könnte und nicht die Küste
erreichen würde.
weiter
im Text
Iranische
Arbeiter lassen für die Anglo-Persian Oil Co.
eine Bohrung nieder im Jahr 1910 |
 |
 |
| Normalgröße
Bild anklicken
Der
Brief berichtet, dass man fündig geworden ist. |
|
Vertrieb
von Anglo-Persian Kerosin (Naft-e Irani)
|
|
Ausladen eines Kessels von Hand
|
|
Bakhtiari-Arbeiter
verlegen eine Ölleitung für die Anglo-Persian Oil Co.
|
|
|
British
Petroleum als Nachfolger der A.I.O.C Aus :
BP 50 years in Pictures
|

- Glaubst du, sie werden ihren Mist wirklich säubern?
- Es scheint, als ob sie ihre Werbekampagne aufmöbeln |
Aber
in darauffolgenden Tagen zeichnete sich ein massiver Ölaustritt ab, was
BP und die US-Regierung zwang, die Katastrophe einzugestehen, wobei sie
diese aber so gut wie möglich verschönten.
Es
ist unmöglich, das Ausmaß der Umweltzerstörung und der Verheerung des
Lebens der Arbeiter entlang der Golfküste vorherzusagen. Selbst die Ölmenge,
die bisher ausgetreten ist – und der Austritt geht ungehindert weiter
– ist nur schwer festzustellen, in Anbetracht dessen, dass die hauptsächlichen
Quellen der Schätzungen des austretenden Ölvolumens die BP und die
US-Regierung sind, die kaum als objektive Quellen bezeichnet werden können.
Der
gegenwärtige geschätzte Austritt von 5000 Barrel (164 l) täglich ist
sicher eine zu niedrige Schätzung und Teil von BPs Kampagne zur
Schadensbegrenzung. Ein internes Memo der National Oceanic and
Atmospheric Administration (Nationale Ozeanische und Atmosphärische Behörde)
zieht die Möglichkeit in Betracht, dass die Rate des Austritts „nicht
kontrolliert werden (könnte), was bedeuten könnte, dass die Größenordnung
(10 mal) höher sein könnte als ursprünglich angenommen“. Das würde
50 000 Barrel täglich bedeuten. Selbst BP-Angestellte sagten einem
Kongress-Komitee, dass ihre Schätzung für ein Katastrophenszenario 2.5
Millionen Gallone (3.8 l) täglich sein könnte.
"Glücklicherweise können die ausgefeilten Maschinen,
Techniken und Expertisen dazu benutzt werden, dass die empfindlichen
Offshore-Bohrungskomponenten der Energierechnung nicht tangiert
werden." Matt Davies, L.A. Times
Bis
zur Stunde ist kein bedeutender Fortschritt bei der Eindämmung der
Hunderttausende von Gallonen Öl, die bereits in den Golf von Mexico
geflossen sind, gemacht worden. Was zweifelsfrei feststeht, ist, dass
der Ölaustritt in alarmierendem Maße weitergeht.
Am
4. Mai hat die Schlammfläche ein Gebiet von annähernd 10 000 km²
bedeckt, was eine katastrophale Umweltkatastrophe andeutet, möglicherweise
von nie dagewesenen Ausmaßen. Satellitenbilder vom 5. Mai zeigen, dass
der Ölschlamm das Mississippi-Delta erreicht hat und die Chandeleur
Islands vor der Küste Louisianas. Es ist nur eine Frage der Zeit, bevor
der Schlamm die Küste des Festlandes erreichen wird. Schon bevor er die
Küste erreichte, hat der Schlick Tausende von Arbeitern entlang der Küste
betroffen, die ihren Job im Tourismus haben oder durch Fischerei
ihren Lebensunterhalt verdienen.
Schwimmende Ölsperren funktionieren nicht
Wer trägt die Verantwortung?
Weit
entfernt davon, ein unvermeidlicher Unfall zu sein, ist die Katastrophe
im Golf von Mexiko das Ergebnis eines rücksichtslosen Vorgehens der BP
und ihrer Konkurrenten, um ihre Profite auf Kosten der Umwelt und der
Menschen, deren Leben durch ihre Zerstörungen ruiniert werden, in die Höhe
zu treiben. Die BP erhielt von der US-Regierung die Erlaubnis, ihre außerordentlich
risikoreiche Ölbohrung 1.6 km tief in den Boden des Meeres
niederzubringen. Aber darüber hinaus, um ihren Nettoprofit zu schützen,
hat die BP aktiv auf die US-Regierung Einfluss genommen, um zu
vermeiden, echte Pläne für alle Eventualitäten im Fall eines Unfalls,
wie er dann eingetreten ist, vorzulegen. Es ist diese unaufhörliche
Verfolgung von Profit, welche es BP ermöglicht hat, allein im ersten
Halbjahr 2010 einen Profit von 5.6 Mrd. $ einzufahren. Die Profite der
BP für das Jahr 2010 sollen erwartungsgemäß die gigantische Höhe von
23 Mrd. $ erreichen.
BP
tat ihr Bestes, um die Möglichkeit der Verabschiedung eines neuen
Gesetzes zu torpedieren, das die Tiefsee-Bohrungen sicherer machen
sollte. Am 14. September 2010 schickte BP einen Brief an die
US-Regierung, in dem es hieß: „Während BP einverstanden ist, dass
die Gesellschaften ein System zur Hand haben, um Risiken, Unfälle,
Verletzungen und Leckagen zu vermindern, sind wir hingegen nicht
einverstanden mit den extensiven vorgeschriebenen Regulierungen, wie sie
in dieser Richtlinie vorgeschlagen werden.“ In BPs
Sicherheitsplanungen für den Bohrungsort heißt es: „... in
Anbetracht der Entfernung zur Küste (77km) und der Lösungsmöglichkeiten,
die eingesetzt würden, sind keine signifikanten schädlichen
Auswirkungen zu erwarten.“
Die
Geschichte krimineller Aktivitäten
Weit
davon entfernt, ein „guter Unternehmens-Bürger“ zu sein, ist BP
eine Gesellschaft, die ihre riesigen Profite durch eine Geschichte von
Verbrechen in der ganzen Welt gemacht hat. Sie hieß ursprünglich
Anglo-Persian Oil Company und wurde 1908 gegründet. Sie hat als erste
Gesellschaft die Erdölreserven im Nahen Osten geplündert. 1935 wurde
sie in Anglo-Iranian Oil Company umbenannt und 1954 in British Petroleum
Company.
Die
britische Regierung hielt einen Mehrheitsanteil in der Gesellschaft, und
das bisschen, was man der iranischen Regierung bezahlte, wurde den
britischen und anderen europäischen Kreditgebern ersetzt. 1947 z.B. gab
die AIOC einen Profit nach Steuern von 40 Millionen £ bekannt,
aber Iran erhielt lediglich 7 Millionen £.
Die
Gesellschaft unterwarf die iranischen Arbeiter entsetzlichen
Arbeitsbedingungen und bezahlte den Iranern beträchtlich weniger als
den Ausländern. Der folgende Absatz zeigt, wie der Direktor von dem
Iran Petroleum Institut diese Bedingungen beschrieb:
„Der
Lohn betrug 50 Cents täglich. Es gab kein Urlaubsgeld, kein
Krankengeld, keine Entschädigung bei Invalidität. Die Arbeiter lebten
in einer Barackensiedlung, die Kaghazabad genannt wurde oder
Papierstadt, ohne fließendes Wasser und Strom ... Im Winter wurde die
Erde überschwemmt und verwandelte sich in einen flachen, dampfenden
See. Der Schlamm in der Stadt war knietief und … wenn der Regen aufhörte,
erhoben sich Wolken von beißenden, kleinflügeligen Fliegen aus dem
stillstehenden Wasser, die in die Nase drangen … Der Sommer war
schlimmer … Die Hitze war trocken … stickig und erbarmungslos – während
der Wind und die Sandstürme die Wüstenhitze wie ein Gebläse
wegfegten. Die Behausungen von Kaghazabad, die aus alten verrosteten und
flach gehämmerten Öltonnen zusammengeflickt waren, verwandelten sich
in glühend heiße Öfen … In jeder Erdspalte hing der faule,
schweflige Gestank von verbranntem Öl … in Kaghazabad gab es nichts
– kein Teehaus, kein Bad, nicht einen einzigen Baum. Ein gekachelter,
spiegelnder Teich und ein schattiger zentraler Platz, die Bestandteil
jeder iranischen Stadt sind … fehlten hier. Die ungepflasterten Gassen
waren Tanzböden der Ratten.“
Nachdem
Iran jahrhundertelang ein halbkolonialer Staat der britischen und
russischen Imperien gewesen war, lebten die Iraner in schrecklicher
Armut. Selbst ein Teil der dem Lande gestohlenen Erdöleinnahmen hätten
zu einer erheblichen Erhöhung des Lebensstandards der Iraner
beigetragen. Aber selbst angesichts eines intensiven Kampfes der Massen
zur Nationalisierung des Erdöls weigerte sich die Anglo-Iranian, auch
nur das kleinste Zugeständnis zu machen. Sie bestand darauf, praktisch
die gesamten Einkünfte aus dem iranischen Öl in die eigene Tasche zu
stecken. 1951, nach der Nationalisierung des Erdöls durch den
nationalistischen Führer und Premierminister Mohammad Mossadegh
weigerte sich die Anglo-Iranian immer noch einer 50/50 Aufteilung der
Gewinne zuzustimmen. Mit anderen Worten, die Hälfte für das gestohlene
Öl zu bezahlen war mehr, als die Anglo-Iranian zugestehen wollte.
Der
Staatsstreich von 1953 in Iran war zum großen Teil die Antwort auf die
Ölnationalisierung, die die Anglo-Iranian effektiv um die Profite aus
dem iranischen Öl gebracht hatte. Nach dem von der CIA durchgeführten
Staatsstreich wurde der Shah als US-Marionette eingesetzt, und das Öl
wurde entstaatlicht. Die Anglo-Iranian machte weiterhin Profite aus dem
iranischen Erdöl, allerdings musste sie auf das Monopol verzichten. Die
Tatsache, dass die USA den Coup durchgeführt hatten, machte es
notwendig, dass die Anglo-Iranian den Ölreichtum Irans mit den US-Ölgiganten
teilen musste.
Die
BP hatte ihre Hände auch in Irak als einer der Hauptkonzessionäre des
irakischen Erdöls. Die Nationalisierung von Iraks Öl im Jahre 1972,
eine Weiterführung des Prozesses der irakischen Revolution von 1958,
war ein schwerer Schlag für die BP und andere Ölgiganten. Die
Genozid-Sanktionen gegen Irak, die mehr als eine Million Menschenleben
kosteten und die schließliche Invasion und Besetzung des Irak, die bis
heute andauert, sind von den imperialistischen Mächten durchgeführt
worden, um die immensen Profit abwerfenden Gelegenheiten für die Ölgiganten
wiederherzustellen, einschließlich der BP. Die BP hat gerade praktisch
die volle Kontrolle über das Rumaila-Ölfeld in Irak erhalten, wohl
das zweitgrößte Ölfeld der Welt.
Kampf
für Gerechtigkeit
Die
kapitalistischen Gesellschaften vertuschen immer ihre Verbrechen, indem
dafür Unfälle, Pech und individuelle Fehler
verantwortlich gemacht werden. Die kapitalistische Regierung, im Dienst
eben dieser Gesellschaften, tut ihr Bestes, die Größe der Verwüstung
zu verbergen und schirmt die verantwortlichen Gesellschaften vor
erheblichen finanziellen Verlusten ab. Direkt nach der Exxon Valdez
Katastrophe des XX Jahrhunderts ist das wohl eindeutig klar. Trotz der
Berichterstattung in den Medien über die Exxon Valdez Katastrophe hat
die Exxon Corp niemals die zerstörten Gebiete völlig gereinigt. Die
Katastrophe wurde vor allem einem betrunkenen Kapitän in die Schuhe
geschoben und nicht den ständigen Sicherheitsverletzungen der Exxon und
deren Weigerung, die Ausrüstung und die Gelder für die Säuberung
bereitzustellen, um bei möglichen Unfällen Leckagen einzudämmen.
Es
dauerte beinahe 30 Jahre bevor 30000 Einwohner von Alaska, deren Leben
durch die Exxon Valdez Katastrophe ruiniert worden war, eine
Kompensation erhielten. Und selbst dann wurde die Summe, die Exxon
bezahlen sollte, vom Obersten Gericht um 90% von 5 Mrd. $ auf nur 500
Mill. $ reduziert. „Was kann eine Gesellschaft mehr tun?“ sagte der
Oberste Richter John Roberts zur Rechtfertigung des Urteils.
Die
Obama-Administration hat behauptet, sie werde BP zwingen, für die
Katastrophe zu zahlen. Aber ohne Massenmobilisierung wird BP nur ein
Minimum bezahlen. Die Leute, vor allem die direkt betroffenen, können
es sich nicht leisten, 20 Jahre mit Prozessen durchzustehen, um am Ende
ein Almosen für die lebensverändernden Konsequenzen dieser Katastrophe
zu erhalten. Und mit einer gigantischen Ölgesellschaft auf der einen
Seite und armen und arbeitenden Menschen auf der anderen ist es klar,
auf wessen Seite die Regierung in einem Gerichtsverfahren stehen wird.
Die
einzig gerechte Lösung dieser Katastrophe besteht darin, das Vermögen
der BP zu beschlagnahmen - dieser kriminellen Gesellschaft, die
alles tun wird, ihren Profit aufs Äußerste zu erhöhen – und die
Opfer der Katastrophe direkt zu bezahlen. Das Vermögen der BP könnte
benutzt werden, um den Lohnausfall der Arbeiter zu zahlen, die
Wirtschaft der betroffenen Gebiete wieder herzustellen, gründlich den
Golf von Mexiko und die betroffenen Küsten zu reinigen sowie die
Gesundheit und Vielfalt der Tierwelt im Ozean und zu Lande wieder
herzustellen. Das ist der einzige Weg, wodurch der Schaden wirklich
behoben und Gerechtigkeit geübt werden kann. Aber wie die Geschichte
wieder und wieder gezeigt hat, kann Gerechtigkeit nur durch Kampf
gewonnen werden.
Luftaufnahme
von brennendem Ölschlick im Golf von Mexiko, am 6. Mai 2010
Quelle:
pslweb-British
Petroleum's oil spill is latest crime in a criminal history
Originalartikel veröffentlicht am 8.5.2010
Über
den Autor
Tlaxcala ist
das internationale Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt.
Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß
der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer,
der Herausgeber als auch die Quelle genannt werden.
URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=10551&lg=de |