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LASST
BRADLEY MANNING FREI!
von
Saúl Landau*, USA
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Havanna,
9. Mai 2011, Cubadebate. (auf Kommunisten-online vom 12. Mai 2011) –
Im April verlegten die US-Streitkräfte den Soldaten Bradley
Manning aus einer Einzel- und Isolationshaftzelle in Quantico im
US-Bundesstaat Virginia in die Bundesstrafvollzugsanstalt von
Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas. Laut Human Rights Watch hatten die
Militärangehörigen Manning Fesseln angelegt und beließen ihn nackt in
Isolationshaft. Die Regierung erklärte dazu zynisch, dass diese
scheinbar grausamen Tatsachen geschehen, weil befürchtet werde, dass
Manning Selbstmord verübt.
Es
scheint, dass so viel Interesse daran besteht, Manning lebendig zu
erhalten, dass seine Aufpasser Anweisungen hatten, ihn alle paar Minuten
zu fragen: „Geht's Dir gut?“ Dies, so gab die US-Regierung zu, trug
nicht dazu bei, dass der Soldat Manning gut schläft... . Darüber
hinaus ist wohl festzuhalten, dass die Haftbedingungen mit der
scheinheiligen Begründung der Verhinderung eines Selbstmords so
gestaltet worden waren, dass sie logischerweise einen normalen Menschen
in den Selbstmord treiben.
Die
US-Regierung erklärt, dass Manning das äußerst schwerwiegende
Verbrechen beging, Dokumente an die Öffentlichkeit zu bringen, welche
Beamte und Politik der US-Regierung nicht gerade sonderlich moralisch
tadellos und politisch intelligent aussehen lassen. Im März 2010 wurde
Manning wegen des Verdachts inhaftiert, vertrauliche Materialien an die
Website Wikileaks weitergegeben zu haben.
Im
Juli 2010 beschuldigte die US-Regierung den jungen Soldaten Manning,
Verschlußsachen auf seinen persönlichen Computer weitergeleitet zu
haben und anschließend diese Informationen zur nationalen Sicherheit
der USA an eine nichtgenehmigte Quelle weitergegeben zu haben:
Journalisten.
Im
März 2011 fügte die US-Regierung weitere 22 Anklagepunkte hinzu.
Darunter „Hilfe für den Feind“. Dies obwohl die Staatsanwälte erklärten,
dass sie nicht die Todesstrafe für diese nicht gerade Todsünde
beantragen würden. War die Folter der Preis, welchen Manning zahlte, um
nicht zum Tode verurteilt zu werden?
Während
des Präsidentschaftswahlkampfes nahmen sowohl John McCain als auch
Barack Obama feste Standpunkte gegen die Folter ein. Sie gingen dabei
nicht in Details, ob eine lange Isolationshaft, systematischer
Schlafentzug „für den Schutz des Gefangenen“ im Fall Manning, ständige
Fesseln und erzwungene Nacktheit eine Folter darstellen. Manning hatte
keinerlei Vorstrafen. Auch war er keine Bedrohung für die Ordnung in
der Haftanstalt.
Der
große Gelehrte der Rechtsprechung, Präsident Barack Obama, bestritt
die Vorwürfe wegen Folter. Er beschrieb die Haftbedingungen von Manning
als „angemessen“. Er sagte sogar, die Behandlung von Manning
„entspricht unseren Grundnormen“.
Am
10. März 2010 widersprach P. J. Crowley, Sprecher des US-Außenministeriums.
Er bezeichnete die vorverurteilende Bestrafung seitens des Pentagon als
„kontraproduktiv und dumm“.
Am
13.März 2011 trat Crowley zurück. Aber er warnte, dass „die Ausübung
von Macht in den gegenwärtigen schwierigen Zeiten und die
Unerbittlichkeit der Medien im Einklang mit unseren Gesetzen und Werten
sein müssen“.
Der
US-Präsident war damit nicht einverstanden. Auf einer Veranstaltung zur
Sammlung von Spenden für seinen Wahlkampf 2012 im vergangenen April in
San Francisco fragte Human Rights Watch Obama wegen seiner Behauptung,
ob die Behandlung des Pentagons bei Manning „äußerst restriktiv und
möglicherweise strafbar und erniedrigend war“. Obama dazu: „Wenn
ich es wäre, der Dinge, Informationen weitergibt, zu deren Weitergabe
ich nicht berechtigt bin, dann verletze ich das Gesetz (...) Wir sind
eine Nation der Gesetze. Wir treffen nicht einzeln unsere eigenen
Entscheidungen zu der Art und Weise, in der das Gesetz wirkt (...) Er (Manning)
verletzte das Gesetz!“ Ja! Ja!
Hat
niemand Obama beraten, dass nach über einem Jahr Haft Manning nicht
verurteilt worden ist und nur ein Gericht darüber befinden kann, ob
Manning eine Straftat beging? Nahm Obama künftige Angehörige eines
Geschworenengerichts vorweg?
Für
die Machthaber in Washington ist die eigentliche Straftat die öffentliche
Demütigung. Es geht nicht um die unrechtmäßigen Kriege der Vorgänger
von Obama. Es ist daran zu denken, dass sie die Öffentlichkeit
vorbereiteten, indem sie Lügen „an die Öffentlichkeit brachten“,
und dass sie Informationen der „Aufklärung und Geheimdienste“
verzerrten, um ihre Invasion gegen den Irak zu rechtfertigen.
Ist
es keine Straftat, unbemannte Flugkörper (Drohnen) zum Töten von
„Terrorismusverdächtigen“ und „Personen mit Kontakt zu
Terroristen“ einzusetzen? Weiß Obama nicht, wieviele
Nicht-Terroristen bei diesen routinemäßig wie in Videospielsimulation
ausgeführten mörderischen Handlungen umkamen?
Die
New York Times macht sich zum Sprachrohr der verzerrten Sichtweise der
US-Regierung hinsichtlich Manning und Wikileaks und benutzt gleichzeitig
Wikileaks für ausgewählte Artikel (New York Times, 24.-29. April 2011,
Leitartikel und Artikel, „Die Dokumente von Guantánamo“
hinsichtlich „Ein Schatz von über 700 geheimen militärischen
Verschlußsachen ... bieten einen neuen Blick auf die Beweise gegen die
172 Männer, die noch eingesperrt sind“ in Guantánamo.)
In
dem Artikel über Folter von Gefangenen und ihre Selbstmordabsichten
schreibt der Reporter William Glaberson: „Was wie ein improvisiertes
Experiment nach den terroristischen Anschlägen von 2001 begann, scheint
jetzt eine ständige US-Einrichtung zu sein. Und die an die Öffentlichkeit
gelangten Archive zeigen das Warum, wenn sie da die widersprüchlichen
und zusammengebastelten Beweise offenlegen, die in vielen Fällen nicht
von den militärischen oder Strafgerichten zugelassen worden wären.“
(Siehe Kritik an der New York Times in Newbusters,
http://www.newsbusters.org/blogs/clay-waters/2011/04/28/ny-times-uses-wikileaks-discredit-guantanamo-bay#ixzz1KvFrbmil)
Der
Herausgeber der Times, Bill Keller, begann mit Moralpredigten, um
Wikileaks zu verurteilen und sah darüber hinweg, dass die Times von
ihnen die Archive des Horrors von Guantánamo erhalten hatte. Sollte es
von einer anderen Zeitung an die Times „durchgesickert“ sein?
Der
Journalismus fordert, dass die Medien sich von der Regierung
distanzieren. Als die Times sich selbst für den Verbündeten der
US-Regierung hielt, veröffentlichte sie ausgewählte Artikel, die
halfen, die Invasion von Bush gegen Irak zu rechtfertigen. Seit Anfang
2001 und im gesamten Jahr 2002 veröffentlichte die Times Artikel von
Judith Miller über die Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein.
Ihre Quelle, Ahmad Chalabi, stellte sich als völlig falsch heraus.
Im
April 1961 entfernte die Times aus einem Artikel von Tad Szulc den Ort
und die Zeit der von der CIA unterstützten Landung der Invasionstruppen
in der Schweinebucht, weil Präsident Kennedy dem Direktor der Times
gesagt hatte, dass dies nicht im Interesse der nationalen Sicherheit der
USA liegen würde. (David Halberstam, The Powers That Be, S. 448)
Wenn
Manning Information zu Veröffentlichung an Wikileaks weitergab, was
nicht bewiesen ist, dann verdienen er und Wikileaks Auszeichnungen für
das Alarmieren der Welt über die Folter, die rechtswidrige
unmenschliche Haft und die US-Pläne zur Destabilisierung anderer
Regierungen. Ist es nicht die Pflicht der Presse, die Öffentlichkeit über
die Verfehlungen und das strafbare Verhalten der Regierung zu
informieren?
Wikileaks
und diejenigen, die Wikileaks helfen, haben das Wesen der „nationalen
Sicherheit“ entlarvt. Mit Worten, die jetzt die Bürger alarmieren müßten,
über Beamte, die Verbrechen abtarnen, welche sich von den banalen bürokratischen
Fehlern bis hin zum Lostreten eines Krieges ziehen.
Saúl
Landau warnt diejenigen Leser, die Posten in der US-Regierung anstreben,
nicht diesen Leitartikel zu lesen, denn sie sollen sich nicht dadurch
disqualifizieren. Das gesamte Wissen über die königliche Hochzeit
hingegen wird ihre Chancen auf Erlangung eines Postens in der Regierung
nicht beschädigen.
Saúl
Landau ist ein Publizist, Journalist, Dokumentarfilmemacher und
US-Wissenschaftler, dessen Arbeit sich großteils auf Lateinamerika
konzentriert.
Quelle:
http://www.cubadebate.cu/
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