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10.
April 1945:
SS-Morde
von Brettheim
Von
Gerd Höhne/7. April 2007
Was
da passierte war für 1945 nicht besonderes. Die einfachen Menschen hatten
vom Krieg mehr als genug und wollten nur noch das Ende des Krieges. Auf
der anderen Seite die SS, die ihre Haut retten oder doch so teuer wie möglich
verkaufen. Illusionen über den Ausgang des Krieges oder gar über den
Endsieg machten sie sich nicht mehr. Trotzdem standen sie bis zuletzt zum
Verbrechersystem und terrorisierten die Bevölkerung – in den (noch)
besetzten Ländern und jetzt vermehrt auch in Deutschland selbst.
Das
Verbrechen
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Am
7. April marschierten vier Hitlerjungen, bewaffnet mit Panzerfäusten,
durch Brettheim, ein Dorf (ca. 12 km von Rothenburg o.d.T.) Sie wollten
die US-Truppen am Vormarsch hintern, deren Kanonendonner konnte man schon
hören. Friedrich Hanselmann, Bauer in Brettheim und Feuerwehrhauptmann
der freiwilligen Feuerwehr, und der Gemeindediener Friedrich Uhl, stoppten
sie mit den Worten: „Die Rotzbuben wollen noch verteidigen!“ und
entwaffneten sie. Die Panzerfäuste warfen sie in einen Teich. Der Junge,
der am lautesten gegen die Entwaffnung schimpfte, bekam eine Ohrfeige.
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Die
Opfer von Brettheim
von
links nach rechts: Friedrich Hanselmann, Bürgermeister
Leonhard Gackstatter, Hauptlehrer und NS-Ortsgruppenleiter Leonhard Wolfmeyer |
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Schloss
Schillingfürst
Befehlsstand
von SS-Gruppenführer und General der Waffen-SS Max Simon |

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Im
Nahe gelegenen Schloss Schillingfürst residierte der berüchtigte
SS-Gruppenführer und General der Waffen-SS Max Simon. Letzterer war schon
an den Geiselmorden und Kriegsverbrechen in der Bergregion um den Monte
Sole (Italien) beteiligt.
Simon befiehlt 12 Gebirgsjäger (also Wehrmacht) unter dem Befehl des
SS-Obersturmbannführer Friedrich Gottschalk mit dem Kommentar nach
Brettheim: „In Brettheim ist eine
Schweinerei passiert. Fahren Sie sofort hin und klären Sie die Sache.“
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Die
grinsende Fresse des Mörders:
SS-General Max
Simon |
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Gottschalk
treibt die männlichen Dorfbewohner zusammen und droht ihnen: „Reden
Sie! Sagen Sie aus! Ich lege
Sie um! Auf einen mehr oder weniger kommt es auch nicht mehr an! Der Ort,
wo so etwas passiert, gehört vernichtet!“
Friedrich
Hanselmann meldet sich, damit die SS die Bewohner nicht ermordet.
Gottschalk stellt ein Standgericht zusammen, bestehend aus dem Bürgermeister
Leonhard Gackstatter und den NS-Ortsgruppenleiter Leonhard Wolfmeyer und
sich selbst als Vorsitzender, zusammen. Der Gemeindediener Uhl wird
rechtzeitig gewarnt und kann fliehen.
Friedrich
Hanselmann wird von Gottschalk zum Tode verurteilt. Aber sowohl der Bürgermeister
wie der NS-Ortsgruppenleiter beweisen Zivilcourage und weigern sich, das
Todesurteil zu unterschreiben.
SS-Obersturmbannführer
Friedrich Gottschalk lässt kurzerhand alle drei nach Rothenburg bringen,
stellt ein neues Standgericht zusammen, das Hanselmann zum Tode
verurteilt. SS-General Simon stellt unter seinem Vorsitz ein weiteres
Standgericht in Schillingfürst zusammen, das Gackstatter und Wolfmeyer
zum Tode verurteilt.
Die
Verurteilten werden nach Brettheim gebracht. Hitlerjungen haben bereits
die Hinrichtungsstätte an den Linden des Ortsfriedhofs in Brettheim
vorbereitet und vollstrecken zwei der drei Unrechtsurteile. Das dritte
Opfer, der Bürgermeiste, „vollstreckt“ selbst – er stößt die
Kiste, auf der er, mit der Schlinge um den Hals steht, selbst um.
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Die
Hinrichtungsstätte
Linden
am Friedhof von Brettheim |
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Vier
Tage verhindert die SS, dass die Leichen abgenommen und bestattet werden können.
Dann muss sie vor den heranrückenden amerikanischen Truppen verschwinden.
Die
Verbrechen werden gedeckt
1951
kommt es beim Landgericht Ansbach zum Prozess. Der Vorsitzende ist Richter
Dr. Andreas Schmidt. Schmidt ist Altnazi und seit 1927 NSDAP-Mitglied. Das
Gericht spricht die Angeklagten frei.
Der
Bundesgerichtshof hebt das Urteil auf, verweist es aber nach Ansbach zurück.
Wieder der gleiche Vorsitzende, der Altnazi Dr. Andreas Schmidt.
Schmidt
lässt den Nazi-Generalfeldmarschall Kesselring als Sachverständigen
aussagen. Kesselring war 1946 wegen Geiselerschießungen von einem
englischen Militärgericht in Italien zum Tode verurteilt, zu 21 Jahre
begnadigt und bereits 1952 entlassen worden. Als juristischer
Sachverständiger trat der Marburger Ordinarius für Strafrecht, Professor
Erich Schwinge, auf. Schwinge war selbst an Todesurteilen von Militärgerichten
beteiligt. Die Wiederholung des Prozesses endet wieder mit Freisprüchen.
Nur Gottschalk bekommt eine geringe Strafe, weil er zum Prozess in
Rothenburg mit einem vorgefertigten Urteil erschienen war. In der Sache
aber, so der Richter, sei die Hinrichtung rechtens gewesen.
Den
Hinterbliebenen der Ermordeten werden nun sogar die Rentenansprüche
aberkannt.
Nazijustiz
nach 1945
Die
westdeutsche Justiz war durchsetzt von Altnazis. Solche Richter wie
Schmidt waren fast die Regel. Selbst offenkundige Blutrichter, wie die am
Volksgerichtshof, kamen ungeschoren davon. Andere
kamen in hohe Staatsämter des Adenauer-Staates.
Strafprozesse
gegen Nazi-Juristen gab es meines
Wissens nicht, jedenfalls keiner, der mit einer Verurteilung endete. Sie
dienten dem westdeutschen Staat, wie sie dem faschistischen Hitlerstaat
gedient hatten und gingen dann – gut versorgt – in Pension. Es war
eine Kumpanei der Gleichgesinnten: Ein Krähe hackt der anderen kein Auge
aus und ein Nazijurist verfolgt keinen Nazijuristen. Es gab nur wenige
Richter und Staatsanwälte in der BRD, die keine Nazivergangenheit hatten.
Wenn
die BRD heute der DDR vorwirft, sie sei ein Unrechtsstaat gewesen, so mögen
die Herrschenden mal den Dreck vor der eigenen Tür wegfegen, es wird
soviel sein, dass die Berliner Müllabfuhr nicht genügend Fahrzeuge hat,
damit die braune Scheiße des Bonner Staates abtransportiert werden kann.
Das
Geschehen von Brettheim war nichts Besonderes: Kriegsmüde einfache
Menschen wollten verhindern, dass der sinnlose Krieg fortgesetzt wird.
Aber genau das war nun doch etwas Besonderes. Denn wenn mehr, wenn die
Mehrheit der Deutschen, so gehandelt hätte, wäre Deutschland und der
Welt viel Leid erspart geblieben. Den Ermordeten von Brettheim daher
unsere Achtung für ihren Mut.
G.H.
In Padua, wegen Kriegsverbrechen zum Tode verurteil, aber nicht
hingerichtet. Ein Augenzeugenbericht eines der Opfer des SS-Genarals
Simon in Italien: „Nur wenigen
Menschen gelang es, dem Massaker zu entkommen, so Lidia Pirini aus
Cerpiano: „Es war der 29. September um neun Uhr morgens. Als ich vom
Herannahen der Deutschen erfuhr, flüchtete ich nach Casaglia. Ich
habe meine Familie verlassen und war nicht bei ihr, als sie ermordet
wurde. Es waren meine Mutter und meine 12-jährige Schwester, acht
Cousins und vier Tanten, die alle am 29. und 30. September in Cerpiano
ermordet wurden. Am 29. haben sie sie verletzt. Am 30. kamen die Nazis
zurück, um sie umzubringen. In Casaglia hörten wir die Schüsse der
Deutschen immer näher kommen. Wir konnten den Rauch der in Brand
gesetzten Häuser sehen. Niemand wusste wohin und was machen.
Letztendlich haben wir uns in die Kirche geflüchtet. Als die Nazis
dorthin kamen, hatte ich Angst, ihnen ins Gesicht zu sehen. Sie
schlossen das Kirchentor und alle im Inneren schrien vor Entsetzen.
Wenig später kamen sie zurück und führten uns zum Friedhof. Wir
mussten uns vor der Kapelle aufstellen; sie platzierten sich in der
Hocke, um gut zielen zu können. Sie schossen mit Maschinenpistolen
und Gewehren. Ich wurde von einem Maschinengewehr am rechten
Oberschenkel getroffen und fiel ohnmächtig zu Boden.“ siehe
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