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Der Persilschein des Uni-Rektors mehr

Die Bekenntnisse des moralinen Körnerfressers und SPD-Landtagsabgeordneten Mathias Brodkorb mehr

Na klar:

Alles nur Missverständnisse und Fehlinterpretationen - in der Sache nimmer er nichts zurück! mehr

Schreibe dem famosen SPD-Abgeordneten deine Meinung. Die eMail-adresse: Mathias.Brodkorb@spd.landtag-mv.de

»O Vater«, rief der Knabe,
»Sind Affen denn auch Leute?« -

Der Vater sprach: »Nun ja,
Nicht ganz, doch so beinah.«

Wilhelm Busch

Nur ein moraliner Körnerfresser

Oder

Der neue Trend in der SPD

SPD-Landtagsabgeordneter und moralischer Vegetarier Brodkorb erklärt, dass "Schweine über höhere Erkenntnisfähigkeiten als stark behinderte Menschen" verfügen

von Günter Ackermann/Februar 2004

. "Warum sperren wir Schimpansen in Käfige und drehen ihnen Schrauben in den Kopf oder schmieren ihnen giftige Substanzen in die Augen, während wir menschliche Lebewesen, die geistig schwer behindert und eindeutig weniger intelligent als Schimpansen sind, behutsam pflegen?(...) In manchen Fällen verfügen sogar Delphine oder Schweine über höhere Erkenntnisfähigkeiten als stark behinderte Menschen."

Mathias Brodkorb, SPD-Landtags-Abgeordneter in Mecklenburg-Vorpommern und Sprecher seiner Fraktion für Hochschulen, Kinder- und Jugendpolitik

Brodkorb sei der jüngste Landtagsabgeordnete in Mecklenburg-Vorpommern, heißt es. Geboren 1977 in Rostock, seit 2002 Landtagsabgeordneter in Mecklenburg-Vorpommern, der jüngste Abgeordnete im Schweriner Landtag[1]. Der bekennende Vegetarier und Jungphilosoph, dessen Leib- und Magenphilosoph ein gewisser Peter Singer ist, hat sich zu folgender Aussage hinreißen lassen:

„Und da kam Peter Singer ins Spiel, der interessante Fragen stellte. Warum sperren wir Schimpansen in Käfige und drehen ihnen Schrauben in den Kopf oder schmieren ihnen giftige Substanzen in die Augen, während wir menschliche Lebewesen, die geistig schwer behindert und eindeutig weniger intelligent als Schimpansen sind, behutsam pflegen?

Da muss man schlucken und fragen, ob Herr Landtagsabgeordneter Brodkorb alle Tassen im Schrank hat. Mag sein, dass er sie nicht hat, aber immerhin redet er ehrlich. Brodkorb – nach eigenem Bekunden: „Ich bin kein Ekel- oder Gesundheitsvegetarier, sondern Vegetarier aus moralischen Gründen.sagt der famose Volksvertreter aus den Reihen der SPD.

Brodkorb schreibt als Antwort auf die Empörung über seinen Vergleich Mensch>Affe>Schwein: „Nirgendwo habe ich Behinderten ihr Lebensrecht abgesprochen.“ 

Nein, das hat er nicht direkt. Aber er zieht trotzdem einen unzulässigen Vergleich: Diese unter der Intelligenz der Affen und Schweinen stehenden Menschen würden gepflegt und nicht getötet. Er billige ihnen ein Lebensrecht zu, er sei gegen Euthanasie. Allerdings müsse man sich bei Tieren ebenso verhalten - sie quasi als tierische Menschen oder uns als menschliche Tiere behandeln.

 Sein geistiger Übervater sieht das etwas lockerer:

„Er (Peter Singer, Red. K-online) wendet sich vor allem gegen einen "Speziezismus", dem zufolge die Zugehörigkeit eines Lebewesens zur menschlichen Gattung (Spezies) aus sich heraus von moralischer Relevanz ist. Dies führt dazu, dass einerseits nicht-menschliche Wesen (höher entwickelte Tiere) moralische Berücksichtigung verdienen und dass andererseits nicht-bewussten menschlichen Lebewesen kein uneingeschränktes Lebensrecht zukommt. Entsprechend hält Singer die Tötung schwerstbehinderter Säuglinge grundsätzlich für legitim, und löst damit Kontroversen aus.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Singer

Unser moralischer Vegetarier gibt sich fundamentalistisch: „Ich lehne Tierkonsum, Abtreibung sowie Sterbehilfe und Euthanasie ab“, sagt er.

Da steht er scheinbar konträr zu Peter Singer, der bekanntlich all das legitimiert. Oder meint Brodkorb es doch so wie Singer?

Nun, wer den Vergleich Affe und Schwein zum Menschen macht, ist zumindest nicht weit davon entfernt, Menschen mit ihnen gleich zu stellen. Genau das tut Brodkorb ja auch mit seiner Erklärung.

Dass Brodkorb mit seiner Ansicht auf etwas wackligem Boden steht, muss er ahnen. Er besorgt sich folglich vom Rektor der Universität Rostock, Prof. Dr. Wendel, einen Persilschein.

Dieser schreibt dann dazu: „Dies ist aus fachlich-philosophischer Sicht eine akzeptable – wenn auch nicht zwingende – Position. Es gibt viele andere Philosophen, die sich ihr nicht anschließen würden, was allerdings nicht gegen die Position sprechen muss“ und weiter schreibt der Rektor:

„Wenn Brodkorbs Internetseite „Empörung und Unverständnis“ ausgelöst hat, liegt das nicht an Brodkorbs Argumenten, die nichts mit denen Singers zu tun haben...“ (siehe)

Hoppla, Herr Professor. Den Singer braucht niemand reinzulesen, den Singer hat Brodkorb selbst reingebracht, zitiert diesen sogar in seinem Text im Wortlaut. Wenn es also zu „Missverständnissen“ kommt, so hat Brodkorb sie doch selbst er verursacht.

Wer wie Brodkorb den Vergleich vom Affen und Schwein zu Menschen zieht, setzt alle gleich, für den gibt es keinen wesentlichen Unterschied. Zu Ende gedacht kommt man zwangsläufig auf die Position Singers: Menschen und Tiere müssen gleich behandelt werden. Das verlangt Brodkorb ja wohl auch. 

Oder: Individuen der Spezies Mensch, „die geistig schwer behindert und eindeutig weniger intelligent als Schimpansen sind,“ können, logisch abgeleitet, zum Abschluss freigegeben werden. Ein gesunder Affe ist folglich mehr wert als ein kranker Mensch. Da mag Brodkorb sich noch so als Abtreibungsgegner und moraliner Vegetarier aufspielen, letztendlich ist das die logische Entwicklung.

Widerspricht das der SPD-Linie?

Ich behaupte nein. Auf den Bereich der Sozialpolitik übertragen heißt das: um vermeintlich wertvolle Existenzen zu erhalten - hier für die Erhaltung der Volkswirtschaft wichtige - muss man minderwertige opfern.

Also: Die wertlosen Arbeitslosen den Interessen der Unternehmer; die wertlosen, die Sozialabgeben hochtreibenden Kranken ebenfalls im Interesse des Kapitals opfern usw. Immerhin, das Maß aller Dinge im Kapitalismus ist der Schutz der Kapitalinteressen. Wertvoll ist das, was die Profite steigert, minderwertig, was sie mindert.

Sozialdarwinistisch gesehen – und das ist letztlich die Position von Singer, also auch Brodkorb – muss sich das Gesunde gegen das Kranke, das Wertvolle gegen das Minderwertige und der Starke gegen den Schwachen durchsetzen.

Wer jetzt sagt, das kenne er irgendwo her, dann möge er mal bei den Schriften der Nazis, bei Hitler in „Mein Kampf“ zum Bespiel, nachsehen. Da steht’s.

Aber bitte, Herr Bordkorb, behaupten Sie nicht, Sie seien ein Moralapostel, dem es um die Gerechtigkeit und Solidarität ginge. Das ist abgeschmackt und schal.


[1] Die SPD hat als einzige Partei in Mecklenburg–Vorpommern junge Leute auf
Spitzenplätzen der Liste für die Landtagswahl platziert.
Das zeigt: Die SPD ist eine junge Partei und will jungen Menschen die Chance
geben, ihre Kreativität in die Politik einzubringen. Dies ist für ein Land wie
Mecklenburg–Vorpommern besonders wichtig, da sich in den letzten Jahren
zwar noch zarte, aber wichtige Strukturveränderungen ergeben haben,
die mit zukunftsweisenden Ideen weiterentwickelt werden müssen.
(Wahlwerbung SPD im Landtagswahlkampf 2002)

 

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