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Brodkorb
sei der jüngste Landtagsabgeordnete in Mecklenburg-Vorpommern, heißt es.
Geboren 1977 in Rostock, seit 2002 Landtagsabgeordneter in
Mecklenburg-Vorpommern, der jüngste Abgeordnete im Schweriner Landtag.
Der bekennende Vegetarier und Jungphilosoph, dessen Leib- und
Magenphilosoph ein gewisser Peter Singer ist, hat sich zu folgender
Aussage hinreißen lassen:
„Und
da kam Peter Singer ins Spiel, der interessante Fragen stellte. Warum
sperren wir Schimpansen in Käfige und drehen ihnen Schrauben in den Kopf
oder schmieren ihnen giftige Substanzen in die Augen, während
wir menschliche Lebewesen, die geistig schwer behindert und eindeutig
weniger intelligent als Schimpansen sind, behutsam pflegen?“
Da
muss man schlucken und fragen, ob Herr Landtagsabgeordneter Brodkorb alle
Tassen im Schrank hat. Mag sein, dass er sie nicht hat, aber immerhin
redet er ehrlich. Brodkorb – nach eigenem Bekunden: „Ich bin kein
Ekel- oder Gesundheitsvegetarier, sondern Vegetarier
aus moralischen Gründen.“ sagt der famose Volksvertreter aus
den Reihen der SPD.
Brodkorb
schreibt als Antwort auf die Empörung über seinen Vergleich
Mensch>Affe>Schwein: „Nirgendwo habe ich Behinderten ihr
Lebensrecht abgesprochen.“
Nein,
das hat er nicht direkt. Aber er zieht trotzdem einen unzulässigen
Vergleich: Diese
unter der Intelligenz der Affen und Schweinen stehenden Menschen würden
gepflegt und nicht getötet. Er billige ihnen ein Lebensrecht zu, er sei
gegen Euthanasie. Allerdings müsse man sich bei Tieren ebenso verhalten -
sie quasi als tierische Menschen oder uns als menschliche Tiere behandeln.
Sein
geistiger Übervater sieht das etwas lockerer:
„Er
(Peter Singer, Red. K-online) wendet sich vor allem gegen einen "Speziezismus",
dem zufolge die Zugehörigkeit eines Lebewesens zur menschlichen Gattung (Spezies)
aus sich heraus von moralischer Relevanz ist. Dies führt dazu, dass
einerseits nicht-menschliche Wesen (höher entwickelte Tiere) moralische
Berücksichtigung verdienen und dass andererseits nicht-bewussten
menschlichen Lebewesen kein uneingeschränktes Lebensrecht zukommt.
Entsprechend hält Singer die Tötung schwerstbehinderter Säuglinge
grundsätzlich für legitim, und löst damit Kontroversen aus.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Singer
Unser
moralischer Vegetarier gibt sich fundamentalistisch:
„Ich lehne Tierkonsum,
Abtreibung sowie Sterbehilfe und Euthanasie ab“, sagt er.
Da
steht er scheinbar konträr zu Peter Singer, der bekanntlich all das
legitimiert. Oder meint Brodkorb es doch so wie Singer?
Nun,
wer den Vergleich Affe und Schwein zum Menschen macht, ist zumindest nicht
weit davon entfernt, Menschen mit ihnen gleich zu stellen. Genau das tut
Brodkorb ja auch mit seiner Erklärung.
Dass
Brodkorb mit seiner Ansicht auf etwas wackligem Boden steht, muss er
ahnen. Er besorgt sich folglich vom Rektor der Universität Rostock, Prof.
Dr. Wendel, einen Persilschein.
Dieser
schreibt dann dazu: „Dies ist aus fachlich-philosophischer Sicht eine
akzeptable – wenn auch nicht zwingende – Position. Es gibt viele
andere Philosophen, die sich ihr nicht anschließen würden, was
allerdings nicht gegen die Position sprechen muss“ und weiter
schreibt der Rektor:
„Wenn
Brodkorbs Internetseite „Empörung und Unverständnis“ ausgelöst hat,
liegt das nicht an Brodkorbs Argumenten, die nichts mit denen Singers zu
tun haben...“ (siehe)
Hoppla,
Herr Professor. Den Singer braucht niemand reinzulesen, den Singer hat
Brodkorb selbst reingebracht, zitiert diesen sogar in seinem Text im
Wortlaut. Wenn es also zu „Missverständnissen“ kommt, so hat Brodkorb
sie doch selbst er verursacht.
Wer
wie Brodkorb den Vergleich vom Affen und Schwein zu Menschen zieht, setzt
alle gleich, für den gibt es keinen wesentlichen Unterschied. Zu Ende
gedacht kommt man zwangsläufig auf die Position Singers: Menschen und
Tiere müssen gleich behandelt werden. Das verlangt Brodkorb ja
wohl auch.
Oder:
Individuen der Spezies Mensch, „die
geistig schwer behindert und eindeutig weniger intelligent als Schimpansen
sind,“ können, logisch abgeleitet, zum Abschluss freigegeben
werden. Ein gesunder Affe ist folglich mehr wert als ein kranker
Mensch. Da mag Brodkorb sich noch so als Abtreibungsgegner und moraliner
Vegetarier aufspielen, letztendlich ist das die logische Entwicklung.
Widerspricht
das der SPD-Linie?
Ich
behaupte nein. Auf den Bereich der Sozialpolitik übertragen heißt das:
um vermeintlich wertvolle Existenzen zu erhalten - hier für die Erhaltung
der Volkswirtschaft wichtige - muss man minderwertige opfern.
Also:
Die wertlosen Arbeitslosen den
Interessen der Unternehmer; die wertlosen, die Sozialabgeben
hochtreibenden Kranken ebenfalls im Interesse des Kapitals opfern
usw. Immerhin, das Maß aller Dinge im Kapitalismus ist der Schutz der
Kapitalinteressen. Wertvoll ist das, was die Profite steigert,
minderwertig, was sie mindert.
Sozialdarwinistisch
gesehen – und das ist letztlich die Position von Singer, also auch
Brodkorb – muss sich das Gesunde gegen das Kranke, das Wertvolle gegen
das Minderwertige und der Starke gegen den Schwachen durchsetzen.
Wer
jetzt sagt, das kenne er irgendwo her, dann möge er mal bei den Schriften
der Nazis, bei Hitler in „Mein Kampf“ zum Bespiel, nachsehen. Da
steht’s.
Aber
bitte, Herr Bordkorb, behaupten Sie nicht, Sie seien ein Moralapostel, dem
es um die Gerechtigkeit und Solidarität ginge. Das ist abgeschmackt und
schal.
Die SPD hat als einzige Partei in Mecklenburg–Vorpommern junge
Leute auf
Spitzenplätzen der Liste für die Landtagswahl platziert.
Das zeigt: Die SPD ist eine junge Partei und will jungen Menschen die
Chance
geben, ihre Kreativität in die Politik einzubringen. Dies ist für
ein Land wie
Mecklenburg–Vorpommern besonders wichtig, da sich in den letzten
Jahren
zwar noch zarte, aber wichtige Strukturveränderungen ergeben haben,
die mit zukunftsweisenden Ideen weiterentwickelt werden müssen.
(Wahlwerbung SPD im Landtagswahlkampf 2002)
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