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Antwort Roter Webmaster Leserzuschrift O.W.

10. September 2008

Lieber Leser O.W.:

Wir danken Dir für Deine Zuschrift. Wir werden versuchen, wenn auch einige Tage nach Deiner Anfrage, diese zu beantworten.

1. „Ich möchte einmal über Kommunisten-Online die Frage stellen, wie gut bezahlte Wirtschaftswissenschaftler der TU Chemnitz auf die geschmacklose Idee kommen, über die wirtschaftlichen Verhältnisse von Hartz IV-Empfängern zu spotten?“

fragst Du. Liegt das nicht auf der Hand? Was ist denn die bürgerliche Wissenschaft anderse – allem voran die bürgerlichen Gesellschaftswissenschaften – wenn nicht die Produktion von Ideen für die herrschende Klasse.

Marx/Engels schreiben:

„Was beweist die Geschichte der Ideen anders, als daß die geistige Produktion sich mit der materiellen umgestaltet? Die herrschenden Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen der herrschenden Klasse.“[1]

Die bürgerliche Wissenschaft ist dazu da, eben jene Ideen zu liefern, natürlich zu Nutz und Frommen der Bourgeoisie und zu nichts anderem.

Brecht schrieb das Stück „Turandot oder der Kongress der Weißwäscher“ Darin kommen die Tuis vor, eine Verdrehung, also IntelekTuiellen. Die  stehen am Straßenrand wie Straßennutten und bieten Ausreden an, überhaupt ist ihre Aufgabe, diese Ausreden zu erfinden und zu verkaufeen.

Zum Beispiel die bürgerliche Soziologie. Der erforscht angeblich die soziale Entwicklung der Gesellschaft und bedient sich vor allem der Empirie. Wenn sich in einem Raum zwei Menschen befinden, der eine besitzt null Euro der andere hundert, dann haben beide im Schnitt 50 €, also ist keine soziale Maßnahme notwendig. Natürlich war das eine stark vereinfachte Darstellung, aber genau so geht man vor.

Dabei wissen die sehr genau, dass das Milchmädchenrechnungen sind. Dennoch geht man so vor. Auf diese Art und Weise werden die Werte für Preis- und Einkommensentwicklung berechnet oder der Bestand an Wohnungen usw.

Die Wirtschaftswissenschaften sind dabei eine besonders krasse Angelegenheit. Sie soll etwas unregulierbares regulierbar machen, nämlich den kapitalistischen Markt. Der ist bekanntlich anarchisch strukturiert. Also bedient man sich der unterschiedlichsten Methoden den Markt durchschaubar und regulierbar zu machen, bis hin zum okkulten Methoden wie Astrologie und Wahrsagerei.

Ich habe  vor Jahren mal einen Bericht gelesen, da hat ein Wissenschaftler die Voraussagen der Wirtschaftsinstitute in den Jahrzehnten davor untersucht. Er stellte eine Trefferquote von Null Prozent fest. Trotzdem werden Unsummen für dieses Quatsch ausgegeben.

Warum eigentlich? Einmal, weil die Konzernherren wirklich versuchen, den Mark kontrollierbar und vorhersehbar zu machen, aber andererseits eignet sich das hervorragend als Argument gegen Lohnerhöhungen, für Preisanhebungen usw.

Wenn die „Wirtschaftsweisen“ sich hinstellen und sich möglichst unklar ausdrücken, tun sie das mit Bedacht. Sie hoffen, einmal zutreffend vorausgesagt zu haben und fallen doch immer wieder auf den Bauch. Jedenfalls sehen die Voraussagen immer so aus: „Wenn die positive Entwicklung anhält, die Inlandsnachfrage weiter steigt und die Exportwirtschaft sich weiter positiv entwickelt, die Lohnkosten nicht über Gebühr steigen, ist davon auszugehen, dass eine Steigerung des Wirtschaftswachstum von x-Prozent erreichbar sein könnte.“

Jetzt wissen wir alles Erforderliche.

2. „Reicht es nicht, wenn sie Bedürftigen mit Kontroll-Kommandos auf die Bude rücken, man die Taschen umkrempeln muss, von der Gemeinschaft für Arbeit tyrannisiert, unter „Generalverdacht“ gestellt und bei Zuwiderhandlung auch noch um seinen Anspruch betrogen wird?“

Nein, das reicht nicht. Die sind ja statistisch nicht bedürftig. Die muss man „fördern und fordern“, ihnen also auf die Bude rücken und sie zwingen, die Taschen umzukrempeln. Die Rechtfertigung liefern u.a. auch „gut bezahlte Wirtschaftswissenschaftler der TU Chemnitz“

Wolfgang Clement hat kurz vor seinen Abgang als Minister noch ein Pamphlet in die Welt setzen lassen, in dem Langzeitarbeitslose als Parasiten hingestellt wurden.[2] Die Idee dazu stammt nicht von Clement, dazu ist der zu dumm, sondern von den „Tuis“ aus der Soziologie und Wirtschaftswissenschaft.

3. „Gar nicht auszudenken, wenn bisher noch besser Situierte, solchen Schwachsinn auch noch für „voll“ nehmen und sich dann wundern, wenn es dann an ihre eigenen Löhne und Gehälter geht!“

Auch das gehört zum Konzept. Indem die Einkommen der Arbeitslosen hoch gelogen werden, kann man sie nicht nur senken, sondern auch die Einkommen der (noch) Arbeitenden. Es ist eine Erkenntnis des Marxismus, dass ein Reserveheer an Arbeitslosen im Kapitalismus unverzichtbar ist. Je mehr Arbeitslose auf den Arbeitsmarkt drängen, umso billiger die Ware Arbeitskraft. Wenn also durch „Fördern und Fordern“ die Arbeitslosen gezwungen werden, jeden Dreckjob anzunehmen, sinken auch die Löhne in den bisher besser bezahlten Jobs. Dies umso mehr, da wir in Deutschland keine wirkliche gewerkschaftliche Klassenorganisation des Proletariats haben. Da, wo die Konkurrenz unter den Anbieter einer Ware – hier Arbeitskraft – bei den Anbietern größer ist als die der potentiellen Käufer, sinkt der Preis. Gewerkschaften könnten das abmildern – wenn die deutschen Gewerkschaften diese Bezeichnung verdienten.

Ich hoffe, damit deine Fragen beantwortet zu haben.

Dein Roter Webmaster

Günter Ackermann


[1]  Marx/Engels: Mainfest der Kommunistischen Partei, II Proletarier und Kommunisten siehe

[2]  Siehe: Niete im Nadelstreifen Wolfgang Clement tritt ab – auf seine Art

Steilvorlage an seine Nachfolger in der großen Koalition: Arbeitslose sind Parasiten - oder?!

Von Günter Ackermann/27. Oktober 2005 mehr

Ich möchte einmal über Kommunisten-Online die Frage stellen, wie gut bezahlte Wirtschaftswissenschaftler der TU Chemnitz auf die geschmacklose Idee kommen, über die wirtschaftlichen Verhältnisse von Hartz IV-Empfängern zu spotten?

Reicht es nicht, wenn sie Bedürftigen mit Kontroll-Kommandos auf die Bude rücken, man die Taschen umkrempeln muss, von der Gemeinschaft für Arbeit tyrannisiert, unter „Generalverdacht“ gestellt und bei Zuwiderhandlung auch noch um seinen Anspruch betrogen wird?

Ist es da tatsächlich noch von Nöten aberwitzigen Ulk zu betreiben, indem man Geld für „Kultur“ mit 1-2 Euro im Monat veranschlagt, wie in der Studie der beiden Herren der TU?

Dass Politiker mit Ernährungstabellen hausieren, obwohl sie „Aldi“ nur als Sponsor ihrer Gehälter kennen, ist ja noch einzusehen! Die wissen vor dümmlichen Unvermögen nichts besseres mit ihrer Zeit anzufangen, als Leuten zu erklären, wo man Bratwurst mit Sauerkraut günstig einkauft!

Nicht davon zu reden, wo sich die Damen und Herren Politiker sich die Bäuche vollschlagen, wenn es geht auch noch auf Kosten der Steuerzahler!

Gar nicht auszudenken, wenn bisher noch besser Situierte, solchen Schwachsinn auch noch für „voll“ nehmen und sich dann wundern, wenn es dann an ihre eigenen Löhne und Gehälter geht!

In den „Volksparteien“ vor allen bei denen die sich „christlich“ schimpfen rauchen schon die Köpfe, wie Arbeitslosengeld II noch mehr an Schikanen gebunden werden kann und deren Empfänger an „sparsamen Umgang“ mit dem Geld zu gewöhnen sind. Na ja! Jedenfalls verstehen Marionetten der Wirtschaft etwas anderes unter „Diät(en)“!

O. W.

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