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Demokratie
ist so spannend…
Die
Schmierenkomödie Präsidentenwahl
Von
Günter Ackermann
Kommunisten-online
vom 2. Juli 2010 – Gestern lief auf allen Kanälen das Schauspiel
der Wahl des obersten Frühstücksdirektoren dieser Republik. Der
bisherige, Horst Köhler, war bekanntlich diesem Land vor Monatsfrist
abhanden gekommen. Der hatte nämlich mal einen wahren Satz – wenn
auch ungewollt – gesagt und das wurde sein Verhängnis.
Köhler hatte nämlich nicht bedacht, dass er nicht der Wahrheitsonkel
der Nation ist, sondern nur der oberste Dampfplauderer. Er musste zurücktreten
und ein Nachfolger musste her.
Da
die Politik der Regierung im Volk schlecht ankommt, weil deren Repräsentanten
zu offenkundig lügen oder, wenn mal nicht, mehr oder weniger offen die
Politik für die Konzerne und die Reichen
machen – das taten auch die Minister der Großen Koalition,
aber sie warfen ja, wie einhellig behauptet, die Milliarden in den
Rachen der Banken, damit die Welt vor dem Untergang bewahrt wurde oder
in den der Konzerne, weil sie angeblich Arbeitsplätze retten wollten
– weil also die Regierung sich besser verkaufen möchte, wollte man
gleich einen Neuanfang des Volksbetrugs wagen.
Da
war die Bundesarbeitsministerin im Gespräch. Die hatte als
Familienministerin, die Wohltat der Kinderbetreuung unter drei Jahre dem
Volk beschert – bei genauerem Hinsehen entpuppt
das sich zwar als Luftnummer – aber sie kommt mit ihren blonden
Haaren beim Volk gut an.
Frau
Merkel und ihre Leute jedoch hatten noch was anderes im Sinn: Sie
wollten der Dame Merkel auch potentielle Konkurrenten um das Kanzleramt
aus dem Weg räumen.
Damit
war man in letzter Zeit recht erfolgreich. Der Hessen-Koch steigt aus
der Politik aus und bekommt einen gut bezahlten Posten in der
Wirtschaft. Der Premier aus dem Ländle wurde erfolgreich nach Brüssel
weggelobt, der aus NRW hat eine Wahl verloren, bleibt also nur der Wulff
aus Hannover. Dass der gut dampfplaudern kann, wurde schon mehrfach
berichtet und er verkauft seine schwarz-gelbe Landesregierung ganz gut
im Lande. Der schaffte das, was Merklelwesterwelle nicht schaffen: das
Volk betrügen und trotzdem populär zu sein. Das war der richtige für
unsere Kanzlerin.
Die
SPD wollte das aber nicht durchgehen lassen. Sie musste sich erst
voriges Jahr von den Fleischtöpfen der Regierung von der
Westerwelle-Gang vertreiben lassen. Die Vertriebenen sannen auf Rache.
Ein Kandidat musste her, der das andere Lager aufmischt und trotzdem gut
zu verkaufen ist und nicht die Spur eines Spur eines Zweifels aufkommen
lassen durfte, ein gestandener reaktionärer Betonkopp zu sein.
Sie
kamen auf den emeritierten Pfaffen, Ex-DDR-Dissi und
Stasi-Aktenverwalter Gauck. Für ihn wirbelten dann auch die
Werbetrommel der SPD, der Grünen und der gesamten bürgerlichen
Presse – die Merkel lässt sich ja nicht mehr gut verkaufen und
der Schnösel Westerwelle schon gar nicht. Gauck wurde zum Helden
hochstilisiert und gewann Tag für Tag an Popularität.
Gauck
als Kandidat hatte noch einen Nebeneffekt: Man konnte trefflich gegen
die DDR und den Sozialismus hetzen und man brachte die Linkspartei in
Schwulitäten. Dass deren Kandidatin chancenlos bleibt, war klar. Aber
– egal was sie macht – man kann wieder einmal Linke als Doofköppe
vorführen. Denn: wählten die Delegierten der Linkspartei Gauck,
verliert sie ihr Gesicht und pktr Glaubwürdigkeit, sie wählen einen
der übelsten Antikommunisten und Kriegsbefürworter; wählten
sie aber Wulff, dann wählten sie den Kandidaten der Merkel und
Westerwelles. Ich muss sagen, sie zogen sich ganz gut aus der Affäre.
Am
30. Juni 2019 ging es eigentlich in Berlin um nichts. Es wurde nichts
entschieden, es gab keine Milliarden für wen auch immer und es wurde
nichtmal erneut in die Tasche des Volkes gegriffen. Auch neue Kriegseinsätze
der Bundeswehr standen nicht zur Abstimmung. Allerdings im Schatten
dieser Wahl konnte man verkünden, dass die Arbeitslosigkeit zurück
gegangen sei und das als Erlog der Merkkel und Konsorteen verkaufen. Das
da nur die prekären Beschäftigungsverhältnisse zunahmen und die
Vollzeitjobs nach wie vor abnehmen, saft man nicht.
Der
Traum, der Merkel und ihren Vize mit der Wahl ein neues Image zu
basteln, ging dennoch daneben. Die eigenen Wahlleute wollten der
Kanzlerin einen Denkzettel verpassen und
wählten Gauck – Wulff fiel durch und das gleich zweimal.
Spannende
Demokratie, was? Naja, was sich da auf offener Bühne abspielte, war nur
ein Theaterstück. Hier wurde nur ein gut bezahlter Posten
vergeben, dessen einzige Funktion es ist, im Nadelstreifen rum zu
laufen, salbungsvolle Reden zu halten und durch die Welt zu reisen.
Tourismus im nationalen Interesse also. Und einen auf Populismus zu
machen, damit der d eutsche Michel dem deutschen Bundesreich nicht abtrünnig
wird und sich nach links orientiert. Mehr nicht.
Das
andere, uns das letzte Hemd auszuziehen, die Sozialleistungen, Renten, Löhne,
Arbeitslosengeld aus der Tasche zu ziehen, die Krankenversicherung noch
mehr zu verschlechtern, Milliardengelder für Konzerne und das Aushecken
neuer Kriege, das geschieht hinter verschlossenen Türen. Auch das war
ja dieser Tage der Fall. Aber darüber schweigen die Herrschaften
lieber.
G.A.
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