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Gedanken
von Fidel / 2. November 2011
DIE
ZUSAMMENKUNFT DER G20
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Havanna,
2. November 2011, Tribuna Popular TP. (auf Kommunisten-online am 5.
November 2011) – Morgen beginnt die Zusammenkunft der G20. Das heißt,
es treffen sich die entwickeltesten und reichsten Länder des Planeten
Erde: die USA, Kanada, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien
und die Europäische Union als separate teilnahmeberechtigte Einheit.
Das sind die grundlegenden Bollwerke der NATO sowie ihre Verbündeten
Japan, Südkorea, Australien und die Türkei in ihrem Doppelgestalt als
Entwicklungsland und als Mitgliedsstaat der NATO sowie auch
Saudi-Arabien, ein gigantisches Erdölreservoir in den Händen der
westlichen transnationalen Konzerne, die dort 9,4 Millionen Barrel Erdöl
täglich fördern, dessen Wert sich beim gegenwärtigen Weltmarktpreis
auf 1 Milliarde Dollar pro Tag beläuft.
Diese
Länder sitzen auf der einen Seite des Tisches. Und auf der anderen
Seite sitzt dort eine Gruppe von Ländern mit einem wachsenden
wirtschaftlichen und politischen Gewicht, welche faktisch wegen ihrer
Einwohnerzahl und ihren Bodenschätzen zu einem Ausdruck der Interessen
der Mehrheit unserer geschundenen und ausgeplünderten Welt werden: die
Volksrepublik China, die Russische Föderation, Indien, Indonesien, Südafrika,
Brasilien, Argentinien und Mexiko.
Spanien,
welches auch NATO-Verbündeter ist, ist lediglich „Gastland“.
Es
geht um die Zusammenkunft der Großproduzenten von Maschinen und
Industriewaren und der großen Rohstofflieferanten, die im Verlauf eines
halben Jahrtausends seit der Conquista europäische Kolonien waren und
im letzten Jahrhundert die hochentwickelten Staaten mit
landwirtschaftlichen Rohstoffen, Erzen und Energieträgern als Opfer
eines gnadenlos ungleichen Austausches belieferten. Diese finstere
geschichtliche Periode läuft ab, seit die Abkömmlinge der barbarischen
Stämme, die Europa besiedelten, bewaffnet mit Schwertern, Armbrusten
und Hakenbüchsen diese Hemisphäre „entdeckten“ und eroberten.
„Die Entdecker“, wie sie verharmlosend von der sogenannten
westlichen Welt genannt werden, so als ob nicht ein Teil der Menschheit
seit 40.000 Jahren auf diesem Kontinent gelebt hätte, verfolgten das
Ziel, die kürzeste Route für den Handel mit China zu suchen. In jenem
Land, von welchem sie Dinge durch die Händler mit Seide und anderen
wertvollen Produkten besaßen, nach denen es den Adel und das
entstehende europäische Bürgertum gelüstete, sollten sie auf eine
sagenhafte Bevölkerung im Besitz der Schriftsprache, der schönen
Kunst, der Landwirtschaft, der Metallbearbeitung, des Pulvers und
fortgeschrittener politischer und militärischer Organisationsprinzipien
treffen, darunter Armeen mit Dutzenden oder gar Hunderttausenden
berittenen Soldaten.
Kurz
vor dem Kentern in der Nähe Kubas stießen sie auf Land. Kurz danach
ergriff Kolumbus von unserer Insel im Namen des Königs von Spanien
Besitz. Hätte er dies vermocht, wenn er wirklich nach China gekommen wäre,
wie es seine Absicht war? Sein Fehler kostete diese Hemisphäre viele
Millionen Leben, die verlogen gingen infolge der Aufteilung Amerikas
zwischen den Königreichen der Iberischen Halbinsel kraft einer päpstlichen
Bulle angesichts der ständigen Auseinandersetzungen ihrer
mittelalterlichen Adligen. Die Eroberung und die Suche nach Gold und
Silber, wie es der geniale indianische Maler Oswaldo Guayasamin
aufzeigte, kostete 70 Millionen Leben seitens derer, die in dieser
Hemisphäre lebten, die eine Wiege bedeutender Zivilisationen ist.
Schwarzafrika
kann auch davon sprechen, was jene Eroberung für Millionen seiner
Kinder bedeutete, die aus ihrer Heimat herausgerissen und als Sklaven in
diese Hemisphäre verkauft wurden.
Die
Oligarchie der Multimillionäre, deren Staatschefs und Regierungen sich
in Cannes mit den Vertretern von fast 6 Millionen Menschen versammeln,
die eine würdige Existenz für ihre Völker erstreben, sollte über
diese Tatsachen nachdenken. Jene Länder beabsichtigen, die Technologien
und die Märkte über die Patente, die Banken, die modernsten und
kostspieligsten Transportmittel, die kybernetische Beherrschung der
umfassenden Produktionsprozesse, die Kontrolle über die
Kommunikationssysteme sowie über die Massenmedien zum Betrügen der
Welt zu monopolisieren.
Jetzt
beläuft sich die Zahl der Bewohner des Planeten Erde auf 7 Milliarden
Menschen. Die Staaten dort, die gerade mal einen von sieben Menschen
vertreten, die angesichts der Massenproteste in Europa und in den USA
nicht für glücklich gehalten werden können, setzen das Überleben
unserer Gattung Mensch insgesamt aufs Spiel.
Soll
da jemand vergessen können, dass die USA das Land war, welches das
Kyoto-Abkommen verhinderte, als man noch über ein wenig mehr Zeit verfügte,
um eine Katastrophe durch den Klimawandel zu verhindern, die sich jetzt
vor allen Augen abspielt?
Am
28. und 29. Oktober fand noch eine andere Zusammenkunft von Staats- und
Regierungschefs statt, die die Gemeinschaft der Iberoamerikanischen Länder
bilden. Unter dem vielen Unheil, unter welchem die spanisch- und
portugiesischsprachigen Völker zu leiden haben, ist auch die Tatsache,
dass dies die Region auf der Welt mit der meisten Ungleichheit bei der
Verteilung der Reichtümer ist.
Der
Kanzler von Kuba, Bruno Rodríguez Parrilla, reiste von der
UNO-Versammlung in New York über die Blockade gegen Kuba weiter in die
Hauptstadt von Paraguay, wo der Iberoamerikanische Gipfel stattfand.
Dort wurden recht interessante Dinge über die Krise ausgesprochen, die
die Europäische Gemeinschaft ereilt hat.
Der
neue Premierminister von Portugal äußerte sich voll Bitternis über
die Europäische Union, als er bestätigte, dass sie erschöpft und
mittellos mit dem Rettungspaket in Rekordhöhe für Griechenland zurückbleibt.
Die EU könnte sich einer Krise in Portugal gegenübersehen, aber sie würde
bankrott bleiben. Es ist ihr unmöglich, Italien zu Hilfe zu eilen,
welches die Nummer 7 unter den weltweit größten Wirtschaftsmächten
ist. Dies würde Frankreich schleifen, in dessen Banken der größte
Teil der italienischen Schulden angehäuft ist. Die Staatsmänner von
der Iberischen Halbinsel bezweifeln, dass die von Griechenland
eingegangene Verpflichtung erfüllt wird. Und wird sie nicht erfüllt,
dann sehen sie eine Krise kommen, die noch länger dauern wird als die
von 1929.
Heute
Morgen informierten die Nachrichtenticker über die schweren Folgen der
beispiellosen Regenfälle in Thailand, dem größten Reisexporteur,
dessen Verkäufe sich von 25 Millionen Tonnen Reis auf 19 Millionen
Tonnen Reis vermindern werden.
Demgegenüber
vermelden die Nachrichten, dass China die Produktion von Kupfermetall
auf fast 5 Millionen Tonnen steigerte, was erhebliche Folgen hervorruft.
Während
die USA dennoch die Stimmverteilung beim IWF intakt halten, wird China
in dieser Organisation das einfache Recht verwehrt, den Yuan als
konvertierbare Währung zu beschließen. Wie lange wird diese Tyrannei
noch andauern?
Aus
diesem Blickwinkel müssen wir jedes Wort bewerten, welches auf dem
G20-Gipfel geäußert wird.
Fidel
Castro Ruz
2. November 2011
20:54 Uhr
Quelle:
http://www.tribuna-popular.org/
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„Ja,
mach nur einen Plan,
sei ein großes Licht.
Und mach' dann noch 'nen zweiten Plan,
gehen tun sie beide nicht.“
Bertolt
Brecht |
Spitzentreffen
der Gaunerrepräsentanten in Cannes
Sie
retten mal wieder
Von
Günter Ackermann
Kommunisten
Online am 5. November 2011 – Es ist schon kurios: Da treffen sich
an der Riviera aus 20- Ländern
-
die Repräsentanten der Korrupten um die Korruption zu bekämpfen:
-
die Repräsentanten der Spekulanten um die Spekulation mit Geld,
Rohstoffe und Nahrungsmittel zu bekämpfen. Da erklärte die Bundesdame,
Frau Merkel. in ihrer bekannten großmäulige Art, dass den Großbanken
„strengere Auflagen gemacht werden“ sollen.
Man
verkaufte uns jetzt, dass die Dame Merkel sich für die
Finanztransaktionssteuer einsetzen werde. Noch vor Jahresfrist erklärte
sie, sie sei froh, „dass wir Klarheit haben, dass es keine globale
Finanzmarkttransaktionssteuer geben wird“.
Ein
ähnlicher Sinneswandel wie beim Atomstrom also: Erst Verlängerung der
Laufzeiten der
Schrottreaktoren, dann, nach dem Knall in Fukushima,
Ausstieg aus der Kernenergie. Allerdings müssten die Verbraucher die
Zeche bezahlen: Neue Leitungstrassen, neue Pumpspeicherkraftwerke usw.
damit Wind und Sinnenenergie besser genutzt werden können. Aber nicht
E-on und Co bezahlen die Investitionen, sondern wir alle über die
Strompreise – und Steuergeschenke.
Dabei
machten die Stromkonzerne in den letzten
Jahren riesige Gewinne bei einer zweistelligen Steigerungsrate
– bis 2010. Die Hunger leidente Firma E-on beklagte jetzt den
Gewinneinbruch im 1. Quartal 2011 auf „nur“1,3 Milliarden Euro. Den
Umsatz steigerte E-on im ersten Quartal zwar um acht Prozent auf 27,8
Milliarden Euro. Der Gewinneinbruch aber
läge, sagt man, am schlechten Erdgasgeschäft.
Die
Aktionäre des RWE müssen nun auch den Kitt von den Fenstern fressen,
denn das RWE hatte ebenfalls weniger Gewinn in ersten Halbjahr: Um ein
Dritte3l sank der Gewinn auf schlappe 3,3 Milliarden Euro. Der
Atomausstieg trage die Schuld. Na dann. Man sieht also, Frau Merkel
macht nicht die Politik der Konzerne – sollte man meinen.
Aber
die Umsätze der Energiekonzerne blieben stabil oder stiegen, vorher,
bis 2010, stieg deren Gewinn überproportional. Also kann man
sagen, der Gewinn hat sich jetzt nur normalisiert. Und schon
kommen höhere Strompreise, also stecken E-on und Konsorten
letztlich mehr ein als vorher.
Aber
zurück nach Cannes: Die so groß angepriesene Konferenz der Staatsgrößen
mit den Vorschusslorbeeren der bürgerlichen Medien hat sich als
Luftblase heraus gestellt. Keine der Probleme wurde angegangen
und keins wirklich gelöst. Mal abgesehen davon, dass Frau Merkel
und ihr französischer Lover in der Politik Sarkozy,
eine Transaktionssteuer haben wollten – vor einem
Jahr war sie dagegen – aber der
Berg kreiste und gebar – noch nicht einmal eine Maus.
Die Veranstaltung
in Cannes brachte nichts, es war eine reise Propagandashow? Nicht
ganz! Hinter den Kulissen taktierten die Banken und Konzerne, die sind
die Gewinner. Es gibt nun Banken, die Staatswichtig sind, andere sind es
nicht. Die staatswichtigen sind
nicht etwa die
Genossenschaftsbank Kleinkleckersdorf oder von Neuhaus am Rensteig,
sondern die größten Banken weltweit.
In Deutschland die Deutsche Bank und die Commerzbank. Beide haben sich
schon vor ein paar Jahren in den USA mit Immobilien verzockt, jetzt wird
bekannt, dass die Commerzbank in großen Maße griechische
Staatsanleihen im Tresor hat, deren Wert im Keller ist – Schäuble
wird seine Staatskasse öffnen müssen.
A
propos Griechenland: Vor Jahren
haben Banken und Hedgefonds die griechische Regierung gedrängt, Kredite aufzunehmen um damit auf
Einkaufstour zu gehen. So kaufte Griechenland hypermoderne Waffen ein.
Spiegel online schreibt dazu:
„U-Boote
der Klasse 214, die mit ihrem Brennstoffzellenantrieb auf ausgedehnte
Tauchfahrten gehen können; Kampfflugzeuge vom Typ „Eurofighter“,
die mit doppelter Schallgeschwindigkeit jagen und verteidigen können,
ausgestattet mit 27-Millimeter-Kanonen und jeweils 13 Raketen oder
Bomben; dazu „Leopard-2“-Kampfpanzer mit mächtigen
120-Millimeter-Glattrohrkanonen.“
Zu
was braucht die griechische Armee diese teuren Mordwerkzeuge?
Griechenland war der fünfgrößte Waffenimporteur weltweit. Bei der
Diskussion um die Eurokrise und die Maßnahmen der Athener Regierung die
Schulden zu bezahlen,
bleiben die Waffenimporte unberührt – die müssen sie immer noch
kaufen – und bezahlen.
Bezahlen
aber sollen nicht die Reichen in Griechenland (und anderswo), das sollen
die arbeitenden Menschen,
die Rentner, die Armen und auch die kleinen Unternehmer:
So
funktioniert das im Kapitalismus. Die Konzerne scheffeln Profite, geht
aber was schief, dann zahlt der Staat – durch Steuern und Vernichten
von sozialen Rechten.
Den
Unterprivilegierten aber macht man weiß, das müsse so sein, sonst
ginge alles kaputt. Dabei ist das alles eine ganz normale Krise, das
Ergebnis des kapitalistischen Schachers und des Run auf Maximalprofite
– eben Kapitalismus. Die Zeche bezahlen nicht die Verursacher, die
normalen Menschen sollen sie zahlen. Das ist bei uns so, und auch in
Griechenland.
Allerdings
wehren sich die Griechen. Dort gibt es – im Gegensatz zu uns – mit
der KKE eine kommunistische Partei, die diese Bezeichnung verdient und
dort gibt es mit der PAME eine Gewerkschaft, die sich nicht – wie hier
die DGB-Gewerkschaften – vor den Karren des Kapitals spannen
lässt.
Es
gibt nur einen Ausweg aus der Krise: Revolutionärer Stürz der
Herrschaft des Kapitals. Aber mangels einer wirklichen KP und der
Zersplitterung der Kommunisten bei uns, ist hier die klassenversöhnlerischen
Linkspartei eingesprungen – mitsamt ihrer „kommunistischen“
Plattform.
G.A.
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Merkel und Sarkozy
spielen sich zu Herrscher über Griechenland auf –
Für
Großkonzerne und Banken!
Von
Gerd Höhne
Kommunisten-online
vom 6. November 2011 – Griechenland
ist ein souveräner Staat, keine ausländische Regierung hat das Recht,
sich in die inneren Angelegenheiten ein zumischen. Aber genau das macht
das Duo Merkel und Sarkozy
und sie tun es um deutsche und französische Kapitalinteressen zu
vertreten. Schon geistert es
durch die bürgerliche Presse, dass man in Griechenland so manches Schnäppchen
machen kann. So hat die
Deutsche Telekom bereits den griechischen Telekommunikationsmarkt fest
im Griff und darüber hinaus auch den mancher osteuropäischer Länder,
die ihre Telekommunikation von der Hellenic Telecoms S.A. betreiben
lassen.
RWE und E-on lecken stich die Lippen, denn die
griechische Energieversorgung soll ihnen in die Hände zum Schnäppchenpreis
zufallen usw.
Das alles wird dann von der Regierung
Griechenlands, die zur Marionette von Berlin und Paris verkommen soll,
geregelt.
Und alles wird dann als Hilfe oder Rettung
Griechenlands an den Mann gebracht. Man befürchte aber tatsächlich,
dass Griechenland nur der erste Schritt werden soll, zum totalen Verfall
des Euro, der vor über 10 Jahren mehr oder weniger aus dem
Bodengestampft wurde. Es gab Warner aus Kreisen der Gewerkschaft, die
sagten, da würden Volkswirtschaften mit unterschiedlichen
Sozialstandards zusammen eine Währung haben und das würde denen
Sozialen Standards der Länder mit höherem Niveau nach unten drücken,
nicht aber die mit niedrigen Sozialstandards nach oben.
Genau das kam ja auch. In Deutschland. Aber
auch in Benelux und Frankreich erhöht sich der Druck auf die abhängig
Beschäftigten. Die Renten sinken und das Rentenalter soll nun auch in
Frankreich auf 67 steigen. Die prekären Beschaftigungsverhältnisse
nehmen sprunghaft zu, es gibt kaum noch ein Einzelhandelsgeschäft in
Deutschland das durchweg tarifvertraglich gebundene Beschäftigte hat.
Den Vorteil von Euro haben vor allem die
Exportindustrie, also die Großkonzerne und die Banken. Letztere zockten
dann auf Teufel komme raus. Erst mit USA-Immobilien, als die Blase
platzte, sprangen die Staaten ein und ersetzten den Banken die Verluste.
Die aber, die durch deren Zockerei ihren Job
verloren haben, gab der Staat nichts, die müssen in Deutschland
letztlich mit Hartz IV auskommen. Aber die Banker zocken weiter. Jetzt
drängten sie Griechenland Kredite auf, damit die Griechen im Ausland
– vor allem in Deutschland – Produkte kaufen konnten, die spie nicht
brauchen, aber sündhaft teuer sind. So modernste Waffensysteme.
Und nun platzt diese Blase auch. Die Griechen
können die Kredite nicht mehr zurück zahlen. Also springt die
EU ein und zahlt das alles
aus dem Steuertopf – sie lassen also uns bezahlen. Man nennt das
Rettungsschirm. Ich bezweifle aber, ob auch nur ein Cent in Griechenland
ankommt. Das viele Geld landet garantiert in den Tresoren der Großbanken,
der Deutschen Bank, Commerzbank usw. Darum geht es den Rettern. Wenn sie
nun schwafeln, die Banken würden an der Rettung beteiligt und müssten
auch zahlen, so ist eher der Wunsch der Vater des Gedankens. Bisher gibt
es keine verbindliche Zusage der Großbanken, ihnen
kauft die EZB die griechischen Staatsanleihen ab, bezahlt es
letztens mit Luftbuchungen.
Ich behaupte: Merkel und Sarkozy können
„retten“ solange sie wollen, sie werden und können nichts retten,
denn hier ist es das System des Kapitalismus, das in der Krise steckt.
A propos Luftbuchung: Die Hypo
Real Estate (HRE), also die Bank, die mit zig Milliarden aus
Steuergeldern „gerettet“ wurde, hat jüngst eine Bilanz veröffentlicht.
Dabei verrechneten sich die Rechenkünstler im Nadelstreifen um schlappe
55 Milliarden Euro. Adam Ries dreht sic h im Grabe herum und man sollte
den noblen Herren mal empfehlen. Dessen Werk „Rechnung
auff der linihen“ zu lesen. Das erschien schon 1518. Von gestern ist
es aber noch nicht – ganz
im Gegensatz zu jenen, die
sich gern zum eigenen Nutz und Frommen verrechnen oder zocken, Für die
gilt, was einst Floh de Cologne sang:
Der
Unternehmer heißt Unternehmer, weil er etwas unternimmt.
Der Arbeiter heißt Arbeiter, weil er arbeitet.
Würden die Arbeiter was unternehmen, müssten die Unternehmer arbeiten.
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Griechenland:
Ausgehöhlte
Demokratie
ATHEN/BERLIN
Quelle:
german-foreign-policy
vom 04.11.2011 (auf Kommunisten-online am 6. November 2011) –
Unter anhaltendem deutschem Druck droht in Griechenland dem ersten
Eurostaat eine "Notregierung" aus parteilosen Fachleuten zur
Umsetzung des Berliner Spardiktats. Nachdem Ministerpräsident Giorgios
Papandreou von seinen Referendumsplänen Abschied genommen habe, könnten
sein Rücktritt und die Bildung eines Expertenkabinetts rasch folgen,
heißt es in Athen. Gespräche zwischen Regierung und Opposition haben
inzwischen begonnen. Mit der Drohung, die zugesagten Hilfsgelder nicht
auszuzahlen, hatten Berlin und Paris nicht nur den Referendumsplan zum
Scheitern gebracht, sondern auch den Vorsitzenden der konservativen
Oppositionspartei genötigt, sich den brutalen Austeritätsprogrammen
nicht länger zu widersetzen. Antonis Samaras hatte bisher stets darauf
hingewiesen, dass die Kürzungsmaßnahmen die Ökonomie Griechenlands
vollends ruinieren – eine Feststellung, die sich mit den
wirtschaftlichen Fakten deckt und jetzt auch von renommierten
Wissenschaftlern bestätigt wird. Demnach leidet Griechenland vor allem
an "Nachfrageentzug"; gegenwärtig würden im Kampf gegen die
Krise "die gleichen Fehler gemacht wie Deutschland unter Brüning".
Notregierung
Unter
anhaltendem schwerem Druck aus Berlin und Paris droht in Griechenland
eine sogenannte Notregierung. Wie aus Athen berichtet wird, verhandeln
dort die regierende sozialdemokratische Partei und die konservative
Opposition über die Bildung eines Übergangskabinetts. Zuvor hatte
Ministerpräsident Giorgios Papandreou seine Pläne für ein Referendum
über das Spardiktat der EU zurückgezogen, nachdem die deutsche
Kanzlerin und der französische Staatspräsident angekündigt hatten,
Athen die notwendige Auszahlung von Hilfsgeldern bis zu einer positiven
Entscheidung beim Referendum zu blockieren. Nun heißt es, möglicherweise
stehe ein Kabinett aus parteilosen Fachleuten bevor. Es solle das von
Berlin und Paris erzwungene Spardiktat umsetzen und dann bis zu
Neuwahlen im Amt bleiben. Als Favorit für das Amt des Übergangs-Ministerpräsidenten
gilt der Finanzfachmann Lucas Papademos. Papademos, der keiner
politischen Partei angehört, arbeitete von 2002 bis 2010 als Vizepräsident
bei der Europäischen Zentralbank (EZB) und galt dort als Verfechter
eines strikten Stabilitätskurses - also genau dessen, was Berlin
verlangt.
Erpressung
Mit
dem Referendum hatte der griechische Ministerpräsident die Bevölkerung
des Landes faktisch zwingen wollen, dem von Berlin oktroyierten
Spardiktat zuzustimmen. Diese Zustimmung ist zur Zeit nicht gegeben.
Einer Umfrage zufolge stufen nur 12,6 Prozent der griechischen Bevölkerung
die beim EU-Gipfel vergangene Woche erzielten Übereinkünfte als klar
"positiv" ein, während 44 Prozent sie eindeutig
"negativ" beurteilen. Sogar 48,8 Prozent lehnen die
EU-Kontrolle der Umsetzung des griechischen Sparprogramms entschieden
ab, weil sie die nationale Souveränität Griechenlands einschränkt.
Dagegen hätte eine Verknüpfung des Referendums mit der Frage, ob
Griechenland den Euro behalten soll, eine Wende bringen können: Nur
19,5 Prozent sprechen sich gegenwärtig für eine Rückkehr
Griechenlands zur Drachme aus, während 72,5 Prozent beim Euro bleiben
wollen. Der Wunsch, den Euro zu behalten, hätte die Zustimmung zum
Berliner Spardiktat erzwingen können. Entsprechend kritisierten
diejenigen Teile der griechischen Opposition, die das Austeritätsprogramm
ablehnen, die Referendumspläne als "Erpressung". Aus Sicht
Berlins waren wohl vor allem das Restrisiko sowie der ebenfalls
risikoreiche Zeitverlust untragbar.
Erzwungener
Konsens
Zu
den Gegnern der Kürzungsmaßnahmen gehörte lange Zeit der Vorsitzende
der oppositionellen konservativen Partei, Antonis Samaras. Samaras wies
immer wieder darauf hin, dass die von Berlin erzwungene Sparpolitik der
sozialdemokratischen Regierung das Land gleichsam in den Abgrund trieb -
eine Tatsache, die inzwischen durch die wirtschaftlichen Fakten überaus
deutlich belegt ist. Die Wirtschaftsleistung Griechenlands schrumpft
kontinuierlich und liegt inzwischen rund 14 Prozent unter dem Wert von
Ende 2008; die Industrie ist weiter auf Talfahrt. Parallel sinken die
Steuereinnahmen, die Staatsschulden steigen; mittlerweile haben sie rund
160 Prozent des BIP erreicht und sollen nun per
"Schuldenschnitt" bis 2020 auf das Niveau von 2009 gedrückt
werden (german-foreign-policy.com berichtete [1]). Samaras hat allen
Sparmaßnahmen stets im Grundsatz zugestimmt, jedoch gefordert,
punktuell den Inlandskonsum zu berücksichtigen, um die Ökonomie nicht
gänzlich abstürzen zu lassen. So hat er verlangt, die Nachfrage zu
stimulieren oder auch die Entlassung von Staatsbeamten rückgängig zu
machen. In den deutschen Medien wurde er deshalb übel beschimpft. Er hänge
einem "angewandten Vulgär-Keynesianismus" [2] an und sei ein
"Verweigerer" [3], hieß es etwa in der einflussreichen
Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Im Streit um Papandreous Referendumspläne
ist es der Bundesregierung jetzt gelungen, ihn zur zumindest vorläufigen
Aufgabe seiner Pläne zu nötigen. Samaras hat eingewilligt, mit
Papandreou über eine Regierung zu verhandeln, die das jüngste
Sparpaket unter Aufsicht der EU realisiert.
Wie
Deutschland unter Brüning
Unter
dem Druck Berlins und Brüssels brechen damit nicht nur die letzten
Reste demokratischer Eigenständigkeit in Griechenland zusammen - der
Austeritätskonsens, der die nächste Regierung konstituiert, ist von
Deutschland und der EU entworfen und durchgesetzt worden. Der
griechische Fall kann zugleich als Modell für andere verschuldete
Staaten Südeuropas gelten. So befindet sich Portugal bereits am Rande
eines ökonomischen Absturzes, wie er Griechenland vor geraumer Zeit
erfasst hat.[4] Prominente Ökonomen haben sich am gestrigen Donnerstag
mit ernsten Einwänden an die Öffentlichkeit gewandt und ebenfalls neue
Nachfrageprogramme gefordert. Griechenland stoße an "soziale
Grenzen" und sinke "angesichts des Nachfrageentzugs in eine
immer tiefere Rezession". "Das Land braucht eine glaubhafte
Perspektive", sagt der Harvard-Ökonom Philippe Aghion, "und
die kann es nur mit einem Marshallplan geben, der für
Wirtschaftswachstum sorgt." Wie der Wirtschaftswissenschaftler
Hans-Joachim Voth von der Uni Pompeu Fabra im spanischen Barcelona erklärt,
sei das letzte Rettungsmittel wohl "ein unbegrenzter Scheck an die
Griechen". Eine Fortsetzung der Sparmaßnahmen führe in eine
Katastrophe: "Mit der Austeritätspolitik hat man die gleichen
Fehler gemacht wie Deutschland unter Brüning".[5]
Noch
tiefer in die Krise
Experten
äußern nicht nur schwere Bedenken bezüglich der Entwicklung
Griechenlands, sondern auch im Hinblick auf den Euro insgesamt. So heißt
es in einer knappen Analyse des Krisengipfels vergangene Woche, die der
European Council on Foreign Relations (ECFR) veröffentlicht hat, die
auf dem Eurogipfel beschlossene "Versicherungslösung" werde
wohl "nicht das aktuelle Problem der Flucht aus italienischen,
spanischen, portugiesischen oder gar französischen Anleihen
beheben". "Vielleicht noch schlimmer" sei, dass die
beschlossene Rekapitalisierung der Banken geeignet sei, "die
Euro-Wirtschaft in diesem Winter tief in eine neue Rezession zu
treiben".[6] Zudem deuteten aktuelle Äußerungen aus der
Finanzbranche auf eine künftig zurückhaltendere Kreditvergabe hin.
"Eine Rezession in der Eurozone in den nächsten Monaten wäre dann
sehr schwer zu verhindern, was die Schuldenkrise erneut verschlimmern würde."
"Bei näherer Betrachtung", heißt es in dem Beitrag resümierend
über die Resultate des Eurogipfels, "wird das Ergebnis höchstwahrscheinlich
nicht die Eurokrise beenden, einzelne Teile werden sie tatsächlich
sogar verschlimmern." Was das für die inneren Verhältnisse
insbesondere in den verschuldeten Staaten wie Griechenland bedeutet,
bleibt abzuwarten; die Aushöhlung der parlamentarischen Demokratie
durch auswärtige Diktate schreitet jedenfalls voran.
[1]
s. dazu Europa
auf deutsche Art (I)
[2] Zuckergebäck als Medizin; www.faz.net 17.10.2011
[3] Der Verweigerer; www.faz.net 27.06.2011
[4] s. dazu Europa
auf deutsche Art (I)
[5] Ökonomen plädieren für unbegrenzten Griechen-Scheck; www.ftd.de
03.11.2011
[6] Sebastian Dullien: The euro summit: think twice before you celebrate;
ecfr.eu 27.10.2011
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