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Nicht der Glaube – das
Wissen zählt!
Gedanken
zur Entwicklung in China heute
Anmerkungen zum Text von Genossen Kurt
Gossweiler zu China
Von Günter Ackermann
Kommunisten-online vom 1 – Das Thema China ist unter
Kommunisten strittig. Die einen
sagen: China ist kapitalistisch geworden, die anderen sagen, das ist nur
eine Zwischenphase und die Dritten behaupten, dass China sozialistisch
sei wie eh und je. Ich bekenne mich zur These der ersten, also: China
ist nicht (mehr) sozialistisch und unterscheidet sich im Wesen nicht von
anderen kapitalistischen Ländern, wie die USA, Europa usw.
Das
ist nicht in erster Linie Enttäuschung, denn immerhin bekannte – und
bekenne – ich mich zur Position der KP-Chinas, zur Generallinie der
Kommunistischen und Arbeiterparteien von 1964. Hier haben die
chinesischen Genossen die revisionistischen Positionen der Führung der
KPdSU unter Chruschtschow einer grundlegenden Kritik unterzogen und eine
klare marxistisch-leninistische Position vertreten. Ich gehörte damals
zu den Gründungsmitgliedern der KPD/ML, der ersten deutschen
kommunistischen Gruppe, die sich gegen den modernen Revisionismus
auf der Basis dieser Texte der KP Chinas stellte.
1. Mao Tse-tung und der XX. Parteitag der
KPdSU
Wann
aber erschien die Auseinandersetzung mit dem XX. Parteitag durch die KP
Chinas? Der Verlag für fremdsprachige Literatur Peking veröffentlichte
im Jahre 1963 einen „Brief an die Führung der KPdSU“ – also
sieben Jahre nach dem XX. Parteitag. Dazwischen gab des mehrere
Parteitage der KPdSU auf denen weitere schwerwiegende Abweichungen vom
Marxismus-Leninismus beschlossen wurden. Dazwischen lagen sich Kennedy
und Chruschtschow mehrfach in den Armen. Die Führung der KP China nahm
das alles schweigend zur Kenntnis.
Anders
die Albaner. Enver Hoxha hatte sich schon direkt nach dem XX. Parteitag
von der Rede Chruschtschows distanziert, und die albanische Führung drängte
die KP Chinas dazu, ihrerseits Stellung zu nehmen.
Was
aber in China direkt nach dem XX. Parteitag erschien, war Mao Tse-tungs
Schrift „Über die richtige Behandlung der Widersprüche im Volke“
Darin schreibt Mao:
„Zu
den Widersprüchen im Volke gehören unter den gegenwärtig in China
bestehenden Verhältnissen: Widersprüche innerhalb der Arbeiterklasse,
Widersprüche innerhalb der Bauernschaft, Widersprüche innerhalb der
Intelligenz, Widersprüche zwischen der Arbeiterklasse und der
Bauernschaft, Widersprüche zwischen Arbeitern und Bauern einerseits und
der Intelligenz anderseits, Widersprüche zwischen der Arbeiterklasse
und anderen Werktätigen einerseits und der nationalen Bourgeoisie
anderseits, (…) usw. Unsere Volksregierung ist eine Regierung, die
wirklich die Interessen des Volkes vertritt und dem Volke dient, doch
bestehen auch gewisse Widersprüche zwischen der Regierung und den
Volksmassen. (,,,) All das sind auch Widersprüche im Volke. Im
allgemeinen sind die Widersprüche im Volke solche, die auf ' dem Boden
der grundlegenden Einheit der Interessen des Volkes entstehen.“
„„In
unserem Land gehört der Widerspruch zwischen der Arbeiterklasse und der
nationalen Bourgeoisie zu den Widersprüchen im Volk. (..) Aber unter
den konkreten Bedingungen unseres Landes kann dieser antagonistische
Klassenwiderspruch, wenn er richtig behandelt wird, in einen
nichtantagonistischen umgewandelt und auf friedlichen Wege gelöst
werden.“ (Mao tsetung: über die richtige Behandlung der Widersprüche
im Volk)
Das
war 1957, also lange vor dem Brief über die Generallinie. Liest sich
das nicht wie Chruschtschows friedlicher Weg?
Ähnlich
die „hundert Blumen“:
„„Die
Richtlinie, hundert Blumen blühen und hundert Schulen miteinander
wetteifern zu lassen, soll dem Aufblühen der Künste und dem
Fortschritt der Wissenschaft, dem Gedeihen einer sozialistischen Kultur
in unserem Lande dienen. Unterschiedliche Formen und Stilarten können
sich in der Kunst frei entwickeln, und unterschiedliche
wissenschaftliche Schulen können frei miteinander wetteifern. Unserer
Meinung nach würde es für die Entfaltung von Kunst und Wissenschaft
schädlich sein, wenn durch administrativen Zwang ein bestimmter
Kunststil oder eine bestimmte Schule durchgesetzt wird und andere
verboten werden. Was in Kunst und Wissenschaft richtig oder falsch ist,
soll durch freie Diskussion unter Künstlern und Wissenschaftlern und in
der praktischen künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeit
entschieden werden. Es darf nicht auf simple Weise geregelt werden.“ (Mao
tsetung: Über die richtige Behandlung der Widersprüche im Volk)
Also:
Revolutionäre Kunst, Kultur und Aktion, wird gleichgesetzt mit
konterrevolutionärer, der Klassencharakter von Wissenschaft und Kultur
wird unbeachtet gelassen. Das war die Zeit, als in der Sowjetunion eine
Schmonzette in die Kinos kam, die den Titel trug: „Wenn die Kraniche
ziehen“ und wo der Film „Der stille Don“ ebenfalls die Kinos kam.
Der Film spielt in den 20er Jahren während der Interventionskriege.
Hier werden Kosakentrupps der Weißen mit dem der Roten gleich gesetzt
und der Held wechselt die Fronten, wie andere die Hemden.
Hundert
Blumen? Hundert Sumpfblüten!
Jedenfalls
verschwand damals Mao Tse-tung für einige Jahre von der Bildfläche. In
der Zeit begann auch die offene Auseinandersetzung mit dem modernen
Revisionismus durch die damalige Führung der KP Chinas.
Das
mag miteinander nichts zu tun haben, ist aber dann
ein eigenartiger Zufall.
2. Soziale Fragen der Entwicklung in China heute
Kurt
Gossweiler schreibt:
„Daran, daß die in China regierende
Kommunistische Partei dem ausländischen Kapital großen Spielraum gewährt
hat und noch immer gewährt, der von diesem zu brutaler Ausbeutung der
chinesischen Arbeiterinnen und Arbeiter ausgenutzt wird, und daß auch
das Entstehen einer „eigenen“ chinesischen
Kapitalistenklasse Raum gegeben wurde, die es dem ausländischen Kapital
eifrig gleichtut, ist nicht zu zweifeln.“
O
ja, der Spielraum wurde mehr und mehr als zu brutaler Ausbeutung
genutzt. Die chinesische Arbeiterklasse hat heute nämlich nicht einmal
das Recht, sich in Gewerkschaften zu organisieren, vom Streikrecht ganz
zu schweigen. Kurt Gossweiler führt dann aus:
„Als
unter Deng Xiaoping die Reformen eingeleitet wurden, die
kapitalistischen Unternehmen so großen Raum einräumten, fragte ich
mich, warum in China nicht möglich sein sollte, was in Rußland mit so
großem Erfolg vorgemacht worden war: die Wirtschaft im wesentlichen aus
eigener Kraft aufzubauen, mit nur geringfügiger
und nur relativ
kurzzeitiger Zulassung von kapitalistischen Elementen in der Periode der
NÖP, der „Neuen Ökonomischen Politik“
China
macht heute also das, was einst Lenin in Sowjetrussland praktizierte:
Damals wurden private Initiativen zur Versorgung der Bevölkerung im
beschränkten Umfang zugelassen.
Die
Erscheinungsformen mögen ähnlich sein, sie sind es aber nur oberflächlich.
Damals hatte Sowjetrussland einen jahrelangen mörderischen Krieg zu
bestehen gehabt. Die Weißgardisten
hatten das Land gemeinsam mit ausländischen Interventionstruppen schwer
verwüstet. Die Produktion von Grundgütern der Versorgung lag am Boden,
es gab Hungersnöte. In dieser Situation wurde die NEP beschlossen. Aber
es war klar: Das ist nur eine Übergangsphase.
Welchen
Krieg aber gab es in China in den 80er Jahren, welche Grundbedürfnisse
müssen die chinesischen Dollarmilliardäre im Verein mit
multinationalen Konzernen befriedigen? Welche Grundbedürfnisse
befriedigen die chinesischen Aktienbörsen?
In
Russland damals, da stimme ich Kurt Gossweiler zu, war das nur in eine
relativ kurzzeitige Zulassung.
Aber, soweit ich informiert bin, durften keineswegs die multinationalen
Großkonzerne in Russland Milliarden verbauen und russische Arbeiter zu
Hungerlöhnen für sich schuften zu lassen.
Ganz
anders in China. Dort investieren europäische, amerikanische,
japanische. taiwanesische usw. Großkonzerne gigantische Summen. Ja,
glaubst du, Genosse Kurt, die täten es, wenn in ein paar Jahren die
chinesische Regierung ihnen alles wieder enteignete?
Kurt
Gossweiler schreibt weiter:
„Das bedeutet, daß die kommunistische
Partei und der sozialistische Staat in einer ersten Phase
sich als Planaufgabe nicht den durchgängigen Aufbau
sozialistischer Gesellschafts-
und Produktionsverhältnisse zum Ziel setzen kann, sondern zunächst
erst einmal die nachholende
Schaffung der ökonomischen Voraussetzungen für den späteren Übergang
zu sozialistischen Produktionsverhältnissen,
und das unter Heranziehung ausländischer und Zulassung chinesischer
Kapitalisten.“
Also,
ohne Industrie kann der Sozialismus nicht aufgebaut werden. Folglich
baut die KP Chinas erstmal mittels Siemens, Microsoft, VW, Apple und
anderer den Kapitalismus auf. Dann (da sie noch immer das Zepter in der
Hand hält), wenn das erreicht ist, vollzieht sie den revolutionären
Akt der Änderung der Besitzverhältnisse – und erst dann gibt es den
Aufbau des Sozialismus?!
Für
mich ist das etwas eigenartig, und es liest sich wie Kautsky und
Austromarxismus. Da in Russland die Produktivkräfte nicht genug
entwickelt waren, war die Oktoberevolution falsch – meinten Otto
Bauers Austromarxisten.
Liegt
da nicht eher der Gedanke nahe, dass die Führung der KP Chinas den
Sozialismus Zug um Zug abgeschafft hat und nun dem internationalen
Kapital riesige Profitchancen ermöglicht.
Ich
bezweifle nicht, dass die chinesische Arbeiterklasse eines Tages mittels
eines revolutionären Akts diese Ausbeuter davon jagen wird, meine aber,
dass auch deren Handlanger in der KP und Regierung zum Teufel gejagt
werden müssen und gejagt werden.
Weiter
schreibt Kurt Gossweiler:
„Überraschend für mich war allerdings
die Feststellung auf dem letzten Parteitag, es ginge jetzt um die
Herstellung einer „harmonischen Gesellschaft.“
Ich
sehe darin nichts anderes als das Bekenntnis der KP Chinas, dass sie den
Sozialismus nicht mehr anstrebt. Harmonie ist eine Grundlage der Lehre
des feudalen Philosophen Konfuzius (551 bis 478 v.u.Z.).
Konfuzius:
„Den Angelpunkt zu finden, der unser
sittliches Wesen mit der allumfassenden Ordnung, der zentralen Harmonie
vereint“,
und
„Der Edle strebt nach Harmonie, nicht nach
Gleichheit. Der Gemeine strebt nach Gleichheit, nicht nach Harmonie.“
Da
haben wir es: Das edle Ziel der chinesischen Führung ist nicht
Gleichheit – sie verfolgt ja ein edles Ziel! – sondern eben eine
harmonische Gesellschaft
Aber
Spaß beiseite. Etwas entsetzt war ich allerdings über folgendes im
Text des Genossen Kurt Gossweiler:
„Es heißt das offenbar, daß sich die Führung
darüber klar ist, daß unter den gegebenen Bedingungen die Gefahr
besteht, daß die bestehenden Klassengegensätze zwischen Kapital und
Arbeit zu offenen Klassenkämpfen führen, die zu einer Gefährdung der
Stabilität der Staats- und Gesellschaftsordnung werden können.
Das muß verhindert werden.“
Das
kennen wir doch. 1918 war sich die Führung der Sozialdemokratie in
Deutschland darüber klar,
daß unter den gegebenen Bedingungen die Gefahr besteht, daß die
bestehenden Klassengegensätze zwischen Kapital und Arbeit zu offenen
Klassenkämpfen führen, die zu einer Gefährdung der
Stabilität der Staats- und Gesellschaftsordnung werden können.
Das musste verhindert werden – und wurde verhindert: Rosa Luxemburg
wurde erschlagen, ebenso Leo Jogiches und Karl Liebknecht erschossen, Wilhelm Pieck entging nur knapp dem Tod.
Lieber
Genosse Kurt, bist du dir darüber im klaren, was du da geschrieben
hast? Die heutige KP verhindert die Klassenkämpfe – sie macht also
genau das Gegenteil von dem, was dazumal eine Führung der KP Chinas in
ihrer Polemik über die Generallinie schrieb.
Kommunisten stellen sich nicht gegen die
Klassenkämpfe, sondern führen sie, geben ihr eine revolutionäre
Richtung zum Sturz der Herrschaft des Kapitals.
Was
du da aber beschreibst, das ist das genaue Gegenteil – ist
Konterrevolution.
Weiter
schreibt Kurt Gossweiler:
„Und es kann nur dadurch verhindert
werden, daß der sozialistische Staat
die offene Austragung der Interessengegensätze
nicht zuläßt, sondern deren Ausgleich in die eigenen Hände nimmt,
indem er Sorge dafür trägt, daß der wachsenden Reichtum der gesamten
Gesellschaft nicht nur die Kapitalseite reicher werden läßt, sondern
an ihm auch die Werktätigen stetig und fühlbar teilhaben, zugleich
aber auch dafür, daß die Bedingungen erhalten bleiben, unter denen die
Kapitalisten bereit sind, weiter an der Stärkung eines Staates
mitzuwirken, dessen wachsende Macht das internationale Klassenkräfteverhältnis
zuungunsten des Kapitalismus verändert.“
Da
Kapitalisten nur bereit sind, einen Staat zu stärken, der ihnen
Maximalprofite garantiert, garantiert der angeblich sozialistische Staat
VR China genau das, indem der „Staat
die offene Austragung der Interessengegensätze
nicht zuläßt, sondern deren Ausgleich in die eigenen Hände nimmt“
Ich
lese Ausgleich von Klassengegensätzen. Wie bitte? Wie gleicht man
antagonistische Klassenwidersprüche aus? Bisher haben wir Kommunisten
uns solchen Sozialdemokratismen entschieden entgegen gestellt. Es gibt
keinen Ausgleich dieser Widersprüche, das sind bürgerliche Märchen.
Diese Klassengegensätze müssen mittels eines revolutionären Akts der
Arbeiterklasse, im Bündsnis mit anderen werktätigen Klassen und
Schichten, unter führung der kommunistischen Partei mittels eines
revolutionären Akts aufgehoben werden.
Aufgehoben, wohlgemerkt, nicht ausgeglichen!
Der
letzte Staat in Deutschland, der das in die „eigene Hand“ nahm –
zum Nutz und Frommen des Kapitals – war der des deutschen Faschisten.
Deren „Gewerkschaft“ trug den Namen „Deutsche Arbeitfront“. In
ihr waren Kapital und Arbeit organisiert. Wohin diese Harmonie führte,
weiß ein Faschismusforscher, wie Kurt Gossweiler, nur allzu gut.
Die
chinesischen Arbeiter schuften für die Profite der Konzerne unter unsäglichen
Bedingungen. Die Extraprofite sind enorm.
Und
der chinesische Staat erfüllt dieses Profitstreben bis in die letzte
Konsequenz. Die chinesische Arbeiterklasse hat weder ihre revolutionäre
Partei, aber auch keine Gewerkschaft, die diesen Namen auch nur
ansatzweise verdient – Arbeiter, die aufmucken, bekommen es mit der
Staatsmacht zu tun. Oder, was immer häufiger
vorkommt, sie begehen Selbstmord.
Und
der sozialistische Sektor der Ökonomie? Meines Wissens wurde der immer
mehr zurückgedrängt und/oder produziert auch profitorientiert. Auf dem
flachen Lande wurden die Volkskommunen beseitigt, eine ehemals starke Stütze
des sozialistischen Sektors der Wirtschaft in den ländlichen Regionen.
Diese
waren mehr, als die LPG’s der DDR oder Kolchosen in der UdSSR. Sie
umfassten ganze Regionen, hatten neben Landwirtschaft auch
kleinindustrielle Betriebe, Schulen, Kindergärten,
medizinische Betreuung und andere kulturelle und soziale
Einrichtungen. Die gibt es nicht mehr. Die ehemaligen Mitglieder sind
entweder Kleinbauern geworden, oder einige haben sich bereichert, und
sie gehören zur regionalen bourgeoisen Oberschicht. Die Mehrheit zieht
als Wanderarbeiter durchs Land und fristet ein erbarmungswürdiges
Leben.
Mit
der Zerschlagung der Volkskommunen und der Einführung der
Marktwirtschaft auch der verbliebenen Staatsbetriebe, hat die Führung
der KP-Chinas die Grundlagen des Sozialismus verlassen und hat
kapitalistische Verhältnisse – mit allen negativen
Erscheinungsformen, wie Massenarbeitslosigkeit, zügellose Spekulationen
um Aktien und Immobilien. Gewinnmaximierung usw. – nicht nur
zugelassen, sondern fördert sie mit aller Kraft – auch mit den
Mitteln von Polizei und Justiz.
Das,
lieber Kurt, soll noch sozialistisch sein? Ich mag es nicht glauben.
3. Fazit
Ich
verstehe, es ist menschlich, wenn man als Kommunist vor dem
Scherbenhaufen steht, den der moderne Revisionismus angerichtet hat und
man sich an jeden Strohhalm klammert, der Hinweise auf den Erhalt von
Resten des sozialistischen Lagers bietet.
Aber
der Marxismus-Leninismus ist nicht in erster Linie nostalgisch. Er
bedient sich der wissenschaftlichen Methoden des dialektischen und
historischen Materialismus. Wir dürfen nicht nur auf den Namen der
regierenden Partei und die Staatsfahne sehen, sondern wir müssen nach
dem Klassencharakter des Staates fragen:
Welche Klasse herrscht über welche? Wie sieht der
Klassencharakter der Politik von Staat und Partei aus?
usw.
Ich
fürchte daher, dass viele ernst zu nehmende Genossen das nicht sehen
oder nicht sehen wollen. Es ist der Strohhalm, an den man sich klammert.
Es kann doch nicht sein, was nicht sein darf – so ist ihr Herangehen.
Doch,
es ist so. Es gibt keine UdSSR mehr, Russland und die ehemaligen
Sowjetrepubliken sind kapitalistische Länder. Sie sind Partner oder/und
imperialistische Konkurrenten des westlichen Imperialismus, und sie stützen
im Zweifelsfall die imperialistische Kriegspolitik. Mit China ist das
nicht anders.
So
auch derzeit wieder. Der Nato-Krieg gegen Libyen wurde bekanntlich vom
UN-Sicherheitsrat abgesegnet. Dass Russland, China und Deutschland sich
der Stimme enthielten, ist nichts anderes als schweigende Zustimmung.
Denn – hätte China die Abstimmung gegen den Krieg ablehnen wollen
– nichts ist einfacher als das! China, Russland, die USA,
England und Frankreich sind ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat,
und sie haben ein Vetorecht. Hätte China dagegen gestimmt, dann hätte
es diesen Beschluss nicht gegeben, und die Nato hätte ihren
verbrecherischen Angriff nicht mit UN-Mandat schmücken und tarnen können.
Was also ist an der chinesischen Haltung antiimperialistisch?
Dass
China in „Schurkenstaaten“ wie Iran und Venezuela Erdöl einkauft?
Wenn ich bei Aldi Lebensmittel kaufe, muss ich doch nicht die Albrechts
mögen. China braucht Energie und kauft Erdöl da, wo es zu bekommen ist.
Und das zu guten Bedingungen. Und bis zu einem gewissen Grad ist China
ein Konkurrent der USA um Märkte und Rohstoffe. Sie tanzen also in
dieser Frage – ebenso wenig wie Russland, aber manchmal auch
Frankreich und sogar Deutschland – nicht nach der Pfeife von
Washington. Das zeigt aber nicht unbedingt eine antiimperialistische
Politik, sondern eher ein geschicktes kaufmännische Verhalten. Das mag
zwar objektiv gegen USA-Interessen verstoßen, doch kein Kommunist wird
behaupten, Schröder sei Kommunist, nur weil seine Regierung den
Irak-Krieg nicht mitmachte. Ebenso wenig wie das Duo Merkel/Westerwelle,
nur weil die sich im UN-Sicherheitsrat der Stimme enthielten, als es zur
Abstimmung über den Libyenkrieg kam.
Verschließen
wir also nicht die Augen und sagen was ist: China ist heute, ebenso wie
die Teilrepubliken der UdSSR, wie die Länder des Warschauer Pakts, ein
kapitalistisches Land.
Der
Klassencharakter des chinesischen Staates ist kapitalistisch – es gibt
Klassenkampf, und es gibt antagonistische Klassenwidersprüche. Ein
Klassenkampf allerdings, der teilweise unter schlimmen Bedingungen
stattfindet: Aus Protest gegen ihre unerträglichen Lebens- und
Arbeitsbedingungen begehen immer mehr Proletarier Suizid. Sie sehen
keinen anderen Ausweg.
G.A.
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Beachte
auch:
Dollarmilliardäre
in China
Über
den „Sozialismus“ chinesischer Prägung
Von
N.E. Lewin
Minussinsk
(Region Krasnojarsk)
Quelle:
Bund der Arbeiter Moskaus vom 4. Juni 2011
Übersetzung:
Bernd Scheube
Auf
Kommunisten-online
vom 6. Juni 2011 mehr
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Meine Sicht
auf die Entwicklungen in der Volksrepublik China
Von
Kurt Gossweiler (Sept.2009)
Auf
Kommunisten-online am 17. Juni 2011 –
Die bürgerlichen Medien
überschütten uns täglich und stündlich in Bild und Ton mit
Nachrichten über die schrecklichen Lebensbedingungen der chinesischen
Massen unter dem „Manchester-Kapitalismus“ in China und knüpfen
daran die Bemerkung, daß China zwar eine „kommunistische Diktatur“
sei, aber kein sozialistisches Land, sondern eines, das von der
kommunistischen Führung in die schlimmsten Zeiten des Kapitalismus der
ursprünglichen Akkumulation zurückgeworfen
worden sei.
Daran,
daß die in China regierende Kommunistische Partei dem ausländischen
Kapital großen Spielraum gewährt hat und noch immer gewährt, der von
diesem zu brutaler Ausbeutung der chinesischen Arbeiterinnen und
Arbeiter ausgenutzt wird, und daß auch das Entstehen einer „eigenen“ chinesischen
Kapitalistenklasse Raum gegeben wurde, die es dem ausländischen Kapital
eifrig gleichtut, ist nicht zu zweifeln.
Das
wirft natürlich die Frage auf, ob wir es bei der KP Chinas noch immer
mit einer echten Kommunistischen Partei oder nicht doch auch mit einer
zu tun hat, die den Weg der Chruschtschow und Gorbatschow eingeschlagen
hat, den Weg des Revisionismus und der Restauration des Kapitalismus,
des Verrates an der kommunistischen Sache.
Ich
kenne nicht wenige Genossen, die genau davon überzeugt sind und in der
KP Chinas einen zu bekämpfenden Feind und in der Volksrepublik China
einen zu bekämpfenden imperialistischen Staat sehen, und ich kenne noch
mehr andere Genossen, die hoffen, daß es nicht so ist, aber befürchten,
daß es doch so sein könnte, und die fragen: woran soll man sich denn
halten, wie kann man sich da noch zurechtfinden?
Ich
stelle mir dazu zwei Fragen:
Erstens:
Welchen Platz nimmt die Volksrepublik China im weltweiten Kampf zwischen
den imperialistischen und den antiimperialistischen und sozialistischen
Staaten ein?
Zweitens:
Wie erklärt die Führung der KP Chinas selbst ihre Politik, ihre Motive
und ihre Ziele, wie glaubwürdig
ist das, und wie weit stimmen ihre Taten mit diesen Erklärungen überein?
Zum Ersten:
daran, daß Volkschina nicht nur auf der Seite der
antiimperialistischen Kräfte steht, sondern deren Hauptkraft und der
Hauptgegner der imperialistischen Mächte mit den USA an der Spitze ist,
kann für mich kein Zweifel bestehen. Ein Kronzeuge dafür ist kein
anderer als Gorbatschow. In seiner berüchtigten Ankara-Rede beklagte er
sich bitter über China:
„Eine Welt ohne Kommunisten wird besser
sein. Nach dem Jahr 2000 kommt die Zeit des Friedens und Aufblühens der
Menschheit. Es besteht hier jedoch
eine große Belastung, die den Weg zu Frieden und Wohlstand der
Menschheit bremsen wird. Das ist der Kommunismus in China. Ich war in
Peking zur Zeit der Studentenunruhen 1989, als es schon den Anschein
hatte, daß der Kommunismus in China zusammenbricht. Ich wollte zu den
Demonstranten auf dem Platz des himmlischen Friedens sprechen und ihnen
sagen, daß sie durchhalten sollen, und daß wir mit ihnen
sympathisieren, und daß es auch in China eine Perestroika geben muß.
Die chinesische Führung wünschte das nicht. Das war ein unermeßlicher
Schaden. Wäre der Kommunismus in China gefallen, wäre die Welt weiter
auf dem Weg zu Frieden und Gerechtigkeit.“
(Quelle:
„Unsere Zeit“, DKP-Organ, v. 8. 9. 2000)
Weitere
Fakten zum Platz Volkschinas
im antiimperialistischen Kampf:
Daß
Nordkorea bisher allen Attacken des Imperialismus widerstehen konnte und
nicht kapitulieren mußte, verdankt es neben seiner standhaften Führung
vor allem dem Rückhalt, den ihnen die VR China gibt.
Die
VR China stand immer fest hinter Kuba, und steht nun
fest hinter den lateinamerikanischen Staaten, die unter Führung
Venezuelas die USA aus der Region verjagen, die sie so lange als ihre
Hinterhof betrachten und behandeln konnten.
Die
VR China beteiligt sich an allen regionalen Vereinigungen und
Organisationen, wie der Shanghai-Konferenz-Organisation (SKO), deren
Ziel die Befreiung von imperialistischer Hegemonie ist, und stellt deren
Hauptkraft dar.
Und
umgekehrt: die USA-Imperialisten ebenso wie die EU-Lenker sehen in China
den Hauptgegner ihrer expansionistischen und konterrevolutionären
Unternehmungen und Vorhaben, und betreiben eifrig, wenn auch wenig
erfolgreich, Chinas
Einkreisung und Isolierung.
Und nun zur Frage Zwei:
Als
unter Deng Xiaoping die Reformen eingeleitet wurden, die
kapitalistischen Unternehmen so großen Raum einräumten, fragte ich
mich, warum in China nicht möglich sein sollte, was in Rußland mit so
großem Erfolg vorgemacht worden war: die Wirtschaft im wesentlichen aus
eigener Kraft aufzubauen, mit nur geringfügiger
und nur relativ
kurzzeitiger Zulassung von kapitalistischen Elementen in der Periode der
NÖP, der „Neuen Ökonomischen Politik“.
Eine
erste Antwort lag nahe: Wäre die Sowjetunion noch das, was sie unter
Lenin und Stalin war, dann hätte China einen politisch und
wirtschaftlich mächtigen sozialistischen Staat an seiner Seite gehabt
und dazu noch die sozialistische Staatengemeinschaft,
und, auf sie gestützt, wäre es nicht nötig gewesen, in großem
Ausmaß ausländisches Kapital zum
Aufbau einer eigenen industriellen Grundlage ins Land zu lassen. Jetzt
aber, da Volkschina ganz allein dastand und von der Sowjetunion, statt
Hilfe zu erhalten, sogar noch mit Dolchstößen in den Rücken
rechnen mußte, befand sich Volks-China in einer unvergleichlich
schwierigeren Lage, als
Sowjetrußland nach dem Sieg über die Interventen 1922. Denn das
zaristische Rußland von 1917 war im Hinblick auf Entwicklung von
Industrie und Handel und Erschließung des Landes mit
Verkehrswegen und Eisenbahnen sogar dem China von 1976, Maos‘
Todesjahr, weit voraus. Rußland war
1914 eine – wenngleich rückständige – imperialistische
Großmacht, China dagegen
noch 1959
ein Dritte-Welt-Land, bis zum Sieg der Antihitlerkoalition über
Japan zu großen Teilen noch von Japan kolonial besetzt und ausgebeutet,
dazu noch mit einer riesigen Bevölkerung, die in eine Vielzahl von
Völkern und Stämmen unterteilt ist, von denen einige in verschiedenen
Teilen des Landes sogar heute noch in vorfeudalen
Gemeinschaften leben.
Wenn
man dies alles in Betracht zieht, dann muß man zugeben, daß die
strategische Orientierung, die von der KP Chinas auf ihren Parteitagen
verkündet wird, realistisch ist. Sie geht davon aus, daß die Frage „Wer
Wen?“ letztendlich davon
abhängt, daß die VR China ihren großen ökonomischen Rückstand so
schnell wie möglich überwindet. Da dies unter den gegebenen Umständen
nicht anders möglich ist, als durch das, was Lenin in der Sowjetunion
mit der NÖP vorgesehen hatte, wurde dieser Weg durch die Führung der
KP Chinas beschlossen und beschritten. Also die Heranziehung in einem
bestimmten, begrenzten Maße von ausländischem Kapital zum möglichst
raschen Aufbau einer Industrie im eigenen Lande,
aber unter der Kontrolle des Staates und bei Sicherung des
Übergewichtes und des Vorranges des staatlichen Eigentums an den
Produktionsmitteln.
Das
bedeutet, daß die kommunistische Partei und der sozialistische Staat in
einer ersten Phase sich als
Planaufgabe nicht den durchgängigen Aufbau sozialistischer
Gesellschafts- und Produktionsverhältnisse zum Ziel setzen kann,
sondern zunächst erst einmal die
nachholende Schaffung der ökonomischen Voraussetzungen für den späteren
Übergang zu sozialistischen Produktionsverhältnissen,
und das unter Heranziehung ausländischer und Zulassung chinesischer
Kapitalisten.
So
etwas kann natürlich nicht konfliktlos vor sich gehen. Wenn
sich ein sozialistischer Staat seine industrielle Basis zu einem
guten Teil von Kapitalisten errichten lassen muß,
dann muß er ihnen nolens volens eben die Möglichkeit geben, als
Kapitalisten zu produzieren, also zur Mehrwertgewinnung, zur
Profitgewinnung, und zwar in einer Höhe, die eher über als unter dem
Normalmaß „zu Hause“ liegt. Billiger kann die NÖP nicht
verwirklicht werden. Das geht natürlich auf Kosten der eigenen
Arbeiterklasse, der Klasse also, als deren Vertreterin und Führerin die
Partei den Staat führt und Politik macht.
Diesen
Weg zu gehen gleicht einer Gratwanderung
mit großem Absturzrisiko:
Wenn
die Führung bei ihrer Planung und bei ihrem Handeln auch nur kurzzeitig
vergessen sollte, daß die Existenz der Volksrepublik in allererster
Linie von der engsten
Verbindung der Partei mit der Mehrheit der Arbeiter und Bauern abhängt;
wenn
ihr auch nur kurzzeitig das Wirtschaftswachstum wichtiger sein würde
als die Sorge um die
Lebensbedingungen der Werktätigen und sie deshalb dem Profithunger des
Kapitals allzu großen Wirkungsraum überließe, – dann droht der
Absturz.
Aus
den Beschlüssen der Parteitage der KP Chinas habe ich aber bisher immer
den beruhigenden Eindruck gewonnen, daß die Führung sich dieser
Gratwanderungs-Situation sehr bewußt ist und immer rechtzeitig
Korrekturen anbringt, wo sich Anzeichen dafür bemerkbar machen, daß
solche notwendig sind.
Ich
betrachte es auch als Zeichen einer realistischen Einschätzung aufgrund
einer marxistischen Analyse, – in krassem Unterschied etwa zu dem
verantwortungslosen Geschwätz eines Chruschtschow vom „baldigen
Übergang zum Kommunismus“ – wenn die chinesische Führung nüchtern
davon spricht, daß der Aufbau des Sozialismus in China noch viele
Generationen, eine
Zeitspanne möglicherweise noch bis
zu hundert Jahren, in Anspruch nehmen wird.
Überraschend
für mich war allerdings die Feststellung auf dem letzten Parteitag,
es ginge jetzt um die Herstellung einer „harmonischen
Gesellschaft.“ Was kann das heißen unter Bedingungen, die dem
Kapitalismus, und damit – wenn auch nur in begrenztem Ausmaß, – der
fortschreitenden Spaltung der Gesellschaft in Ausbeuter und
Ausgebeutete, der Akkumulation von Reichtum auf dem einen, von Armut auf
dem anderen Pol der
Gesellschaft Raum geben, also Klassenkampf unvermeidlich ist?
Es
heißt das offenbar, daß sich die Führung darüber klar ist, daß
unter den gegebenen Bedingungen die Gefahr besteht, daß die bestehenden
Klassengegensätze zwischen Kapital und Arbeit zu offenen Klassenkämpfen
führen, die zu einer Gefährdung der
Stabilität der Staats- und Gesellschaftsordnung werden können.
Das muß verhindert werden. Und es kann nur dadurch verhindert werden,
daß der sozialistische Staat die
offene Austragung der Interessengegensätze
nicht zuläßt, sondern deren Ausgleich in die eigenen Hände nimmt,
indem er Sorge dafür trägt, daß der wachsenden Reichtum der gesamten
Gesellschaft nicht nur die Kapitalseite reicher werden läßt, sondern
an ihm auch die Werktätigen stetig und fühlbar teilhaben, zugleich
aber auch dafür, daß die Bedingungen erhalten bleiben, unter denen die
Kapitalisten bereit sind, weiter an der Stärkung eines Staates
mitzuwirken, dessen wachsende Macht das internationale Klassenkräfteverhältnis
zuungunsten des Kapitalismus verändert. Auch das eine unerhört
komplizierte Aufgabe, bei der in bestimmten Situationen die Haltung
des Staates ihn eher als Interessenvertreter der Kapitalisten
denn als Staat der Arbeiter
und Bauern erscheinen lassen kann.
Eine
ähnliche Position nimmt die Führung der Volksrepublik auch auf dem
Gebiet der Außenpolitik ein. So eindeutig ihre Parteinahme für die vom
Imperialismus bedrohten und die um ihre Befreiung von imperialistischer
Vorherrschaft kämpfenden Völker und Staaten ist, so betreibt sie den
imperialistischen Mächten gegenüber dennoch keine herausfordernde
Politik einer feindseligen Konfrontation,
sondern eine Politik der Bereitschaft zur Kooperation, offenbar
ausgehend davon, daß man es den Imperialisten, insbesondere dem
USA-Imperialismus, nicht noch erleichtern darf,
eine Begründung für einen kriegerischen
Überfall zu finden, und ferner auch deshalb, weil die Lösung solcher
die ganze Menschheit bedrohender Probleme, wie z. B der Klimawandel, nur
durch internationale Zusammenarbeit aller möglich ist.
Die
VR China läßt sich davon auch nicht durch die feindseligen
antichinesischen Kampagnen abbringen, mit denen sie von den
imperialistischen Mächten der übrigen
Welt jahraus jahrein als
das Land brutalster Verletzung der Menschenrechte
vorgeführt wird, mit Verweis auf das angebliche Massaker auf dem
Platz des himmlischen Friedens gegen Demonstranten im Jahre 1989, und
auf die angebliche Okkupation und Vergewaltigen Tibets und der Tibeter.
Sie bleibt die Antwort auf
diese verlogenen Anschuldigungen nicht schuldig,
gibt die aber nicht in Gestalt einer Gegenkampagne, sondern mit
der sachlichen Darlegung der wirklichen Vorgänge und Verhältnisse und
der entschiedenen Zurückweisung aller Forderungen nach „Schuldbekenntnissen“
und Entschuldigungen.
Eine
Form des Klassenkampfes, die in einem solchen Riesenland wie China
schwer unter Kontrolle zu bringen ist, ist die Korruption der
Funktionäre von Partei- und Staatsorganen,
von ganz unten bis weit oben, durch „die
Reichen“, einheimische und ausländische. Läßt man die
Korruption wuchern, dann kann auf diesem Wege aus dem Apparat eines
Arbeiter- und Bauernstaates ein Apparat der „Reichen“ werden.
Dadurch kann die Korruption
für ein Land wie Volks-China existenzbedrohend werden. Offenbar
deshalb geht man gegen sie besonders scharf vor, bis hin zur
Todesstrafe.
Eines
der wichtigsten Felder des
Klassenkampfes ist das der Ideologie.
Die
revisionistischen Häuptlinge in der Sowjetunion, Chruschtschow und
Gorbatschow, erzielten auf diesem Gebiet, durch die Fälschung der
eigenen Geschichte, – die Erklärung der Stalinschen Periode zur
Periode einer Kette von Verbrechen –, sowie durch die revisionistische
Verfälschung der Leninschen Lehren, die verhängnisvollsten und
nachhaltigsten Erfolge bei ihrem Werk der Zerstörung der Grundlagen der
Sowjetmacht. So mancher hatte nach Maos Tod und nachdem Deng Xiaoping
zum ersten Mann im Staate aufgerückt war, erwartet, daß Deng nun das
gleiche mit Mao veranstalten werde, wie Chruschtschow mit Stalin. Statt
dessen wiederholen alle Parteitage der KP Chinas, daß die Mao
Tse-tung-Ideen zu den
theoretischen Grundlagen der Partei gehören, und zum Zeugnis dessen
blickt Maos Bild wie seit den Tagen des Sieges der Revolution von der
Mauer des Kaiserpalastes auf
den Platz des Himmlischen Friedens. Die Kritik an der Kulturrevolution
wurde nie ausgeweitet zu einer Verdammung Mao Tse-tungs. Das ist
wichtig, vor allem für die Erziehung der Jugend. Denn auf die
Jugend Chinas zielen die ideologischen Beeinflussungsversuche der
imperialistischen Meinungsmacher-Zunft am allermeisten. Auf sie sind die
„Verlockungen“ der raffinierten Methoden der „Entideologisierung“
in erster Linie berechnet.
Welche
Wirkung diese Beeinflussungsversuche erzielen, ist von außen schwer zu
beurteilen. Die Informationen über die Verhältnisse in China stammen
zu 99 Prozent aus den bürgerlichen Medien, und die geben ein zielbewußt
verfälschtes Bild von der Volksrepublik China, berechnet darauf, bei
den Massen gegenüber diesem Land Furcht und Abscheu und Verachtung zu
erregen und die Zuversicht derer zu zerstören, die in der Volksrepublik
China den Beweis für die Lebendigkeit, Unzerstörbarkeit und
Sieghaftigkeit ihrer Sache, des Sozialismus, sehen.
Aber
das Jahr 2008 gab der ganzen
Welt die Möglichkeit, einen erhellenden Blick gewissermaßen in das „Innenleben“
dieses großen Landes zu werfen – in den Wochen der grandiosen
Olympiade in Peking. Die schrille Begleitung des wochenlangen
Fackellaufes der olympische Flamme mit einem Dauertrommelfeuer an Hetze
gegen die Volksrepublik
wegen der angeblichen Okkupation und nationalen Unterdrückung Tibets
und die gleichzeitige Herumreichung des Dalai-Lama als des „verfolgten
Vorkämpfers für die Unabhängigkeit seines Volkes“
ließ erkennen, daß von bestimmter Seite der Vergabe der
Olympiade an China nur deshalb zugestimmt worden war, weil man sich
davon versprach, diese Gelegenheit nutzen zu können, um durch ein
koordiniertes Vorgehen von äußerem Druck und verstärktem Auftreten
der inneren Opposition während der Olympiade vielleicht doch noch das
erreichen zu können, was Gorbatschow 1989 mißlungen war.
Aber
diese so sorgfältig geplante Kampagne wurde zu einer einzigen Blamage
für die Hintermänner und ihre diensteifrigen Figuren vom Schlage der
Dame Maischberger vom Deutschen Fernsehen. Was die
vielen aktiven Teilnehmer und die Zehntausende von ausländischen
Zuschauern erlebten, war weit mehr als eine festliche Sportveranstaltung
– es war ein grandioses, einmaliges kulturelles Weltereignis, das
Millionen in der ganzen Welt am
Bildschirm in seinen Bann zog und jeden, ob ganz nah in Peking oder
irgendwo in der Ferne, immer wieder von neuem
staunen ließ über den Ideenreichtum
der Schöpfer und die
Schönheit und Exaktheit der immer wieder von neuem überraschenden
Darbietungen mit mitunter bis
zu tausend Mitwirkenden. Und
jeder, der diese Olympiade auch nur vor dem Fernseher verfolgen
konnte, erlebte auf die eine oder andere Weise mit, wie sehr die
Bevölkerung des Landes, insbesondere seine Jugendlichen, mit Stolz und
Freude erfüllt
sind über die Leistungen ihres Landes und ihrer Landsleute.
Zusammengefaßt:
Die Fakten besagen für mich: Chinas Kommunistische Partei heißt nicht
nur so, sondern sie ist eine echte, das heißt auf den Lehren von Marx,
Engels und Lenin aufbauende und diese Lehren entsprechend den
Erfahrungen des Klassenkampfes im
20. Jahrhundert auf die gegebenen nationalen und internationalen
Bedingungen anwendende Partei. Daher ist
die Verteidigung der Kommunistischen Partei Chinas und der
Volksrepublik China für einen Kommunisten gleichbedeutend mit der
Verteidigung der eigenen Sache.
Erh.
Im Sept.2009
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Kommunismus
– das Einfache, das schwer zu machen ist
Kurze
Anmerkung zum Text von Petra vom
Roten Webmaster
Von
Günter Ackermann
Kommunisten-online
am 18.
Juni 2011 – Als Kommunisten,
also Marxisten-Leninisten, sind wir Anhänger des
Wissenschaftlichen Sozialismus. Also: konkrete Analyse einer
konkreten Situation. Da kann ich es zwar vom Gefühl her meinen,
China sei sozialistisch, um es aber einschätzen zu können,
muss ich mich der Methoden des dialektischen und historischen
Materialismus bedienen. Im Fall China: Welche Klasse herrscht
und welche wird unterdrückt? Wer besitzt die Produktionsmittel,
gibt es Marktwirtschaft usw.
Ich
meine nicht, ob auf dem Marktplatz in einer x-beliebigen
Kleinstadt Bauern eine selbst gezogene Ente verkaufen, ob ein
Bäcker Brot feil bietet oder ein Handwerker seine
Dienstleistung anbietet. Darum geht es nicht.
Wenn
aber die gesamte oder der größte Teil der Wirtschaft nach dem
Prinzip der Profitmaximierung produziert, wenn der Widerspruch
zwischen gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung
der Grundwiderspruch ist, wenn Kapitalisten die Wirtschaft
beherrschen und Proletarier für sie schuften, wenn die
Pauperisierung um sich greift, dann haben wir eben
kapitalistische Bedingungen. Und das nicht nur in Nischen, wie
bei den Kleinproduzenten.
Wenn
Petra schreibt:
„In
China, das ist meine Meinung, gerät alles außer Kontrolle, da
haben sich längst Einzelne am Volk maßlos bereichert – da
hat der Staat, die m/l Partei vollkommen versagt, ist ihrer
Kontroll- und Steuerfunktion nicht nachgekommen.“
widerspreche
ich ihr energisch. Da gerät nichts außer Kontrolle. Was wir in
China heute erleben, ist ebenso außer Kontrolle, wie die
Politik von Frau Merkel zur „Hilfe für Griechenland“. Hier
wie da ist die herrschende Klasse das Finanzkapital und der
Staat sichert deren Profitinteressen gegen das Proletariat.
So
einfach ist das – und so kompliziert.
G.A. |
Gedanken
über den Weg zum Sozialismus
Von Petra
Quelle:
Reichtum
und Verlust, Mein Leben mit Sicht auf Gesellschaft und
Politik vom 17. Juni 2011
Angeregt
zum Thema hat mich der neueste Artikel auf Kommunisten
online, eine vorausgegangene e-Maildiskussion überarbeitet
hier einzustellen:
Natürlich
muß alles auf den Prüfstein des Marxismus/Leninismus gelegt werden.
Doch darf dabei nicht vergessen werden, daß die Praxis in der
Gesellschaftsentwicklung, bedingt durch objektive und subjektive
Faktoren, nicht linear zur Theorie verlaufen kann. Wie sollen Menschen,
die noch derart geprägt sind vom anderen System – andere
Wertevorstellungen, persönlicher Nutzen durch Machtpositionen, z.T.
gewaltbereiten Denken (berechtigt und unberechtigt), unfähig, eigenes
Handeln stets selbst zu hinterfragen und zu korrigieren usw. den perfekt
nach Lehrbuch beschriebenen Kurs beibehalten?
So
neigen Menschen meist dazu, sich selbst hervorzuheben, qualifizierte
Menschen mißachten weniger qualifizierte, wohlhabende Menschen mißachten
weniger wohlhabende, Menschen in Leitungspositionen neigen zu Arroganz
und Überheblichkeit, das Streben nach Reichtum, nach Besitz, Konsum
usw. Wir kennen doch die so schön als “menschlich” bezeichneten
Schwächen. Übrigens können wir solche Metamorphosen sehr prägnant
bei den Grünen und jetzt bei den Linken beobachten. Gleichzeitig kann
man es gut bei den sich als marxistisch/leninistisch bezeichnenden
Parteien und Gruppierungen sehen – die Theorie wird vollkommen konträr
ausgelegt – Grund sich zu trennen und abermals zu trennen. Und bei
allem wird der Wille des Volkes, der arbeitenden Masse, außen vor
gelassen.
Niemand ist in der Lage, die Menschen von heute auf morgen zu ändern,
ihnen das Konsumdenken abzugewöhnen und andere Wertevorstellungen zu
verinnerlichen. Vermutlich bin ich mit einem Gendefekt zur Welt
gekommen, denn Geld, Besitz, Macht haben mich noch nie beeindruckt und
waren für mich noch niemals Ziel irgendwelchen Handelns. Sehr wohl
beeindruckt es mich, wenn ich Menschen erlebe, die selbstlos anderen
helfen, die offen und ehrlich sind, auf die man sich verlassen kann, die
bereit sind, nachzudenken, die einfach und bescheiden bleiben, den Bezug
zur Masse nicht verlieren, egal, was sie besitzen und welche Position
sie innehaben.
Ich
wurde gefragt: ist diese und jene Partei oder Person
marxistisch/leninistisch oder nicht?
Es
ist einfach unmöglich, daß sich eine Partei, ein Land ganz konsequent
nach Marx & Co. entwickelt, solange die Menschen so sind, wie sie
sind. Niemand kann in der Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft
Vorhersagen machen, niemand kann objektive Bedingungen mißachten, nur
weil sie gerade stören, nein, man muß sich in allem darauf einstellen,
auch einmal unpassende Entscheidungen treffen, um dann irgendwann, auch
über Umwege und behaftet mit Kompromissen zum Ziel zu kommen.
Nur
weil ein Bauer z.B. in Kuba auf eigene Kosten anbauen, jemand privat
Handel oder ein Gewerbe betreiben darf, heißt das noch lange nicht, vom
Ziel abzuweichen. Solange neue Wertevorstellungen nicht verinnerlicht
sind und jeder sein Leben darauf einrichtet, ich gehe davon aus, daß
das ein Prozeß von mehreren Generationen, also von mehreren hundert
Jahren ist, müssen solche Kompromisse eingangen werden. Natürlich muß
Kuba, darauf achten, seine Kontroll- und Steuerfunktion wahrnehmen, daß
ein einzelner Bauer nicht zum Großgrundbesitzer mutiert, ein kleiner Bäcker
nicht zum Nachteil anderer Bäcker expandiert und ein kleiner Händler
nicht zum Handelsmonopol strebt. Aber wenn die Wirtschaft stagniert,
wenn durch Embargos ein Land in den Ruin getrieben wird, warum sollte
man nicht die noch vorhandene persönliche Energie Einzelner nutzen, um
persönliche Motivation für gesellschaftlichen Nutzen einzusetzen?
In
China, das ist meine Meinung, gerät alles außer Kontrolle, da haben
sich längst Einzelne am Volk maßlos bereichert – da hat der Staat,
die m/l Partei vollkommen versagt, ist ihrer Kontroll- und
Steuerfunktion nicht nachgekommen.
Haben
z.B. Honecker, Ulbricht nun stets als Marxisten/Leninisten gehandelt?
Nicht eine einzelne Person trifft Entscheidungen, hinter jedem
Staatsoberhaupt stehen Berater, Wirtschaftsexperten,
Gesellschaftswissenschaftler, Naturwissenschaftler, die Entscheidungen
befürworten oder ablehnen, auf die sich eine einzelne Person als Präsident
unbedingt verlassen können muß. Gleichzeitig gibt es Neider,
Denunziationen, Verräter (wie Chrustschow) käufliche Subjekte (wie
Gorbatschow) – auf wen also kann sich dieser einzelne Mensch an der
Spitze eines Staates bedingungslos verlassen? Wie erkennt man bei einem
Menschen Ehrlichkeit und Selbslosigkeit, wie erkennt man Verräter und
Denunzianten, wie seine Gesinnung? Nichts steht ihm auf das Gesicht
geschrieben.
Natürlich
kann man den Handel mit dem politischen Gegner ablehnen, kann man auf
Devisen verzichten. Doch was macht man, wenn einem Volk nicht reicht,
was zur Verfügung steht? Wenn die Massen nach Konsum streben und nach
sinnlosem Zeugs, nach dem letzten Modeschrei… Dann rennen Arbeitskräfte
in Massen weg (wie in der DDR) – zu allererst die beim politischen
Gegner dringend gebrauchten hoch geschulten Fachkräfte – Warum? Weil
diese ganz private persönliche Interessen in den Vordergrund stellen
und nicht nach marxistisch/leninistischen Wertevorstellungen leben
wollen. Also suchst Du nach Möglichkeiten, Wegen, gehst Kompromisse
ein, um das Volk zufriedenzustellen.
Was
ich mit allem sagen will: Niemand kann den Sozialismus mit bürgerlich
geprägten Menschen aufbauen. Wichtig ist es, die Richtung zum
Sozialismus / Kommunismus einzuschlagen, unüberwindbaren Hindernissen
mitunter auszuweichen, also objektiv auch mal vom Kurs abzuweichen, aber
letzlich immer wieder den angestrebten Kurs einzuschlagen.
Datum: Freitag, 17. Juni 2011 17:40 |
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