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(K)ein
Ehrenbürger
Aus
aktuellem Anlass: Eine Erinnerung an den Kommunisten, Antifaschisten und
Internationalisten Dagobert Biermann (1904 bis 1943)
Von
Heinz Jürgen Schneider
Quelle:
jungeWelt
vom 1. Februar 2007
In
Berlin wird der Liedermacher und Kommunistenhasser Wolf Biermann Ehrenbürger.
Einem Hamburger Namensvetter ist bisher jegliche Ehrung versagt geblieben.
Dagobert Biermann wird am 13. November 1904 in Hamburg geboren. Er
organisiert sich in der KPD, die ein anderer Hamburger Arbeiter, Ernst Thälmann,
als Vorsitzender repräsentiert. Den Faschismus, gefördert auch von
Bankiers und Werftbesitzern der Hansestadt, bekämpft er, Kommunist und
Jude, schon vor 1933.
Nach
der Machtübertragung an Hitler geht er in den Untergrund. Mit anderen
Genossen verbreitet Biermann illegal die Hamburger Volkszeitung. Die
Gruppe fliegt auf. Es folgen zwei Jahre Haft im Lübecker Gefängnis.
Dagobert Biermann ist ungebrochen. Er findet nach der Entlassung im Mai
1935 Arbeit als Schlosser auf der Deutschen Werft und auch wieder Anschluß
an Partei und Widerstand.
Im
Sommer 1936 putscht Franco gegen das republikanische Spanien. Hitler
unterstützt ihn mit Soldaten und Waffen. Hamburgs Hafen ist Umschlagplatz
der Waffentransporte. Biermann erfährt von seinem Schwager Karl Dietrich,
der als Schiffsführer im Hafen arbeitet, davon. Mit anderen
Antifaschisten vereinbart er, Material für alle Spanien betreffenden Vorgänge
im Hafen zu sammeln. Zu der Gruppe gehören Werftarbeiter, aber auch der
mit Berufsverbot belegte Rechtsanwalt Herbert Michaelis, der Kontakte ins
politische Exil hat.
Im
März 1937 übergibt Dietrich an Biermann als Beweis für die
geheimgehaltenen Waffenlieferungen zwei Gewehrpatronen, die er im Hafen
sicherstellen konnte. Beide Patronen trugen im Gegensatz zur üblichen
Gewehrmunition keine Bezeichnung über Herstellungsort, -zeit und Geschoßart.
Solche Informationen, Meldungen über Schiffsbewegungen in Richtung
Spanien und anderes Material gingen über Michaelis an die
Abschnittsleitung Süd der KPD in Basel und damit an die internationale Öffentlichkeit.
Im
Hafen kursieren Flugblätter, die zur Solidarität mit dem spanischen
Freiheitskampf aufrufen. Über Nacht werden Losungen gemalt wie »Keine
Waffen für Franco«, die am nächsten Tag bei Schichtbeginn auf der Werft
zu lesen sind. 1937 gelingt es der Gestapo, einen Spitzel in die
Widerstandszelle einzuschleusen. Biermann und andere werden verhaftet.
1939 verurteilt der faschistische Volksgerichtshof Michaelis zum Tode,
seine Mitkämpfer zu Haftstrafen. Dagobert Biermann erhält sechs Jahre
Zuchthaus.
1942
beschließen die Nazis, jüdische politische Häftlinge systematisch zu
ermorden. Sie lassen Zuchthäuser und Konzentrationslager durchkämmen.
Dagobert Biermann wird nach Auschwitz deportiert, wo er am 2.August 1943
stirbt.
An
die antifaschistische Gegenwehr in Hamburg erinnert ein Ehrenhain auf dem
Ohlsdorfer Friedhof. Biermanns Name findet sich in der Gedenkstätte Ernst
Thälmann und im Standardwerk »Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand«.
Die
Freie und Hansestadt Hamburg gedenkt seiner nicht. Es gibt keine Schule,
Straße oder offizielle Gedenktafel. Überlebende Mitglieder des
Hafenwiderstands gerieten nach 1945 in die Fänge der Adenauerjustiz,
Biermanns Partei wurde 1956 wieder verboten. Zu Hamburgs Ehrenbürgern gehören
der Mann, der Hitler zum Reichskanzler ernannte und drei Leutnants seiner
Wehrmacht. |