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Bahnprivatisierung:
Trickserei
bis zum Schluß
Von
Peter Wolter
Quelle:
jungeWelt
vom 31. Mai 2008
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Das
Unglück von Enschede 1998
Schlamperei
bei der Wartung des Zuges.
Demnächst öfters solche Unfälle, Sicherheit ist zu teuer? |
Bahnprivatisierung;
Trickserei
bis zum Schluß
Von
Peter Wolter
Quelle:
jungeWelt
vom 31. Mai 2008
Fünf
Jahre wurde gefeilscht, belogen und getäuscht seit Freitag ist die
Teilprivatisierung der Deutschen Bahn AG unter Dach und Fach: Mit 335
Stimmen aus Union und SPD sprach sich der Bundestag für den Börsengang
der Bahn aus was allerdings 90 Stimmen weniger sind, als die
Koalition Abgeordnete hat. Dagegen gab es 158 Stimmen aus den drei
Oppositionsparteien, drei Parlamentarier enthielten sich.
Der
Beschluß sieht vor, daß Personen- und Güterverkehr sowie die
Logistiksparte ausgegliedert werden. Das rund 34.000 Kilometer
umfassende Schienennetz und die Bahnhöfe sollen im Besitz des Bundes
bleiben; an der neuen Tochter mit dem Namen »DB Mobility &
Logistics« dürfen sich Investoren mit 24,9 Prozent beteiligen.
Bis
zum letzten Moment hatte sich die Trickserei der großen Koalition
fortgesetzt: Erst wenige Stunden vor der Abstimmung im
Bundestagsverkehrsausschuß am Dienstag abend erhielten seine Mitglieder
die »Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung« (LuFV) zwischen Bund
und Deutscher Bahn. Das Parlament hatte seit Jahren diese Regelung über
die künftigen Zuschüsse des Bundes zum Erhalt der Schienenwege
eingefordert. Nach Angaben von Ausschußmitgliedern weist die jetzt
vorliegende »LuFV« noch große Lücken auf. Ein Trick war es auch, daß
die große Koalition durchgesetzt hatte, daß der Bundestag nur einen »Beschluß«,
aber kein Gesetz verabschiedete. Damit wurde die Zustimmung des
Bundesrates vermieden.
Die
Deutsche Bahn AG soll noch im November an die Börse gehen.
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) rechnet mit Einnahmen
von acht Milliarden Euro nach Medienberichten sind jedoch nur drei
oder vier Milliarden zu erwarten. In der DB Mobility & Logistics
arbeiten rund 170000 der 237000 Bahnbeschäftigten.
»Das
demokratisch-parlamentarische Verfahren ist unter aller Sau«,
kritisierte der Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann am Freitag. Er
bemängelte auch, daß der »Infrastrukturzustands- und
Entwicklungsbericht« der Bahn als eine der nötigen
Entscheidungsgrundlagen erst kurzfristig vorgelegt wurde. Dieses Papier
sei darüber hinaus lückenhaft. Linke-Fraktionschef Gregor Gysi kündigte
an, er wolle beim Bundesverfassungsgericht eine Organklage gegen die
Bundesregierung einreichen, weil das Parlament nicht ausreichend
beteiligt worden sei.
Den
Nutzen von der Bahnprivatisierung haben nach Ansicht von Fachleuten
lediglich die Investoren für die Allgemeinheit hingegen
verschlechtert sich vieles: höhere Fahrpreise, Schließung unrentabler
Strecken. Nutznießer gibt es allerdings auch in der Politik: Allen
voran der frühere Chef der Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen
(SPD). Er hatte sich als einziger Chef der DGB-Gewerkschaften für die
Privatisierung stark gemacht und wird künftig als Vorstandsmitglied
des Bahnkonzerns das Elffache kassieren. Zwei weitere Sozialdemokraten
sahnen ab: Thomas Kohl und Achim Großmann. Der eine war im
Verkehrsministerium Abteilungsleiter, der andere Staatssekretär, beide
gehen nun zur neuen Holding. Der FDP-Abgeordnete Horst Friedrich
monierte, es gehe in Berlin zu wie in einer »Bananenrepublik«. |