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Russischer
Ölhahn zu – deutsche Wirtschaft kaputt?
Die
Propagandashow aus Berlin
Von
Gerd Höhne/10. Januar 2007
Was
ist da im Osten passiert? Nichts! Denn was der russische Konzern Gazprom (Газпром)
und dessen Tochtergesellschaft Gazprom Neft
(Газпром
нефть) getan haben, war was ganz normales für
einen kapitalistischen Großbetrieb:
Da
hat ein Kunde einen alten, sehr günstigen Vertrag, nach dem dieser Kunde
Öl – vor einigen Wochen Erdgas – weit unter Weltmarktpreis beziehen
kann. Dieser Vertrag läuft aus und der Konzern Gazprom Neft
will einen Vertrag haben, nach dem der Kunde die normalen
Weltmarktpreise bezahlen muss. Der weigert sich, also liefert der Konzern
nicht mehr. Warum sollte er auch an diesen Kunden sein Produkt – hier
Erdöl – liefern, wenn er ein paar hundert Kilometer weiter westlich ein
Vielfaches für das Erdöl bezahlt bekommt.
Der
Kunde – Weißrussland – revanchierte sich und sagte Gazprom, der
Konzern müsse jetzt eine Transitgebührenerhöhung von bisher
2,50 US-$ auf nun 45,00 US-$ pro Tonne Erdöl bezahlen.
Natürlich
wollen das die Russen nicht und sind sauer. Auch deshalb, weil die Weißrussen
offenbar ihrerseits im Westen die Weiterleitung des Erdöl drosselten und
selbst illegal welches abzapfen:
„Semjon
Wajnschtok, der Chef der russischen Firma „Transneft“, die für die
Beförderung von Öl zuständig ist, bezichtigte Weißrussland des
Diebstahls. 79.000 Tonnen Erdöl hätten die Weißrussen gestohlen. „Weißrussland
hat die existierenden Verträge über die Lieferungen Richtung Westen
einseitig aufgehoben. Es wurde eine nicht sanktionierte Entnahme von Erdöl
aus der Leitung vorgenommen“, so Wajnschtok.“
Nicht
nur das: Weißrussland soll auch das illegal abgezapfte Rohöl weiter
verarbeitet und zu Weltmarktpreisen verhökert haben. Nachdem die Weißrussen
an ihrer Westgrenze den Ölhahn in die EU zudrehten, drehten die Russen
ihrerseits den Hahn in Richtung Weißrussland zu.
Wo
also ist hier das Problem? Werden wir nicht seit vielen Jahren von den
multinationalen Ölkonzernen ausgenommen wie die Weihnachtsgänse? Wenn es
in der Karibik einen Hurrikan gibt, erhöhen sie die Preise, weil ein paar
Bohrinseln dort abgesoffen sind. Na und? Oder in den letzten Monaten
stiegen die Erdölpreise – und damit der Sprit an den Tankstellen – in
nie gekannte Höhen. Diesmal waren die bösen Chinesen dran Schuld, die
sich alle Arten von Energie zusammenhamstern und den notleidenden
westlichen Industrien nichts übrig ließen. Mal abgesehen davon, dass das
allein schon nicht stimmt – es gibt keinerlei Mangel an fossilen
Brennstoffen und trotzdem steigen die Preise – wer liefert denn an die
Chinesen? Klar: Standard Oil, Anglo Dutch (Shell) usw. Und es ist klar,
dass die eben dann die Preise in astronomische Höhen treiben, die
Chinesen brauchen das Öl und zahlen notgedrungen, was die westlichen Großkonzerne
verlangen.
Warum
also das Geschrei wegen eines Erpressungsaktes eines Großkonzerns? Der
Schuldige steht fest: Der russische Präsident Putin ist der Böse. War
bis vor kurzem Lukaschenko, der Präsident Weißrusslands, der
Leibhaftige, bekommt immer mehr sein russischer Kollege Putin die Teufelshörner
aufgesetzt. Der lässt Oppositionelle radioaktiv vergiften, räumt
kritische Journalisten aus dem Weg und nun dreht er dem Westen auch noch
den Ölhahn zu. Russland wird als instabiles Land von der Propaganda
dargestellt usw.
Der
Grund: Seit der Präsidentschaft Putins tanzt Moskau nicht mehr nach der
Pfeife des Westens, v.a. der USA. Unter dem Alkoholiker und Mafia-Mann
Boris Jelzin war die Wirtschaft Russlands ein einziger Schnäppchenmarkt für
westliche Konzerne und russische Geschäftemacher. Das ist nun vorbei. Ein
Zeichen war die sog. Jukos-Affäre.
Dieser Konzern betätigte sich als Staat im Staate, versuchte Politiker
und sogar Wählerstimmen offen zu kaufen, bezahlte kaum Steuern und die
Spitzenmanager unterschlugen Riesensummen. Allein der Finanzchef von Jukos,
Platon
Lebedjew, hat sich 280 Mio US-$ beiseite geschafft. Konzernchef Michail
Chodorkowski soll ein Privatvermögen von 15 Mrd. US-$ besessen haben.
Wie
das in einem Land gehen kann, in dem bis 1991 schon ein paar tausend
US-Dollars ein großes Vermögen war? Zum Entsetzen seiner
westlichen Komplizen in den Vorstandsetagen wurde Michail
Chodorkowski verhaftet und zu acht Jahren Knast verurteilt.
Dass
das seinen westlichen Vorbildern und Kumpanen in den Vorstandsetagen nicht
passte – immerhin hinterziehen sie auch hier Milliarden Euros an
Steuergeldern, legal und illegal – so entfachte ihre Presse eine
Kampagne, dass man das Weinen bekommen konnte. Der arme Chodorkowski, der
Dissident und Menschenfreund, der Demokrat, der doch nichts anderes
wollte, als Russland weiter zu liberalisieren, also weiter allen Geschäftemachern
zum Fraße vorzuwerfen.
Vor
allem US-amerikanische Ölfirmen mischten im Fernen Ost mit. Chodorkowski
wurde sogar als Opfer von Putins antisemitischer Machenschaften
hingestellt, immerhin war er jüdischer Herkunft. Wie er aber innerhalb
eben mal 10 Jahren an ein Vermögen von 15 Milliarden Doller kam,
hinterfragten die Schreiber des Kapitals hier bei uns nicht. Legal, auch
im westlichen Sinne, war das jedenfalls nicht möglich. Selbst Rockefeller
brauchte länger.
Wir
sollten nicht auf die Propaganda unserer Herrschenden reinfallen. Ich kann
zwar an Putin nichts Sozialistisches sehen, aber er betont mehr, als der Säufer
Jelzin, die russischen Interessen der EU und den USA gegenüber.
Was
wir auch nicht tun sollten ist, jetzt in das Geschrei von Energiemangel
hereinzufallen. Die einen, die MLPD, will in der Sahara riesige
Solarkraftwerke errichten und den Strom hierher transportieren (wie machen
die in der Nacht dort Strom und wie kommt der hierher?), die
anderen schwärmen von Kernenergie (Gruppe Neue Einheit). Ich will mich
den Themen hier nicht weiter widmen: Aber weder mit der Sonne Afrikas noch
mit Plutonium/Uran kann man einen Autotank füllen. Mal abgesehen davon,
dass die eine Idee, die Sahara in einen riesigen Sonnenkollektor zu
verwandeln, ein reines Hirngespinst ist, die andere, Atomstrom, ist nicht
viel klüger. Atomkraftwerke haben einen sehr niedrigen Wirkungsgrad,
bringen den Betreiber Riesengewinne und sind tickende (Atom)Zeitbomben.
Festzustellen
ist: Das Übel liegt nicht im angeblichen Energiemangel, es liegt daran,
dass alles, Energie nicht ausgenommen, den Gesetzen der kapitalistischen
Warenwirtschaft unterliegt. Jeder, der Waren produzieren lässt, will soviel wie möglich
und so teuer wie möglich verkaufen. Monopole, wie beim Erdöl und Erdgas
die Regel, können sich den Markt aufteilen und den Preis diktieren. Mal
abgesehen davon, dass die großen Mineralölkonzerne über die Banken eng
verbandelt sind, haben sie am angeblichen Energiemangel, den sie selbst
herbei führten, Milliarden verdient.
Nur
eben die Russen sind nicht mit westlichen Konzernen eng verbandelt und
sind der Hecht im Karpfenteich. Sie sind Drittbrettfahrer der Hochpreispolitik und
verdienten natürlich mit. Aber gleichzeitig waren sie nicht so genau von
ihren Konkurrenten zu einzuschätzen, immerhin gehört Gazprom zu über 50% dem russischen
Staat und ist, wie sollte es auch anders gehen, auch der russischen
Außenpolitik. Das
stört und ärgert die Herren von Standard Oil, Anglo-Dutch und Co. Mir
scheint, das jetzige Getue um den geschlossenen Ölhahn, hat hier seine
Ursache.
G.H.
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