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Menschenraub?
Steinmeier und seine Komplizen
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14.11.2006
- Mitteilung von german-foreign-policy
an Vogelsberger
Online Zeitung am 14.11.2006. Liebe Leserinnen- und
Leser, liebe Freunde der Vogelsberger Online Zeitung, hier wieder
ein paar Informationen in Sachen Menschenentführung in Deutschland.
Wir betonen ausdrücklich, dass wir mit diesem Newsletter lediglich
informieren wollen. Die Links entsprechen durchaus nicht immer
unsere Ansicht und Meinung. |
FRANKFURT
AM MAIN/MÜNCHEN/WASHINGTON/DAMASKUS(Eigener Bericht) - In Frankfurt am
Main residiert die Leitzentrale weltweiter Akte von Menschenraub, Folter
und Subversion. Die Kommandoeinheit besteht aus etwa 200 Agenten des
US-Geheimdienstes CIA und war an der Entführung deutscher Staatsbürger
beteiligt - mit Wissen der Berliner Behörden. Dies ist einer Buchveröffentlichung
über die deutsche Auslandsspionage (BND) zu entnehmen, die heute auf den
Markt kommt. Autor ist der Geheimdienstspezialist Erich Schmidt-Eenboom.
Wie Schmidt-Eenboom schreibt, gehe die Haft des Hamburger Bürgers Haydar
Zammar, der seit fünf Jahren in einem Foltergefängnis in Damaskus
festgehalten wird, auf den Verrat persönlicher Daten an die CIA zurück.
Der Zugriff wurde offensichtlich vom BND, vom Bundeskriminalamt (BKA) und
vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) vorbereitet. Die Rechtfertigung
für Operationen, die Zammar den Folterern zuführten, seien Teil eines
"groß angelegten Täuschungsmanövers gegen die demokratische Öffentlichkeit
und das Parlament", sagt der Buchautor im Gespräch mit dieser
Redaktion. "Verantwortlich ist das Bundeskanzleramt". Zum
Zeitpunkt der illegalen Machenschaften war Frank-Walter Steinmeier, der
heutige deutsche Außenminister, politischer Kopf der Behörde. Steinmeier
sei in die geheimdienstlichen Operationen persönlich verwickelt und habe
sie mit Notwendigkeiten der "Antiterrorstrategie" [1] begründet,
schreibt Schmidt-Eenboom. Auch das Auswärtige Amt unter dem damaligen Außenminister
Fischer habe voll kooperiert. Demnach kam es zu illegalen Zuträgerdiensten
für eine ausländische Macht, zu Menschenraub, Strafunterdrückung und
zahlreichen anderen Verbrechen. Schutz Eine Rekonstruktion der
Verschleppung des aus Syrien stammenden und in Hamburg eingebürgerten
Haydar Zammar ergibt, dass der deutsche Inlandsgeheimdienst versuchte, den
Kraftfahrzeugschlosser 1997 anzuwerben. Diese Methode, einen deutschen
Neubürger in Spitzelarbeiten zu involvieren, scheint bei Zammar nicht
erfolgreich gewesen zu sein. Anschließend wurde der Deutsche observiert,
womöglich um ihn mit Beweisen persönlicher Verfehlungen doch noch gefügig
zu machen. Auch dieser Weg führte zu keinem Kooperationsergebnis. Zwar
hielt sich Zammar in den 1990er Jahren kurze Zeit in Bosnien und in
Afghanistan auf, wo er als als Geldbote für Insurgenten tätig gewesen
sein soll, doch schienen die observierenden Behörden keinen Anlass zur
Strafverfolgung zu sehen. Bis zum Beweis schuldhafter Handlungen stand
Haydar Zammar unter dem Schutz seiner grundgesetzlichen Freiheiten. Zelle
13 Ohne ihm die Verdachtsmomente zu eröffnen, die zu seiner Observierung
führten und von denen er sich hätte entlasten können, lieferten
deutsche Stellen Informationen über Zammar an die Hamburger CIA-Station.
Damit wurde der Deutsche den Operationen einer fremden Macht ausgeliefert,
die weltweit nach sogenannten Terrorverdächtigen suchte und dabei selbst
zu Terrormaßnahmen griff - auch gegen Unschuldige. Weil der Hamburger
Kraftfahrzeugschlosser zusätzlichen Erkenntnisgewinn für die CIA
versprach, halfen nach den lokalen Verfassungsschützern auch die
zentralen deutschen Geheimdienstbehörden: das Bundeskriminalamt (BKA) und
der Bundesnachrichtendienst (BND). Sie spionierten Reisedaten des Verdächtigen
aus und gaben sie an FBI und CIA weiter. Auf dieser Grundlage lauerte der
US-Geheimdienst dem Deutschen im Ausland auf und ließ ihn deportieren -
ohne Haftbefehl, ohne Anklage. Der Bundesbürger "landete in Zelle 13
des berüchtigten Foltergefängnisses (...) Far-Filastin in
Damaskus."[2] Dreiecksgeschäft Spätstens zu diesem Zeitpunkt hätten
sich die deutschen Konsularbehörden um Zammar kümmern müssen, wären
sie ihren grundgesetzlichen Pflichten nachgekommen. Aber Haydar Zammar
wurde nicht geholfen. Im Gegenteil. Bereits bis zu seiner Deportation nach
Syrien blieben die deutschen Stellen tatenlos, obwohl das BKA den in
Marokko vollzogenen Menschenraub ("Verhaftung") im Dezember 2001
meldete und Gelegenheit war, bei den marokkanischen Behörden zu
protestieren.[3] Nicht in Marokko, wohl aber in Syrien wurde die
Bundesrepublik Deutschland wegen ihres verschleppten Staatsbürgers
vorstellig - aber keineswegs, um ihn zu befreien, sondern um von der
Folterhaft zu profitieren. In einem Dreiecksgeschäft mit den Folterern
ließ sich Berlin die Vernehmungsprotokolle aus dem syrischen Kerker
offerieren und zahlte dafür mit Gegenleistungen: Aussetzung der
Strafverfolgung gegen syrische Agenten in der Bundesrepublik. Abgemagert
Der mittelbare Erkenntnisgewinn aus den Folterprotokollen reichte den
deutschen Behörden nicht aus, sie wollten Zammar persönlich verhören.
Nach entsprechenden Vorbereitungen durch den Präsidenten des BKA,
Kersten, der im Juli 2002 nach Damaskus reiste, folgte im November eine
hochrangige Delegation aus Beamten des BND, des BKA und des deutschen
Inlandsgeheimdienstes in die syrische Hauptstadt. Zammar wurde ihnen
vorgeführt - jedenfalls das, was von ihm übrig war: Hatte der stämmige
Kraftfahrzeugschlosser in Deutschland noch 145 Kilo gewogen, so war er
nach einem Jahr in syrischer Kerkerhaft auf "etwa fünfzig Kilo"
abgemagert.[4] Kein Zusammenhang Wie Schmidt-Eenboom darstellt, beklagte
sich der Häftling im Verlauf der Befragung, dass er geschlagen worden und
in einer lichtlosen Zelle eingepfercht gewesen war - für seine Landsleute
aus dem deutschen Geheimdienstmilieu, die mit Auftrag der Berliner
Staatsspitzen um Frank-Walter Steinmeier operierten, kein Grund zur
Beunruhigung. Die Übergriffe seien "in keinerlei zeitlichem oder
sachlichem Zusammenhang mit der Befragung durch deutsche Stellen" zu
sehen, protokollierten sie in Damaskus.[5] Frank-Walter Steinmeier Ähnliche
Schutzbehauptungen und Ausflüchte verbreiten die Verantwortlichen in sämtlichen
anderen bekannt gewordenen Fällen, die zur Deportation deutscher oder in
Deutschland lebender Staatsbürger führten - nachdem der Menschenraub mit
CIA und FBI offenbar eingefädelt, zumindest billigend in Kauf genommen
worden war.[6] Die Beobachtungen eines BKA-Beamten, der bei Einsätzen im
Libanon Zeuge illegaler Zwangsmaßnahmen gegen Beschuldigte wurde, stellen
die deutschen Verantwortlichen in Abrede.[7] Nicht nur sie sind bis heute
straflos ausgegangen oder in ihren Staatsämtern befördert worden -
Beispiel Frank-Walter Steinmeier. Auch ihre Komplizen einer fremden Macht
erfreuen sich ungehemmter Operationsfähigkeit: In der CIA-Schaltstelle
Frankfurt am Main und in den bundesweiten Geheimdienstagenturen der USA.
Verkommen Derweil sitzt der Hamburger Bürger Haydar Zammar im fünften
Jahr im syrischen Far-Filastin-Gefängnis, in dem (laut amnesty
international) etwa 38 Foltermethoden "vom Schlagen mit Elektrokabeln
bis zu Elektroschocks" [8] angewandt werden. Die Bundesrepublik
Deutschland, die sich der weltweiten Durchsetzung von Menschenrechten rühmt,
lässt das Leben Zammars verkommen - "nackte Machtpolitik"
zugunsten "geopolitischer Ziele", sagt Buchautor Erich
Schmidt-Eenboom mit Blick auf die deutsche Außenpolitik und dessen
verantwortlichen Minister: Frank-Walter Steinmeier. Bitte lesen Sie das
vollständige Interview mit Erich-Schmidt-Eenboom. Auszüge aus dem heute
erscheinenden Buch "BND - Der deutsche Geheimdienst im Nahen Osten.
Geheime Hintergründe und Fakten" veröffentlichen wir in unserer
Rubrik Dokumente. [1], [2], [3], [4], [5] Erich Schmidt-Eenboom: BND. Der
deutsche Geheimdienst im Nahen Osten. Geheime Hintergründe und Fakten, München
2007, S. 219-226 [6] s. dazu Wer ist "Sam", der deutsche
Foltergesandte?, Nach Recht und Gesetz, Sofern sie noch leben und
Transatlantische Verbrechensausbeute [7] s. dazu Täuschen und lügen, Die
Folterer und Und warten noch immer [8] Erich Schmidt-Eenboom: BND. Der
deutsche Geheimdienst im Nahen Osten. Geheime Hintergründe und Fakten, München
2007, S. 223
Quelle:
http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/56612 |