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IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in den USA festgenommen

BANKIERS GEHÖRT ALLES, ODER?

von Jens-Torsten Bohlke, gestützt auf Cubadebate

Kommunisten-online vom 16. Mai 2011 – IWF-Generaldirektor Dominique Strauss-Kahn wurde unmittelbar vor Abflug der Air France auf dem Flughafen von New York in der 1. Klasse der Kabine von US-Sicherheitskräften festgenommen, weil er sich wegen einer Anklage zu verantworten hat, in welcher ihm sexueller Missbrauch vorgeworfen wird.  Kurz zuvor war der herausragende Vertreter führender Kreise des international agierenden Finanzkapitals von einer Kellnerin des Hotels Sofitel in der 44. Straße in West-Manhattan angezeigt worden. Demzufolge soll er etliche schwere sexuelle Belästigungen in seinem Hotelzimmer an der Angestellten vorgenommen haben.

Der Fall wird derzeit von einer Sonderkommission für „Opfer in besonderen Situationen“ der New Yorker Polizei untersucht. Offenbar wurde der französische Finanzkapitalist bei seiner Verhaftung im Hotel einen Moment allein gelassen und konnte so das von französischen Politikern gerne aufgesuchte Hotel Richtung Flughafen verlassen, während die Kellnerin ihre Anzeige gegen ihn den Polizeibeamten zu Protokoll gab.

Seine Machtfülle stieg ihm schon beim IWF zu Kopf

Schon im Jahr 2008 gab es um Strauss-Kahn einen öffentlichen Skandal wegen sexuellen Übergriffs. Damals leitete der IWF eine interne Untersuchung über seine Beziehungen mit der Leiterin einer der Abteilungen jener Einrichtung ein. Damals wie heute ist Klaus-Kahn mit der Fernseh-Journalistin Anne Sinclair verheiratet. Aus der einstigen internen Untersuchung des IWF kam er ohne formale Strafanzeige heraus. Er entschuldigte sich jedoch für sein Verhalten.

Was die Bourgeoisie Frankreich an Politikern zumutet

Zurzeit arbeitet Strauss-Kahn offenbar mehr an seiner Karriere als französischer Politiker und aussichtsreicher Bewerber aus der Sozialistischen Partei Frankreichs um das Präsidentenamt bei der 2012 bevorstehenden Wahl, so dass ihn sein internationales Amt weniger zu interessieren scheint. In Frankreich läuft bereits eine Kampagne gegen den exzentrischen Lebensstil des Präsidenten Nicolas Sarkozy, dessen langjährige enge Kontakte mit der CIA seit geraumer Zeit bekannt sind. Strauss-Kahn, einst Finanzminister Frankreichs, unterlag 2008 bei der Vorwahl der Sozialistischen Partei als möglicher Präsidentschaftskandidat Segolène Royal.

Sein Karriereschritt beim IWF wurde als Chance gedeutet, dass er internationales Renommée gewinnen könnte und sein Ansehen innerhalb Frankreichs weiter ausbauen würde. Durch die jüngste kapitalistische Weltwirtschafts- und Finanzkrise wurde der IWF erstmals auch im Fall von EU-Ländern zur Durchsetzung der Diktate des Finanzkapitals eingesetzt.

Wie sich die Verhaftung von Strauss-Kahn auf seine weitere Karriere in Frankreich auswirken wird, bleibt abzuwarten. Ebenso bleibt abzuwarten, wann das für kommende Woche angekündigte Treffen von Strauss-Kahn und Merkel nun wirklich stattfinden wird.

24 Stunden rund um die Uhr im Schatten einer Bank

Unsereiner fragt sich bei all dem, ob die Arroganz der Macht bei diesen Finanzkapitalisten überhaupt noch eine Grenze kennt. Es ist ja nicht nur so, dass sie einen schier unermesslichen Reichtum in Form von Geldern in ihren Tresoren und auf ihren Bankkonten angehäuft haben, sich also persönlichen Luxus über jedes von einer einzelnen Person konsumierbare Maß hinaus leisten können.

Geht unsereiner zur Arbeit, dann erhält er seinen Lohn auf das Girokonto einer bestimmten französischen Großbank namens BNP Paribas Fortis Bank in Belgien, denn die renommierte belgische Fortisbank ist bei der jüngsten Weltwirtschafts- und Finanzkrise von der französischen BNP Paribas geschluckt worden.

Die Arbeitsstelle liegt im Corporate Village, einem Gewerbegebiet von Zaventem unmittelbar am Flughafen Brüssel. Alle im Corporate Village stehenden Bürohäuser sind Eigentum der BNP Paribas. In den letzten beiden Jahren der Weltwirtschafts- und Finanzkrise verdoppelte sich der Umfang dieser Immobilien am dortigen Standort. Was augenscheinlich werden lässt, über welche Investitionsmittel die BNP Paribas verfügt.

Auch unsereins betriebliche Rentenversicherung ist bei der BNP Paribas von der Firma abgeschlossen, bei der unsereins arbeitet. Der Schatten dieser mächtigen Bank verfolgt unsereins sozusagen 24 Stunden im Alltag rund um die Uhr. Hat unsereins da nicht noch einen Kredit zu laufen? Nicht mehr lange, dann ist es ja gut.

Wird unsereins schon als Leibeigentum von Bankiers gesehen?

Dass also die ganz wenigen ganz Großen unter den Finanzkapitalisten ihre Machtfülle schon in den Wahnsinn treibt, kann unsereins nicht mehr verwundern. Dass ein Strauss-Kahn schon meint, sich an jeder Kellnerin und jeder Angestellten in seinem Umfeld vergreifen und vergehen zu können, kann unsereins nicht mehr verwundern. Strauss-Kahn ist ein bürgerlicher Karrierist. Und im bürgerlichen Karrierismus werden nicht gerade moralische Mittel eingesetzt, um auf der Karriereleiter weiterzukommen. Das ist nicht nur im Film so, sondern stets Realität in vielen Konzernen und Einrichtungen der Geschäftswelt des Kapitals gewesen.

Strauss-Kahn und seinesgleichen irren sich da nur in einem wesentlichen Punkt. Nicht alle Menschen um sie herum sind bürgerliche Karrieristen und bereit, für Geld und Karriere ihren Charakter zu verlieren und ihre körperlichen Reize hinzuhalten. Die Welt auch der Kellnerinnen und weiblichen Beschäftigten besteht bei weitem nicht aus solchen Hurensöhnen und -töchtern, wie es sie beim Finanzkapital gibt. Und nur ein Bruchteil der Angehörigen der Arbeiterklasse ist bereit, auf seine Menschenwürde zu verzichten und Menschenwürde nur noch als Privileg sich für „reich und schön“ haltende widerwärtig schmarotzende Milliardäre zu akzeptieren.

(Mit Information von El Pais, Spanien)

Quelle: http://www.cubadebate.cu/

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