|
Klinikum
Fulda ist überall
Profitsteigerung
und Bereicherung
zu Lasten des Lebens und der Gesundheit von Patienten
Von
Günter Ackermann/24. Mai 2007
1.
Geschäftemacherei im Helios-Klinikum
Erfurt
„Seit August
dieses Jahres sind die so genannten Medizinischen Assistenten für Anästhesie
(MAfA) im Helios Klinikum Erfurt im Einsatz und sollen "einfache
Narkosen" bei „absehbar risikolosen Patienten" betreuen.“
Das meldet die Berliner Zeitung.
Das
Klinikum Erfurt war einst zu DDR-Zeiten eine Medizinische Akademie, also
eine Universität. Nach der „Wende“ wurde das Klinikum privatisiert,
es wurde daraus eine GmbH. Seitdem hat es mehrfach
den Besitzer gewechselt. Jetzt gehört das Klinikum Erfurt der HELIOS
Kliniken GmbH, ihr gehören 57 Kliniken mit 15.600 Betten.
Also ein Krankenhauskonzern mit
einem Umsatz von rund 1,2 Milliarden € (2005) und einen operativen
Gewinn von 107 Millionen €. Personalkosten nur 736 Mio. € und das in
einer Brache, in der alles mit dem Einsatz von hochqualifiertem Personal
steht und fällt. (Quelle)
Die
Helios Kliniken Gruppe ist eine Tochter des Konzerns Fresenius AG, der
weltweit knapp 6,5 Milliarden US-$ umsetzt und v.a. Dialysematerial
herstellt und weltweit vermarktet. Die
Fresenius AG steigerte ihren Umsatz 2006 noch um 26%, seinen Jahresüberschuss
von 537 Millionen US-$ (Steigerung 16%) und operativer Cashflow
von 806 Millionen US-$ (Steigerung 36%), Gewinn vor Steuern von 1,3
Milliarden US-$ (Steigerung von 40%). Lt. Beschluss der
Jahreshauptversammlung im Mai 2007 wird die Dividende um 25 % erhöht.
Alles nach Eigenangaben und bezogen auf das Vorjahr.
Am
Klinikum Erfurt und an den anderen Kliniken der Helios-Gruppe wird auf
Teufel-komm-raus rationalisiert, da werden auch schonmal Patienten aus vom
OP-Bereich blutend nach Hause
geschickt – der Fallpauschale entsprechend Kostenbewusst und Gewinn
steigernd.
Diese
Fresenius gehörende Helios Gruppe startete am Klinikum in Erfurt ein
Personalkosten sparendes Pilotprojekt. Anstelle der Anästhesieärzte werden
da nur noch Pfleger mit 200-Stunden Crashkurs in Anästhesie eingesetzt, wenn „absehbar risikolose
Patienten" auf dem OP-Tisch liegen. Das soll übrigens eine
Vorreiterfunktion haben, das Gesundheitsministerium soll solche „Medizinischen Assistenten für Anästhesie"
(MAfA) als Regel vorsehen,
Narkoseärzte sollen nicht bei jeder OP dabei sein, sondern einer für
mehrere OPs, am OP-Tisch dann nur noch die MAfAs.
Ein
„absehbar risikoloser
Patient" im Erfurter Helios-Klinikum war der 19-jährige
Abiturient Patrick Hoffmann, der sich 2006 im Klinikum Erfurt einer OP an
Ohren unterzog. Während der OP kam es zum Herzstillstand, der junge Mann
wurde erst nach 15 Minuten reanimiert und ist nun ein Pflegefall auf
Lebenszeit.
Hugo
van Aken, Chefarzt für Anästhesie an der Uniklinik Münster, sagt dazu:
„Wenn ein Anästhestist für drei Operationen zuständig ist und eine
Operation von Pflegekräften überwacht wird, dann hat man Qualitätsstandard
deutlich gesenkt.“
Recht
hat er – aber genau das ist es, was die Bundesregierung plant: billige
MAfAs anstelle teurer Ärzte.
Die
Folge: Siehe Patrick Hoffmann. Der wird sicher erst der Anfang sein.
Hinzu
kommt: Von den Narkose-Protokollen und den Aufklärungsbögen gibt es
unterschiedliche Versionen. Der Verdacht der Fälschung und Vertuschung
liegt also nahe. Das ist ein Beispiel wohin die Gesundheitsreformen der
letzten paar Jahre führte und weitere führen werden.
2.
Klinikum Fulda: woher
die Salmonellen?
Die
Salmonellen- Epidemie am Klinikum Fulda ist ein weiteres Beispiel.
Kostensparen um jeden Preis ist die Devise – wenn es um Leben und
Gesundheit der Patienten geht. Diese Kostenverursacher sind lästig, da drückt
man auch schon mal ein Auge zu, wenn es um die Hygiene geht, denn Hygiene
ist teuer.
Inzwischen
hat die Klinikleitung auch die Ursache der Infektionen ermittelt. Sie fand
nämlich heraus, dass es an einer Infektion durch – Lebensmittel
handelt. Das hätte doch wahrlich keiner vermutet. Oder werden Salmonellen
nicht immer durch Lebensmittel übertragen?
Normalerweise
werden Salmonellen durch unsaubere Stellen in den Großküchen auf
Lebensmittel übertragen und kommen so zu den Patienten.
Das Klinikum Fulda
wurde durch die Firma Dorfner gereinigt. Zumindest
besteht also die Möglichkeit, dass da ein Zusammenhang besteht. Die
Klinikleitung aber schloss am 15. Mai die Essensversorgung, das übernahm
– die Firma Dorfner. Geschäftsführer
von Dorfner Clinic Care ist der Kliniksprecher Stefan Burkhard und der
Vorstandsvorsitzende des Klinikums Fulda, Claus Dieter Schad. In Berlin
sagt man bei so was: „Nachtigall ick hör dir trapsen.“
3.
Uniklinikum Essen: Erpressung von Todkranken und Organhandel durch
Chefarzt?
|

„Das
Ansehen der deutschen Medizin auch international ungemein gestärkt.“
NRW-Ministerpräsident heftet Großes Bundesverdienstkreuz Prof.
Broelsch ans Revers
|
Gegen den Chefarzt
des Uni-Klinikums Essen, Prof. Dr.
Broelsch, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Erpressung. Dieser famose
Diener des Aesculap, behängt mit
dem Großen Bundesverdienstkreuz, soll Transplantationspatienten genötigt
haben, tausende von Euro vor dem Eingriff zu „spenden“. Die
Staatsanwaltschaft Essen erklärt, dass zehn Fälle als gesichert gelten könnten,
es gäbe aber noch mehr.
So soll der Träger des
Großen Bundesverdienstkreuzes einem Patienten eine „fünfstellige
Summe“ abgepresst haben (also
mindestens 10.000 €), bevor er die lebenserhaltende Transplantation
durchführte.
|
Peer
Steinbrück, als er noch NRW-Ministerpräsident war, überreicht Broelsch
das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik
Deutschland und sagte, Broelsch habe „Das
Ansehen der deutschen Medizin auch international ungemein gestärkt.“
So
kann man es allerdings auch sehen.
Also
lebenserhaltende Organ-Transplantation
für die, die bezahlen können, die anderen gehen leer aus und die Hartz
IV-Empfänger dienen, indem sie ihre Organe spenden, als lebende
Organbaken. International – in der 3. Welt – gibt es Organhandel schon
lange, da
wird es doch Zeit, damit „das Ansehen der deutschen Medizin auch
international ungemein“ zu stärken und dies hier nachzuholen und auch
hier einführen. Recht auf Leben
und gute ärtztliche Behandlung nur für die, die es sich leisten können,
für die Patienten der Krankenkassen nur Grundversorgung: siehe Klinikum
Erfurt und Klinikum Fulda.
Man
sollte mal über folgende Idee nachdenken: Organe werden an der Börse
gehandelt. Wer eins braucht, zahlt den Tageskurs. Es versteht sich, dass
nach neoliberalen Vorstellungen, v.a. die sog. Leistungsträger
berücksichtigt werden können. Wer nicht dazu gehört, z.B. Arbeitslose,
dient als lebende Organbank und hat seine Organe zum Wohle derer, die
„Leistungsträger“
sind, zu spenden. Der Spendenfreudigkeit könnte man nachhelfen,
indem die notorischen Querulanten, die meinen, unbedingt als Arbeitsloser
sich den Luxus von zwei Nieren leisten zu müssen, die Leistungen kürzt.
Eine solche Maßnahme würde angesehene Medizinprofessoren
entkriminalisieren und die nutzlosen Hartz IV-Schmarotzer (Ex-Minister
Wlfgang Clement), noch gesellschaftlich nützlich machen. Das wäre doch
eine Idee, bei der Ministerin Ulla Schmidt vor Begeisterung jubeln und
mich auch zum Großen Bundesverdienstkreuz qualifizieren müsste.
Diese
drei Beispiele sind nur die Spitze des Eisberges. Ich hatte vor einem Jahr
einen Unfall und musste in ein Krankenhaus. Ich wurde zunächst falsch
behandelt und das noch, als die falsche Therapie erkannt und zugegeben
wurde. Erst nach meiner energische Weigerung, die wirkungslose Therapie
weiter mitzumachen, wurde sie durch eine, die half, ersetzt.
An
meinen Mitpatienten erlebte ich in den eben mal 20 Tagen drei Kunstfehler,
in einem Fall nahm die sehr engagierte Hausärztin empört ihren
Patienten, einen über 80-jährigen Mann, aus der Klinik, weil sie um
dessen Leben fürchtete.
Erfurt,
Fulda und Essen sind nur die Spitze des Eisberges und es wird noch
schlimmer kommen. Wir müssen uns gegen das und die anderen Maßnahmen des
Sozialklaus massiv wehren. Eine erste Gelegenheit, den Protest zu
artikulieren, gibt sich übernächste Woche in Heiligendamm beim Protest
gegen den G8-Gipfel.
Günter
Ackermann
Der operativer Cashflow ist die Summe aller Ein- und Auszahlungen innerhalb
des operativen Bereiches eines Unternehmens. Er ergibt sich, indem der
Jahresgewinn um Abschreibungen, Veränderungen in den Rücklagen
der Vorräte
der Forderungen und
Verbindlichkeiten und ähnliches mehr bereinigt wird. Er zeigt die
Selbstfinanzierungsfähigkeit eines Unternehmens bzw. die Finanzkraft,
die aus der normalen Geschäftstätigkeit resultiert. Er wird in der Kapitalflussrechnung bzw. Cashflowrechnung (sofern
aufgestellt) im Geschäftsbericht ausgewiesen.
siehe
|
|
Hygiene
eingespart
Salmonellen-Epidemie
im Klinikum Fulda ein Beispiel für die lebensgefährlichen Auswirkungen
neoliberaler »Strukturreformen«. Dienstleistungshaftung gefordert
Von
Hans-Gerd Öfinger
Quelle jungeWelt vom
24.05.2007
Die
Deutsche Hospiz-Stiftung hat Konsequenzen aus der Salmonellen-Epidemie am
Klinikum Fulda gefordert. Angesichts zahlreicher Todes- und Krankheitsfälle
bestehe beim Gesetzgeber dringender Handlungsbedarf, erklärte der Geschäftsführende
Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, am Mittwoch in Berlin. Er forderte
die Einführung einer Dienstleistungshaftung, um den Patientenschutz
nachhaltig zu stärken. Dadurch würde sich die Beweislast umkehren, und
der Patient hätte es in Zukunft leichter, seinen Schadenersatzanspruch
durchzusetzen, erklärte Brysch. Er forderte
Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) auf, für ein
entsprechendes Gesetz zu sorgen.
In
dem Klinikum und einem angeschlossenen Seniorenheim haben sich seit
Ausbruch der Epidemie Ende April mehr als 260 Menschen infiziert, darunter
vor allem Patienten. Neun der Erkrankten – acht Patienten und eine
Bewohnerin des Seniorenheims – starben bislang, vier davon nachweislich
an den Folgen der Salmonellen. Laut Brysch können die Betroffenen nicht
mit Schadenersatz rechnen. Der Fall Fulda zeige, daß »der
Patientenschutz noch weit hinter dem Verbraucherschutz zurücksteht«. In
der Industrie- und Lebensmittelbranche seien die Rechte der Verbraucher
bereits durch ein Produkthaftungsgesetz geregelt.
Die
Epidemie in der osthessischen Bischofsstadt wird am heutigen Donnerstag
auch den sozialpolitischen Ausschuß des Landtags in Wiesbaden beschäftigen.
Die Oppositionsparteien SPD und Bündnis 90/Die Grünen haben eine öffentliche
Ausschußsitzung beantragt, bei der mögliche Konsequenzen gezogen werden
sollen.
Zentraler
Vorwurf der an die in Hessen mit absoluter Mehrheit regierende CDU: Sie hätte
bereits vor Jahren handeln und eine Hygieneverordnung erlassen müssen.
Eine solche Verordnung bestehe in Bundesländern wie Bremen, Sachsen,
Brandenburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen schon längst und könne das
Zusammenwirken aller zuständigen Stellen in ähnlichen Krisensituationen
wie jetzt in Fulda regeln.
Diese
Kritik teilt auch Klaus-Dieter Zastrow von der Deutschen Gesellschaft für
Krankenhaushygiene e.V. (DGKH). Wesentlich zur Epidemie beigetragen habe
die Tatsache, daß beim Klinikum Fulda die Vollzeitstelle eines
hauptamtlichen Krankenhaushygienikers nicht besetzt gewesen sei, der die
Angelegenheit von der ersten Stunde an hätte verfolgen können, so
Zastrow gegenüber jW. Statt dessen habe das Klinikmanagement einen
Beratervertrag mit einem Institut im 372 Kilometer entfernten Freiburg
abgeschlossen.
Am
Dienstag hatte das Fuldaer Kreisgesundheitsamt als »Auslöser der
Erkrankungen unter den Mitarbeitern« eine Nachspeise aus Apfelmus und
Sahne identifiziert, die Ende April in der Klinikkantine angeboten wurde.
Allerdings wurde diese Speise nur an das Personal ausgegeben, so daß
weiterhin unklar ist, wie die Patienten von der Infektion erfaßt wurden.
Die
Kantine ist seit dem 15. Mai geschlossen. Seither wird die
Essensversorgung des Klinikums nach Medienberichten von der Firma »Dorfner
Menü«, einem Unternehmen der Nürnberger Dorfner Clinic Care-Gruppe
geleistet. Dorfner Clinic Care ist auch für die Reinigung des
Krankenhauses zuständig. Geschäftsführer von Dorfner Clinic Care sind
der Kliniksprecher Stefan Burkhard und der Vorstandsvorsitzende des
Klinikums Fulda, Claus Dieter Schad.
|