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Fußball-Europameisterschaft
Bild-Zeitung:
Polen
erklärt Deutschlang den Krieg oder
Wie
der Springer-Verlag sich selbst die Schlagzeilen macht
Von
Günter Ackermann/6. Juni 2008
Was
waren da noch für Zeiten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Da
erklärte einst das Großdeutsche Reich der Republik Polen dem Krieg,
weil die deutsche SS KZ-Häftlinge in polnische Uniformen gesteckt,
erschoss und sie im Reichssender Gleiwitz (heute Gliwice) hinlegte,
einen Scheinangriff startete und so einen Überfall Polens auf diesen
Sender vortäuschte. Einige Wochen später stand dann die Wehrmacht an
der polnischen Ostgrenze. Ja damals – was waren das doch für
heroische Zeiten.
Aber
heute setzt doch frecherweise das polnische Boulevardblatt „Fakt“
unseren Fußballhelden Ballack eine Pickelhaube
aufs schüttere Haupt und Bild kommentiert diese
Ungeheuerlichkeit mit den Worten: „Erst die geschmacklose Fotomontage von unserem Kapitän
Michael Ballack (31) mit Pickelhaube.“
Da
kann, ja muss, sich jeder blonde und nichtblonde Germane doch nur empören.
Allerdings
verschweigt Bild, dass das polnische Blatt Fakt und Bild Schwesterblätter
sind, gehöen sie och beide zum Springer-Konzern. Ob das in trauter
Absprache gemacht urde, also die eine Boulevardzeitung puscht die andere
hoch und beide machen auf Nationalismus. Kann ich nur spekulieren. Aber
wenn das nicht in gegenseitiger Absprache geschehen ist, so war es doch
zur Freude der jeweils anderen Seite. Bild sieht Schwarz-Rot-Gold in
Gefahr, die polnische Fakt die rotweiße Republik im Osten.
Fußball
wird eben immer mehr zum Nationalismus missbraucht – das ist hier so
und auch anderswo, auch in Polen. Ma sehe sich ab nächster Woche nur
mal die Spiele der deutschen Mannschaft an. Da taucht immer mal
dazwischen die Visage einer gewissen Dame auf, die bekanntermaßen
vielleicht weiß, dass der Ball rund ist – vielleicht nicht einmal
das. Diese Dame ist die allgemein als sprechender Hosenanzug bekannte
Frau aus der Reichskanzlei – pardon: Bundeskanzleramt – in Berlin,
also die Dame Angela Merkel
Derzeit
puschen die Medien weiter den Nationalismus bei der Europameisterschaft
hoch und sie beschweren sich dann, wenn die anderen es ebenso machen.
Dass Springer da ganz vorn ist, ist klar. Aber ganz vorn auf beiden
Seiten.
Ich
weiß nicht, ob der polnische Präsident Lech Kaczynski beim Spiel
Deutschland gegen Polen im Stadion sein wird, die liebe Angela wird es
sicher sein und die willige Fernsehmacher werden sie bei jedem Tor das
Deutschland rein bekommt oder schießt, ins Bild nehmen. Wir kennen das
von der Fußball-WM.
Damals
hat die Visage, der nicht eben sehenswerten Angela, vielen das Sehen des
Spiels vergällt. So wird es sicher wieder sein.
Wenn
Präsident Kaczynski im Stadion sein sollte, riskiert er sicher einen
strengen Verweis von der deutschen Regierungschefin. So, bitteschön,
mein Lieber, springt man doch nicht mit uns Großdeutschen um. Wir müssen
uns nicht alles gefallen lassen?
Wenn
schon, wie Bild auch mit Entsetzen meldet, das Gehege des
deutsch-nationalen Eisbären Knut im Berliner Zoo mit der polnischen
Fahne verunstaltet wurde, dann verlangen wir das Hissen der deutschen
Fahne über Wroclaw ähäm Breslau. Da sind wir noch großzügig, denn sie soll
nicht über Kaczynski Amtssitz Pałac
Belweder in Warschau wehen. Es reicht, wenn die polnische
Regierung das macht, was ihr Frau Merkel sagt. Und das wichtigste, was
sie sagen sollte: „Wenn die Polen das Spiel gegen Deutschland
gewinnen, haben doch wir Deutschen gewonnen. Denn wir übernehmen die
polnischen Spieler einfach einfach, haben wir doch schon zwei Polen
germanisiert: Klose und Podolski. Der toitsche Kicker Klose wurde
einst in Opole (Schlesien) als Mirosław Kloze geboren
und Podolski als Łukasz
Podolski in Gliwice. So füllt man die germanische
Nationalmannschaft mit neuen Recken auf. Deutschlands Ostgrenzen sind eh
eigentlich am Bug.
Somit
sind zwei der besten Nationalspieler Polen – zwei der beklopptesten
Zeitungen sind aber deutsch. Nur die eine gibt sich superpolnisch die
andere superdeutsch. Ich jedenfalls wünschen dn polen ebensso de ieg
wie den Deutschen. Mir ist es schlicht egal.
G.A. |