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siehe auch:

Grauer Wolf im Schafspelz

PDS-Bundestagsabgeordneter Hakki Keskin Seite an Seite mit dem türkischen Faschistenführer Muhsin Yazicioglu (Graue Wölfe) - und wie die Parteiobrigkeit das sieht

Von Günter Ackermann/30. September 2006 mehr

Bündnis für Soziale Gerechtigkeit

und Menschenwürde e.V. i.Gr.

Pressemitteilung 07.01

Offener Brief

Berlin, den 16.01.2007

An den Fraktionsvorstand und die Abgeordneten des Deutschen Bundestages

DIE LINKE.PDS

Wer den Völkermord an die Armenier leugnet ist kein Linker und kein Sozialist.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind sehr befremdet darüber, dass der Bundestagsabgeordnete Hakki Keskin seine Lobbytätigkeit für die Türkei auch als Bundestagsabgeordneter fortsetzt und den Völkermord an den Armeniern weiterhin leugnet. Wir sind der Auffassung, dass der türkische Staat durch seine Botschaft vertreten wird und daher keine Lobbyisten im Bundestag benötigt und diese auch nicht geduldet werden sollten.

Wir sind und waren auch darüber beunruhigt, dass der Vorsitzende der PDS, Herr Bisky, fast zeitgleich mit der im Juni 2005 vom Bundestag verabschiedeten Resolution, der auch die PDS-Abgeordneten zugestimmt hatten, darauf drängte, Herrn Keskin als Bundestagskandidaten für DIE LINKE durchzusetzen. Zahlreiche Mitglieder sowohl der PDS als auch der WASG haben diese Kandidatur kritisiert und abgelehnt. Wir erinnern, dass nicht nur die Armenische Gemeinschaft, sondern auch der Bezirksverband der Linkspartei Tempelhof-Schöneberg eine Kandidatur des Herrn Keskin abgelehnt hat.

Wir haben Verständnis für den Protest des Zentralrats der Armenier und die Aufforderung vom Dezember 2006 an den Fraktionsvorstand sich von Herrn Keskin zu trennen, da die wider besseres Wissen wiederholten Äußerungen des Abgeordneten und früheren Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland, mit denen er unter anderem in einem Interview in der Tageszeitung „ junge Welt“, den Völkermord an über einer Million Armeniern unter dem türkischen Regime während des Ersten Weltkrieges in Frage stellte, nicht hingenommen werden können.

Statt sich von Keskins Äußerungen zu distanzieren, erklärte der Bundestagsabgeordnete Bodo Ramelow für die Linksfraktion gegenüber dem Tagesspiegel vom Freitag letzter Woche, die Fraktionsführung könne »die individuelle Meinung eines Menschen nicht per Mehrheitsbeschluss verbieten«. Es sei vielmehr einleuchtend, dass Keskin »in der Rolle als Vertreter der Türken in Deutschland sich treu bleibt«. Dem Zentralrat warf Ramelow vor, auf eine »sachliche Auseinandersetzung« zu verzichten und die getöteten Menschen »völlig ohne Augenmaß« noch einmal zu instrumentalisieren. Die Linksfraktion leugne nicht den Völkermord an der armenischen Bevölkerung, doch gebe es »Raum für Interpretationen«.

Schließlich seien auch Zehntausende unschuldige Türken bei armenischen Racheakten ums Leben gekommen, argumentierte Herr Ramelow, der sich damit im Einklang mit der türkischen Regierungssicht befindet. In völliger Unkenntnis der zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen türkischer, armenischer und anderer internationaler Historiker, die keinen Interpretationsspielraum mehr lassen. forderte Herr Ramelow: die für beide Seiten objektiv nachvollziehbare Klärung der „Ereignisse“ des gesamten Zeitraums. Es ist geradezu tragisch, dass die Linksfraktion im Deutschen Bundestag um die Stimmen des türkisch-nationalistischen Spektrums zu gewinnen, die Glaubwürdigkeit der Linkspartei als sozialistische Partei in der Tradition Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts in Frage stellt und der Verdacht aufkommt, dass sie eine ähnlich unrühmliche Rolle spielt wie einst das Deutsche Reich als Bundesgenosse des verbrecherischen türkischen Regimes.

Dabei ist anzumerken, dass die französischen Kommunisten in der Nationalversammlung in Paris vor kurzem für ein Gesetz gestimmt haben, dass die Leugnung des Völkermords an den Armeniern unter Strafe stellt. Es ist deshalb für viele Menschen in Deutschland unerträglich, dass die Linksfraktion im Deutschen Bundestag einen Leugner des Völkermords in ihren Reihen duldet. Es sollte auch darauf hingewiesen werden, dass die Sozialdemokraten der Niederlande keine Leugner dieses Völkermords auf ihren Kandidatenlisten zugelassen haben, Bisher ist uns aus der Bundestagsfraktion lediglich eine am Wochenende verbreitete Stellungnahme der Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke bekannt, in der sie deutlich macht, dass es über eine Anerkennung der türkischen Verantwortung und deutschen Mitschuld am Völkermord an den osmanischen Armeniern keine Diskussion geben könne. Wir fordern die Bundestagsfraktion DIE LINKE, jeden Abgeordneten und jede Abgeordnete auf, sich in aller Öffentlichkeit von den Äußerungen und Ansichten ihres Mitglieds, Herrn Keskin, zu distanzieren und Überlegungen anzustellen, ob der Abgeordnete weiterhin Mitglied einer „Linken und sozialistischen Fraktion“ sein kann.

Bevor wir weitere gemeinsame Aktionen mit allen fortschrittlichen und betroffenen Organisationen planen, wären wir für Ihre Stellungnahme innerhalb von zwei Wochen dankbar.

Eine Kopie dieses Schreibens erhält der Zentralrat der Armenier.

Mit freundlichen Grüßen

BüSGM – Der Vorstand –

Peter Dietrich Gert Julius Lothar Nätebusch

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