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Griechenland:
Neuauflage
der Treuhandanstalt oder
Wird
Griechenland Mandatsgebiet Deutschlands?
Von
Günter Ackermann
Kommunisten-online
am 6. Oktober 2011 – Ein bewährtes Mittel, eine Art
Treuhandanstalt wie damals in den 90ern, soll Griechenland retten. So
jedenfalls ist es, glaubt man einer bundesdeutschen
Beratungsgesellschaft. Griechenland soll sein gesamtes
Tafelsilber an diese Treuhand verkaufen, die es dann weiter an Geschäftemacher
und Schnäppchenjäger deutscher und anderer Konzerne, verscherbelt.
Das
kennen wir – das war auch die Treuhandanstalt, die das Volkseigentum
der DDR abwickelte. Die wurde auf Vorschlag u.a. von Wolfgang Ullmann
von der antikommunistischen Gruppe „Demokratie jetzt“ (DJ) (später
in die Grünen aufgegangen) von der Regierung Modrow beschlossen.
Vorgeschobener Grund war, das Volkseigentum
der DDR im Volksinteresse zu verwalten. Aber bereits in dieser Phase
begann man mit der Umwandlung der Betriebe in kapitalistische
Kapitalgesellschaften.
Nachdem
sich die BRD die DDR einverleibt hatte, war die Treuhand das Instrument
um weite Teile der DDR von ihrer Industrie zu „befreien“. Meist
verscherbelte die Treuhand wertvolle Betriebe an Geschäftemacher. Oft
sogar zum symbolischen Preis von 1 Mark und das bei Betrieben, auf deren
Konten Millionen schlummerten und die wertvolle Immobilien besaßen.
Ein
Untersuchungsausschuss des Bundesstages schätzte die Betrugssumme auf
drei bis zehn Milliarden DM, Eine Zahl, die wohl noch zu niedrig
gegriffen sein dürfte.
Ähnliches
soll nun auch Griechenland widerfahren. Deutsche Großunternehmen
scharren bereits mit den Füßen, andere sind bereits im Geschäft. So
kaufte die Deutsche Telekom mehr als 40% der griechischen Hellenic
Telecoms S.A. (OTE). Damit beherrscht sie nicht nur das griechische
Telekommunikationsnetz, einschließlich Internet und Mobilfunk, sondern
hat auch ihr Finger im Telekommunikationsgeschäft der
Nachfolgestaaten Jugoslawiens, Albaniens, Bulgariens und Rumäniens. In
Armenien ist OTE sogar Monopolist im
Festnetzgeschäft.
Die
griechische Wirtschaft hat noch viel mehr zu bieten, So die staatliche
Energieverssorgung, die Eisenbahn. Häfen, Fährverbindungen.
Schifffahrt und eine ganze Menge anderer Betriebe sind in Staatsbesitz.
Folgt man dem Rat eines deutschen Parlamentariers aus der CSU, so sollte
Griechenland sogar die Akropolis verkaufen.
Dass
die Neuauflage der Treuhand noch mehr dunkle Geschäftemacher auf den
Plan ruft, wie damals in der 90ern, liegt auf der Hand. Die damals vom
Bundestag geschätzte Betrugssumme von bis zu zehn Milliarden Mark dürfte
bei der Abwicklung Griechenlands weit übertroffen werden.
Vielleicht
einen Rat an die Abwickler Griechenlands:
Frau
Birgit Breuel, die damalige Chefin der Treuhand, hat sich bei Korruption
und Schieberei bewährt, Die ist zwar schon 74 Jahre alt, aber eine so
erfahrene und qualifizierte Dame sollte man nicht rosten lassen und ist
das griechische mediterrane Klima ist sehr gesund, da spielt das Alter
keine Rolle.
Allerdings
fürchte ich, die Griechen werden sich das alles nicht bieten lassen.
Die massiven Proteste der Bevölkerung
gegen die Anmaßungen Berlin sprechen
eine andere Sprache wie die deutschen Medien, nach denen die
Griechen dafür sein sollen, sich den Erpressungen zu beugen.
G,A.
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Die
Folgen des Spardiktats
ATHEN/BERLIN
german-foreign-policy
vom 05.10.2011 (auf Kommunisten-online am 6. Oktober 2011) – Mit
anhaltendem Protest reagiert die griechische Bevölkerung auf die
erneuten exzessiven Spardiktate der EU. Wie es in Medienberichten heißt,
gibt sich die sogenannte Troika aus EU, EZB und IWF, die die von Berlin
und Brüssel erzwungenen Athener Kürzungsprogramme überprüfen soll,
nicht damit zufrieden, dass die griechische Regierung die Entlassung
Zehntausender Staatsbediensteter in Aussicht gestellt hat, und fordert
von Athen weiterreichende Schritte. Dabei macht das Land bereits jetzt
einen sozialen Kahlschlag noch nie dagewesenen Ausmaßes durch: Während
die Wirtschaft in den kompletten Ruin treibt, erreicht die
Arbeitslosigkeit neue Rekordhöhen; die Renten wurden bislang um rund
ein Fünftel, die Einkünfte der im europäischen Vergleich schlecht
bezahlten staatlichen Angestellten auf durchschnittlich 60 bis 70
Prozent gekürzt. Neu eingestellte junge Erwachsene müssen mit einem
Bruttolohn von rund 600 Euro im Monat auskommen. Dabei wird die deutsche
Rolle beim Ausweiden des Staates in Griechenland genau registriert. Jüngster Coup ist der Vorschlag einer Beratungsgesellschaft aus der
Bundesrepublik, dem zufolge Griechenland sein Staatsvermögen an die EU
verkaufen soll – zwecks Weitergabe an private Interessenten unter Brüsseler
Regie.
Verheerende
Folgen
Die
desaströse Entwicklung hat Griechenland erfasst, seit das Land im April
2010 unter den europäischen „Rettungsschirm“ – Volumen: 110
Milliarden Euro – schlüpfte. Damit sollte das überschuldete Land vor
der drohenden Zahlungsunfähigkeit gerettet werden. Zu diesem Zeitpunkt
betrug die Verschuldung Griechenlands 330 Milliarden Euro; das entsprach
fast 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 235 Milliarden Euro
Ende 2009. Das später für Ende 2009 festgestellte Haushaltsdefizit lag
bei 15,6 Prozent. Als Gegenleistung für die Milliardenkredite handelten
die Gläubiger von EU, IWF und EZB ein drastisches Sparprogramm aus, das
den Abbau staatlicher Leistungen, Privatisierungen, Lohn- und
Rentensenkungen sowie massive Verbrauchssteuererhöhungen vorsah. Damit
gelang es der Regierung Papandreou, das Haushaltsdefizit innerhalb eines
Jahres auf 10,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu senken –
bei gleichzeitig verheerenden Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft
Griechenlands.
Arbeitslosigkeit,
Bankrotte, Armut
Allein
im Jahr 2010 schrumpfte das griechische BIP um 4,5 Prozent, bis zum
zweiten Jahresdrittel 2011 um weitere 7,5 Prozent, während die
Verschuldung des Landes bis März 2011 bereits auf über 340 Milliarden
Euro wuchs.[1] Die
Arbeitslosigkeit, die Ende 2009 etwa 9,6 Prozent betrug, ist auf 16,3
Prozent gestiegen; unter den 15- bis 29-Jährigen ist sogar fast jeder
Dritte erwerbslos. Bis zum Jahresende sollen nun bis zu 30.000
Staatsbedienstete entlassen werden. Tausende meist kleiner Betriebe sind
bereits bankrott, ein Ende der Rezession ist nicht abzusehen. Den im
europäischen Vergleich schlecht bezahlten staatlichen Angestellten
wurden ihre Bezüge im Schnitt um 30 bis 40 Prozent gekürzt, sämtliche
Rentner des Landes mussten Einschnitte in Höhe von etwa 20 Prozent
hinnehmen. Branchentarifverträge dürfen mittlerweile unterlaufen
werden, die absolute Untergrenze von etwa 740 Euro Bruttolohn für eine
Vollzeitstelle gilt für neu eingestellte junge Erwachsene unter 25
Jahren nicht mehr. Sie müssen mit knapp 600 Euro im Monat auskommen –
brutto. Die von den Gläubigern geforderte „Flexibilisierung“ bei Löhnen
und Arbeitsbedingungen beginnt sich durchzusetzen. So wurden im ersten
erfolgreich privatisierten Staatsunternehmen, der von der Deutschen Telekom übernommenen
Telefongesellschaft OTE, die Löhne bei gleichzeitiger Verringerung der
Wochenarbeitszeit von 40 auf 35 Stunden um elf Prozent gesenkt – unter
der Drohung, bei Widerstand 5.000 Angestellte zu kündigen.[2]
Widerstand
Alle
Maßnahmen wurden gegen massiven Widerstand der Betroffenen
durchgesetzt. Diese wehrten sich mit insgesamt sieben eintägigen
Generalstreiks 2010 sowie drei eintägigen und einem zweitägigen
Generalstreik in diesem Jahr – bei hoher Beteiligung der Angestellten
im öffentlichen Dienst und aus den großen Unternehmen. Ein nächster
Generalstreik – der zwölfte seit dem Beginn der Streichungsprogramme
– ist für den 19. Oktober angesetzt. Dazwischen gab es unzählige,
teilweise mehrere Tage oder Wochen lang geführte Streiks in einzelnen
Branchen und Betrieben – so viele, dass längst ein Streikkalender im
Internet darüber informiert, welche Gruppen von Erwerbstätigen gerade
im Ausstand sind. Von Mai 2011 bis zur Sommerpause im August
demonstrierten darüber hinaus regelmäßig fast jeden Abend Tausende,
darunter keineswegs nur gewerkschaftlich organisierte Menschen, direkt
vor dem griechischen Parlament. Aus dem anfänglich eher trotzigen
Widerstand gegen die als ungerecht empfundenen Einschnitte ist für
viele dabei längst ein Kampf um den eigenen bescheidenen Lebensstandard
geworden, wenn nicht sogar ein Kampf gegen den nackten Hunger. Davon
zeugen auch neue Formen des Widerstandes. So wird kollektiv die Zahlung
zahlreicher Sondersteuern verweigert, selbst wenn dies gravierende
Folgen haben kann: Personen etwa, die die jüngst eingeführte, heftig
umstrittene Abgabe auf Eigentumswohnungen verweigern, die zusammen mit
der Stromrechnung bezahlt werden muss, laufen Gefahr, dass ihnen der
Strom abgestellt wird. Generell
beantwortet die Regierung den wachsenden Widerstand gegen ihre Politik
mit zunehmender Repression. Wochenlange Streiks der Seeleute und
der Lastwagenfahrer wurden mit dem Zwangsinstrument der
Dienstverpflichtung beendet. Bei Massendemonstrationen geht die Polizei
mittlerweile geradezu gezielt gegen friedliche Demonstranten vor und
setzt beim geringsten Anlass flächendeckend Tränengasgranaten ein.
Die
deutsche Führungsrolle
Als
treibende Kraft hinter all diesen Maßnahmen macht die Bevölkerung
weniger die eigene Regierung als vielmehr die Gläubigertroika aus EU,
IWF und EZB aus – und insbesondere die Bundesrepublik Deutschland.
Dabei spielen die von deutschen Medien bedienten Ressentiments von den
angeblich faulen, betrügerischen Südländern [3] und ihre griechische
Erwiderung mit der Darstellung von Hakenkreuzen auf Siegessäulen, von
Kanzlerin Merkel in SS-Uniform oder die Bezeichnung von EU-Kontrolleuren
als „Gauleiter“ nur vordergründig eine Rolle. Besonders für
ältere Griechen ist es unerträglich, wenn ein Staat, unter dessen
Rechtsvorgänger sie während des Zweiten Weltkriegs unsägliche Leiden
durchmachen mussten, sich nun zum Befehlsgeber über die eigenen
nationalen Belange aufschwingt. Schwerer
aber wiegt die tatsächliche wirtschaftliche und politische Führungsrolle
Deutschlands innerhalb der EU, aufgrund deren die deutschen Interessen
bei der angeblichen „Rettung Griechenlands“ im Vordergrund stehen.
Ausverkauf
Empörung
hatte schon im Jahr 2010 die ursprüngliche deutsche Forderung
hervorgerufen, die mit Griechenland geschlossenen Milliardenverträge über
den Kauf deutscher Rüstungsgüter dürften von den Einsparungen nicht
betroffen sein. Allein zwischen 2005 und 2010 hatte Deutschland
an Athen Kriegsgerät im Wert von rund 2,1 Milliarden US-Dollar
verkauft. Als Hauptbedrohung gilt in Griechenland ein möglicher Krieg
mit der Türkei, die ihrerseits in großem Umfang mit deutschen Waffen
aufgerüstet wird. Auf Unverständnis stieß auch, dass die deutsche
Justiz faktisch einen Schutzschirm über Michalis Christoforakos
aufspannte – einen ehemaligen Geschäftsführer von Siemens in
Griechenland, der allein Auskunft über millionenschwere Schmiergelder
geben könnte, die Siemens im Gegenzug für lukrative Staatsaufträge
fließen ließ, nach einem milden Urteil in Deutschland allerdings in
Griechenland straffrei bleibt. Griechische Medien registrieren zudem aufmerksam, dass die
deutsche Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants eine
Schlüsselstellung bei den geplanten Privatisierungen einnehmen soll.
Roland Berger hat vor wenigen Tagen einen Plan vorgelegt, dem zufolge
Athen „Staatsvermögen wie Häfen, Flughäfen, Autobahnen und
Immobilien im Gesamtwert von rund 125 Milliarden Euro“ in einer
Holding zusammenfassen und diese dann für 125 Milliarden Euro an die EU
veräußern soll. Diese könnte das griechische Staatseigentum dann nach
Gutdünken weiterverkaufen. Zudem solle die EU, heißt es bei
Roland Berger, ihre eigenen, für Athen vorgesehenen Infrastrukturgelder
in Höhe von rund 15 Milliarden Euro verwenden, um die griechischen
Immobilien vor dem Weiterverkauf an zahlungskräftige Interessenten zu
sanieren.[4]
Weiter
kürzen
Empörung
ruft zudem ein Bericht der Tageszeitung Eleftherotypia hervor. Darin heißt
es, Berlin habe in Gesprächen mit Finanzminister Evangelos
Venizelos ungeachtet der schon jetzt desaströsen Lage auf weitere
drastische Senkungen von Löhnen und Renten gedrängt. Deren
Niveau werde sich damit, heißt es, „demjenigen Rumäniens
angleichen“.[5]
[1]
s. dazu Steil abwärts
[2] s. dazu Die Widersprüche der Krise
[3] s. dazu Bilanz der Nationalismus-Party
[4] Roland Berger Strategy Consultants stellt Plan zur Sanierung von
Griechenland vor; www.rolandberger.com 26.09.2011
[5] Γερμανικό
σχέδιο «ρουμανοποίησης»
και διασπορά
αμερικανικών
ζιζανίων; www.enet.gr 01.10.2011
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Deutsches
Finanzkapital will Griechenland zum Protektorat machen
Anmerkung
Roter Webmaster
Von
Günter Ackermann
Kommunisten-online
am 1. Februar 2012 – Griechenland ist hoch verschuldet, das weiß
jeder. Diese Schulden haben nicht die Arbeiter, Rentner, kleinen Geschäftsleute
und Kleinbauern zu verantworten, sondern jene, die von der griechischen
Regierung und von den Herrschenden der EU geschont werden: die Reichen
und Superreichen im Land.
Und
natürlich die Banken, die das Geld locker machten und natürlich die
deutschen Rüstungskonzerne, die Griechenland teure Waffensysteme für
die Armee lieferten – auf Pump. Das alles muss jetzt
bezahlt werden. Man spricht von notwendigem Schuldenerlass, aber
die Waffen müssen bezahlt werden – bis auf den letzten
Cent. Wenn also die EU dem zahlungsunfähigen Land Geld pumpt, so
gelangt ein großer Teil des Geldes gar nicht erst auf griechische
Konten, sondern landet direkt auf den Konten der Rüstungskonzerne bei
deutschen Großbanken.
Die
griechischen Regierungen haben peinlich genau die Diktate der EU, des
IWF und der EZB – also der Troika
– befolgt. Sie haben die Reichen geschont und dem Volk die Schulden
bezahlen lassen. Dabei haben die Reichen in Griechenland die
Misere nicht nur verursacht, sie haben dabei auch Unsummen verdient und
ihr Vermögen längst auf Schweizer Banken dem Zugriff des griechischen
Fiskus entzogen.
Die
Folge der Verelendungspolitik ist, dass die Binnennachfrage in
Griechenland zusammen brach und die Verelendung unvorstellbare Ausmaße
annahm und die Krise hohe Wellen schlägt.
Uns
macht die Propaganda der Finanzkapitalisten weiß, die Griechen lebten
über ihre Verhältnisse, die Löhne seien viel zu hoch und
die Griechen seien
faul und arbeitsscheu. Tatsächlich aber verdient ein Facharbeiter um
die 1000 € im Monat. Und das soll noch mehr gekürzt werden.
Das
ist die Realität! Aber die Griechen wehren sich. Es brandet eine
Welle von Protesten durchs Land, die linke Gewerkschaft PAME
organisiert Generalstreiks. Das führte zwar dazu, dass die von der EU
eingesetzte Übergangsregierung das Tempo der Mechanismen zur
Verelendung etwas mildern musste, aber
nicht stoppte.
Genau
das wird ihr zum Vorwurf gemacht. Vor allem von der deutschen Regierung,
deutschen Industriellen und Banken und deutschen Politikern, die nicht müde
werden, mit „guten“ Ratschlägen zu helfen vorgeben. So raten sie
den Griechen, ihre antiken Denkmäler zu verkaufen.
Es
geht ihnen vor allem darum, an die griechische Industrie,
Telekommunikation und Energieversorgung heran zu kommen. Und tatsächlich
hängen sie hier bereit gut im Geschäft. So kontrolliert die Deutsche
Telekom bereits jetzt einen großen Teil des Telekommunikationsgeschäfts
– das wollen sie weiter ausbauen.
Die
der EU – allen voran der deutschen Regierung – reicht das alles
nicht. Sie wollen Griechenland seiner Souveränität berauben und jetzt
sogar einen „Sparkommissar“ nach Athen schicken. Der ist nicht durch
das griechische Parlament kontrollierbar, sondern den kontrolliert nur
die Troika.
Beim
jüngsten EU-Gipfel scheiterte das noch an anderen EU-Staaten. Die befürchteten
wohl, dass sie sich demnächst auf der Speisekarte der Berliner
Regierung befinden werden.
Allerdings
werden Merkel und das deutsche Finanzkapital ihren Vorstoß nur erstmal
auf Eis gelegt haben. Bei passender Gelegenheit holt man ihn wieder aus
der Schublade. Und wehren sich die Griechen, dann lässt man
die Bundeswehr im Verein mit der französischen Fremdenlegion
einmarschieren. Einen Quisling, der die Nato zu Hilfe ruft, findet sich
schnell. Da ist auch noch das griechische Militär. Das, wohlversorgt
mit deutschen auf Pump gekauften Waffen, mal wieder putschen kann –
wie einst 1967. Und die können es dann, gemeinsam mit Nato-Truppen, mit
Gewalt das „Vaterland retten“. Es wäre auch eine gute Übung für
andere Länder, wenn das Volk aufmüpfig wird – auch bei uns.
G.A.
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Ein
klein wenig Diktatur (II)
BERLIN
Quelle:
german-foreign-policy
vom 30.01.2012 (Kommunisten-online am 1. Februar 2012) – Die
Bundesregierung verlangt die Umwandlung Griechenlands in ein
Finanzprotektorat der Eurogruppe. Athen habe die ihm verordneten
Sparziele im letzten Jahr nicht erreicht und müsse sich daher einem
„Haushaltskommissar“ unterwerfen, heißt es in einem Papier, das
Deutschland in Brüssel zur Zustimmung vorgelegt hat. Der
„Haushaltskommissar“ sei von den Eurostaaten zu ernennen und solle
den griechischen Staatsetat mittels eines Vetorechtes umfassend
kontrollieren. Die demokratisch gewählte Regierung müsse sich ihm in
Zukunft unterordnen. Die deutsche Forderung wird von Äußerungen
einflussreicher Politiker aus unterschiedlichen Parteien unterstützt;
auch der neue Präsident des EU-Parlaments, ein deutscher
Sozialdemokrat, macht sich ausdrücklich für die „Einschränkung der
Souveränität“ Griechenlands stark. Das Verlangen, das in Berlin
schon seit zwei Jahren öffentlich geäußert wird, stößt in
Griechenland auf heftigen Protest. Ein Beitrag in einer führenden
britischen Tageszeitung, der mittlerweile auch in der französischen
Presse verbreitet wird, ruft zu einem Zusammenschluss der großen
EU-Staaten gegen Deutschland auf. Tatsächlich schließt der Plan der
Bundesregierung, Athen in Sachen Haushalt unter Kuratel zu stellen, an
im Berliner Establishment schon seit längerem angestellte Überlegungen
an, die bislang in Deutschland und der EU bestehende Demokratie
zumindest partiell einzuschränken.
Finanzprotektorat
Wie
es in einem Dokument heißt, das die Bundesregierung in Brüssel
vorgelegt hat und dort nun umgehend verabschiedet sehen will, habe
Griechenland die ihm auferlegten Spardiktate letztes Jahr „höchstwahrscheinlich“
nicht erreicht.[1] Athen müsse deshalb, wenn es auch weiterhin von der
EU unterstützt werden wolle, zwei Bedingungen erfüllen. Erstens habe
es sämtliche Staatsausgaben der Schuldenrückzahlung unterzuordnen:
„Staatsausgaben müssen zuallererst für den Schuldendienst genutzt
werden“, heißt es in dem Papier. Zweitens und vor allem müsse die
griechische Regierung einen „Haushaltskommissar“ akzeptieren. Dieser
solle von der Eurogruppe ernannt werden und den Athener Staatsetat mit
Hilfe eines Vetorechtes umfassend kontrollieren. Griechenland müsse
diesen „neuen Überwachungsmechanismus“ „in nationales Recht“ übersetzen
- wie es in dem Papier heißt, „vorzugsweise durch eine
Verfassungsreform“. Käme es zur Verabschiedung des Dokuments, dann würde
Griechenland zum Finanzprotektorat der Eurogruppe: Die parlamentarische
Demokratie wäre im Kernbereich staatlichen Handelns suspendiert.
Eingeschränkte
Souveränität
Die
Forderung der Bundesregierung ist in Berlin nicht unumstritten. „Man
sollte nichts verlangen, was man selber nicht zu akzeptieren bereit wäre“,
warnt etwa der Vorsitzende der CSU-Gruppe im Europaparlament, Markus
Ferber.[2] Allerdings unterstützen die Absicht, erstmals einem EU-Staat
diktatoriale Praktiken zu oktroyieren, führende Politiker aus den
Regierungsparteien und der SPD. Wenn Griechenland die Spardiktate nicht
erfülle, „müssen Führung und Überwachung stärker von außen
kommen, zum Beispiel durch die EU“, erklärt Bundeswirtschaftsminister
Philipp Rösler (FDP).[3] Der „Vorschlag einer Kontrolle und Aufsicht
des Etats“ sei „zielführend“, urteilt der haushaltspolitische
Sprecher der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag, Norbert Barthle
(CDU). Es sei ganz „normal“, wenn Gläubiger sich an der
Entscheidung darüber beteiligen wollten, wie ihr Kreditnehmer sein Geld
ausgebe, äußert der SPD-Politiker Martin Schulz. Schulz, der es
„normal“ nennt, eine demokratisch gewählte Regierung von außen zu
entmachten - es gehe gewiss um eine zwar „zeitlich begrenzte“, aber
unleugbare „Einschränkung der Souveränität“, lässt er sich
zitieren [4] -, wurde am 17. Januar zum Präsidenten des
Europaparlaments gewählt.
Durchgriffsrechte
Die
Forderung, in der EU Finanzprotektorate zu errichten, wird seit zwei
Jahren in Deutschland nicht mehr nur hinter verschlossenen Türen,
sondern auch öffentlich diskutiert. Man müsse darüber sprechen, „ob
und wie ein frühzeitigerer Durchgriff auf die nationale Fiskalpolitik möglich
sein sollte“, hieß es bereits im Februar 2010 ausdrücklich in einem
Papier der Stiftung Wissenschaft und Politik (german-foreign-policy.com
berichtete [5]). Kurz darauf schlug der deutsche Außenminister vor, die
Etats verschuldeter EU-Staaten überwachen zu lassen; das könne „ein
Sparkommissar“ aus Brüssel tun.[6] Im Herbst 2011 erklärte mit Blick
auf die Verschuldung Griechenlands der Präsident der Bundesvereinigung
der Deutschen Arbeitgeberverbände, Dieter Hundt, es sei angemessen,
auch in Etatfragen die „nationale Souveränität zugunsten gemeinsamen
Handelns (zu) übertragen“. Kurz darauf verlangte auch die deutsche
Kanzlerin neue „Durchgriffsrechte“, mit denen die Haushalte der
betroffenen Staate „für null und nichtig“ erklärt werden könnten
[7] - nichts anderes als das, was in dem aktuell in Brüssel
vorliegenden Papier gefordert wird. Über den Willen Berlins,
Griechenland sowie künftig wohl auch weitere EU-Staaten von Brüssel
aus verwalten zu lassen, kann schon seit geraumer Zeit keinerlei Zweifel
mehr bestehen.
Historische
Verbundenheit
Noch
stößt Berlin auf Widerstand. „Es ist ausgeschlossen, dass wir das
akzeptieren“, erklärt die griechische Regierung.[8] Finanzminister
Evangelos Venizelos appelliert offen an die Staaten, die einst gegen
Berlin kämpften, als Nazideutschland auch Griechenland okkupiert hatte:
„Ich bin mir sicher, dass die Führungen aller europäischer Staaten -
allen voran derjenigen, die wegen ihrer Größe eine erhöhte
Verantwortung für den Kurs Europas tragen - wissen, wie man die Themen
zwischen Freunden und Partnern setzt, die ihre historischen Schicksale
mit ihnen verbunden haben.“[9] Venizelos' Appell wird etwa in der
französischen Presse ebenso sorgfältig rezipiert wie ein Beitrag, der
Ende letzter Woche in der Londoner Times erschien. Darin heißt es, die
wirkliche Ursache für die Eurokrise liege in Berlin: Die deutsche
Regierung verhindere effiziente Strategien zur Bewältigung der
Eurokrise, ihre politischen Absichten seien außerdem „mit denen der
anderen Länder inkompatibel“. Deutschland sei „der eigentliche Außenseiter
in der Eurozone“. Frankreich, Italien, Spanien „und ihre Partner in
der Eurozone“ hätten „die Mittel, den Euro zu retten“, und sie könnten
dabei „Deutschlands wirtschaftlicher Vorherrschaft entkommen“.
„Die einzige Frage“ sei, „ob sie genug Selbstvertrauen und
Wirtschaftsverständnis haben, um sich gegen Deutschland zu vereinen“.
Mit dem Text wird erstmals ein Aufruf, sich gegen die Berliner Hegemonie
in der EU zusammenzuschließen, im Establishment Großbritanniens und
Frankreichs breiter diskutiert.[10]
Diktatorische
Befugnisse
Tatsächlich
konkretisiert die Forderung nach der Errichtung von Finanzprotektoraten
lediglich die seit geraumer Zeit im Berliner Establishment angestellte
Überlegung, die bis heute in Deutschland und der EU bestehende
parlamentarische Demokratie zumindest partiell einzuschränken. Wie es
in einem Beitrag heißt, den der einflussreiche Regierungsberater
Herfried Münkler im Sommer 2010 publizierte, weise die Demokratie
„Ermüdungserscheinungen und Überforderungssymptome auf“. Diese
Ansicht - das geht aus dem Text hervor - wird jedenfalls in
Wirtschaftskreisen vertreten.[11] Münkler erinnerte ausführlich an den
einflussreichen NS-Juristen Carl Schmitt, der „zwischen der
kommissarischen und der souveränen Diktatur“ unterschieden habe: Während
die „souveräne Diktatur“ eine neue Ordnung herstelle, gehe die
„kommissarische Diktatur“ von einer bestehenden Ordnung aus und
erweitere sie um „extrakonstitutionelle(...) Mittel“. „Wenn heute
verschiedentlich von diktatorischen Befugnissen und Maßnahmen die Rede
ist“, schilderte Münkler die in der Bundesrepublik geführte Debatte
(german-foreign-policy.com berichtete [12]), „dann zumeist im Sinne
dessen, was Schmitt als kommissarische Diktatur bezeichnet hat“. Es
gebe allerdings „kein Verfassungsorgan, das sich auf das Risiko der
Einsetzung eines kommissarischen Diktators einlassen will.“ Trifft
dies auf Deutschland bisher noch zu, kann die Aussage für die EU
angesichts der aktuellen deutschen Forderung, Griechenland einen
Finanzprotektor zu oktroyieren, nicht mehr aufrecht erhalten werden.
[1]
Assurance of Compliance in the 2nd GRC Programme
[2] Merkel steht allein im europäischen Haus; www.welt.de 29.01.2012
[3] Rösler will mehr EU-Kontrolle für Athen; www.bild.de 29.01.2012
[4] Zoff um EU-Sparkontrolleure; www.handelsblatt.com 29.01.2012
[5] s. dazu Das
Ende der Souveränität (III)
[6] s. dazu Keine
Denkverbote!
[7] s. dazu Souveräne
Rechte: Null und nichtig
[8] Brisantes Dokument: Berlin will Athen entmündigen; diepresse.com
28.01.2012
[9] Angela Merkel treibt die Griechen auf die Barrikaden; www.welt.de
29.01.2012
[10] Anatole Kaletsky: Pour sauver l'euro, éjectons l'Allemagne;
les27.blog.lemonde.fr 29.01.2012
[11], [12] s. dazu Ein
klein wenig Diktatur, Weniger
Demokratie wagen und Alte
Dämonen |
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