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Beamte
ermitteln, wie Impfstoffe in Europa von Vogelgrippe kontaminiert wurden
AUTOR: Helen
BRANSWELL
Übersetzt von Susanne
Schuster, überprüft von Fausto Giudice
TLAXCALA
– das Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt vom 26.2.2009
– Beamte versuchen zu ergründen, wie es dazu kam, dass der
Impfstoffhersteller Baxter International Inc. „experimentelles
Virusmaterial“ auf der Basis eines menschlichen Grippevirusstamms,
aber kontaminiert mit dem aviären Influenzavirus vom Subtypen H5N1,
herstellte und dann an eine österreichische Firma vertrieb.
Diese
Firma, Avir Green Hills Biotechnology, vertrieb das vermeintliche
H3N2-Viruserzeugnis an Vertragspartner in der Tschechischen Republik,
Slovenien und Deutschland. Die Behörden in den vier europäischen Ländern
untersuchen diesen Vorfall; ihre Anstrengungen werden von der
Weltgesundheitsorganisation und der europäischen Seuchenschutzbehörde
genau überwacht.
Zwar
scheint es, dass keine der 36 oder 37 Personen, die dem kontaminierten
Erzeugnis ausgesetzt waren, infiziert wurde, doch wurde der Vorfall als
„ein schwerwiegender Fehler“ seitens der Firma Baxter bezeichnet –
sie steht kurz davor, eine europäische Lizenz für einen Impfstoff
gegen H5N1 zu erhalten. Der Impfstoff wird an einer anderen
Produktionsstätte in der Tschechischen Republik hergestellt.
„Bei
diesem spezifischen Vorfall ... war das Kind noch nicht in den Brunnen
gefallen,“ sagte Dr. Angus Nicoll von der europäischen
Seuchenschutzbehörde in Stockholm.
„Das
heißt aber nicht, dass wir, der WHO, die Europäische Kommission und
die anderen ihn nicht genauso ernst nehmen, wie jeden anderen
Laborunfall mit gefährlichen Krankheitserregern - womit wir es hier zu
tun haben.“
Eine
unbeabsichtigte Freigabe von einer Mischung aus lebenden H5N1- und
H3N2-Viren - falls das wirklich passiert wäre - könnte schlimme Folgen
nach sich gezogen haben. Nicolls sagte, Beamte seien noch immer nicht
hundertprozentig sicher, ob die Mischung lebende H5N1-Viren enthielten.
Aber wenn man bedenkt, dass Frettchen, die der Mischung ausgesetzt
waren, gestorben sind, war es wahrscheinlich so.
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Diese
mikrographische Aufnahme zeigt Influenza-Viren, die 100
Nanometer messen. Die Farben werden durch das Labor hingefügt.
Quelle: NATIONAL MICROBIOLOGY LABORATORY, WINNIPEG |
Menschen
infizieren sich mit dem H5N1-Virus nicht so leicht, im Gegensatz zum
H3N2-Virus. Sie gehören zu einem von zwei Subtypen des
Influenza-A-Virus, mit denen sich Menschen in jeder Grippesaison
anstecken.
Falls
jemand, der dieser Mischung ausgesetzt war, gleichzeitig mit H5N1 und
H3N2 infiziert worden wäre, dann hätte diese Person als Inkubator für
ein Hybridvirus fungiert, dazu fähig, es leicht auf andere Menschen zu
übertragen. Dieser Austauschprozess, Virus-Reassortment oder
Reassortierung* genannt, ist einer von zwei Wegen, auf denen
Pandemieviren erschaffen werden.
Die
letzten Sommer veröffentlichten Forschungsergebnisse von
Wissenschaftlern der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde (Centers for
Disease Control) zeigen, dass sich H5N1- und H3N2-Viren unter
Laborbedingungen leicht vereinigen. Obgleich weniger ansteckend als
H5N1, schien eine Anzahl der Tochterviren zumindest einen Teil der Tödlichkeit
ihrer gefährlichen Elternviren zu bewahren.
Baxter
International, beheimated in Deerfield im US-Bundesstaat Illinois,
sagte, die Verunreinigung sei das Resultat eines Fehlers in seiner
Forschungseinrichtung im österreichischen Orth-Donau gewesen.
Die
Einrichtung sei von Avir Green Hills unter Vertrag genommen worden, um
das von Baxter bezeichnete „experimentelle Virusmaterial“ auf der
Basis von menschlichen H3N2-Influenzaviren herzustellen.
Christopher
Bona, Direktor der globalen biowissenschaftlichen Kommunikation bei
Baxter, sagte, das flüssige Virusprodukt sei kein Impfstoff und nur für
Testzwecke entwickelt worden. Fragen darüber, zu welchem Zweck Avir
Green Hills diese Versuche durchgeführt hat, stellte er zurück, sagte
aber, die Charge sei dazu bestimmt gewesen, an Tieren getestet zu
werden, aber niemals für den Gebrauch an Menschen.
Avir
Green Hills erklärte in einer E-Mail, die Firma habe das Material Ende
Dezember in Besitz genommen. Später schickte sie das Produkt an die
Vertragspartner. In der E-Mail wurde mitgeteilt, das Material sei unter
hohen Biosicherheitsvorkehrungen gelagert und gehandhabt worden.
Die
Alarmglocken wurden Anfang Februar geläutet, als Wissenschaftler am
tschechischen Vertragslabor die Frettchen mit dem Material impften und
die Tiere rasch starben. Bona ließ aus Deerfield verlauten, dass Baxter
am 6.Februar von den Problemen erfuhr.
Frettchen
sind für menschliche Grippenvirenstämme anfällig, sie sterben an
diesen Infektionen aber nicht. Vorläufige Untersuchungen ergaben, dass
das Material mit dem für Frettchen tödlichen H5N1-Influenzavirus
kontaminiert war.
Nicoll
sagte, die Tatsache, dass die Frettchen starben, stütze die
Arbeitsthese, dass in dem von Baxter hergestellten Material lebende
H5N1-Viren vorhanden waren.
Bona
erklärte, Baxter habe herausgefunden, wie die Kontamination erfolgt sei
und habe Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass dies nicht
wieder vorkomme. Er sagte, die österreichischen Behörden hätten das
Forschungslabor von Baxter in Orth-Donau überprüft, nachdem das
Problem an das Licht gekommen war, und seien mit den ergriffenen Maßnahmen
zufrieden.
Baxter
ist der einzige Hersteller von Grippeimpfstoffen, der „wilde“, d.h.
natürliche Influenzavirusstämme verwendet, die als gefährlicher
eingestuft werden als die veränderten und abgeschwächten Viren, die
von anderen Herstellern benutzt werden.
Die
Firma verwende Sicherheitsvorkehrungen der Stufe BSL3 in allen ihren
Forschungseinrichtungen für Impfstoffe, sagte Bona. (Wissenschaftler an
der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde verwenden biologische
Sicherheitsmaßnahmen der Stufe BSL3 und höher, wenn sie mit H5N1-Viren
arbeiten, gab ein Sprecher der Behörde an)
Diejenigen,
die mit Biosicherheitsregeln vertraut sind, sind bestürzt über
Beweise, dass menschliche H3N2-Influenzaviren und aviäre
H5N1-Influenzaviren im Forschungslabor von Baxter irgendwie miteinander
in Kontakt gekommen sind. Dies dürfe nicht vorkommen, insistierte eine
Anzahl von Experten.
Die
Firma gibt nicht viel Aufschluss darüber, wie dies geschah.
„Es
war eine Kombination aus dem Verfahren an sich und technischen und
menschlichen Fehlern bei dem Verfahren,“ sagte Bona. Als er dazu
aufgefordert wurde, dies näher auszuführen, sagte er, das hieße,
patentrechtlich geschützte Informationen über Baxters
Produktionsverfahren herauszugeben.
Bona
sagte, als Baxter seinen Fehler erkannt hatte, habe es den verschiedenen
Firmen dabei geholfen, das kontaminierte Material zu vernichten und ihre
Labore zu reinigen. Außerdem seien Mitarbeiter, die dem kontaminierten
Produkt ausgesetzt waren, von Fachärzten für Infektionskrankheiten
untersucht und überwacht worden. Ihnen sei das antivirale Medikament
Oseltamivir (Tamiflu) angeboten worden.
Baxters
Fehler erinnert an einen Vorfall im Jahr 2005, als ein Hersteller von
Testkits, die von Laboren eingesetzt werden, um ihr Nachweisvermögen zu
testen, Fläschchen mit H2N2-Viren in mehreren Tausend dieser Testkits
mitlieferte. H2N2 ist das Virus, das die Grippeepidemie im Jahr 1957
verursachte; es zirkuliert seit 1968 nicht mehr und gilt als
Hauptkandidat, um die nächste Pandemie auszulösen.
Dieser
vom nationalen mikrobiologischen Labor in Kanada aufgedeckte Fehler
trieb Behörden weltweit dazu an, die an Labore in 18 Ländern
versandten Fläschchen mit den Viren aufzuspüren und zu vernichten.
*
Vermischung oder Neuverteilung genetischer Information zwischen zwei ähnlichen
Viren. Meist handelt es sich um Varianten oder Subtypen einer
Virusspezies oder um nahe verwandte Spezies innerhalb einer
Virusgattung. Ein Reassortment ist unter natürlichen Bedingungen nur möglich,
wenn: 1 -die beiden Virustypen sich in derselben infizierten Zelle
vermehren und ; 2 - ihr Genom aus mehreren Segmenten besteht. (aus wikipedia)
Quelle:
The
Star
- Officials investigate how bird flu contaminated vaccines in Europe
Originalartikel
veröffentlicht am 26.2.2009
Über
die Autorin
Susanne
Schuster und Fausto Giudice sind Mitglieder von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk
für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden
unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl
die Autorin, die Übersetzerin, der Prüfer als auch die Quelle genannt
werden.
URL
dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=7227&lg=de |