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Immer
unerträglicher mal wieder dieser Tage:
Die „Gustloff“-Legende
Von:
Jens-Torsten Bohlke, Redaktionsmitglied/2. März 2008
Können
Sie es noch ertragen? Genossen, könnt Ihr es noch ertragen? Oder fallen
Euch nicht auch schon die Ohren ab, wenn die nationalistische und
faschistenfreundliche Propaganda namens „Gustloff“ mit wehmütigen
Klängen auf etlichen bürgerlichen Fernsehkanälen derzeit so über uns
ausgeschüttet wird?
Kein
Zufall, dass unter Verhöhnung der Opfer und der historischen Tatsachen
die Evakuierungsaktion der „Gustloff“ immer wieder im west- und
bundesdeutschen Fernsehen zu einer scheinbar legendären Heldentat der
faschistischen deutschen Militärs hochstilisiert wird. Dies dient
allein zur Verdrängung der an Grausamkeit kaum zu übertreffenden
Kriegsverbrechen Nazideutschlands im öffentlichen Bewusstsein
Deutschlands und leistet der Legende der Faschisten von der „sauberen
Wehrmacht“ bewusst Vorschub. Zugleich wird zum Schüren antirussischer
und antikommunistischer Ressentiments die Rote Armee als angeblich übler
Kriegsverbrecher hingestellt, was die historischen Tatsachen völlig auf
den Kopf stellt und das Täter- und Opferbild bewusst im
Klasseninteresse der damaligen und heutigen imperialistischen
Kriegstreiber verwischt.
Bewusst
vorenthalten wird dem heutigen Publikum, wer jener Wilhelm Gustloff war,
dass die schlimmsten Seekriegsverbrechen durch das wilhelminische
Deutschland im 1. Weltkrieg mit dem U-Boot-Krieg und das faschistische
Hitlerdeutschland mit seinen Massakern im 2. Weltkrieg von deutschem
Boden aus ihren Ausgang nahmen.
Punkt 1:
Der deutsche Imperialismus trat als Aggressor auf. Ihm ging es
jeweils um eine Neuaufteilung der Welt, er gierte nach Kolonien sowie
Rohstoff- und Absatzmärkten. Seiner faschistischen Wehrmacht folgten
scharenweise Kriegsprofiteure aus den Chefetagen der deutschen
Wirtschaft, um die eroberten und besetzten Gebiete als wirtschaftliche
Ressourcen mit Maximalprofit zu plündern und in extremer Grausamkeit
das „Menschenmaterial“ aus Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen unter
Aufsicht der SS-Verbrecher auszubeuten. Nur in diesem Kontext kann das
Geschehen Anfang 1945 begriffen werden.
Bewusst
vorenthalten wird dem heutigen Publikum auch, dass die deutsche Zivilbevölkerung
des damaligen Ostpreußens noch 1944 angesichts der unaufhaltsam vorrückenden
Roten Armee sehr wohl genug Zeit hatte, um Richtung Westen zu flüchten.
Punkt 2:
Jedoch waren es die Nazifunktionäre vor Ort, welche als willfährige
Ausführende von Anweisungen des verbrecherischen Hitlerregimes der
deutschen Zivilbevölkerung Ostpreußens mit Zwangsmaßnahmen
untersagten, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Die
Hitlerfaschisten opferten die ostpreußische deutsche Zivilbevölkerung
und sorgten lediglich für ihren eigenen rechtzeitigen Rückzug aus
Ostpreußen. Die deutschen Faschisten, nicht die Rote Armee, sind
verantwortlich auch für zehntausende bei der Flucht aus Ostpreußen
erfrorene, ertrunkene, verhungerte und erschossene Zivilpersonen. Die
menschliche Tragödie, das mit dem Namen Gustloff verbundene Leiden, war
sehr wohl vermeidbar und ist ursächlich verbunden mit der
verbrecherischen Führung des 2. Weltkrieges durch die deutschen
Hitlerfaschisten.
Wer war dieser Wilhelm
Gustloff?
Der Nazi Wilhelm Gustloff wurde 1921 Mitglied des faschistischen
Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes, trat 1929 der NSDAP
bei und war ab 1932 Landesgruppenleiter der NSDAP-Auslandsorganisation
in der Schweiz. Dort war er verantwortlich für die Verbreitung
antisemitischer Hetzschriften. Bis 1936 warb er mehr als 5.000
NSDAP-Mitglieder in der Schweiz an.
Am
4. Februar 1936 erschoss ihn der Medizinstudent David
Frankfurter, Sohn eines Rabbiners, mit vier Schüssen aus
einem Revolver. Daraufhin stilisierte ihn die hitlerfaschistische
Propaganda zum sogenannten „Blutzeugen
der Bewegung“. Das modernste und größte KdF-Schiff, das eigentlich
auf den Namen „Adolf Hitler“ getauft werden sollte, wurde von Hitler
persönlich in „Wilhelm Gustloff“ umbenannt. Die Taufe vollzog
Hedwig Gustloff, Witwe des Ermordeten und frühere Sekretärin
Hitlers.(1)
Was war das Schiff, die
„Wilhelm Gustloff“?
Die
Wilhelm Gustloff war ein Passagierschiff der NSDAP-Organisation Kraft durch Freude (KdF).
Die Wilhelm Gustloff wird von dem sowjetischen U-Boot S
13 am 13. Januar 1945 in der Ostsee versenkt, dabei ertrinken
bis zu 9000 Menschen. (2)
Es
wurden weitere hitlerdeutsche Schiffe versenkt:
Die
Steuben wird am 10. Februar 1945 mit ca. 4.000 Flüchtlingen in der
Ostsee vom sowjetischen U-Boot S 13 versenkt. (2)
Der
Frachter Goya wird am 16. April 1945 auf der Ostsee durch ein
sowjetisches U-Boot versenkt. Laut Schätzungen ertrinken rund 7.000
Menschen, überwiegend Flüchtlinge aus West- und Ostpreußen sowie flüchtende
Soldaten.(2)
Die
"Thielbek" sinkt innerhalb von zwanzig Minuten nach dem
Luftangriff. Britische Kampfflieger beschießen selbst die Rettungsboote
auf ihrem Weg ans Neustädter Ufer. Von den 2.800 Häftlingen erreichen
lediglich 50 lebendig das Land. Auch Kapitän Jacobsen und die meisten
Seeleute sind unter den Toten. Die "Athen" liegt zur Zeit des
Angriffs im Neustädter Hafen; allein diese Tatsache rettet den knapp
2.000 Häftlingen an Bord das Leben.
Über
7.500 Opfer der Schiffskatastrophe
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Gedenkstätte
für die Opfer der alliierten Angriffe auf die KZ-Schiffe in der
Ostsee |

Das
mit KZ-Häftlingen gefülltes Schiff „Kap Arcona“ |
Die Cap Arcona, die Thielbek und die Athen trieben am 3. Mai 1945 mit
KZ-Häftlingen vorwiegend aus dem KZ Neuengamme unter Rot-Kreuz-Flagge in der Lübecker Bucht zwischen Neustadt (Holstein) und Scharbeutz. Sie werden von alliierten
Fliegern versenkt. Rund 7.000 bis 8.000 KZ-Insassen ertrinken in der
kalten Ostsee.(2) Die Häftlinge, die sich
schwimmend ans Ufer zu retten versuchen, werden dort von der SS erwartet
und entweder schon im Wasser oder an Land erschossen. Der Mord an den Häftlingen
war aber bereits vorher beschlossene Sache. Die SS hatte bereits ihre
Versenkung im Meer vorbereitet Übrigens
war der britischen Regierung sehr wohl bekannt, dass es sich bei den
„Passagieren der Schiffe um KZ-Insassen handelte.
Aber angeblich informierte das britische Oberkommando nur die
Piloten, die seeziele angriffen, diese Schiffe nicht anzugreifen, nicht
jedoch die, welche Landziele angreifen sollten. Und die sollen die Kap
Arcona und die anderen KZ-Schiffe angegriffen haben. Eigenartig ist das
auf jeden Fall, (siehe)
Der
Frachter Orion, unterwegs nach Kopenhagen wird auf der Reede vor Swinemünde
von sowjetischen Bombern versenkt. Etwa 150 der mehr als 4.000 Flüchtlinge
an Bord kommen ums Leben, die übrigen werden von in der Nähe
befindlichen Schiffen gerettet. (2)
Dies
sind nur einige wenige Beispiele aus der Folgen der verheerenden Bilanz
der hitlerdeutschen Kriegsverbrechen auch an der damaligen deutschen Bevölkerung
Ostpreußens!
Eine
rechtzeitige Evakuierung war 1944 möglich und wurde ganz allein von den
faschistischen Gauleitern und deren Beamten- und Funktionärsanhang vor
Ort im damaligen Ostpreußen unter bewusster Inkaufnahme der
abzusehenden Tragödie für die deutsche Zivilbevölkerung bewusst und
systematisch verhindert. Die bürgerlichen Medien kehren dies einfach
unter den Teppich, auf dass der deutsche Militarismus und Faschismus
nicht für seine Verbrechen geradezustehen habe.
Andererseits
haben die Faschisten systematisch durch Gräuelpropaganda die Angst vor
der Roten Armee geschürt. Asiatische Untermenschen brennen, töten und
vergewaltigen. Sogar ein weltberühmter russischer Literat jüdischer
Abstammung muss als Kronzeuge herhalten. Ihm wird ein gefälschter
Aufruf an die Rotarmisten untergeschoben, in dem er zum Mord und zu
Vergewaltigungen aufgerufen haben soll. Reine Propagandalüge der
Faschisten.
Wir
Kommunisten vergessen kein Verbrechen des deutschen Faschismus und
benennen klar Täter und Opfer. Wir lassen uns von den bürgerlichen
Stimmungsmachern mit deren „Gustloff-Legende“ einer angeblich
heldenhaften Rettungsaktion der faschistischen Wehrmacht nicht reif
machen für erneute Kriegsverbrechen von deutschem Boden aus, wie sie
mit den Kriegseinsätzen auch der Bundeswehr in Afghanistan und
andernorts verbunden sind.
Was
aber war diesen Angriffen der Antihitlerkoalition auf deutsche Schiffe
vorausgegangen? Hier eine Auflistung der „Operationen“
hitlerfaschistischer deutscher See- und Luftstreitkräfte:
Das
sowjetische Lazarettschiff Armenija nahm ca. 4.000 Verletzte aus dem
belagerten Sewastopol auf und fuhr nach Jalta, wo es weitere 800 Menschen zur
Evakuierung aufnahm, um sie nach Noworossijsk
zu bringen. Die wirkliche Anzahl der Passagiere dürfte jedoch deutlich
höher gewesen sein. Mehrere Kilometer vor Jalta wurde das Schiff von
den deutschen Heinkel He 111 angegriffen, obwohl es
deutliche Rotes-Kreuz-Kennzeichen trug. Das Schiff sank am 7. November
1941 mit nach Schätzungen 5.000 Zivilpersonen. (2)
Das
britische Passagierschiff Laconia wird im Atlantik von dem deutschen
U-Boot U-156
vor der westafrikanischen Küste am 12. September 1942 torpediert. Als
sich herausstellt, dass neben der regulären Besatzung weitere 2000
Menschen an Bord sind, leitet die U-156 Rettungsmaßnahmen ein, drei
weitere U-Boote kommen zur Hilfe. Als sie von amerikanischen Flugzeugen
bombardiert werden, brechen die U-Boote die Rettung ab. Insgesamt
sterben ca. 1.500 Menschen. (2)
Der
in deutschen Diensten stehende Dampfer Petrella transportiert 3.173
italienische Kriegsgefangene, als er bei Kreta von dem britischen U-Boot
HMS
Sportsman am 8. Februar 1944 torpediert wird. 2.670 Gefangene
finden den Tod. Die hohen Verlustzahlen sind auch darauf zurückzuführen,
dass die deutschen Wachmannschaften die eingesperrten Italiener nicht
frei ließen und sogar auf sie schossen. (2)
Solche
Tatsachen passen nicht in das Bild von der ach wie human der deutschen
flüchtenden Zivilbevölkerung in der Not zu Hilfe eilenden
hitlerdeutschen Wehrmacht. Daher werden sie von den bürgerlichen Medien
nicht mal ansatzweise beim derzeit überstrapazierten Thema „Gustloff“
erwähnt. Wissen ist Macht, so formulierte es Lenin! Die Obrigkeit will
das Volk lieber dumm halten. Wir Kommunisten aber sind nicht zu
verarschen, wir kennen und zitieren die Tatsachen und stellen sie in den
Zusammenhang von Ursache und Wirkung. Damit ermöglichen wir eine
Sichtweise auf jene Ereignisse vom Klassenstandpunkt der Arbeiterklasse
aus. Und wir treten jenen entgegen, die im Sinne von Nationalismus den
Faschismus und seine Kriegsverbrechen an auch der deutschen Zivilbevölkerung
zu verharmlosen suchen.
In
der Geschichte des Seekriegs tat sich übrigens schon das Deutsche
Kaiserreich im 1. Weltkrieg mit besonders kaltblütigen und grausamen
Kriegsverbrechen hervor, im Rahmen des sog. „U-Boot-Krieges“:
Die
Lusitania der britischen Cunard Line ist mit 1959 Menschen besetzt
auf der Fahrt von New
York nach Liverpool. Sie wird vom
deutschen U-Boot U-20 am 7. Mai 1915
südlich von Queenstown
versenkt. 1.198 Menschen sterben. (2) Sie ist die Folge des vom Kaiser
verkündeten „uneingeschränkten U-Bootkriegs“ (1. Februar 1917).
Der
8.210 BRT große italienische Passagierdampfer Ancona wird im Mittelmeer
vom deutschen U-Boot U 38 unter Kapitän Max Valentiner am 8. November 1915 gestoppt
und torpediert, bevor alle Passagiere und Mannschaftsmitglieder das
Schiff verlassen konnten. 208 Menschen sterben. (2)
Südlich
von Kreta
wird der 8.000 BRT große britische Passagier- und Frachtdampfer SS
Persia, der sich auf dem Weg von England nach Persien befindet, vom
deutschen U-Boot U
38 unter Kapitän Max Valentiner am 30.
Dezember 1915 torpediert und innerhalb von fünf Minuten versenkt. Von
den 519 Menschen an Bord sterben 343, darunter der größte Teil der
Frauen. Von den 19 Kindern überleben zwei.
Diese
tragischen Tatsachen sind keine Naturereignisse oder
„Schiffskatastrophen“ (Wikipedia verwendet diesen Begriff diesbezüglich).
Diese schrecklichen Tatsachen sind nackte imperialistische
Kriegsverbrechen. Schon Karl Marx schrieb, dass für einen hohen
Prozentsatz an Profiterwartung das Kapital kein Verbrechen selbst bei
drohender Strafe des eigenen Untergangs scheut.
Die
Geschichte gibt Karl Marx, Friedrich Engels, Wladimir I. Lenin, Josef W.
Stalin und allen Klassikern des Marxismus-Leninismus bis zum heutigen
Tage recht. Wir Kommunisten lernen aus dieser Geschichte. Wir treten am
konsequentesten dafür ein, dass niemals wieder seit 1945 Faschismus und
Krieg von deutschem Boden ausgehen mögen. Wir benennen klar Täter und
Opfer der imperialistischen Kriegsverbrechen gegen die Völker unseres
Planeten. Wir benennen klar die Ursachen von Krieg und Gewalt. Wir
stehen wie eh und je an der Spitze des weltweiten revolutionären
Kampfes der Arbeiterklasse für ihre Befreiung vom imperialistischen
Joch, für Frieden und Sozialismus. Hier und heute wie überall, denn
uns gibt es überall.
Jens-Torsten
Bohlke, Redaktionsmitglied
Quellen:
(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Gustloff
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Katastrophen_der_Seefahrt |