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Eine dumme und verlogene Propagandaschmonzette im ZDF:

Der Film: „Die Gustloff“ und das antikommunistische Feindbild

Von Günter Ackermann/4. März 2008

Wir kennen sie, die Kriegsfilme über den 2. Weltkrieg aus bundesdeutscher Produktion: Der edle Wehrmachtsoffizier, im Widerspruch zu einzelnen Nazis und Karrieristen in Wehrmachtsuniform. Diese Filme haben dazu beigetragen, das Bild der Wehrmacht so ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit zu rücken, dass die Wehrmacht immer edel war und nur die SS Kriegsverbrechen begangen hatte.

Dabei war die Wehrmacht sehr wohl an solchen Verbrechen beteiligt. Das größte Verbrechen der Wehrmacht jedoch war, dass sie vor 1939 willig die Hitlersche Aufrüstung förderte, nach 1939 sich willig in den Krieg führen ließ, in die Sowjetunion einfiel und dort verbrannte Erde hinterlassen hat. Es gab gar nicht so viele Angehörige der Waffen-SS, dass die solch eine Zerstörung hätten anrichten können. Das war die Wehrmacht.

Ferner kämpfte die Wehrmacht bis zuletzt, am 8. Mai 1945, für das faschistische Großdeutschland. Noch nachdem Hitler und Goebbels feige Zyankali geschluckt hatten kämpften sie weiter. Und das, obwohl jeder wusste, dass der Krieg verloren war.

Wegen der Kriegsverbrechen der Wehrmacht wurden einige ihrer Generäle verurteilt:

- Großadmiral Dönitz zu 10 Jahren Haft;
- Generaloberst Alfred Jodl zum Tode durch den Strang;
- Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel zum Tode durch den Strang;
- Großadmiral Erich Raeder lebenslänglich.

Sie alle wurden wegen verschiedener Verbrechen verurteilt. Also Waisenknaben waren sie nicht.

weiter

Zum Film „Die Gustloff“ im ZDF am 2. und 3. März 2008:

Die Story des Films ist schnell erzählt:

- Es gibt einen blonden und blauäugigen Engel, die Marinehelferin Erika Galetschky (Valerie Niehaus) aus Königsberg. Die liebe Erika tut nur Gutes, hilft, hält Händchen, rettet einen jungen Burschen vor der Feldgendarmerie. Kurz; Eben ein Engel.

Der Engel liebt den Kapitän der Gustloff Hellmut Kehding (Kai Wiesinger) und verlobt sich im Getümmel mit ihm.

Dieser Engel hat einen Widerpart: Hagen Koch (Detlev Buck) Oberfunkmaat. Der ist der Cousin des Engels Erika, stammt aus Memel und arbeitet heimlich für die Russen. Der ist gegen die Liebe seiner Cousine Erika – klar, Teufel sind gegen liebende Engel, Er verbietet ihr an Bord zu kommen – sie geht dennoch aufs Schiff.

- Kapitän Hellmut Kehding ist kein Offizier der Kriegsmarine, sondern ein Zivilist und dient nur auf dem Schiff, weil der Admiral einen Schiffsführer braucht, der die Ostsee gut kennt.

Der Teufel Hagen[1] ist ein  Verräter. Er war schon in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Da aber drehten ihn die Russen um/machten ihn zum Kommunisten, somit zum Verräter und schickten ihn nach Gotenhafen (Gdynia) mit dem Ziel, die Gustloff dem sowjetischen U-Boot vor die Torpedorohre zu treiben. Ein hinterhältiges und teuflisches kommunistisches Spiel also. Was der auch macht.

Koch fälscht einen Funkspruch mit dem Ziel, an dem Ort in der Ostsee, an dem das U-Boot die Gustloff erwartet, diese volle Positionslichter einschaltet und so ein gutes Ziel bietet. Der zivile Kapitän ist zwar gegen die Beleuchtung, aber ein unfähiger Offizier der U-Boote (sic!), der sich auch mit dem Nazi an Bord herumtreibt, verlangt es und setzt Kapitän Hellmut Kehding einfach ab. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

Ach ja: Da gibt es noch den Nazi, einen Ortsgruppenleiter in Uniform, der permanent den 30. Januar 1933 feiern will, wild säuft, Marinehelferinnen als Pupen tanzen lässt und strohdumm und feige ist.

Das ist eigentlich die ganze Handlung. Dazwischen hin und her Gerenne, schreien und weinen. Ich hatte den Eindruck, die Schauspieler waren stark unterfordert.

Was war die Botschaft des Films: Natürlich deutsches Heldentum der Soldaten und Offiziere der Kriegsmarine der Faschisten. Diese setzen sich voll Menschlichkeit für die Flüchtlinge ein, trotzen aller Widerwärtigkeiten.

Sicher, so die Botschaft, wäre die Gustloff unbeschadet in Kiel angekommen und die 10.000 Passagiere noch am Leben, hätte hier nicht ein Russenfreund und Verräter sein Unwesen getriebn.  Einen deutschen Soldaten, viel mehr noch ein deutsches Schiff, kann doch nur der Verrat zu Fall bringen, also der Dolchstoß von hinten.

Der Schauspieler, der den Verräter Hagen Koch spielt, sagte zur Filmfigur: „Ich spiele den Verräter, den Mann, der den Russen die Koordinaten durchgibt. Diese Figur hat es nicht gegeben, aber ich habe verstanden, dass man sie einbaut, damit keine politisch-dramaturgische Schieflage entsteht.“[2]

Also eine politisch-dramaturgische Schieflage“ wollte man vermeiden. Was wäre, wenn man auf die Figur des Verräters verzichtet hätte? Man hätte den Schwerpunkt darauf legen müssen, dass die Gustloff kein Lazarettschiff war, kein Schiff zum Transport von Frauen, Kindern und Verwundeten, von Flüchtlingen, sondern eins, auf dem aktive Truppenteile transportiert wurden, nämlich 1000 U-Boot-Rekruten, Kanonenfutter für die faschistischen Marine und deren U-Boote. Solch ein Schiff musste verdunkelt fahren und konnte nicht weit sichtbar das Rote Kreuz führen.

Damit war das Schiff ein Kriegsziel. Das Verbrechen des Versenkens der Gustloff begingen die Nazis, die Marineführung. Die schickten Truppenverstärkung mit der Gustloff hinter menschliche Schutzschilde an die Front. Das ist das Verbrechen.

Der Kommandant von S 13, dem sowjetischen U-Boot, das die Gustloff versenkte, trifft keine Schuld, er tat seine Pflicht im Krieg, er konnte solch wichtiges Kriegsziel nicht einfach unbehelligt passieren lassen. Erinnern wir uns: Die Nazitruppen drangen 1941 in die UdSSR ein, jetzt erreichte der Krieg mit aller Härte Deutschland. Die Toten der Gustloff gehören in die Reihe der Opfer, die der faschistische 2. Weltkrieg forderte.

Das wäre dabei rausgekommen, wenn der nicht vorhandene Verräter im Film nicht vorgekommen wäre,

Das mag für das ZDF eine „dramaturgische Schieflag“ sein – für mich ist es aber die Wahrheit.

Keiner würde einem Kriegsfilmregisseur eine große Dolchstoßlegende, wie sie nach dem 1. Weltkrieg verbraten wurde, glauben. Aber eine kleine schon. Unbesiegt auf dem Meer, nur durch Verrat versenkt, so die Gustloff. Ist doch schrecklich einfach, man denkt nicht mehr an die Schuld der Faschisten am Krieg, nicht an den Überfall der faschistischen Wehrmacht – auch unter Beteiligung der Kriegsmarine – auf die Völker Europas, nicht an die KZ-Insassen, nicht an Auschwitz.

Nur an eines soll der geneigte Zuschauer denken: Am den Verräter, den die Russen schickten, damit die Russen sie ein ziviles Schiff mit Flüchtlingen an Bord abschießen konnten. Typisch Russen, typisch Kommunisten. Das Feindbild des ZDF stimmt nun wieder.

G.A.


[1]  Hagen wohl deshalb, weil der mythologische Hagen in der Nibelungen-Sage der hinterhältige Mörder des Recken Siegfried ist.

[2]  Delev Buck über Hagen Koch, siehe

siehe auch: 

mmer unerträglicher mal wieder dieser Tage:

Die „Gustloff“-Legende

Von: Jens-Torsten Bohlke, Redaktionsmitglied/2. März 2008 mehr

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