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Thüringens
Sozialministerin Heike
Taubert (SPD:
Kutschpferde
bekommen Arbeitszeit verkürzt und Futterpausen. Zum Nachweis,
dass alle Bestimmungen eingehalten werden, müssen die Kutscher ein
Fahrtenbuch führen.
Nur
eine Provinzposse?
Der
Mensch ist halt kein Pferd
Von
whs
Arbeiterkorrespondenz
auf Kommunisten-online vom 31. August 2010
– Nach einer Meldung der Tageszeitung hat das Thüringer
Sozialministerium die Arbeitsbedingungen für Kutschpferde geregelt.
Danach dürfen nur gesunde, ausreichend trainierte Tiere, die mindestens
fünf Jahre alt sind für Stadtrundfahrten eingespannt werden.
Die Tiere dürfen nicht länger als neun Stunden arbeiten, wobei
mehrere Erholungs- und Versorgungsphasen eingeplant werden müssen. Darüber
hinaus werden Auflagen gemacht, was bei hohen Temperaturen zum Wohle der
Tiere berücksichtigt werden muss. Um die Belastung der Tiere
nachvollziehen zu können, muss ein Fahrtenbuch geführt werden.
Unbestätigten
Meldungen zu Folge hat Frau Heike Taubert (SPD), Sozialministerin, eine
entsprechende gesetzliche Regelung für Menschen empört von sich
gewiesen. Schließlich könne der Mensch für sich selbst sorgen, das
Tier nicht. So seien unbezahlte Überstunden genauso wenig sittenwidrig
wie unmenschliche Arbeitsbedingungen. Ebenfalls unkommentiert blieb die
Meldung, dass die Kutscher in den Pferdepausen selbst die Wagen ziehen
sollen.
Anmerkung
des Autors: Der erste Teil entspricht der Meldung der Tageszeitung. Der
zweite Teil ist ironisch gemeint. Diese Anmerkung ist speziell für
unsere Politiker gedacht, die der ungehemmten Ausbeutung des Menschen
vor der ungehemmten Ausbeutung der Natur den Vorzug geben. Dass die
Natur geschützt werden muss, auch unsere Pferde, sehe ich ein. Was ich
nicht einsehe, ist die Tatsache, dass unsere Politiker davon ausgehen,
dass der Mensch als Arbeiter nicht schützenswert ist, als Politiker
schon. Es können aber nicht alle Politiker werden. Es muss auch noch
einige geben, die Brötchen backen und Autos zusammen schrauben, auch im
Interesse unserer Volksvertreter. Die Bahn stellt nämlich noch keine
gepanzerten Waggons zur Verfügung.
Es
wäre wünschenswert, wenn sich unsere Volksvertreter einmal für einen
Monat in den Betrieben anstellen ließen, von denen sie immer behaupten,
dass die mit ihren Beschäftigten die Bedingungen selbst aushandeln
sollen, damit sie endlich wissen, wovon sie eigentlich reden. Im Moment
habe ich eher den Eindruck, dass das Lesen im Kaffeesatz eine sehr seriöse
Methode ist, wenn bestimmte Entwicklungen beurteilt werden sollen, im
Gegensatz zu den Einschätzungen unserer Volksvertreter, die im
Augenblick nicht nur meilenweit daneben liegen.
Rot
Front
Werner
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„Alle
etablierten Parteien haben sich um
die Futternäpfe verteilt, die die Bourgeoisie aufgestellt hat.“
Die
Wirtschaft und die Politik
Von
whs
Arbeiterkorrespondenz
auf Kommunisten-online vom 25. August 2010 – Innerhalb der Bourgeoisie, vornehmlich der deutschen,
findet zur Zeit ein Kampf um die Macht statt. Die alteingesessenen
Kohle- und Stahlbarone, die
in den zurückliegenden Jahrzehnten schon manche Schlacht gegen ausländische
Konkurrenz verloren haben, sind jetzt dabei, die Schlacht auch gegen die
einheimische Konkurrenz zu verlieren, die mit innovativer Energie und
neuen Materialien in den Startlöchern steht. Schon mit dem Aufkommen
der Atomenergie hatten sie sich gegen einen mächtigen Feind wehren müssen,
den sie damals ganz einfach aufkauften und zu ihrem eigenen profitablen
Geschäft machten.
Nun
hat aber die Atomenergie die Bevölkerung auf den Plan gerufen, da die
Konzerne in ihrer Profitgier auf die Erkundung und Erschließung
sicherer Endlager für den Atommüll verzichten zu können glaubten. Die
ständige Belagerung der Castor-Transporte durch Atomstromgegner und die
dadurch immer aufwändigere Sicherung durch die Polizei schmälert
hinwiederum den Profit. So verfiel die Atomlobby auf die Idee, den Staat
(und damit den Steuerzahler) für die Erkundung und Erschließung
aufkommen zu lassen und sich entgangene Profite durch Laufzeitverlängerung
garantieren zu lassen.
Das
aber rief wiederum die Lobby der erneuerbaren Energien auf den Plan, die
durch die kürzlichen Subventionsstreichungen ihre Profite gefährdet
sahen. Sie wollen von diesem Extraprofit, den die Atomenergie einfährt,
auch einen Teil abhaben, um dadurch auch ihre Profite wieder sicher zu
machen. Das erstaunliche ist nun, dass die Atomenergiewirtschaft
einknickte und ihr Einverständnis signalisierte. Ganz kampflos wollten
sie aber auch nicht aufgeben. Schließlich entscheidet die Höhe des
realisierten Profits über die Liga, in der sie spielen dürfen. Und da
ist jedes Mittel recht. Ich verweise auf die bekannte Äußerung von
P.J.DUNNING, den Karl MARX in „Das Kapital“ zitiert.
In
der Politik, wie könnte es auch anders sein, spiegelt sich dieser Kampf
innerhalb der Bourgeoisie wider. Die Grünen setzten von Anfang an auf
diese Gruppe der Bourgeoisie, die damals noch zahlenmäßig klein war
und relativ geringen Umsatz realisierte. Mit der Zeit wurde aber dieser
Sektor der Wirtschaft immer profitabler. So stieg die Akzeptanz
erneuerbarer Energien in der Bevölkerung immer mehr. Wollte man der bürgerlichen
Demokratie wenigstens nach außen hin Rechnung tragen, konnten nicht
alle Öko-Freaks kriminalisiert werden. Dadurch aber wurde dieser
Wirtschaftszweig wieder stärker. Das veranlasste die SPD, ihre
Positionen zu überdenken und einen Schwenk in Richtung Ökologie zu
versuchen.
Auch
in der CDU werden vor allem jüngere Politiker immer aktiver, die die
Chance erkennen, sich eine neue Klientel aufzubauen, die nicht das
Arbeiterblut an den Händen hat, wie die Familien, die schon im
Kapitalismus der freien Konkurrenz rigorose Profitsicherung betrieben
bzw. als Unterstützer und Förderer der faschistischen Diktatur in
Deutschland auftraten. Der Stern der alten Montan-Union scheint langsam
aber sicher unter zu gehen. Natürlich haben sich die Quandt, Stinnes, Röchling,
Thyssen, Krupp auch schon neue Produktionsfelder erschlossen. Aber
komischerweise haben sie sich selbst durch die betriebene Subventionskürzung
um einen reibungslosen Einstieg in die neuen Branchen gebracht.
Die
FDP sieht sich offensichtlich als der Wahrer der Interessen der alten
Familien. Die Umschichtung des gesellschaftlichen Reichtums, den die FDP
so vehement betreibt, kommt aber den alten Familien gar nicht so zugute
wie geplant. Alle Anstrengungen der FDP, so hat es zumindest den
Anschein, kommen mehr den neuen Industrien zugute als den alten. Dazu
die Forderungen nach Lohneinbußen, Einschränkung der Sozialleistungen
und die Umfragewerte der FDP geben keine Rätsel mehr auf.
Alle
etablierten Parteien haben sich um die Futternäpfe verteilt, die die
Bourgeoisie aufgestellt hat. Nur Die Linke hat keinen Platz abbekommen.
Sie muss sich mit dem begnügen, was vom Tellerrand abfällt. Da macht
sie eben aus der Not eine Tugend und verkündet lauthals, dass sie auf
Sponsorengelder verzichtet. Allerdings kommt sie nunmehr aus dem Staunen
nicht heraus, da sie von allen anderen verteufelt wird. Aber darüber
muss man sich nicht wundern. Wer offiziell auf Bestechung verzichtet,
macht sich in einer bürgerlichen Gesellschaft suspekt. Da liegt der
Verdacht nahe, dass die „freiheitlich-demokratische Grundordnung“
eben nicht so geschützt wird, wie von denen, die gern Geld nehmen.
Es
wird weiter zu beobachten sein, wie sich die Entwicklung innerhalb der
deutschen und internationalen Bourgeoisie gestaltet. Entschieden ist
noch nichts, zumal sich jetzt schon bedenkliche Grenzen für die
Verfechter erneuerbarer Energien zeigen. Die Frage ist aber, ob die
alten Familien auch die neuen Wirtschaftszweige so einfach ihren
Imperien angliedern können. Die Zeit wird es zeigen. Eines steht
allerdings fest, die Konzentration und Zentralisation des Kapitals wir
weiter voran schreiten. Die Reichen werden noch reicher werden und die
Armen noch ärmer, auch in Deutschland. Schade ist nur, dass die
Arbeiterklasse aufgrund fehlender kampfbereiter Gewerkschaften und
fehlender Avantgardepartei diese Situation nicht nutzen kann, um seine
Lage innerhalb der Gesellschaft zu verändern. So wird der Sozialabbau
weiter gehen.
Rot
Front
W.
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Hartz
IVHomepage und kein Ende
Von
whs
Arbeiterkorrespondenz
auf Kommunisten-online vom 12. August 2010 – Immer wieder
zieht sich das Thema durch den Blätterwald, die elektronischen Medien
und den Familien, ob nun
betroffen, nicht betroffen oder bald betroffen. Unsere Arbeitsmutti von
der Leyen sieht keinen Handlungsbedarf bei der Erhöhung der Sätze und
Herr Westerwelle, richtig der mit der „spätrömischen Dekadenz“,
mahnt, das Lohnabstandsgebot hoch zu halten. Dazu passt ein Beitrag aus
der Presse:
Ein
Unternehmen im thüringischen Grabfeld (mit Subventionen des Landes
dahin gelockt) will zumachen, wenn die Belegschaft nicht drastischen
Lohnkürzungen, Streichung des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes und der
Schleifung des Betriebsrates zustimmt. Da könnte doch Herr Westerwelle
die Hartz-IV-Sätze gleich nach unten korrigieren, damit der Lohnabstand
bleibt. Gleichzeitig ließe sich die Gebührenschraube noch etwas
anziehen, damit der Bürger nicht nur um die poplige Maut geschröpft
wird, die CDU und FDP nun endlich einführe wollen, damit die Straßen
gebaut werden können. Wo ist nur unsere gute Kfz.-Steuer abgeblieben,
die wir alle so fröhlich entrichten, damit die Straßen gebaut werden.
Aber die Millionen versickern offensichtlich in großen Löchern.
Zwei
Lager tun sich auf, alle beide im Kampf um Wählerklientel. Beide Lager
bedienen natürlich unterschiedliche Interessengruppen, sonst wär´s ja
langweilig. Das eine Lager, das sogenannte konservative, mit CDU, CSU
und FDP möchte die Daumenschrauben wohl noch etwas anziehen, auch wenn´s
gehörig weh tut. Demgegenüber bemühen sich SPD und Grüne um
Schadensbegrenzung. Denn mittlerweile ergreifen die Wähler die Flucht.
Offensichtlich hat man gemerkt, dass man sich mit Agenda 2010 ein
Eigentor schoss, groß wie ein Mühlrad. Neuerdings gehört auch die
Kirche dazu, zumindest die evangelische, die wahrscheinlich auch schon
mitbekam, dass die soziale Schere immer weiter aufklafft. Entsprechend
ihrer Machtsicherungsfunktion, möchte sie natürlich Wogen glätten.
Die Katholen haben wohl noch mit dem Missbrauch zu tun.
Nun
wird in den Medien entweder gegen die Ärmsten der Armen gehetzt oder
sie werden in Schutz genommen. Wenigstens haben sie nun zumindest den
Anschein einer Lobby, obwohl ich dem Frieden noch nicht zu trauen
vermag.
Aber
CDU, FDP und ihre Helfer in den Medien geifern weiter gegen
Hartz-IV-Empfänger. Da ist kein Argument zu dumm, zu ausgelutscht, um
es nicht den Leuten um die Ohren zu hauen, die nichts dafür können.
Eine Frau Knobel-Ulrich (Journalistin) berichtete von Kindern, die ihr
gesagt haben, sie bekämen kein Essen. Frau Knobel-Ulrich überzeugte
sich stracks, dass dem so war und hatte genauso schnell das Urteil
parat, dass sich alle Hartz-IV-Empfänger in der Arbeitslosigkeit
eingerichtet hätten und nichts täten, um ihre Kinder zu fördern. Wörtlich
Frau Knobel-Ulrich: „Die Frau hat ganz offen gesagt, dass sie vom
Kindergeld lebt. In diesem Haushalt gibt es nichts für Kinder, kein
Spielzeug, kein Buch.“ Flugs wird daraus abgeleitet, dass alle
Arbeitslosen so dächten.
Herr
Metzger von der CDU berichtete von Thüringen, wo das Elterngeld eingeführt
wurde. Viele arbeitslose Eltern meldeten daraufhin ihre Kinder aus den
Kitas ab (die für ihre Kinder frei waren). Herr Metzger weiter: „…
weiß nicht, wie viel davon (150€/Monat
d.A.) bei Kindern angekommen ist, in Einzelfällen vielleicht.“ Dazu
sei bemerkt, es gibt keine Erhebung seitens des Landes oder des Bundes,
wie dieses Geld verwendet wird. Herr Metzger hat mit Thüringen gar
nichts zu tun. Dafür weiß er aber ganz genau Bescheid, kraft seiner
CDU-Wassersuppe.
So
macht man Politik mit und gegen eine große Gruppe der Bevölkerung. Nun
nennt sich die CDU noch voller Stolz „Volkspartei“. Mit welchem
Recht eigentlich? Bei dem ganzen Wischiwaschi fiel Herrn Metzger noch
nicht mal auf, dass er sich selbst widersprach. Stolz berichtete er,
dass in seinem Landkreis zwei Drittel der ALG-II-Empfänger in Jobs
vermittelt werden konnten, während er einige Minuten vorher noch
vehement nickte, als diesen Leuten horrende Faulheit bestätigt wurde.
Und dann kam ein Bonmot von ihm, das seinesgleichen sucht: „… in
unserem System sind Schnäppchenjäger, die den Preis der Arbeit nicht
zahlen wollen … in Deutschland sterben inhabergeführte Geschäfte,
weil auch Gutsituierte billig einkaufen.“ Tja, Herr Metzger, wie passt
das zur Hartz-IV-Debatte? Das war wohl ein Eigentor, das Ihnen Ihre
eigene Klientel geschossen hat.
Frau
Knobel-Ulrich beglückte die staunende Hörerschaft noch mit einem
gesetzgeberischen Schnäppchen: „Schnappen Sie sich 6 bis 10
Mitarbeiter, gründen Sie eine Gewerkschaft, dann sind Sie unkündbar.“
Selten so gelacht, Frau Knobel-Ulrich, obwohl mir angesichts solcher
profunder Kenntnis eher zum Weinen zumute ist.
Dass
die Kirche auch noch ihr Fett bekam, sei zum Schluss erwähnt. Aber der
Herr Schneider, Vorsitzender der EKD, ist ganz betrübt darüber und
kritisiert, was bei der Diakonie so abgeht. (Ich hatte bereits darüber
geschrieben.) Leider, so Herr Schneider, kann er dagegen nichts tun,
denn: „… die sind alle selbständig.“ Also erst ausgliedern und
dann die Hände in Unschuld waschen, so kennen wir doch unsere gottesfürchtigen
Männer und Frauen in den langen schwarzen Kutten mit oder ohne Bäffchen.
Man fragt sich, warum eigentlich verjagte Jesus die Händler und
Geldwechsler aus den Tempeln? Jetzt zumindest sind sie wieder drin. Aber
immerhin haben die Mitarbeiter „streng paritätische Verhältnisse“,
damit „ihnen nichts aufgedrängt werden kann“. Aber sie können der
Kirche offensichtlich auch „nichts aufdrängen“. Und Streikrecht
haben sie nicht, weil „die Kirche ihre Angelegenheiten selber ordnen
kann, ohne Eingriff des Staates“. Das Reichskonkordat von Adolfs
Gnaden lässt grüßen.
Es
kommt die Zeit, da wird das Volk alle bestrafen, die es in das Joch der
Ausbeutung drückten und es darin hielten. Dann werden Die Helferlein
den gleichen Weg gehen wi die großen Verantwortlichen, es sei denn, sie
besinnen sich rechtzeitig und kommen ihrer Verantwortung gegenüber dem
Volk nach.
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