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Militarisierung
der Hirnforschung
Quelle:
Vorwärts, sozialistische
Schweizer Zeitung 27 April 2007
Es
ist bekannt, dass sich Geheimdienste und Armeen besonders für
Zukunftstechnologien interessieren. Die Geschichte vieler Wissenschaften
weiss von Beispielen, von Geheimcodes über die darstellende Geometrie zur
Verschlüsselung von Plänen, von Psychopharmaka zu holographischen
Vorspiegelungen, von der mathematischen Spieltheorie, die jahrzehntelang
unter Verschluss gehalten wurde, bis zu den neuesten revolutionären
Erkenntnissen, die in verschiedenen Wissenszweigen schon vorliegen oder
sich erst anbahnen.
Trotz
Einwendungen namhafter Wissenschaftler wurde die Atombombe seinerzeit
entwickelt, produziert und 1945 eingesetzt, und zwar ohne jede Vorwarnung
über die ungeheure Zerstörungskraft dieser Waffe. Und sei es nur, um der
Sowjetunion und der Welt die eigene Macht vor Augen zu führen.
Auch
heute wehren sich fortschrittliche Wissenschaftler gegen die
Militarisierung der Forschung. In der angelsächsischen Welt erregt
derzeit ein Buch zu diesem Thema Aufsehen: Jonathan Moreno, Mind Wars:
Brain Research and National Defense (Dana-Verlag 2006). Moreno verweist
auf die Neurobiologie, die von den Militärs nach strategischen
Gesichtspunkten unter Kontrolle genommen und in Dienst gestellt wird wie
anno dazumal die Kernphysik. Zu den strategischen Hauptgebieten zählt der
Buchautor:
Schnittstellen
zwischen Hirn und Maschine ("Mind-machine interfaces") sollen
Piloten ermöglichen, Waffen durch blosse Gedanken zu kontrollieren.
Lebendige
Roboter, deren Bewegungen durch Gehirnimplantate gesteuert werden können
(Schon vor Morenos Buch war bekannt, dass ferngesteuerte Roboter im
Einsatz sind, nicht für Minensucharbeiten, in Palästina auch schon gegen
Menschen) Kognitive Helme, die den Zustand (Kampfwillen, Gedankenrichtung
usw.) der Soldaten überwachen und einer Zentrale melden neue Technologien
zur Erfassung von abweichenden Denkmustern mit einer Art Gedanken-Scanner
("brain fingerprinting") zwecks Polizeiverhören oder
Personenkontrollen.
"Pulswaffen"
zur Störung/Unterbrechung von neurobiologischen Abläufen, und weiter zur
Umgestaltung von Abläufen in Gehirn und Nervenbahnen.
"Neurowaffen"
mit biologischen Wirkstoffen, welche den Körper zur Ausschüttung von
Giftstoffen anregen (die Lagerung solcher Waffen ist zwar durch
internationale Abkommen verboten, nicht jedoch die Forschung)
Neue
Drogen, welche die Soldaten zum mehrtägigen Dauereinsatz ohne Schlaf
tauglich machen, und seine traumatischen Erinnerungen, seine Angst, seine
Hemmungen gegen das Töten neutralisieren.
Quellen:
http://www.thebulletin.org/index.html
Mind
Wars: Brain Research and National Defense (Dana-Verlag 2006) http://www.dana.org/books/press/danabook/mindwars/ |