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Die große Verarsche:

Wie Minister Clement Arbeitslosenproblem löst: 

werdet Hundefrisöre, Suppenköche, Kleinviehsitter, Wahrsagerin, macht Senfsalons auf (Dokumente des Schwachsinns) mehr

Minister Clements Lösung des Arbeitslosenproblems:

Werdet Hundefrisöre!

 Damit Männer gut dastehen: das City-Pissoir  „Wall stellt Lösung gegen die "Wildpinkler" vor“

von Gerd Höhne

Natürlich haben sie keine Lösung für die Reduzierung der Arbeitslosenzahlen. Warum sollten sie auch? Arbeitslosigkeit ist ja „nur“ für die Arbeitslosen ein Problem - für die Verursacher der Arbeitslosigkeit, die Herren der Konzerne, ist Arbeitslosigkeit die Lösung eines Problems: billige Arbeitskräfte. Ihr Rezept - und nur das - die Profite noch fetter machen, dann fällt mehr vom Tisch für die Arbeiter, Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger. Dass diese Rechnung nicht stimmt, müsste ihnen allerdings längst klar geworden sein.

Ihre Rechnung dagegen  ist einfach: Arbeitskräfte kosten Geld. Da sind zum einen die Löhne, aber dann auch noch der ganze Klimbim von Sozialleistungen, Steuern, sog. Lohnnebenkosteen (was es nicht gibt, das sind ganz normale Lohnkosten).  Das alles schmälert die Gewinne, also nur so viel (oder wenig) wie nötig.

Das dem Kapitalismus immanente Prinzip:

- hohe Nachfrage und geringes Angebot = hohe Preise; 

- hohes Angebot, geringe Nachfrage = niedrige Preise, 

gilt auch für die Ware Arbeitskraft. Für die kapitalistischen Betriebe zählt allein, dass Arbeitskräfte Geld kosten. Also so wenige wie möglich.

In den letzten Jahren wurden die Löhne und Gehälter durch mehr als dürftige Tarifabschlüsse reduziert. Betriebsintern werden ganze Betriebsbereiche ausgegliedert und in billigere Branchen verlegt oder das „neue“ Unternehmen schließt keine Tarifverträge ab (so geschehen bei der Citibank, die ihre Call-Centren schloss, in Duisburg ein Super-Call-Centrum aufbaute und keine Tarifverträge mehr zuließ. Da Duisburg – mit Gelsenkirchen und Dortmund – in NRW die Arbeitslosenstatistik anführt und seit Jahrzehnten kaum Frauenarbeitsplätze vorhanden sind, brauchte sich die Bank nicht um den Protest der entlassenen Beschäftigten zu kümmern.

Eine andere Möglichkeit ist Kapitalexport, also das Verlegen der Betriebe in Billiglohnländer. Das geht, wegen dem dortigen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, schlechter Infrastruktur oder anderen Hindernissen oft nur bedingt. Aber die Drohung damit, macht Politiker, Gewerkschaften und oft auch die Belegschaften gefügig,

Auch die ganz normalen Kosten, die allgemein Lohnnebenkosten genannt werden, also der sog. Arbeitgeberanteil an Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung, wollen sie  reduziert haben, möglichst ganz abschaffen. Die Verschlechterungen bei den Leistungen der Krankenversicherung ist hierfür ein Beispiel.  Aber auch die Diskussion um die Rentenfinanzen gehören in diesen Bereich.

Es ist klar, dass mit der Reduzierung des „Arbeitgeberanteils“ – ohne dass es der Beschäftigte vorläufig auf der monatlichen Lohnabrechnung vorfindet – ganz heimlich die Lohnkosten sinken und damit die Profite im gleichen Maße steigen. Dass auch die Leistung sich verschlechtern, merkt der Beschäftigte erst, wenn er krank oder arbeitslos wird oder in Rente geht.

Um diese ganzen Schweinereien der Bevölkerung schmackhaft zu machen, werden großflächige Nebelwände aufgebaut. Da wird ein  „Generationenkonflikt“ konstruiert, den jüngeren wird gesagt, die Alten fressen ihnen die Zukunft weg, den (noch) Beschäftigten redet man ein, die Arbeitslosen seien selbst dran schuld, gleichzeitig werden die Beschäftigten bedroht, ihre Mitbestimmungsrechte, das Tarifvertragsrecht usw. abgebaut und das Kündigungsschutzrecht wird verschlechtert.

Es wird behauptet, die hohen Lohnkosten verhinderten das „Schaffen“ von Arbeitsplätzen, denn der „Standort Deutschland“ sei nicht konkurrenzfähig. Uns werden im Fernsehen Beispiele gezeigt, wie in anderen Ländern dieses Problem gelöst wird, also in Honkong, Taiwan, Malaisia., Singapur ...

Wolfgang Clements Arbeitsplätze -

Oder: Lauter Sprüche und nichts dahinter

Wie sich doch die Dinge gleichen. Nach der „geistig-moralischen Wende“ Kohls in den 80er Jahren, begann der „Umbau des Sozialstaats“. Gemeint war natürlich Verschlechterung der sozialen Rechte. Damals kamen auch aus dem Hause Norbert Blüms kluge Vorschläge wie man sich selbständig machen könne.

Einer der Vorschläge war, morgens Brötchen austragen: Man verschafft sich einen Kreis von Abnehmern, kauft in einer Bäckerei Brötchen, verpackt sie und legt sie den Kunden vor die Tür. So was gab’s früher mal und wurde von den Bäckern selbst gemacht. Das, oder so ähnlich, sollte bei Kohl/Blüm die Arbeitslosigkeit reduzieren.

Jetzt geht das ganz genau so simpel, aber auf höherem Niveau. Jetzt wird mit den Methoden des PR und Internet gearbeitet, Kinowerbung geschaltet und „Experten“ bemüht. Galt das bei Blüm noch als Notlösung, so ist es bei Clement die Lösung und hat publikumswirksam einen Namen bekommen: Ich-AG.

Ja das alles wird sogar in den Rang einer guten Tat für die Nation aller Deutschen  verkauft. „Teamarbeit für Deutschland“ nennt sich das Gebilde und soll wahre Wunder  an Arbeitsplätzen schaffen. Großspurig wird verkündet:

„Zusammen mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern aus Politik, Kirche, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft will die Initiative TeamArbeit für Deutschland das größte Netzwerk gegen Arbeitslosigkeit in Deutschland schaffen. Mitmachen können alle, die in ihrem Umfeld durch persönliches Engagement einen konkreten Beitrag zum Abbau von Arbeitslosigkeit leisten.“

Natürlich kann dieses Wunderwerk an Leistung nicht von Hinz und Kunz geleistet werden, die das machen, sind offensichtlich wahre Giganten an Einsatz fürs Gemeinwohl. Also heißt es: „All diese Menschen sind unsere "Profis der Nation": Man möchte vor Ehrfurcht erschauern und es versteht sich deshalb, dass der Musterknabe der Kompetenz der Schröder-Regierung, der Erfinder des Hartzer Käses[1] und VW-Manager Peter Hartz, hier bemüht wird, denn 

„So wurden bereits im Hartz-Konzept alle benannt, die ihre Kompetenzen einsetzen, um einen Beitrag gegen Arbeitslosigkeit zu leisten.“

Diese „Profis der Nation“, die also an der Fortsetzung des Hartzer Käses mit anderen Mitteln stricken und ihre geistigen Hintermänner in der Regierung, sollten allerdings eher als Schaumschläger und Schwätzer der Nation bezeichnet werden (einige auch die Naiven der Nation). Die „Expertenliste“ beeindruckt mit der Schlichtheit der Intelligenzleistung.

Führen wir uns mal die Namen der „Experten“ zu Gemüte (eine Auswahl):

-         Jens-Peter Heenemann. Wer kennt ihn nicht, den Experten gegen Arbeitslosigkeit? Ich muss gestehen: nie von ihm gehört! Macht aber nichts, ich habe offensichtlich eine Bildungslücke. Recherchen im Internet haben mich dann schlau gemacht. Dieser Wunderknabe im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit ist Unternehmensberater und Diplomkaufmann. Naja, nix besonderes.[2] Immerhin liefert er – lt. Eigenwerbung – „maßgeschneiderte Lösungen“ Verlassen wir hier jedoch den Maßschneider und sehen uns noch andere an.

-         Ute Albrecht. Sie ist offensichtlich eine, die „selbständig“ wurde. Bewerbungsberaterin nennt sie sich.[3] Für 10 Euro checkt sie Bewerbungen auf Tauglichkeit (für Schüler und Studenten kostenlos). Früher nannte man das mal Schreibbüro, aber die Zeiten ändern sich bekanntlich. Originell ist die Idee nicht und davon leben wird sie nicht können.

-           Hans Wall. Seine Firma ist die Wall AG, er kann davon leben und das nicht schlecht. Es ist das Musterbeispiel dafür, dass man mit Scheiße Millionär werden kann. Mit 600 Beschäftigten, macht er knapp 66 Millionen € Umsatz und schlappe 2,6 Millionen € Gewinn und das vor allem mit Pinkelbuden. Allein daher prädestiniert zum Selbständig-Machen. Falls ihr beim Pinkeln Werbung im Pissoir lest, da hat Herr Wall zugeschlagen. Wenn also demnächst von „TeamArbeit für Deutschland“ der kluge Rat kommt, sich als Toilettenwärter eine Ich-AG aufzumachen – Wall ist sicher der Vater der Idee. Seine Pinkel AG wirbt anrüchig mit dem Spruch:
 
Damit Männer gut dastehen: das City-Pissoir  „Wall stellt Lösung gegen die "Wildpinkler" vor“ (siehe http://www.wall.de/de/company/news/article/news00710.asp)

-         Gabriele Krause. Sie ist aus Jena in Thüringen, dort, wo Schiller einst lebte und starb. Im Gegensatz zu diesen, der z,B, in „Die Räuber“ oder „Wallenstein“ Konflikte auf die Bühne brachte, ist Frau Krause „Konfliktberaterin“. Sie wendet sich an „Alle, die Konflikte im beruflichen Alltag oder in ehrenamtlicher Arbeit erleben und die das Handwerkszeug des Konfliktmanagements erlernen wollen.“ Also an dich und mich und kassiert davor natürlich etwas,  Für um die 300 € pro Teilnehmer macht sie Seminare, die Konfliktlösungen bringen sollen. Tja, was das aber mit „Expertenwissen“ gegen Arbeitslosigkeit zu tun hat?

-         Roland Kaiser. Der Schlager Fuzzi des deutschen Gemüts ist dann das Paradepferd der Arbeitslosigkeitbeseitiger-durch-Hundefrisöre. Kaiser organisiert jedes Jahr eine Party. Das Geld wird dann für Lehrsstellenschaffung eingesetzt.

Hilflosigkeit

Fast könnte man in Tränen der Rührung ausbrechen: Da wird ein Pinkelhäuschen-Erfinder und -produzent, Unternehmensberater und Schreibbürobetreiber und ein Goldkehlchen der Nation aufgeboten, zu „Experten für Deutschland“ hochstilisiert, und was dabei rauskommt: „Macht einen Hundefrisördienst oder eine Suppenküche auf, werdet Wahrsager!“

Die Macher dieses Quatsches, wird man verleidet zu glauben, sind tragikkomische Figuren in einem hilflosen, wenn auch rührenden Versuch der Bewältigung der Arbeitslosigkeit.

Aber mitnichten! Sie wissen genau was sie tun! Den Einfältigen streuen sie Sand in die Augen, den Naiven geben sie Scheinalternativen, die Gutgläubigen belügen sie.

Und sie halten die Menschen dieses Landes für komplette Idioten. Was hier für viel Geld geboten wird, ist schlichtweg Schmierenkomödie. Ich bin entsetzt, was diese Leute an Schwachsinn bieten. Und alles um den Anschein zu geben, es sei Hoffnung für die Millionen Arbeitslose, in Sicht und, dass die Arbeitslosen selbst Schuld an ihrem Schicksal sind.

Damit spaltet man die Opfer der kapitalistischer Rationalisierung, verhindert, dass sie sich wehren und über wirkliche Alternativen nachzudenken beginnen. 

Das ist der Grund für all diesen Quatsch. Ob es Wirkung zeigt, sei dahin gestellt. Aber wir können davon ausgehen, dass der eine oder andere, vielleicht sogar viele, diesen Unsinn glauben und meinen, Clement – und damit die Bundesregierung - mache wirklich etwas gegen die Arbeitslosigkeit und biete den Betroffenen Auswege aus der Misere.

Trotzdem: Bereits jetzt ist klar, dass hier Show und Lüge fabriziert wird. Ihre Widersprüche wird das kapitalistische System nicht los. Sie werden eingeholt von ihren Lügen und Betrügereien.


[1] stinkt ebenso, wie der Harzer Käse, ist aber nicht nahrhaft und schmeckt auch nicht.

[2]mein aktuelles Service- und Beratungsprogramm zur Existenzgründung und Unternehmensführung bietet Ihnen jetzt noch mehr Möglichkeiten, maßgeschneiderte Lösungen aus einer Hand zu finden. Ob ausgefeilte Konzeptentwicklung oder individuelle Kurzberatung, Unternehmenscheck, Management auf Zeit oder Coaching  - meine Leistungen sind abgestimmt auf die besonderen Bedürfnisse von Unternehmensgründern, Freiberuflern sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen aus den Bereichen Handel, Handwerk, Gast- und Dienstleistungsgewerbe. (Eigenwerbung Jens-Peter Heenemann)

[3] „Ute Albrecht ist Bewerbungsberaterin und bietet einen cleveren Service an: Für zehn Euro checkt sie Bewerbungen und optimiert sie so, dass genau die Vorzüge der Bewerber erkennbar werden, die der zukünftige Arbeitgeber erwartet. Deshalb sollten Bewerber ihr möglichst auch die Stellenanzeige mailen. Ute Albrecht erhält die gesamten Unterlagen per Mail und sendet sie wenige Stunden später korrigiert zurück. Für Schüler/-innen und Studenten/-innen ist dieser Service kostenlos – ein Profibeitrag, der täglich Arbeitsuchenden schnell und effizient weiterhilft.“ (Schleichwerbung für die Bewerbungsberaterin bei „TeamArbeit für Deutschland“)

 

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