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Der
Autor, Orlando Caputo Leiva, ist Ökonomie-Professor an der
chilenischen Universität ARCIS |
Zur allgemeinen
und zu den zyklischen Weltwirtschaftskrisen des Imperialismus:
Die
Weltwirtschaft und die Immobilienkrise der USA
von
Prof. Orlando Caputo L. (*)
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke/16. April 2008 |
Die
Immobilienkrise hat sich als beinahe ausschließlich Finanzkrise
dargestellt. Dennoch hat besagte Krise ihren Ursprung im Baubereich, der
einer der tatsächlich wichtigsten Wirtschaftsbereiche ist. Die
gestiegenen Profite der großen internationalen Güter- und
Dienstleistungskonzerne wurden zu Anleihen auf den Finanzmärkten gemacht,
was zu einer großen Ausweitung der Kredite, darunter auch der
Hypothekenkredite, geführt hat. Es existiert ein Kapitalüberschuss.
Die
6 zyklischen Krisen in den drei letzten Jahrzehnten
Vom
Ende des 2. Weltkrieges bis in die 60er Jahre funktionierte die
Weltwirtschaft auf den Grundlagen der einzelnen Volkswirtschaften, deren
hauptsächliche Dynamik auf der Produktion für den Binnenmarkt gegründet
war. In jenem Zeitraum war der Weltwirtschaftszyklus sehr abgeschwächt,
praktisch zeigten sich keine Weltwirtschaftskrisen. Die Globalisierung,
die die gegenwärtige Etappe der Weltwirtschaft in den letzten drei
Jahrzehnten kennzeichnet, ist engstens mit dem freiesten Spiel der Märkte
verbunden.
Entgegen
theoretischen Aussagen sind seit den 70er Jahren mit der Globalisierung
sechs zyklische Weltwirtschaftskrisen aufgetreten. Vier davon sind in
10-12 Jahren registriert worden, zwischen 1991 und 2001. Dies
widerspiegelt klar die Vertiefung der zyklischen Bewegung und die
zunehmend periodische Darstellung besagter Krise. Auch erfolgte eine
bedeutende Veränderung im Ursprung der Krise. Es gab jene von 1974-1975.
Dann gab es jene von den 80ern bis zum Beginn der 90er Jahre. Und dann
jene von 2001. Sie alle hatten ihren Ursprung in den USA. Die Krise von
1994 hatte ihren Ursprung in Mexiko. Die Krise von 1997 hatte ihren
Ursprung in Südostasien. Die mögliche 7. Weltwirtschaftskrise kann ihren
Ursprung in den USA haben.
Die
7. Weltwirtschaftskrise
Die
7. zyklische Wirtschaftskrise dürfte durch eine starke Abschwächung der
Profite aufgrund des Preisverfalls für Industrie- und
Hochtechnologiewaren infolge der Überproduktion besagter Erzeugnisse auf
Weltwirtschaftsniveau aufkommen. Die Abschwächung der Profite wird sich
durch die Steigerung der Kosten und durch die Unterproduktion oder den
Mangel an Erdöl, Metallen und einen relativen Mangel an Nahrungsmitteln
begleitet sehen. Die Realität hat einen starken Preisanstieg bei
Nahrungsgütern verbunden mit einer Zunahme der Nachfrage gezeigt sowie
ein Stagnieren des Angebots verbunden mit einem Austausch von
landwirtschaftlicher Nutzfläche zur Nahrungsmittelproduktion durch deren
Nutzung für die Bio-Brennstofferzeugung.
Weitere
Kennzeichen der zyklischen Wirtschaftskrisen
Die
zyklischen Wirtschaftskrisen erscheinen getrennt durch Zeitabschnitte.
Dessen ungeachtet sind sie Teil einer globalen Bewegung, die die
Wirtschaftskrisen der verschiedenen Jahre als Ausdruck eines Prozesses
historischer Umgestaltungen verknüpft.
Die
Verkettung der Wirtschaftskrisen und der Zyklen ermöglicht das Festhalten
der Existenz der Weltwirtschaft und ihrer Bewegung als historischer
Prozess in Zeit und geographischem Raum. Die gegenwärtige
Weltwirtschaftslage und die mögliche 7. Weltwirtschaftskrise kann sich
aus dem Gesichtspunkt der Überproduktion ganz anders als die vier
Wirtschaftskrisen zuvor darstellen, und erneut wie jene von 1974-1975:
Eine Überproduktion aus Industriewaren und eine Unterproduktion oder den
Mangel an Rohstoffen und Energieträgern und möglicherweise
Nahrungsmitteln.
Einige
Vorläufer der gegenwärtigen Lage
Die
Erholung von der Wirtschaftskrise vom Beginn dieses Jahrzehnts (2001-2002)
wurde mit einer starken Abschwächung der Zinsrate auf Niveaus von 1% in
den USA erreicht, was die Konsumkredite sowie die Investitionskredite von
Unternehmen ausweitete. Die niedrige Zinsrate löste einen
Wohnungsbau-Boom aus, der auf die Ausdehnungen der Kredite immer mehr hin
zu Käufern mit hohen Rückzahlungsrisiken gestützt wurde. China ermöglichte,
dass die Weltwirtschaftskrise von 2001 nicht so tiefgreifend war. China
hat bedeutend die Erholung und die gegenwärtige Dynamik der
Weltwirtschaft erleichtert. Auch bildet China eine wichtige Quelle der
US-Wirtschaftsfinanzierung. Aber China kann auch zur Beschleunigung des
Durchbruchs hin zu einer neuen zyklischen Weltwirtschaftskrise durch den
Preisverfall bei Industriewaren und die Erhöhung der Rohstoff-, Energieträger-
und Nahrungsmittelpreise hinführen, wobei die Profite der
Industriekonzerne beeinträchtigt werden. Die Immobilienkrise ist
schwerwiegend, aber ihr Einfluss auf die wirkliche Volkswirtschaft bis
jetzt ist begrenzt gewesen. Das Schwerwiegende an der Situation hat dazu
geführt, dass die Zentralbanken der USA und einiger Länder Europas
starker Geldspritzen bedurften. In den USA sind wichtige Zinssenkungen
erzeugt worden. Die Rezessionsaussichten in den USA haben sich in den
letzten Monaten verstärkt, auch wenn es bisher noch keine Rezession dort
ist.
Die
Krise des Immobilienbereiches der USA hat die Finanzinstitutionen Europas,
Asiens und Lateinamerikas erfasst, welche Finanzinvestitionen verbunden
mit den Hypothekenkrediten realisiert haben. Bis jetzt wird die
Immobilienkrise grundlegend in ihren beiden Komponenten im
Bauwirtschaftsbereich und im Bankwirtschaftsbereich verortet. Die
bisherige Auswirkung auf die gesamte Volkswirtschaft ist vergleichsweise
gering, sollte aber einige Monate lang andauern. Wenn dies auch nicht der
Beginn einer neuen zyklischen Wirtschaftskrise ist, könnte es das
Vorspiel sein, welches zusammen mit der industriellen Überproduktion und
der Unterproduktion an Nahrungsmitteln, Metallen und Energieträgern die
7. zyklische Weltwirtschaftskrise in den letzten Jahrzehnten einleitet.
Verhalten
der US-Wirtschaft
Das
Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA sank beachtlich in den letzten drei
Quartalen in 2006. Im ersten Quartal in 2007 stieg es nur um 0,6%. Aber im
2. Quartal und im 3. Quartal stieg es um 3,8% und 4,9%. Dies führte zu
Optimismus bei Ökonomen und internationalen Organisationen wie dem
Internationalen Wirtschaftsfonds (IWF). Aber im 4. Quartal sank das BIP
erneut um nur 0,6%. Dies erhöht die Möglichkeiten, dass die
US-Wirtschaft bereits die Rezession eingeleitet hat.
Die
starke Absenkung der Investitionen in neue Wohnbauten zeigt, dass die
gegenwärtige Krise sehr im Immobilienwirtschaftsbereich angesiedelt ist
und seit 2006 bis heute existiert. Dies mit sehr erhöhten Abschwächungen,
so z.B. von 20,4% im dritten Quartal in 2006, einem Minus von 16,3% im
ersten Quartal 2007 und einem Minus von 11,8% im zweiten Quartal von 2007.
Die Investitionen im Wohnungsbau sinken um 20,5% im dritten Quartal in
2007, und im vierten Quartal in 2007 sinken sie um 25,2%. Darüber hinaus
zeigt dies, dass die Krise in der Produktion begann und später mit
ziemlicher Verzögerung im Bankenbereich zum Ausdruck kam, was sich zusätzlich
auf die Bauwirtschaft auswirkte.
Die
Krise vom Beginn des Jahrzehnts (2001) wurde grundlegend in den
Unternehmensinvestitionen verortet. Die Erholung von der Rezession in den
USA stützte sich stark auf die Investitionen im Wohnungsbau mit erhöhten
Wachstumsraten über etliche Jahre. Gegenwärtig geht die
Unternehmensinvestition vergleichsweise erhöht weiter, mit 11% im zweiten
Quartal, 9,3% im dritten Quartal und 6,9% im vierten Quartal in 2007. Die
Globalisierung der Weltwirtschaft mit Flexibilisierung der Arbeitskräfte,
handelspolitischen Öffnungen und Öffnungen für Auslandsinvestitionen
sowie der Aneignung von Naturreichtümern hat den USA ein erhöhtes
Profitwachstum seit Mitte der 80er Jahre ermöglicht. Die Profite
verminderten sich in der Krise in 2000, um gleich darauf rasch bis zum
ersten Quartal von 2004 anzusteigen. Die Gesamtprofite der USA nach der
Krise vom Beginn des Jahrzehnts stiegen weiterhin beachtlich an, auch in
2006, als der Bauwirtschaftsbereich in ernsten Schwierigkeiten war. Die
auf Jahresbasis berechneten Profite haben aufgehört zu steigen wie
bisher, aber sie halten sich auf hohem Niveau. Im zweiten Quartal von 2007
stiegen sie sogar auf 1.642,4 Mio. Dollar, und im dritten Quartal in 2007
fielen sie leicht auf 1.642 Mio. Dollar. Die Entwicklung der Krise wird in
hohem Maße von der Entwicklung der Profite im vierten Quartal in 2007 abhängen,
die Ende März 2008 veröffentlicht sein werden. Die globalen Profite der
USA haben eine starke und wachsende Komponente in den aus dem Ausland
einfließenden Profiten. Die wachsende Bedeutung der aus dem Ausland
einfließenden Profite für die globalen Profite der US-Unternehmen ermöglicht
diesen Unternehmen, besser die Immobilienkrise zu bewältigen.
Mit
der Globalisierung der Weltwirtschaft haben die USA ihre einheimische
Volkswirtschaft umstrukturiert und eine große Präsenz in der
Weltwirtschaft erreicht. Im dritten Quartal in 2007 stieg der Anteil der
aus dem Ausland einfließenden Profite an den Gesamtprofiten in den USA
von 29% auf 31,4% und die einheimisch erzielten Profite in den USA stiegen
von 36% auf 40,5%. Die wachsende Bedeutung der Profite aus dem Ausland für
die global erzielten Profite und für die in der einheimischen
US-Industrie erzielten Profite verhalf der US-Volkswirtschaft zu einer Stärkung,
um die Krise binnenmarktorientierter Wirtschaftsbereiche wie des
Immobilienbereiches zu bewältigen.
SCHLUSSFOLGERUNGEN:
Sehr
kritisch gegenüber den Betrachtungen eines Brenners in seinem Aufsatz
„Eine verheerende Krise im heranziehenden Gewitter“ und der Schrift
von J. Berstein „Über die Rezession hinaus. Das ist der Beginn der
zweiten Etappe der globalen Krise“ stützen wir uns auf die
theoretischen Leitlinien von Karl Marx über die Weltwirtschaft und die
Hauptkategorien: Profit, Investition, Konzentration und Zentralisation des
Kapitals.
Und
in den zyklischen Krisen bemerkt man klar, dass der Kapitalismus seine
Kraft zeigt. Aber auch seine Schwäche! Aber er wird nicht durch sich
selbst zu Fall gebracht. Die Zunahme der Ausbeutung der Arbeiterklasse,
der Naturreichtümer und der Gesellschaft eröffnet breite Möglichkeiten
gesellschaftlicher Organisation. Die Globalisierung der Weltwirtschaft und
der Neoliberalismus haben ein starkes Wachstum der Profite durch
Lohnsenkung, Arbeitskraftflexibilisierung und Aneignung der Naturreichtümer
ermöglicht. Dies schafft Möglichkeiten für die Organisierung der
Arbeiterklasse und der gesellschaftlichen Bewegungen.
Einer
der bedeutsamsten Aspekte aus quantitativem und qualitativen Blickwinkel
ist die Tatsache, dass besonders in den letzten zyklischen
Wirtschaftskrisen und besonders in der gegenwärtigen Immobilienkrise sich
bei ohnehin schon gestiegenen Profiten die Aneignung eines beachtlichen
Teils der Ersparnisse von Menschen hervorhebt, welche investiert waren in
den Erwerb von Eigenheimen und Wohnungen. Hinzu kommt noch die Aneignung
beachtlicher Teile von Rentenfonds der Arbeiterklasse, in diversen
Sparfonds angelegten Geldern, welche an den verschiedenen Wertpapierbörsen
und in den Immobilienkrediten und Derivaten der Immobilienkredite angelegt
wurden.
Der
Kapitalismus verbreitert die Sphären der Aneignung. Aber er verbreitert
auch die Möglichkeiten des Widerstandes und Kampfes.
(*)
Zusammenfassung aus dem Aufsatz des Autors im Heft XII der
Wochenzeitschrift „Los Partidos y una Nueva Sociedad“ der Partei der
Arbeit in Mexiko City, 13.-15.3.2008.
Der
Autor, Orlando Caputo Leiva, ist Ökonomie-Professor an der chilenischen
Universität ARCIS
Quelle:
El Siglo, Zeitung der KP Chiles
Quelle:
http://www.tribuna-popular.org/ |