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Kommentar
vom Hochblauen
(siehe)
Die „Jewish Voice“ eines
Musterjuden
Von
Evelyn Hecht-Galinski
Quelle:
NRhZ-Online
- Neue Rheinische Zeitung
Online-Flyer Nr. 337 vom 18.01.2012
Auf
Kommunisten-online am 22. Januar 2012 – „Jewish Voice“? Ich
dachte, kennst Du doch: für einen gerechten Frieden in Nahost. Weit
gefehlt, jetzt gibt es tatsächlich eine Zeitung gleichen Namens, aber....
Rafael Seligmann, der Autor des Romans „Der Musterjude“, hat eine
illustre Truppe um sich geschart, mit der er dem Ausland - daher auch in
englischer Sprache - das jüdische Leben in Deutschland erklären und
deutsche Politiker „koscher“ darstellen will.
Selten
sah man so ein Presse- und Medien-Echo, wie bei der Vorstellung dieser
„Voice“, beheimatet in Berlin-Wilmersdorf „unterm Gummibaum“.
Seligmann gelang es, einen Vorstand (Board) um sich zu versammeln der
seinesgleichen sucht! Da geht es von der Politik, Siegmar Gabriel (SPD)
bis zu Uwe-Karsten Heye, früherer Regierungssprecher und heutiger
Generalkonsul in New York, Vorsitzender der von ihm gegründeten und von
mehreren Ministerien geförderten Initiative „Gesicht zeigen“. Dieses
zeigt er auch sehr gut, indem er über den „tief verwurzelten“
Faschismus in der (Mitte der) deutschen Gesellschaft schreibt. - Ja, dass
will das Ausland über uns hören!
Ich
sage: Nicht der Antisemitismus, sondern die K R I T I K an der
israelischen Politik ist (endlich) in der Mitte der Gesellschaft
angekommen!
Ist
das auch der Grund, dass es sich Außenminister Westerwelle nicht nehmen
ließ, diese „Voice“ im Haus der Commerzbank in Berlin in „schwülsterwelligen“
Worten vorzustellen? Hier Auszüge, frei übersetzt: Deutschlands
Verpflichtung - Ich möchte der Jewish Voice from Germany und seiner
ersten Ausgabe gratulieren. Zu berichten in englischer Sprache für jüdische
Gemeinden in den USA, Kanada, Israel und England über das neue aufblühende
jüdische Leben in Deutschland, hier wird eine Brücke gebaut zu den
Gemeinden über den Atlantik. So senden wir eine klare Botschaft, dass die
jüdische Gemeinschaft in Deutschland ein unumstößlicher nicht nur ein
geschichtlicher Teil der Vergangenheit ist, sondern vor allen Dingen ein
Teil der Zukunft. Zugleich ist Deutschlands historische Vergangenheit ein
Eckstein in der Außenpolitik. So ist unsere Verantwortung für die
Vergangenheit unsere Verpflichtung für die Zukunft. Aus diesem Grund ist
es so wichtig, das tiefe Netzwerk des Verstehens und der Freundschaft, über
Jahrzehnte gewachsen, weiter zu verbessern. Tausend Freiwillige
beider Länder, unzählbare wissenschaftliche Projekte und usw.
zeigen die warme Freundschaft zwischen Israel und Deutschland. Wir
brauchen engagierte Menschen, die das Wissen über jüdische Geschichte in
eine Vision für die Zukunft übertragen. Wir brauchen Medien, die diese
Vision befördern und erklären (we need media to convoy and elucidate
this vision). Derzeit sei die Lage im Nahen Osten „ungewöhnlich
ernst“ (warum wohl?) und 2012 könne zu einem Schicksalsjahr in dieser
Region werden. Dauerhafter Frieden zwischen Israelis und Palästinensern
sei möglich, doch werde es ihn nur in Verhandlungen geben. „Als Freunde
Israels werden wir auch weiter unseren Beitrag für eine umfassende und
gerechte Zwei-Staaten-im-Nahost-Konflikt-Lösung leisten“, sagte
Westerwelle auch noch.
Herr
Außenminister Westerwelle, diesen Beitrag „als Freunde Israels“ haben
Sie schon in so vielfältiger Form geleistet, auch in freundschaftlicher
Verbundenheit mit Außenminister Lieberman, Ihrem Pendant in Israel, dass
man die israelische Politik bei ihnen in besten Händen weiß. Da kommt
eine „Jewish Voice“ gerade recht, die diese Politik gut rüberbringt
und verkauft und deutsche Politiker in „Jewish Brightness“ erstrahlen
lässt.
So
passt das auch zu den Sätzen des Herausgebers Seligmann, wenn dieser in
seinem ersten Artikel schreibt: „Israel sollte der erste Staat sein, der
Palästina anerkennt“. Dieser Satz wird dann als mutig verkauft. Liest
man aber seinen Artikel für diese erste Ausgabe „Recognize Palestine to
Secure Israel`s Existence“, sieht man sehr genau, wie „mutig“ dieser
Autor ist: Er tritt für eine Zwei Staatenlösung ein, ohne diese zu erklären.
Sehr mutig! Und der der Außenpolitikredakteur der Welt, Clemens Wergin,
schreibt über die Nuklearambitionen des Iran. Wann wird sein Welt-Freund
und Kollege H.M.Broder, auch für die „Voice“ schreiben dürfen?
Diese
Zeitung - als Gratiszeitung konzipiert - das gilt wohl mehr für
Journalisten, Politiker, Abgeordnete des deutschen Bundestages, der
israelischen Knesset und des US-Kongress. Die normalen Leser sollen das
Blatt aber für Euro 3,-- an Flughäfen oder Bahnhöfen kaufen. Diese
Zeitung soll sich nur aus Werbung und Eigenmitteln von Seligmann
finanzieren. Die Werbekunden haben auch schon gut gebucht, z.B eine
ganzseitige Anzeige der Deutschen Bank. Scheint sich also gelohnt zu
haben, dass der Ressortleiter Wirtschaft in Seligmanns Team der ehemalige
Kommunikationschef der Deutschen Bank, Siegfried Guttermann ist.
Auch
der Freistaat Sachsen ließ sich nicht lumpen und investierte in eine
halbe Seite, schließlich sitzt ja der sächsische Staatsminister Johannes
Beermann auch im „Board“, dem beratenden Gremium der „Jewish
Voice“. Das reiht sich gut in das sponsoring der sächsischen
Israel-Freunde, die die kleinen Davidsterne als Trostpreise für den
Israel-Kongress im Oktober 2011 in Frankfurt spendeten. (Motto: „I like
Israel.“)
Klar
dass man, wenn man dieses beratende Gremium anschaut, immer wieder
explizit auf die Unabhängigkeit der „Jewish Voice“ hinweisen muss.
Des Weiteren sitzen da nämlich so „schillernde“ Persönlichkeiten
wie: Prof. Dr. Margarita Mathiopoulos, heute FDP, Dr. Etta Schiller, Prof.
em. Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Dr.-Ing. h.c. von der Brandenburgischen
Technischen Universität Cottbus, Christian Schmidt, Staatssekretär BM
Verteidigung, Dr. Abi Pitum, Honorarkonsul der Mongolei, Barbara
Richstein, Ministerin a.D. CDU, Brandenburg, Nicholaus Teller,
Commerzbank, Dr. Angelika Westerwelle, CDU, Reinhold Robbe, DIG (Deutsch
Israelische Gesellschaft), Lala Süsskind, ehemalige Berliner Jüdische
Gemeinde-Vorsitzende, Avi Primor, Botschafter Israels a.D., Dr. Guido
Sandler, Netzwerkpartner Unternehmer Invest, Prof. Dr. Michael Eilfort,
Vorstand Stiftung Marktwirtschaft. Christian Lindner, zurückgetretener
FDP-Generalsekretär und ehemaliger Hoffnungsträger, Lars Ellermeier,
Generalbevollmächtigter des UBS Wealth Management, Prof. Dr. Gerd Merke,
Wiesbaden Business School, Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin BV
Energie und Wasserwirtschaft, ehemalige Staatsministerin im Kanzleramt bei
Merkel, Volker Christians, Zehnder, international Club of Leaders.(1)
Das
war nur eine kleine, aber feine Auswahl des beratenden Gremiums der
„Jewish Voice“ (die natürlich völlig unabhängig ist!). In diesem
Board trifft sich Hochfinanz neben Politik und Lobbyisten, wahrlich ein
bezeichnendes Gremium für eine unabhängige „Jewish Voice“, die demnächst
das blühende jüdische Leben und was deutsche Poltiker und andere
dafür tun, in die Welt tragen wird. Für diese Stimme brauchten wir den
Erfinder des Musterjuden, Rafael Seligmann, den Seligmacher-Schreiber der
deutschen Elite, der die deutsch-jüdische Symbiose zum Blühen bringen
will.
Und
was tut sich derweil im jüdischen Staat Israel? Abermals hat das Oberste
Gericht Israels ein Gesetz gebilligt, das Palästinensern verbietet, mit
ihren arabisch-israelischen Ehepartnern zusammen zu leben. Begründung:
Diese Paare hätten zwar das Recht zusammen zu ziehen, müssten das aber
nicht in Israel tun. Menschenrechte dürften nicht um den Preis eines
„nationalen Selbstmords“ verwirklicht werden, schrieb Richter Grunis.
Auf
einer Konferenz des Jerusalemer Puah Instituts durften nur Männer über künstliche
Befruchtung, Menstruation, oder richtiges Stillen debattieren. Die
Konferenz fand zum zwölften Mal statt, sie stand diesmal unter dem Motiv
„Neuigkeiten in Gynäkologie, Geburtshilfe und jüdischem Recht“.
Jakov Litzman, der als stellvertretender Gesundheitsminister für dieses
Institut zuständig ist, hat als Mitglied der Partei „Vereinigtes
Tora-Judentum“ und Mitglied der Regierungskoalition nichts gegen die
Verbannung der Frauen einzuwenden. Warum auch? In einem Staat, der die jüdischen
Gesetze der Tora über die staatlichen setzt, kann keine Demokratie
funktionieren, das schließt sich aus.
Wurden
nicht Holocaust-Vergleiche benutzt, die die Regierung jetzt unter Strafe
stellen will, - auch schon beim Puah Institut, indem man ihm
vorwarf, wie die Nazis zu handeln und Juden auszuschließen. Die ganze
Aufregung zeigt mir nur, was dabei herauskommt, wenn ein Staat auf einer
Religion basiert und diese von Anbeginn seiner Gründung missbraucht
hat. Sowohl die Instrumentalisierung des Judentums als die des Holocaust
sollte unter Strafe gestellt werden.
In
den USA zog ein neuer Stabschef ein, Jakow Lew, ein orthodoxer Jude, der während
der Regierungszeit von George W. Bush Manager der Citigroup war und dort
Hedgefonds und Immobilien überwachte. Danach - vor seinem jetzigen Posten
- kümmerte er sich für Hillary Clinton im Außenministerium um
Afghanistan und den Irak. So stellt auch Abba Cohen, Direktorin von
Agudath Israel in Washington fest, Lew sei immer hilfreich für die jüdische
Community gewesen.
So
erfuhren wir auch aus CIA-Akten, dass der Mossad, getarnt als Amerikaner,
Terroristen der Organisation Jundallah zu rekrutieren versuchte, um sie
gegen den Iran einzusetzen. Liegt es wirklich in unserem Interesse, wenn
Mossad Rekrutierungen Aktionen und Tötungen im Iran, Irak, oder sonst wo
(wer weiß es schon?) organisiert? So etwas muss sofort mit dem Schleier
des Verständnis und Verstehens behandelt werden. Im Interesse des
bedrohten kleinen Israel. In diesem Zusammenhang auch sehr interessant:
gerade bekam ein angeklagter französischer Aktivist der
Boykott-Israel-Kampagne ein Päckchen mit einem weißen, absolut tödlichen
Pulver nach Hause geschickt.
Zum
Schluss noch das aus online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau vom
13.01.2012, wo uns ein Christian Bommarius einen „LEITARTIKEL SYRIEN UND
DEN LINKEN“ unter dem Titel „Damals wie heute“ hinterlassen hat. In
dem Artikel werden sechs Parteimitglieder der LINKEN verunglimpft, weil
sie den - auch von mir unterschriebenen - Aufruf „Kriegsvorbereitungen
stoppen“ unterzeichnet haben. Dieser Leitartikel ist an Hetze und
beleidigenden Unwahrheiten nicht mehr zu toppen. Er gipfelt in dem
Schlusssatz „Fliegt dieses Personal nicht endlich vom Platz, muss die
Partei zu (!) nächsten Spiel gar nicht mehr antreten“. Denn sie
„verbrüdern sich öffentlich mit dem Massenmörder Assad – eine
Fortsetzung ihres antisemitischen Treibens.“ (1)
Ich
sage: Es wird Zeit, dass wir alle gemeinsam antreten gegen solches
Medien-“Personal“. (PK)
(1)
http://www.fr-online.de/
Evelyn
Hecht-Galinski ist Publizistin und Tochter des 1992 verstorbenen
Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski.
Unsere LeserInnen kennen sie als Autorin der Serie, die sie „vom
Hochblauen“, ihrem 1186 m hohen „Hausberg“ im Badischen, schreibt.
(1)http://jewish-voice-from-germany.de/board.php
Online-Flyer
Nr. 337 vom 18.01.2012
yer/beitrag.php?id=17399
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17399 |