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Warum
wegen neuer Aufgaben der Bundeswehr die Rente mit 69 nötig wird.
Und
wie mit mehr Abonnements mehr Positives in die junge Welt gelangt
Dietmar
Koschmieder
In:
junge Welt vom 21.05.2011
Auf
Kommunisten-online am 28. Mai 2011 - Schrecklich, was auf den
Titelseiten der Tageszeitungen am Donnerstag, 19. Mai 2011 gemeldet
wurde. Die Berliner Zeitung berichtet über Massenproteste gegen die
NATO in Afghanistan, wobei mindestens zehn Menschen getötet wurden. Von
verletzten deutschen Soldaten liest man da. Daß sie in die Menge
geschossen haben sollen, erfährt man aber erst auf Seite acht.
Den
Platz auf der Titelseite braucht man, um ausführlich über »neue
Aufgaben der Bundeswehr« zu berichten.
Kräftezehrende
Auslandseinsätze zur Sicherung von Rohstoffversorgung und freien
Handelswegen wie jenen in Afghanistan seien in Zukunft der Normalfall.
Weil man künftig nicht nur mit deutschen Waffen, sondern auch verstärkt
mit deutschen Soldaten »dem Frieden in der Welt« dienen wolle, so der
deutsche Friedensminister de Maizière. Und weil man Geld nicht
gleichzeitig für Krieg und Soziales ausgeben kann, empfehlen die
sogenannten Fünf Wirtschaftsweisen die Rente mit 69, um die
Sozialkassen zu entlasten. So steht es neben dem Bundeswehrbericht. Und
gleich darunter: »Modern Talking sind wieder da! Ohne Dieter Bohlen,
aber ebenso toll«.
Sieht
man mal von den tollen Sangesbrüdern ab, standen diese Themen an diesem
Tag auch auf der Titelseite der jungen Welt. Aber Gewichtung,
Einordnung, ja selbst die Kerninformationen und im weiteren Verlauf der
Zeitung die Kommentierung sind völlig anders. An diesem Beispiel lassen
sich zwei Dinge verdeutlichen: Zum einen, warum immer mehr Menschen in
der jungen Welt eine Alternative zu den bürgerlichen Medien und deren
Begleitmusik zu den Angriffen auf soziale und demokratische Rechte
sehen. Zum anderen, warum die junge Welt um schlechte Nachrichten nicht
herumkommt und manchmal die scheinbar positiven lieber wegläßt. Gerade
Probeleser kritisieren deshalb immer wieder, daß die junge Welt
gelegentlich aufs Gemüt drückt. Leider gibt es aber im Moment nicht
viel über originellen und erfolgreichen Widerstand im Inland zu
berichten. Auch deshalb blicken wir übrigens mehr als andere Zeitungen
ins Ausland.
Wobei
wir schon beim nächsten Problem der Donnerstagausgabe wären: Weder
Berliner Zeitung noch die junge Welt würdigten ausreichend die neue
Protestwelle, die Spanien erfaßt hat. Zigtausende demonstrierten in
vielen Städten gegen Sozialraub und undemokratische Politik. Aber durch
den Agenturen und andere Quellen, über die wir verfügen, wird nicht
anständig darüber berichtet. Hier wird eine Schwachstelle deutlich,
die mit der Weiterentwicklung der jungen Welt überwunden werden soll:
Bessere journalistische Kontakte sollen aufgebaut werden. Und die Möglichkeit,
über das Internet unsere Leserinnen und Leser über wichtige Ereignisse
vor und nach Redaktionsschluß informieren zu können. Aber diese Pläne
können nur realisiert werden, wenn wir über mehr Abonnements verfügen.
Deshalb werben wir im Moment verstärkt Internetabos ein - und konnten
allein in dieser Woche 49 Interessenten dafür gewinnen. Es dürfen
nicht nur gern ein paar hundert mehr sein - es hilft auch jedes neue
Printabo.
Beides
ist eine gute Investition in eine noch bessere Tageszeitung.
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