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Kassandra
über die schöne neue „Dienstleistungsgesellschaft“ oder
Die
paar Herren und ihre vielen Diener in Deutschland
VOM
ARBEITER ZUM ARBEITSUNTERTAN
von
Kassandra
Kommunisten-online
am 20- August 2011 – Alltägliches wollen zwar viele Menschen gar
nicht mehr diskutieren, weil ihr Arbeits- oder Arbeitslosenalltag
einfach zu grau und öde ist, um nicht lieber am Feierabend vor die
Glotze und die dort präsentierten seichten Seifenopern mit all den
heilen bürgerlichen Scheinwelten zu flüchten, wo es bestenfalls um ein
paar zwischenmenschliche Intrigen geht, nicht aber um Klassenkampf und
Realitäten der imperialistischen Raubkriege. Viele Leute lenken sich
auch gerne mit Kriminalfilmen von der kriminellen Wirklichkeit ihres
Arbeits- oder Arbeitslosenschicksals ab. Bei vielen Rentnern, zumal wenn
deren Bewegungsfähigkeiten eingeschränkt sind, laufen die Glotzen
gleich 24 Stunden rund um die Uhr und wirken als Dauer-Droge der Verblödung
bis in den Tod.
VOR
100 JAHREN WAR DER ARBEITER-ALLTAG GANZ ANDERS
Im
Jahr 1911 war der Arbeitsalltag sicherlich mindestens genauso grau wie
heute, wenn nicht noch grauer. Die Menschen kannten damals weder
Fernsehen noch Radio, weder mobiles Telefonieren noch Internet. Die
Kommunikation lief also ausschließlich über Gespräche, gedruckte
Medien wie Bücher und Zeitungen und Flugblätter, regional und
interkontinental per Postbrief und in dringenden Fällen per Telegramm.
Es gab bereits ein Eisenbahnnetz in Mitteleuropa, wobei sich Arbeiter
mit ihrem Lohn nicht unbedingt die Bahnfahrten leisten konnten. Die
Bauern benutzten noch weitgehend Pferdegespanne, und in der
Landwirtschaft der Junker und adligen Großgrundbesitzer herrschten
vielerorts noch Elemente von feudaler Leibeigenschaft. Es gab jedoch
eine sich rasant entwickelnde Schwerindustrie, die für den zivilen
Bereich (Maschinenbau) und für den militärischen Bereich (Waffen und
Munition) produzierte. Das sich Ende des 19. Jahrhunderts aus der
Verschmelzung von Bank- und Industriekapital bildende Finanzkapital war
weitestgehend national organisiert. Die imperialistischen Kolonialmächte
England, Frankreich, Niederlande, Belgien, Italien, Türkei (Osmanisches
Reich) und USA hatten Afrika und große Teile Asiens sowie Teile
Lateinamerikas ihrer direkten Herrschaft unterworfen und metzelten in
ihren Kolonien jeden Widerstand mit den brutalsten und unmenschlichsten
Methoden jener Zeit nieder. In den bürgerlichen Schulen jener Zeit im
deutschen Kaiserreich wurde dem Volk vermittelt, dass harte und eiserne
Disziplin sowie bedingungsloser Befehlsgehorsam, Gottesfurcht und
Untertanengeist die grundlegenden Tugenden und Charaktereigenschaften
des Bürgers und Untertanen aus dem Volke zu sein haben.
Neben
den Schulen, Kasernenhöfen, Kirchen, Fabriken, Landgütern und Gefängnissen
gab es jedoch auch Arbeiterbildungsvereine, Arbeiterturnvereine,
Arbeiterzeitungen, Gewerkschaften und die SPD als Arbeiterpartei. Vor
allem nach Erhalt der Lohntüten trafen sich die Arbeiter fröhlich in
den Wirtshäusern, um sich den Dreck in den Lungen so gut wie möglich
runterzuspülen und gesellig Alltägliches zu diskutieren. Die
Arbeiterjugend hatte ebenfalls ihre ersten Organisationen, aber kaum
Geld für etwas Freizeitspaß. Lehrjahre sind keine Herrenjahre, hieß
es überall. Und so gab es für die Arbeitertöchter vor allem Kirche, Küche
und Kinderhüten neben Wäschewaschen in geselligen Waschküchen,
Hausputz und Nähen. Die Arbeitersöhne hingegen mussten sich nach der
Schule erst noch im Militärdienst drillen lassen, um anschließend
zumeist wie ihre Väter in der Großindustrie zu schuften.
VOR
50 JAHREN WAR DER ARBEITERALLTAG NOCH NICHT WIE HEUTE
Im
Jahr 1960 war der Arbeiteralltag sicherlich mindestens so grau wie
heute, wenn nicht noch grauer. Jedoch gab es bereits Fernsehen und Radio
sowie Telefon. Dies war für Arbeiter ein großer Anreiz beim Schuften,
denn das Häuschen wollte abbezahlt werden, und außer dem Radio wollten
die Arbeiterfamilien auch gerne Fernsehen und Telefon genießen können.
Viele Arbeiter nutzten damals die verbreiteten Fahrräder oder Motorräder,
um zur Arbeit zu kommen. Auch gab es mit U-Bahnen, S-Bahnen, Straßenbahnen
und Bussen bereits die auch heute üblichen Nahverkehrssysteme zur
Massenbeförderung insbesondere in der Berufsverkehrszeit.
Das
Radio war einst als „Volksempfänger“ bzw. „Goebbelsschnauze“
ganz bewusst dem deutschen Volk von den Hitlerfaschisten verordnet
worden, damit die herrschende faschistische Ideologie voller
Nationalismus, Chauvinismus, Rassismus und Militarismus als tödliches
Gift gegen das revolutionäre proletarische Bewusstsein der
Arbeiterklasse möglichst verheerend wirken konnte. 1960 war die KPD
bereits verboten und wurde mit aller Härte in der Illegalität
verfolgt, während das Großkapital vor allem den Konsumwahnsinn und
angesichts des „Ostblocks“ den Antikommunismus massiv propagierte.
In Radio, Fernsehen und den Erzeugnissen der Konzernmedien wurden
ausschließlich reaktionäre und antikommunistische Inhalte sowie viel
Ablenkung von jeglicher Form des Klassenkampfes dem Volk staatlich und
privatkapitalistisch verordnet, die Fernsehprogramme bestanden damals
wie heute aus bunten Scheinwelten des Show-Business, Heimatfilmen und
Seifenopern oder stramm antikommunistisch ausgerichteten politischen
Magazinen. Dies alles natürlich garniert mit ein paar spannenden Hörfunk-
und Fernseh-Krimis, Abenteuerfilmen und Kinderprogrammen. So wurden
schon die Kinder ganz systematisch an die Glotzen gewöhnt und setzte
der Trend zu Stubenhockern bei ihnen damals ein.
Angesichts
der Gefahr einer zu großen Attraktivität der sozialistischen
Gesellschaft nebenan in der DDR, wo es weder Arbeitslose noch
Obdachlose, weder Privatschlösser noch „Gastarbeiter“ gab, sah sich
das Großkapital bemüßigt, mit den Gewerkschaftsbonzen Tarifabschlüsse
auszuhandeln, die ihren Namen nicht nur anscheinend wert waren, sondern
tatsächlich den Arbeiterfamilien einen gewissen Wohlstand zugestanden.
Viele hart schuftende Facharbeiter in den Bergwerken, Stahlwerken,
Autobaukonzernen, Chemiefabriken und Maschinenbaufirmen konnten sich
nicht mehr nur ein Motorrad leisten, sondern sparten für die
Anschaffung des eigenen Autos. Dabei taten die Herrschenden und
Medienkonzerne alles, um der Arbeiterklasse das Klassenbewusstsein zu
zersetzen. Dem Volk wurde emsig die „Wohlstandsgesellschaft“
gepredigt, da es sich ja in der „ersten Welt“ viel besser lebte als
in der „Dritten Welt“. Dort in der „Dritten Welt“ hatten sich
zwar fast alle Kolonien in harten Kämpfen national befreit, aber der
Vietnamkrieg gegen die französische Kolonialmacht weitete sich damals
zum Indochinakrieg aus. Und auch in Nordafrika und im Kongo war das
Ringen der kolonial unterjochten Völker um zumindest nationale
Befreiung längst beendet.
1960
waren die USA, Großbritannien und Frankreich bereits Atommächte. Die
NATO bildete das imperialistische Bündnis aggressiver „westlicher“
Mächte unter Führung der USA gegen die UDSSR und die sozialistischen Länder,
welche sich ihrerseits im Warschauer Vertrag zur notfalls auch militärischen
Verteidigung ihrer Souveränität zusammengeschlossen hatten. Mit dem
revolutionären Kuba erhielt der Sozialismus auch auf dem amerikanischen
Kontinent einen ersten Vorposten.
Die
Arbeiterkultur in den imperialistischen Ländern wurde stark unterdrückt.
Vor Ort gab es zuweilen Arbeiter- und Gewerkschafterchöre,
Betriebszeitungen von mehrheitlich opportunistischen aber immer wieder
auch klassenkämpferischen Betriebsräten, mit der ganzen Schlagkraft
der bürgerlichen Klassenjustiz bekämpfte kommunistische Zellen in der
Illegalität. Jedoch gelang dem Finanzkapital, die Arbeiterklasse
zunehmend mit opportunistischem kleinbürgerlichem Einfluss vor allem
der Konsumideologie zu unterwandern. Mit einer bürgerlich-reaktionären
antikommunistischen Ordnung, die ihnen anscheinend auf Dauer zumindest
zunehmenden Wohlstand zugestand, konnten sich große Teile der
Arbeiterklasse und des Volkes in Deutschland sehr wohl zeitweilig
identifizieren und arrangieren. Und so erlagen sie der Täuschung durch
den Klassengegner.
Zwar
gab es in den Großbetrieben und zuweilen auch branchenweit immer mal
gewerkschaftliche Streiks zur Durchsetzung geforderter Lohnerhöhungen,
aber diese Streiks konnten sich nie zu politischen Streiks gegen die
Allmacht des Finanzkapitals ausweiten. Die Arbeiterklasse war weitgehend
führungslos. Die Unterdrückung der Kommunisten mit den Mitteln der
Klassenjustiz konnte den Einfluss der Kommunisten innerhalb der
Arbeiterbewegung und auf die Arbeiterbewegung zeitweilig wesentlich zurückdrängen.
Von einem revolutionären Bewusstsein des deutschen Proletariats konnte
von 1960 bis heute nicht mal gesprochen werden.
DIE
MANIPULIERTEN ARBEITSUNTERTANEN HEUTE
Wann
gab es die letzten wirklich großen Klassenkämpfe des deutschen
Proletariats? Unstrittig gab es solche Klassenkämpfe in den 1920er
Jahren und bis zur Errichtung der hitlerfaschistischen Diktatur in
Deutschland. Der Faschismus hinterließ 1945 nicht nur die materiellen
Trümmerhaufen des von ihm angezettelten 2. Weltkriegs, sondern auch
einen ideologischen Trümmerhaufen namens deutsches Volk.
Dieses
deutsche Volk musste von außen her durch ausländische Armeen der
Anti-Hitler-Koalition befreit werden, weil es zu seiner Selbstbefreiung
nicht imstande war. Getreu preußischer Knechts- und Untertanenmentalität
und des preußischen Kadavergehorsams hatte sich das deutsche Volk sehr
mehrheitlich letztlich als Landsknechte und Lakaien des Faschismus recht
willfährig missbrauchen lassen.
An
diese von den konkreten Klassengesellschaften in Deutschland in
Jahrhunderten geformten „Tugenden“ und Charaktereigenschaften knüpfte
der Imperialismus in den letzten Jahrzehnten geschickt an. Einige wenige
von etlichen Arbeitern, die mit den Wölfen des kapitalistischen
Managements laut heulten, wurden dafür durchaus vorzeigbar belohnt. Und
damit wurden ansehnliche Teile der Arbeiterklasse korrumpiert und
zeitweilig für den Imperialismus vereinnahmt.
Große
Teile des heutigen Proletariats in Deutschland haben den Klassenkampf
verlernt und verfügen nicht mal mehr über sonderliche Streikerfahrung.
Viele Arbeiter in Deutschland wähnen sich immer noch in einer
Gesellschaft mit reichlich Überfluss an Reichtum, in der doch jedermann
mit etwas Pfiffigkeit gut leben können müsste. Sie identifizieren sich
somit mit dem herrschenden reaktionären bürgerlichen System des
Imperialismus, sehen über die imperialistischen Raubkriege im
anerzogenen und staatlich verordneten Eigennutz hinweg und meinen,
dieses imperialistische Deutschland gegen jede Gefährdung verteidigen
und schützen zu müssen.
Mittlerweile
verfügen viele Arbeiter und auch Arbeitslose nicht nur über Fernseher
und Fahrzeuge, sondern auch über Handys und Internet. Vor 50 Jahren
konnte kein Chef mal eben seine Arbeiter anrufen, damit sie noch mal in
die Firma kommen oder am nächsten Tag eher erscheinen oder aus dem
Urlaub zurückkommen, weil sie „gebraucht werden“.
Viele
Arbeiter heute geben jedem danach fragenden Chef mal eben bereitwillig
ihre Handynummer, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt,
dass sie ihre Arbeitskraft rund um die Uhr und möglichst auch noch im
Urlaub und an den Wochenenden für die Bosse verfügbar bereithalten.
Sie machen sich zu Arbeitsuntertanen.
Die
Arbeitsuntertanen von heute arbeiten auch lieber mal unbezahlt länger,
nur um dabei wenigstens die Hoffnung zu haben, ihren Arbeitsplatz noch
ein wenig für sich erhalten zu können. Denn sie sind ja nun mal
„Arbeitnehmer“, die sich da was nehmen bzw. denen gegeben wird von
den „Arbeitgebern“ und deren Bluthunden in Gestalt der Bosse, des
Managements. Und selbst wenn fast alle Arbeitsuntertanen die Bosse
innigste hassen, so gibt es doch recht viele Arbeitsuntertanen, die es
mal so und mal andersrum sehen, so dass sie am nächsten Tag auch wieder
die Bosse verstehen, die ja so sein müssen, wie sie sind ... kraft
Naturgewalt?
Und
verfügt dieses Management, dass wegen „schlechter Wirtschaftslage“
Weihnachts- und Urlaubsgeld gekürzt oder ganz gestrichen werden müssen,
dann nehmen etliche Arbeitsuntertanen dies zähneknirschend hin. Schon
weil sie sich erpresst fühlen, dass die Bosse sonst die Arbeitsplätze
in Billiglohnländer verlagern könnten. Was die Bosse natürlich
sowieso tun, sofern es sich rechnet und die dadurch erhofften Profite für
realistisch machbar von den Bossen eingeschätzt werden.
Aber
dieses „Prinzip Hoffnung“ scheint dem deutschen Volk schon genetisch
eigen geworden zu sein. Mit Hurra-Gebrüll zogen nicht selten übelst
manipulierte deutsche Arbeitersöhne in den 1. Weltkrieg, um für
Kaiser, Gott und angeblich auch Vaterland fremde Territorien zu besetzen
und auszuplündern. Mit der Hoffnung, dass nach eifrigem Mittun doch
auch ein paar Brosamen aus der in greifbare Nähe gerückt zu
scheinenden Kriegsbeute ihnen von ihren Herren zugestanden werden müssten,
schlug sich die große Masse der deutschen Wehrmachtssoldaten für die
deutschen Faschisten und das deutsche Finanzkapital, bis sie als Krüppel
oder gar nicht mehr in ihre zerbombte Heimat zurückkamen, wie einst
ihre Väter und Großväter.
Mit
der Hoffnung, der Kelch der Arbeitsplatzvernichtung würde an ihnen vorübergehen,
akzeptierte die große Masse der Arbeiterklasse der DDR in
vorauseilendem Kotau des Arbeitsuntertanen den Anschluss jener am Ende
Pfaffenrepublik an die BRD und sieht sich heute getäuscht, als hätten
all diese einst die DDR-Schulen besuchenden Menschen sich nie den
Marxismus-Leninismus aneignen können. Waren sie wirklich der Glotze,
dem Westfernsehen, dermaßen erlegen?
Heute
leben viele Arbeitsuntertanen mit der Hoffnung, dass ihr Arbeitsplatz
doch wenigstens noch bis zu ihrer Rente durchhalten möge. Und viele
Arbeitslose machen sich die kleinbürgerlich-anarchistischen Phrasen vom
„Recht auf Faulheit“ zu Eigen und hoffen, dass ihnen ein Dasein als
Lumpenproletarier und Almosenempfänger auskömmlich genug bleiben wird.
Mittlerweile
sind ihrer jedoch zuviele geworden, als dass die Bourgeoisie ihnen
einfach so die Befriedigung einiger Grundbedürfnisse als Steuergeschenk
und somit Anteil am gesellschaftlichen Reichtum zugesteht. Das
Finanzkapital verordnet den Arbeitslosen seit einigen Jahren die
Zwangsarbeit zu Niedrigstlöhnerkonditionen als „1-Euro-Jobber“. Es
erstaunt die Welt ringsum zu sehen, wie bereitwillig die lohnabhängigen
Menschen in Deutschland diese Lohndrückereien und diese Ausbeutung über
jede Schmerzgrenze hinaus so seelenruhig mitmachen.
VIEL
WENIGER ARBEITSUNTERTANEN AUßERHALB DEUTSCHLANDS
Nicht
uninteressant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass viele
deutsche Auswanderer als kleine Geschäftsleute in Ländern der sog.
Drittwelt unbegreiflich finden, dass sich dort oftmals aus sehr armen
Verhältnissen stammende Menschen nicht für Niedriglohn zum
Arbeitsuntertan machen lassen, sondern den Job einfach hinschmeißen,
wenn der Boss da „zu nerven“ beginnt. In der Redensart der kleinen
Geschäftemacher aus Deutschland in solchen Ländern sind jene
„Eingeborenen“ dann natürlich von Natur aus extrem faul und
unzuverlässig.
Dass
dahinter im Grund nur die Menschenwürde steckt, die auch ärmste
Menschen in diesen Ländern zu verteidigen wissen, erschließt sich dem
deutschen Kleinbürger nicht, der ja meint, als Kunde und Zahler König
sein zu müssen. Und der da meint, gerade die Ärmsten müssten doch wie
jene erbärmlichen Kriecher- und Schleimertypen in manchem „Arbeitnehmer“-Gewand
in Deutschland sein, die in jeden Hintern kriechen, wenn es nur von persönlichem
Eigennutz sein könnte.
Es
ist schon erstaunlich, wie abhängig sich viele von uns machen, nur weil
sie den neuen Medien wie Handy und Internet regelrecht blindlings
erliegen. Kaum ist die Arbeitsschicht zu Ende oder eine Pause eingeläutet,
rennt die Kollegin mit zwischen linker Schulter und Ohr eingeklemmtem
Handy vom Arbeitsplatz ins Freie, weil ihr aus der Familie noch jemand
Einkaufswünsche für den Heimweg auftragen will. In Bahnen und an
Bushaltestellen erfährt unsereiner sehr viel aus dem Privatleben aller
möglichen Passagiere ringsum, die da nahezu pausenlos am Handy hängen.
Immer
mehr Kinder und Jugendliche entwickeln sich zu reinen Stubenhockern, so
dass die Badestellen und Freibäder verwaisen und stattdessen Facebook
und Twitter ständig neue Besucherrekorde vermelden können. So kümmert
sich doch jeder erst mal nur noch um sich selbst und seine Familienangehörigen,
um den eigenen Chef und dann bestenfalls noch das eigene Auto und die
Glotze.
Große
Teile des Volkes verblöden so mit System, denn sie sind zu abgestumpft,
um überhaupt noch über einen Tellerrand hinausblicken zu wollen. Wird
ein Waldspaziergang nicht schon immer öfter mit einem
„Dschungel-Camp“ in Verbindung gebracht?
Wo
sind die Menschen in oder aus Deutschland, die einfach mal von Tunesien
aus nach Libyen reisen und sich ein paar Tage lang in Tripolis ein Bild
von der Wirklichkeit jenes imperialistischen NATO-Kriegsverbrechens
machen? Die sich nicht von der Glotze dahingehend verblöden lassen, in
von NATO-Militärs geleiteten Söldner- und Verbrecherbanden
„Volksaufstände“ zu sehen.
Wo
sind die Menschen in oder aus Deutschland, die an Aktionen der Solidarität
mit dem palästinensischen Volk aktiv teilnehmen? Die endlich denen mal
Paroli bieten, die vom ach wo gefährdeten Existenzrecht Israels in
allen Konzernmedien labern.
Schon
Heinrich Heine schrieb im Wintermärchen: „Denk ich an Deutschland in
der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“ Aktueller denn je!
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