|
Am
Vorabend des 65. Jahrestages des Sieges eröffneten
der Präsident Rußlands Medwedjew und der Premierminister Putin eine
besondere antistalinistische Kampagne. In außergewöhnlicher Weise beschuldigten sie Stalin der Erschießung polnischer Offiziere in
Katyn. Die Soziologen des „Levada-Zentrums“ erklärten, daß die
Mehrheit der Russen (53 %) nicht die Hauptorganisatoren der Katyner
Ereignisse benennen können. 19 Prozent schieben die Verantwortung dafür
der Stalinschen Führung zu – und 28 Prozent beschuldigen
Hitlerdeutschland. Letzteren Standpunkt vertritt auch unser politischer
Kommentator Anatolij Wasserman.“
Die
Polen unweit von Smolensk wurden von den Deutschen erschossen. Und nicht
schon 1940, sondern erst 1941. Das ist völlig unzweifelhaft! Das Ziel
ist klar. Die Deutschen waren schon unmittelbar in Polen dazu gekommen,
eine große Anzahl polnischer Offiziere und gebildeter Polen zu
vernichten. Und sie sahen keine Gründe für eine Unterbrechung dieser
ethnischen „Säuberung“ auf beliebigem Territorium, einschließlich
des unseren. Und so wurde die Sowjetunion eben 1990 gezwungen, der von
Goebbels 1943 erdachten Version der Erschießung
zuzustimmen.“
Der
Bluff von Goebbels
Übersetzung
aus dem Russischen von NN
Auf
Kommunisten-online am 3. November 2010 – Die 1940 gefangen
genommenen Polen arbeiteten bei Katyn im Straßenbau. Der Bau dieser
Straßenverbindungen waren strategische Militärobjekte, die Zentralrußland
im Rahmen der Kriegsvorbereitung entfaltete, und alle Nachrichten darüber
wurden geheimgehalten, einschließlich der Verwendung gefangener Polen
als Arbeiter. Die Deutschen nahmen sie fest, da sich die Polen, im
Unterschied zu den sowjetischen Häftlingen, der Evakuierung entzogen,
und da der Schutz dieser Zwangsmaßnahmen nur unzureichend gesichert
war. „„
Man
konnte diese Informationen aus den Archiverinnerungen sowjetischer Häftlinge
entnehmen, von denen ein Teil im Sommer 1941 von Katyn aus im
wesentlichen ohne Schutz evakuiert worden war. Die dort erschossenen
Russen – von denen viel mehr umkamen als Polen – sind hauptsächlich
Ortsbewohner des dichtbesiedelten Bezirkes und sowjetische Häftlinge
und deren Begleitsoldaten, die es nicht mehr schafften, evakuiert zu
werden. „„
Im
Jahre 1943 nach der Niederlage von Stalingrad haben die Deutschen auf
Anweisung von Goebbels versucht, unter Verwendung Polens einen Keil in
die Anti-Hitler-Koalition zu treiben. Das war ein sehr bequemer Hebel,
denn die polnische Exil-Regierung haßte die Russen nicht weniger als
die Deutschen. Die Deutschen exhumierten einen Teil der von ihnen in
Katyn erschossenen Leichen und lud dazu eine internationale
Expertenkommission ein. Doch sie hatte nicht das Recht, die Ausgrabungen
selbständig zu leiten, beim Öffnen der Gräber teilzunehmen und sogar
die Leichen anzuschauen. Die Experten bewerteten, was ihnen die
Deutschen vorlegten. „„
Danach
wurden sie alle in ein Flugzeug gesetzt, und man gab ihnen zu verstehen,
daß sie mit diesem Flugzeug umkommen würden, falls sie nicht den im
Voraus von den Deutschen vorbereiteten Bericht unterschrieben. Das sind
Angaben nach den Erinnerungen zweier Mitglieder jener Kommission. Aber
leider war einer von ihnen Tscheche und der anderen ein Bulgare, und
ihre als heiße Spur geschriebenen Notizen wurden als Teil der
antisozialistischen Verschwörung erst jetzt mitgeteilt. „„
Das
Zugeständnis Gorbatschows“
Diese
Fälschung von Goebbels zeitigte ein Ergebnis. Die polnische
Exil-Regierung machte die diplomatischen Beziehungen mit der UdSSR
zunichte, was sie später stark bedauerte, da die Sowjetunion darauf mit
der Bildung des Polnischen Komitees der nationalen Befreiung antwortete,
die dann den Rahmen für die neue Regierung bildete. Und 1944 sandte die
Sowjetunion eine eigene Kommission in den Katyner Bezirk, welche von dem
berühmten Arzt und Akademiemitglied Burdenko geleitet wurde, und zu der
einige angesehene westliche Politiker eingeladen wurden, sowie englische
und amerikanische Journalisten. Diese Kommission kam zu dem Ergebnis:
Die polnischen Gefangenen wurden von den Deutschen erschossen. Und das
wurde so veröffentlicht.
1945
bemühte die Sowjetunion beim Nürnberger Prozeß, auch diese Sache zu
untersuchen. Aber es geschah ein technischer Fehler: Die Zeugen von
Smolensk erinnerten sich an einen falschen Namen des Kommandeurs der
deutschen rückwärtigen Truppen, der die Polen und Russen erschoß, und
so wurde zur Verhandlung als Beschuldigter eine andere Person
herangezogen, die aber ihr Alibi beweisen konnte. Den Kommandeur der
Erschießung wurde nicht gefunden, der Vorfall wurde nicht untersucht
und ging somit nicht in das zusammenfassende Urteil ein. „„
1990,
als die Sowjetunion schon völlig unter Schulden stand und Gorbatschow
wie eine Hexe auf dem Besen durch die ganze Welt ritt, um schon keine
neuen Kredite mehr zu erbitten, selbst wenn man deren Begleichung
weglassen würde, so machte man
ihm einen Vorschlag, den er nicht zurückweisen konnte. Und zwar: er
sollte die Schuld der UdSSR an der Erschießung der Polen in Katyn
anerkennen und dokumentarisch bestätigen. Für den Autor dieser Idee
halten wir Zbigniew Brzezinski, diesen, seiner polnischen Herkunft nach,
amerikanischen Polit-Theoretiker, der Rußland aus tiefster innerer Überzeugung
und mit dem jahrhundertealtem Haß seiner Vorfahren haßte. Können doch
die Polen uns und Rußland seit langem bis heute nicht den Streit um die
Oberherrschaft über den östlichen Teil Europas und unseren Sieg über
Polen verzeihen. „„
Nachdem
sie zehn Dokumente zusammengeschustert hatten, erfüllten die Archivare
die Bestellung Gorbatschows. Aber sie haben sich dabei, wer auch immer
sich diese schmutzige Sache ausgedacht hat, als Menschen von
professioneller Ehrlichkeit erwiesen. Sie stellten die Dokumente so
zusammen, daß sogar Dilettanten klar war, daß es sich hier um „Blüten“
handelt. Übrigens hat gerade auch einer dieser Dilettanten, Jurij
Muchin, die erste Fälschung entdeckt, und danach deckten die
Experten-Profis noch eine Reihe weiterer Lügenhypothesen und Lügendokumente
auf. Aber zu jener Zeit waren viele echte Archivdokumente schon zerstört.
Und zauberte man noch ein Papierchen herbei, das angeblich Schelepin für
Chrustschow geschrieben hatte, in dem mitgeteilt wurde, daß angeblich
die Sowjets die Polen erschossen haben sollen, die jetzt die Fakten
vertuschen. „„
Die
polnische öffentliche Meinung ist gesättigt von diesen Fälschungen,
und es verdienen viele Polen damit ihr Geld, wie auch unser bekannter
Astrophysiker, der sich nach Polen begab. „„
Unsere
Staatsmacht und diejenigen, die sich darauf beziehen – dazu kann man
auch Nikita Michalkow zählen –, verstehen, daß in Polen alle
beliebigen Nachrichten über die realen Ereignisse aufgenommen werden,
wie auch der Wunsch der verschworenen Russen von der Verantwortung
entbunden zu werden. Deshalb gibt es jetzt, wo die Welt so unruhig ist
und wo mit Obama ein Vertrag über die künftige beiderseitige Abrüstung
unterschrieben wird, die Möglichkeit der vollständigen Vernichtung des
Gegners. Und nach Polen fließt immer noch russisches Gas – was auch
immer die russische Führung uns in Andeutungen damit sagen will. „„
Ich
bin einverstanden damit, daß es für die Völker Polens und Rußlands höchste
Zeit ist, einander zu verzeihen und das Leben mit einer neues Seite zu
beginnen. Doch wenn man sich erinnert, so gibt es auch Dinge, die man
nicht verzeihen darf. Unverzeihlich ist die verlogene Beschuldigung
eines Unschuldigen. Wir begehen damit selbst ein doppeltes Verbrechen:
Wir rechtfertigen den Schuldigen und lassen ihm damit die Möglichkeit,
neue Übeltäten zu begehen. Ich werde persönlich die Lüge Brzezinskis
niemals verzeihen. „
Express
Zeitung, Nr.15, 2010
|