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Der Papst,
Pädophilie und der Klassenkampf
Übersetzt
von Einar Schlereth. Herausgegeben von Susanne Schuster
Übersetzt
von Einar Schlereth. Herausgegeben von Susanne Schuster.
Quelle;
tlaxcala
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AUTORIN:
Sara
FLOUNDERS |
Auf
Kommunisten-online am 19. Juni 2010 – Vor mehr als 150
Jahren erklärte Marx: „Die Geschichte aller bisherigen
Gesellschaften ist die Geschichte von Klassenkämpfen. Patrizier
und Plebejer, Baron und Leibeigener, in einem Wort Unterdrücker
und Unterdrückte.“ Der Kampf ist „ein ununterbrochener,
bald versteckter, bald offener Kampf“. Mit der modernen
Gesellschaft kommen „neue Bedingungen der Unterdrückung und
neue Formen des Kampfes“.
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In
den vergangenen 25 Jahren hat die katholische Kirche ein heftiger Kampf
ergriffen, seit einige der am meisten unterdrückten Opfer sexuellen
Missbrauchs in der Jugend in zunehmendem Maße darauf dringen, einzelne
Priester und letztlich die mächtige Kirchenhierarchie, einschließlich
der Bischöfe und Kardinäle, die ständig die Täter gedeckt haben, zur
Verantwortung zu ziehen.
Diese
Forderung nach Gerechtigkeit, die von unten hervorbrach, hat nun das
Undenkbare getan. Sie hat die Rolle des gegenwärtigen Papstes Benedikt
XVI. in einer ungeheuerlichen, internationalen kriminellen
Vertuschungsaffäre aufgedeckt.
Marxismus
ist eine Wissenschaft zum Verständnis von Klassenfragen, die den
sozialen Entwicklungen zugrundeliegen, die dunkel und weit entfernt von
dem unmittelbaren Kampf der Arbeiter zu sein scheinen. Die gegenwärtige
Kontroverse, obwohl versteckt hinter klerikaler Tracht, ist in jeder
Hinsicht ein Klassenkampf innerhalb der katholischen Kirche. Es ist ein
kleiner Teil eines globalen Klassenkampfes für volle Gleichheit, Rechte
und Mitspracherecht.
Was
einst hingenommen wurde, weil es keine Zuflucht zu geben schien, ist
jetzt unerträglich geworden. Tausende von Opfern, die jetzt Anklage
wegen Pädophilie erheben, waren loyale Gläubige aus der
Arbeiterklasse, die extrem machtlos waren, bis sie sich viele Jahre später
wehren oder gar ihren eigenen Familien von den begangenen Verbrechen erzählen
konnten. Sie wurden als Kinder in Waisenheimen, Reformschulen, Schulen für
Taube und Behinderte, örtlichen Pfarrschulen und Kirchen missbraucht.
Diese
Herausforderung von unten gegenüber Heimlichtuerei und Unterdrückung
war ein radikaler Bruch mit der Vergangenheit. Missbrauch war
unangefochten, weil die religiöse Autorität nicht angefochten wurde.
In vielen Pfarrschulen war der sexuelle Missbrauch zwar kaschiert, aber
der physische und psychologische Missbrauch war derart allgemein, dass
er Teil des Unterrichtsstoffs zu sein schien.
Als
Opfer begannen, den Mund aufzumachen, wurden alle Priester, die sich auf
ihre Seite stellten, zum Schweigen gebracht und vom Unterricht oder von
Autoritätsämtern entfernt. Aber die Kirchenhierarchie, eine kleine
Gruppe, die im Besitz der absoluten religiösen Autorität ist, war
nicht in der Lage, diese Bewegung zum Schweigen zu bringen oder zu
stoppen.
So
gut wie jede Enthüllung ist nicht von außen oder von säkularen
Autoritäten gekommen, die Angst hatten, sich mit einer so mächtigen
Institution anzulegen, sondern von scheinbar machtlosen Katholiken
innerhalb der Kirche, die sich weigerten, länger zu schweigen. Sie
schrieben Beschwerden, forderten Amtsenthebungen und stellten am Ende
Anzeige über Anzeige. Sie veranstalteten Pressekonferenzen, legten
Webseiten an, organisierten Demonstrationen und Unterstützergruppen und
verteilten Flugblätter bei Sonntagsgottesdiensten. Unabhängig davon,
ob sie sich selbst als Teil eines größeren Kampfes für Rechte und Würde
sehen oder nicht, haben sie jedenfalls viele dieselben Taktiken benutzt,
die von zahllosen anderen Kämpfen benutzt worden sind.
Die
Kirchenhierarchie hat in ihrem Kampf zur Verteidigung ihrer
unangefochtenen Autorität, ihres Reichtums und ihrer Privilegien
absolutes Schweigen verlangt, mit Exkommunikation gegen jene gedroht,
die Anklagen erhoben, und verlangte auch von den säkularen Behörden
entsprechende Maßnahmen. Diese Bemühung, die absolute Autorität der
Priesterschaft aufrechtzuerhalten ist Teil eines größeren internen
Kampfes darüber, wessen Interessen diese mächtige religiöse
Institution dienen sollte.
Dieser
international Skandal, der die katholische Kirche jetzt erschüttert,
bringt detaillierte Beweise über Zehntausende von Fällen von
Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs an Kindern mit sich, die von
Tausenden Priestern begangen wurden. Die Fälle erstrecken sich über
Jahrzehnte. Der Kampf begann in seiner schärfsten Form in den Städten,
die zuvor die überzeugtesten religiösen Gläubigen in den USA
beherbergten. Danach brach er in Irland los, gefolgt von Italien und
dann in Teilen Deutschlands mit großem katholischem Bevölkerungsanteil.
Was
neu ist und jetzt die beinahe tägliche Aufmerksamkeit der Medien weckt,
sind die Beweise, die von überall her auftauchen, welche die persönliche
Verantwortung des gegenwärtigen Papstes Benedikt XVI. in den
Jahrzehnten der Unterdrückung, Vertuschung und die stillschweigende
Versetzung der Täter zeigen. Die schärfsten Verurteilungen kommen von
jenen, die sich immer noch als Teil der katholischen Kirche betrachten.
Der
liberale katholische Theologe Hans Küng beschrieb die Rolle von Papst
Benedikt XVI. beim ungehemmten Fortgang des Missbrauchs, der Vertuschung
und der Anordnung von Schweigen: „Es gab nicht einen einzigen Mann in
der gesamten katholischen Kirche, der mehr über die Fälle sexuellen
Missbrauchs wußte als er, weil es Teil seines ex officio war (Teil
seiner offiziellen Rolle). … Er kann nicht mit seinem Finger auf die
Bischöfe zeigen und sagen, dass sie nicht genug getan hätten. Er
selbst gab die Anweisungen als Vorsitzender der Kongregation der
Glaubenslehre und wiederholte sie als Papst.“
Der
National Catholic Reporter schrieb am 26. März in einer
Kolumne: „Der Heilige Vater muss die Fragen vor einem glaubwürdigen
Forum direkt beantworten, über seine Rolle … als Erzbischof von München
(1977-82), als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre
(1982-2005) und als Papst (2005 bis heute) … bei der
Misswirtschaft in der Krise über den sexuellen Missbrauch des
Klerus.“
Vor
seinem Aufstieg zur Spitze der katholischen Hierarchie im April 2005 war
Papst Benedikt XVI. als Kardinal Joseph Ratzinger bekannt. Seine Gegner
bezeichneten ihn als einen Bullenbeißer und als „Gottes
Rottweiler“. Ratzinger war ein extrem rechter politischer Beauftragter
von Papst Johannes Paul II., der entschlossen war, die Disziplin, Fügsamkeit
und Kirchenautorität in einer Institution inmitten einer tiefen Umwälzung
durchzusetzen.
24
Jahre lang leitete Ratzinger die mächtigste und historisch repressivste
Institution der katholischen Kirche, die Kongregation für die
Glaubenslehre. Diese Körperschaft war jahrhundertelang als das Heilige
Offizium der Inquisition bekannt. Es war die Kircheninstitution, die
verantwortlich war für die Einrichtung von religiösen Gerichtshöfen
zur Anklage und Folterung von Zehntausenden von Menschen, die der
Hexerei und Häresie angeklagt wurden. Es leitete die Pogrome und
Massenenteignungen von Juden und Moslems. Durch dieses Offizium
innerhalb der Kirche versuchte Papst Johannes Paul II. eine moderne
Inquisition einzurichten.
Dokumente decken breite Vertuschung auf
Das
Ausmaß der kriminellen internationalen Verschwörung des Schweigens, um
Serienkinderschänder zu schützen und die Kircheninteressen über die
Kindersicherheit und -wohlfahrt zu stellen, wurde im vergangenen Jahr
durch die Behandlung des Kindermissbrauchs in Irland - ein überwiegend
katholisches Land - voll ans Licht gebracht.
Nach
jahrelangen Forderungen von Missbrauchsopfern nach Eingreifen der Kirche
und eine staatliche Anklage und einer Serie von Enthüllungen in den
irischen Nachrichtenmedien, gab die irische Regierung eine Studie in
Auftrag, die zu ihrer Vollendung neun Jahre brauchte. Am 20. Mai 2009
gab die Kommission ihren 2600 Seiten langen Bericht frei.
Der
Bericht stützt sich auf die Zeugenaussagen von Tausenden früheren
Insassen und Angestellten von mehr als 250 von der Kirche betriebenen
Institutionen. Die Kommission fand heraus, dass katholische Priester und
Nonnen Tausende von Jungen und Mädchen jahrzehntelang terrorisiert
hatten, und dass Regierungsinspektoren es versäumt hatten, die
andauernden Schläge, Vergewaltigungen und Erniedrigungen zu stoppen.
Der Bericht bezeichnete Vergewaltigung und Kindesmissbrauch als
'endemisch' in den irischen katholischen, von der Kirche industriell
betriebenen Schulen und Waisenheimen.
(www.childabusecommission.com/rpt/
)
Das
Ausmaß des Missbrauchs in Irland und die Kraft der Bewegung, die
Rechenschaft forderte, zwang Papst Benedikt XVI., eine schlappe
Entschuldigung seitens der katholischen Kirche herauszugeben, die die örtlichen
irischen Bischöfe beschuldigte. Diese Zurückweisung jeder
Verantwortung seiner eigenen bekannten Hauptrolle, die auf Schweigen
bestanden hatte, machte Millionen von aufrichtigen und gläubigen
Katholiken wütend und entfachte zusätzlich eine Opposition, die seit
Jahrzehnten innerhalb der Kirche herangewachsen war.
Bei
einer Predigt in Springfield im US-Bundesstaat Massachusetts antwortete
der langjähriger Kritiker der kirchlichen Vertuschung James J. Scahill
auf die lasche Entschuldigung, indem er manche Leute im Klerus als
'Verbrecher' bezeichnete und die Abdankung von Papst Benedikt forderte.
„Wir
müssen persönlich und kollektiv erklären, dass wir die Wahrhaftigkeit
des Papstes und jener in der Kirchenhierarchie, die ihn verteidigen oder
gar seine Schuld mit ihm teilen, bezweifeln.Es wird allmählich klar,
dass die Kirchenführung seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten, den
Missbrauch von Kindern und Minderjährigen vertuscht hat, um das Image
der Institution und der Priesterschaft zu schützen“, sagte Scahill.
Scahill
sagte, dass er den Mund aufzumachen begann, als seine eigenen
Gemeindemitglieder 2002 zu ihm kamen, als in Boston Jahrzehnte sexuellen
Missbrauchs aufgedeckt wurden, und sagten, dass etwas getan werden müsse.
Kardinal
Bernard Law von der Erzdiozöse in Boston spielte eindeutig eine Rolle
beim Schutz von kinderschändenden Priestern vor Strafe durch religiöse
oder säkulare Autoritäten und schob sie stillschweigend auf andere
Posten. Dies wurde 2002 ein nationaler Skandal, als ein Richter in
Massachusetts die Freigabe von Tausenden Seiten von Dokumenten, Memos
und eidesstattliche Aussagen erlaubte. Die Dokumente zeigten ein klares
Muster der Vertuschung, des Schutzes der Täter und des Marginalisierung
der Kinder, und sie enthüllten, dass mehr als 1000 Kinder von 250
Priestern und Kirchenarbeitern seit 1940 in der Erzdiozöse missbraucht
worden waren. Kardinal Law wurde gezwungen, in Ungnade von seinem Posten
abzutreten, und der Erzdiozöse wurde befohlen, eine Abfindung von
zwischen 85 und 100 Millionen US-Dollar zu zahlen, um 552 Fälle
beizulegen.
Diese
hohe Abfindungssumme, die zunehmenden Skandale in anderen Städten und
die Berichterstattung in den Medien zwangen die US-Bischöfe, eine
'Charta für den Schutz der Kinder und junger Menschen' herauszugeben,
die eine „Null-Toleranz, einmal und du bist draußen“-Politik für
Übergriffe von Priestern erklärte. Sie schlugen aber keine Maßnahmen
gegen die Bischöfe vor, die Verbrechen gedeckt haben.
Selbst
diese bescheidene Anstrengung der US-Bischöfe für eine
Bereinigungspolitik wurde vom damaligen Kardinal Ratzinger im Vatikan
nicht gut geheißen. Er verlangte, dass alle Missbrauchsfälle an sein
Offizium – die Kongregation für Glaubenslehre - weitergereicht würden
… bevor Priester aus der Priesterschaft entlassen würden. Einer
seiner ersten Akte als Papst war es, Kardinal Law zu einem angesehenen
Posten im Vatikan zu verhelfen.
In
einem offenen, schändlichen Brief an die Bischöfe im Jahr 2001
benutzte Kardinal Ratzinger seine Position, zu befehlen, dass sexuelle
Missbrauchsanklagen unter Androhung der Exkommunikation geheim gehalten
werden sollten. Priestern, die wegen Sexualverbrechen angeklagt wurden,
und ihren Opfern wurde befohlen, „strikte Geheimhaltung zu wahren“
und „zu ewigem Schweigen verpflichtet zu sein“.
Der
ehemalige Vatikan-Anwalt Vater Tom Doyle verurteilte diese Politik der
Vatikanspitze, indem er sagte: „Hier haben wir es mit einer explizit
niedergeschriebenen Politik zu tun, Fälle von sexuellem
Kindesmissbrauch durch den Klerus zu vertuschen und jene zu bestrafen,
die auf diese Verbrechen von Kirchenmännern hinweisen. Wenn Übergriffe
von Priestern entdeckt wurden, war die Antwort, nicht zu untersuchen und
zu bestrafen, sonden sie von einem Posten auf einen anderen zu
versetzen.“
Nachlässigkeit oder kriminelle Komplizenschaft?
Wie
verbreitet sind die an Jugendlichen verübten sexuellen
Missbrauchsverbrechen? Ist die Kirchenhierarchie schuldig des
Ignorierens eines Problems, was kriminelle Nachlässigkeit
bedeutet? Oder ist sie schuldig der kriminellen Mitwisserschaft, indem
sie sich weigerte, sogar dann Maßnahmen zu ergreifen, wenn sie über
Verbrechen direkt in Kenntnis gesetzt wurde?
Ein
Memo, von Kardinal Ratzinger, jetzt Papst Benedikt XVI., persönlich
unterschrieben, als er an der Spitze des mächtigen Vatikan-Offiziums
stand, wo alle Missbrauchsanklagen zentral erfasst wurden, wurde im
April veröffentlicht und hat einen neuen Aufschrei verursacht.
Ratzinger hat jede Maßnahme gegen den schuldigen Priester Hochwürden
Lawrence C. Murphy aufgehoben und gestoppt.
Hochwürden
Murphy wurde des sexuellen Missbrauchs an mehr als 200 Jungen an der
Milwaukee-Schule für Taube angeklagt, obwohl selbst sein Bischof seinen
Rauswurf verlangt hatte. Seit Jahrzehnten hatten die ehemaligen
Studenten Zeichensprache und geschriebene eidesstattliche Versicherungen
bei Treffen mit Bischöfen und Staatsbeamten benutzt mit der Forderung,
Vater Murphy anzuklagen und zu verurteilen.
Zur
gleichen Zeit kam in Italien die Geschichte heraus, dass 67 ehemalige
Schüler einer Schule für Taube in Verona 24 Priester, Brüder und
Laien angeklagt hatten, sie im Alter von 7 Jahren sexuell missbraucht zu
haben.
In
Deutschland sind in den vergangenen zwei Monaten 250 vertuschte Fälle
von Missbrauch aufgetaucht, auch in Bezirken, die direkt dem Papst
Benedikt unterstanden, als er Bischof gewesen war.
Die
internationale Publizität um den Boston-Fall und die
Multi-Millionen-Dollar-Abfindung gab vielen anderen Opfern von
Missbrauch den Mut, auch den Mund aufzumachen und ihr Recht zu fordern.
Mehr als 4000 Priester sind angeklagt worden, seit 1950 in den USA
Minderjährige geschändet zu haben. Die katholische Kirche hat in
diesen Fällen mehr als 2 Milliarden US-Dollar an die Missbrauchopfer
ausgezahlt. 2007 gab die Erzdiozöse Los Angeles eine Abfindung in Höhe
von 600 Millionen US-Dollar an 550 Kläger bekannt. Sechs Diozösen sind
in den Bankrott gezwungen worden und viele Diozösen sind gezwungen
gewesen, erheblichen Kirchenbesitz zu verkaufen, um die Abfindungen zu
bezahlen.
Viele
dieser Fälle sind ausführlich beschrieben worden von einer
Organisation, die sich SNAP nennt, Survivors Network of those Abused by
Priests (Netzwerk der von Priestern missbrauchten Opfer). SNAP
bezeichnet sich selbst als die älteste und größte Unterstützungsgruppe
für Missbrauchopfer der Kleriker.
Nich
nur Kinder sind Opfer von Missbrauch geworden. Laut dem St. Louis
Post-Dispatch vom 4. Januar 2003 hat eine nationale Untersuchung, die
von Foschern an der St. Louis University durchgeführt wurde, und die
zum Teil von mehreren Orden katholischer Nonnen bezahlt wurde, ergeben,
dass schätzungsweise ein „Minimum“ von 34 000 katholischen Nonnen
oder etwa 40 Prozent aller Nonnen in den Vereinigten Staaten, irgendeine
Form von sexuellem Trauma erlitten haben.
Es
ist wichtig darauf hinzuweisen, dass die überwältigende Mehrzahl der
Zeugenaussagen, Prozesse, Untersuchungen und Enhüllungen über
sexuellen Missbrauch von innerhalb der katholischen Kirche selbst kamen,
von Missbrauchsopfern. Viele andere gewöhnliche, aber empörte
Katholiken haben sich der Forderung nach Rechenschaft von einer
privilegierten, klerikalen Hierarchie angeschlossen, die ihre Position,
Autorität und ihren Reichtum schützen will, aber nicht die Kinder.
In
ganz Europa wird der Ruf immer lauter, Papst Benedikt vor den
internationalen Strafgerichtshof (ICC) zu stellen mit der Begründung,
dass die Kirche zu schützen statt der Opfer eine kriminelles Vergehen
sei. Geoffrey Robertson, Mitglied des UN-Rechtsrates und Mitglied des
Sondergerichts in Sierra Leone, sagt, es sei an der Zeit, die Immunität
des Papstes in Frage zu stellen.
In
einem Artikel im Londoner Guardian vom 2. April mit dem Titel „Stellt
den Papst vor Gericht“ schrieb Robertson: „Legale Immunität ist
nicht stichfest. Der Vatikan sollte das ganze Gewicht des
internationalen Rechts zu spüren bekommen. Pädophilie ist ein
Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die anomale Behauptung des
Vatikans, ein Staat zu sein – und vom Papst, das Haupt eines Staates
zu sein und damit immun gegen gerichtliche Schritte – kann der Prüfung
nicht standhalten.“
Natürlich
ist es wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass der internationale
Strafgerichtshof bisher nur Anklagen gegen vier afrikanische Länder
erhoben hat, die der Imperialismus ins Visier genommen hat.
US-Kriegsverbrechen
in Irak und Afghanistan und auch die israelischen Verbrechen an den Palästinensern
und den libanesischen Zivilisten sind von dem ICC ignoriert worden. Es
ist unwahrscheinlich, dass der Vatikan als Bollwerk des US-Imperialismus
auf globaler Ebene irgendwann in absehbarer Zeit vor Gericht gestellt
wird.
Krieg gegen die globale Bewegung für Gerechtigkeit
Welche
Rolle spielt der Vatikan in der Klassengesellschaft, die von besonderem
Wert für den US-Imperialismus ist?
Während
Papst Bendikt XVI. Tausende Priester, die des Kindesmissbrauchs schuldig
waren, absolviert, versetzt und beschützt hat, benutzte er 25 Jahre
lang seine Position als Chef der mächtigsten kirchlichen Institution,
der Kongregation für die Glaubenslehre, um Tausende Priester, Bischöfe
und religiöse Personen, die in irgendeiner Weise progressiv waren oder
für die Rechte und Würde armer und unterdrückter Leute eintraten, aus
den Pfarreien, Schulen und allen Autoritätspositionen zu entfernen.
Andersdenkende
katholische Theologen, Lehrer, Schriftsteller und Intellektuelle wurden
daran gehindert, zu schreiben, zu veröffentlichen und an kirchlichen
Institutionen zu lehren. Bischöfe, die versuchten, ihre Autorität für
soziale Veränderung einzusetzen, wurden auf ihre Loyalität hin
untersucht und gezwungen abzutreten. Sie wurden durch die politisch
reaktionärsten Kleriker ersetzt, die hauptsächlich daran interessiert
waren, die religiöse Autorität und das Dogma zu erhalten.
Das
war ein Versuch rechter Kräfte, die als „Befreiungstheologie“
bekannte progressive religiöse Strömung auszulöschen; diese Strömung
versuchte, die Kirche mit den Befreiungsbewegungen und den
anti-kolonialen und revolutionären Kämpfen, die über Afrika, Asien
und Lateinamerika hinwegfegten sowie mit der Bürgerrechtsbewegung in
den USA in Einklang zu bringen.
Priester
wie Vater Camilo Torres in Kolumbien, der schrieb, sprach und
organisierte, um den revolutionären Marxismus mit dem Katholizismus zu
verbinden, wurden als direkte Bedrohung der kapitalistischen Ausbeutung
angesehen. Vater Torres schloss sich dem bewaffneten Kampf gegen die von
den USA unterstützte Diktatur an und starb im Kampf.
Aktivisten-Nonnen,
die die Zufluchtbewegung leiteten und den Immigranten aus Salvador, die
vor den Todesschwadronen flohen, Beistand und eine sichere Zufluchtstätte
bieten wollten, wurden ins Visier genommen. Genau wie Philip und Tom
Berrigan, Priester, die ständig mit einer militanten katholischen
Gruppe, die gegen den Vietnamkrieg waren, Verhaftung riskierten und ins
Gefängnis wanderten.
Befreiungstheologen,
wie der charismatische Leonardo Boff aus Brasilien, wurden von der
Kirche mit einem Rede- und Schreibverbot belegt. Priester, die
versuchten, den Armen zu dienen, wie Vater Betrand Aristide aus Haiti,
wurden aus ihrem religiösen Orden geworfen und zur Abdankung gezwungen,
wegen des Verbrechens „den Klassenkampf zu glorifizieren“. Dem
Bischof Samuel Ruíz aus Chiapas, Mexiko, wurde befohlen, sich
„marxistischer Interpretationen“ zu enthalten.
Es
war eine Hexenjagd und eine Säuberung, die sich gegen anti-rassistische
und soziale Gerechtigkeits-Aktivisten richtete. Aber der reaktionäre,
abtrünnige Bischof Richard Williamson, der den Holocaust öffentlich
leugnete, wurde wieder in die Kirche aufgenommen.
Angesichts
der wachsenden Opposition auf allen Ebenen hat diese mächtige
Institution, die seit Jahrhunderten das Eigentum und die Privilegien der
westlichen herrschenden Klassen beschützt hat, es vorgezogen, die
fanatischsten und reaktionärsten Kräfte zu erheben, um den Kampf mit
denjenigen Kräften aufzunehmen, die auf Veränderung drängen, auf Öffnung,
Gleichheit und Aufmerksamkeit für die Nöte der Armen und Unterdrückten.
Unter
Papst Johannes Paul II. und dann Papst Benedikt XVI. ist die katholische
Kirche ein strammer Alliierter des US-Imperialismus gewesen und hat jede
sozialistische Umgestaltung in Osteuropa bekämpft. Im Gegenzug haben
die mächtigen US-Medien eine aktive Rolle dabei gespielt, die Kirche zu
fördern und ihr eine günstige Presse zu verschaffen, während man die
Moslems und andere Religionen der unterdrückten Völker dämonisierte.
2006
gewährte Papst Benedikt katholische Unterstützung für die
anti-moslemische Propaganda, die Washington bewusst entfacht hatte, um
den Krieg und die Besatzung Iraks und Afghanistans zu rechtfertigen. In
einer großen päpstlichen Ansprache hat er einen byzanthinischen Kaiser
aus dem 14. Jahrhundert zitiert, der sagte, dass der Prophet Mohammed
der Welt nur „Böses und unmenschliche Dinge“ gebracht habe.
Die
Allianz mit dem US-Imperialismus zwang die katholische Kirche, die
reaktionärsten Exzesse ihrer eigenen dunklen Vergangenheit
wiederzubeleben. Mitglieder von Gruppierungen, die mit Todesschwadronen
und Militärdiktaturen in ganz Lateinamerika verbunden waren und mit dem
Faschismus und der extremen Reaktion in Europa, wie der verschwiegene
Opus Dei und die Legionäre des Christus, wurden auf Spitzenposten im
Vatikan und ringsum in der Welt gehievt.
Zwei
faschistische Kleriker, Josémaria Escrivá, der während des 2.
Weltkrieges an der Seite Hitlers stand und faschistische Banden
organisierte, um Kommunisten und revolutionäre Gewerkschafter in
Francos Spanien zu jagen, und Kardinal Aloysius Stepinac aus Kroatien,
der half, Vernichtungslager für Juden, Serben und Roma einzurichten,
wurden für die Heiligsprechung vorgeschlagen.
Es
ist kein Widerspruch, wenn Priester, die Kinder geschändet haben, geschützt
und versteckt wurden, während jene religiösen Kräfte, die die Rechte
der Unterdrückten verteidigen wollten und sich deren Bewegungen
anschlossen, zum Rücktritt gezwungen wurden. Milde für kriminelle
Gangster und brutale Repression von Progressiven sind zwei Seiten
derselben Medaille der Klassenpolitik zur Verteidigung der Autorität
und der etablierten Hierarchie. Auf dieselbe Weise ging man gegen jede
soziale Frage vor.
Repressive Auffassung von jedweder Sexualität
Vom
römischen Sklavenstaat bis zur europäischen feudalen Gesellschaft und
dann als wichtiges Instrument der imperialistischen Eroberung ist diese
religiöse Institution fest verankert in der Klassengesellschaft und dem
Patriarchat. Dieses patriarchalische Erbe ist die Basis ihrer
repressiven Auffassungen von allen Formen menschlichen sexuellen
Ausdrucks. Homosexuell oder heterosexuell, verheiratet oder
unverheiratet, die katholische Kirche setzte ihr Recht durch, der
Gesellschaft als Ganzes alle Formen sexuellen Ausdrucks vorzuschreiben.
Während
er keine Maßnahmen gegen sexuelle Übeltäter ergriff, weil es die
Autorität und die Heiligkeit der Priesterschaft bedroht hätte, war
Ratzinger führend bei der Durchsetzung von archaischen religiösen
Doktrinen über Sexualität und die untergeordnete Rolle der Frau in der
Kirche und der Gesellschaft insgesamt. Keine Liberalisierung in Fragen
der Geburtenkontrolle, der Abtreibung, der Scheidung oder Anerkennung
der Homosexualität wurde erlaubt. Innerhalb der Kirche wurden diese
Regeln durch die Fokussierung auf Sünde und Schuld erzwungen.
Homosexuellen Katholiken, Katholiken, die wieder heirateten, die
Geburtenkontrolle praktizierten oder eine Abtreibung vornehmen ließen,
wurden die Sakramente verweigert oder sie wurden exkommuniziert oder
ihnen wurde der Kirchenzutritt verweigert.
Das
volle Gewicht der Kircheninstitutionen mit großen Geldmitteln und
politischem Einfluss wurde in der säkularen Gesellschaft genutzt, um
die Liberalisierung der Scheidungsgesetze und der Rechte der Frauen auf
Geburtenkontrolle und Abtreibung zu verhindern. Die katholische Kirche
organisierte und finanzierte politische Kampagnen gegen
gleichgeschlechtliche Hochzeiten und Adoption von Kindern durch
homosexuelle Paare. Aber während sie ihre religiöse Pflicht, das
'ungeborene Leben' zu schützen, proklamierte, weigerte sie sich, die
Kinder unter ihrer direkten Kontrolle zu schützen.
Als
der Proteststurm über die Angriffe auf Kinder unter ihrer Obhut zunahm,
versuchten diese reaktionären Gruppen, ihr kriminelles Vertuschen in
einen Kampf gegen Homosexuelle umzumünzen, indem sie Pädophilie, was
sexuellen Missbrauch junger Kinder bedeutet, mit Homosexualität
zwischen erwachsenen Menschen verknüpften.
Am
14. April gab Papst Benedikts Spitzenbevollmächtigter, Vatikanaußenminister
Kardinal Tarcisio Bertone, der Homosexualität – die er eine
Pathologie nannte - die Schuld an der Pädophilie. Papst Benedikt selbst
beschrieb in einem bekannten Brief von 1986 an die Bischöfe die
Homosexualität als ein „intrinsisches moralisches Übel“. Er ging
sogar so weit, gewalttätige Attacken gegen Homosexuelle zu
rechtfertigen und sogar zu ermutigen, indem er sagte, dass „weder die
Kirche noch die Gesellschaft überrascht sein sollten, wenn irrationale
und gewalttätige Reaktionen zunähmen“, falls die Homosexuellen Bürgerrechte
verlangten.
Diese
Verbrechen gegen alle Bewegungen unterdrückter Menschen müssen in die
gegen die Kirchenhierarchie gerichtete Wut mit einbezogen werden.
Die
Jahre der Repression, der Hexenjagd und der organisierten Bigotterie
haben der katholischen Hierarchie immer weniger Unterstützung
eingebracht. Sie hat mehr und mehr die Tuchfühlung mit ihrer eigenen
Kongregation verloren und erst recht mit den Werten der Gesellschaft als
ganzes.
Trotz
aller Anstrengungen können die Priester und Bischöfe ihren absoluten
Griff, den sie vor 500 oder noch vor 100 Jahren hatten, als sie für
Verbrechen gegen Frauen oder Sklaven, Knechte, Bauern oder
analphabetische Arbeiter keine Rechenschaft ablegen mußten, nicht zurückgewinnen.
Sorgfältig
abgefasste Apologien, die keine Schuld übernehmen und gut geplante
Werbetreffen mit ein paar ausgewählten Missbrauchsopfern werden
die Krise nicht lösen, der sich die reaktionäre Führung der Kirche
gegenübersieht.
Heute
haben jene, die unter dem Missbrauch gelitten haben, ihre Sprache
gefunden, und sie haben auch Verbündete gefunden.
Die Verfasserin hat 14 Jahre katholische Schulen besucht/überlebt.
Quelle: http://www.workers.org/2010/world/pope_0429/ |