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Rechtsstaatlich?

Der Klassencharakter der bürgerlichen Justiz

Von Anna Heinzberger/1. Dezember 2006

Mit dem Schlachtruf „freiheitlich, demokratischer Rechtsstaat“ nahm die Diktatur der Bourgeoisie den Kampf gegen den Sozialismus auf und benutzt ihn bis heute zur Verschleierung ihrer tatsächlichen Verfasstheit.

Seit Bestehen der BRD sind Verbrechen ökonomischer, politischer oder juristischer Art der Bourgeoisie selbst oder ihrer Staatsorgane dokumentiert. Die kapitalistischen Medien achten genau darauf, dass jeder Fall als Einzelfall und Ausreißer dargestellt wird. So finden sich in der Berichterstattung der kapitalistischen Medien bevorzugt die Worte „Skandal“ und „Affäre“ [1] für Verbrechen, die von dieser Täterkategorie begangen werden. Eine Verbindung zum kapitalistischen System soll nicht erkennbar werden.

Beiträge linker Autoren machen in der Regel ebenfalls einen Bogen um die konsequente Untersuchung der Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten von Verbrechen der Bourgeoisie und ihrer Staatsorgane. So sprechen sie von „für einen Rechtsstaat unerträglichen Situation“[2] .

So gut und richtig die Beiträge insgesamt sind, sie unterstellen ebenfalls das Vorhandensein eines Rechtsstaats. Damit trennen sie die Staatsorgane der Bourgeoisie von dieser ab und behaupten implizit[3],  dass die Organe unabhängig von den Interessen der Bourgeoisie bestehen und selbständig handeln.

Der pausenlos eingehämmerte Schlachtruf zur Verschleierung des Wesens der Bourgeoisie hat tiefe Spuren hinterlassen. Die Formel von der „Rechtsstaatlichkeit“  wird gedankenlos von Linken nachgeplappert, obwohl die Beispiele des Gegenteils haufenweise vorhanden sind und der ideologische Propagandazweck offensichtlich ist.[4]

Diese Nachlässigkeiten in der Analyse und der Wortwahl leisten einen wesentlichen Beitrag zur Verschleierung des Charakters des kapitalistischen Herrschaftssystems.

Autoren, die für sich in Anspruch nehmen marxistische Analyse zu betreiben dürfen die Justiz der Bourgeoisie von dieser grundsätzlichen Kritik nicht ausnehmen. Dem nicht akademisch ausgebildeten Arbeiter verweigern sie so die Möglichkeit den Zusammenhang zwischen dem Kapitalismus und den Staatsorganen zu erkennen. Die dauernde Berufung auf und Beschwörung der Rechtsstaatlichkeit verstärkt die Illusion und verwischt den Klassencharakter des Kapitalismus. Warum also nicht gleich die klare Aussage, dass es den Rechtsstaat nicht gibt? Warum also nicht die einfache Feststellung, dass in einer Klassengesellschaft auch die Justiz notwendigerweise eine Klassenjustiz sein muss?  Diesen Zusammenhang arbeiteten schon Karl Marx und Friedrich Engels immer wieder heraus.[5]

In diesen Zusammenhang gestellt, wird die Entscheidung der Düsseldorfer Justiz in der Sache Josef Ackermann (Vorstandsboss der Dt. Bank) nachvollziehbar. Die Justiz ist Teil der Diktatur der Bourgeoisie. Es ist nicht ihre Aufgabe die Bourgeoisie (auch nicht einzelne ihrer herausgehobenen Repräsentanten) „aus dem Verkehr zu ziehen“.  Ihre Aufgabe ist den Anschein aufrecht zu erhalten, dass Alles mit rechten Dingen zugeht. Insofern benötigte sie auch das Geschäft mit der Geldbuße. Diese Juristen tun so als handele es sich in dem Fall um so was ähnliches wie Falschparken.

Hartz IV-Opfer, die im Supermarkt eine Packung Wurst mitgehen lassen. dürften nicht so glimpflich davonkommen. 

Auch im jüngsten „Superfall“ Siemens ist am Ende nichts anderes zu erwarten, als dass einige untere Chargen abgestraft werden, während sich die oberen die Hände in Unschuld waschen. Faz-net titelte: „Chefs fordern „kompromißlose“ Aufklärung“. [6]

Ausgerechnet Vorstandsboss Kleinfeld und Aufsichtsratsboss Pierer berufen sich in einem Rundschreiben an die Beschäftigten auf Verhaltensethik: „Kein Mitarbeiter, kein Manager kann sich darauf berufen, er habe nicht gewußt, was in unserem Hause in Sachen Verhaltensethik erwartet wird.“ [7]

Die Vorgänge in Politik, Wirtschaft und Justiz entsprechen weitgehend nicht mehr den Normen der bestehenden kapitalistischen Gesetze. Dem Rechtsverständnis der Bevölkerung widersprechen sie direkt. Die Abkürzung BRD wird bereits häufiger mit Bananen Republik Deutschland übersetzt.

Die Bourgeoisie und ihre Wasserträger werden alle Tricks und Schliche aufbieten, um darzustellen, dass es sich um bedauerliche Einzelfälle persönlicher Schuld handelt.

Jeder unvoreingenommene Demokrat sollte endlich begreifen, dass diese Verbrechen Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus sind.[8]

J. Ackermann und Siemens sind das kapitalistische System. Kapitalismus ist Ackermann, Siemens und alle weiteren Ausbeuter.  Überall in Politik, Justiz und Wirtschaft! Das ist alles, was von der Rechtsstaatlichkeit übrig bleibt.

Da hilft kein beschwören, bejammern und schimpfen. Der Augiasstall muss ausgeräumt werden. Und er wird ausgeräumt werden.

Anna Heinzberger



[1] Die Worte Skandal und Affäre bedeuten lediglich Ärgernis, Aufsehen erregendes Vorkommnis oder Sache, Angelegenheit, (unangenehmer) Vorfall, Streitsache. Das Flaggschiff der Bourgeoisie, die FAZ, bringt Verbrechen dieser Art zwar unter der Rubrik Wirtschaftskrimininalität, benutzt aber  gleichzeitig die verniedlichenden Worte. Siehe

[3] Implizit = inbegriffen, eingeschlossen, mitenthalten, mitgemeint.

[4] Hier müssen aus Platzgründen nur einige Beispiele als Beleg per Link ausreichen. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Selbst ein Institut mit 1000 Wissenschaftlern würde es innerhalb einer Generation nicht schaffen eine auch nur annähernd vollständige Liste der kapitalistischen Verbrechen seit seinen Anfängen zusammenzustellen.

Siehe  (Celler Loch), Siehe (KPD-Verbot), Siehe  (Schmiergeld Rüstungsstaatssekretär Pfahls), siehe (VW), siehe (BMW), Siehe (Siemens), siehe  (Angriffskrieg gegen Irak), siehe (Ackermann Freispruch). Nicht ein Fall, in dem die Justiz der Bourgeoisie einen kriminellen Kapitalisten oder Helfershelfer aus den Staatsorganen so verurteilte wie es dem Verbrechen angemessen wäre.   

[5] Meine Untersuchung mündete in dem Ergebnis, dass Rechtsverhältnisse wie Staatsformen weder aus sich selbst zu begreifen sind noch aus der sogenannten allgemeinen Entwicklung des menschlichen Geistes, sondern vielmehr in den materiellen Lebensverhältnissen wurzeln, deren Gesamtheit Hegel, nach dem Vorgang der Engländer und Franzosen des 18. Jahrhunderts, unter dem Namen „bürgerliche Gesellschaft“ zusammenfasst, dass aber die Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft in der politischen Ökonomie zu suchen sei. Die Erforschung der letztern, die ich in Paris begann, setzte ich fort zu Brüssel, wohin ich infolge eines Ausweisungsbefehls des Herrn Guizot übergewandert war. Das allgemeine Resultat, das sich mir ergab und, einmal gewonnen, meinen Studien zum Leitfaden diente, kann kurz so formuliert werden: In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewusstseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozess überhaupt.

Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, dass ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt. Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus den Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um. In der Betrachtung solcher Umwälzungen muss man stets unterscheiden zwischen der materiellen, naturwissenschaftlich treu zu konstatierenden Umwälzung in den ökonomischen Produktionsbedingungen und den juristischen, politischen, religiösen, künstlerischen oder philosophischen, kurz, ideologischen Formen, worin sich die Menschen dieses Konflikts bewußt werden und ihn ausfechten. Sowenig man das, was ein Individuum ist, nach dem beurteilt, was es sich selbst dünkt, ebensowenig kann man eine solche Umwälzungsepoche aus ihrem Bewußtsein beurteilen, sondern muß vielmehr dies Bewußtsein aus den Widersprüchen des materiellen Lebens, aus dem vorhandenen Konflikt zwischen den gesellschaftlichen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen erklären.
Quelle: Marx-Engels-Werke, Band 13, Seite 7 bis 11, Dietz Verlag Berlin, 1972 siehe

[6] Siehe Link bei Fußnote 1

[7] ebenda

[8] siehe „Wenn das Geld, nach Augier, „mit natürlichen Blutflecken auf einer Backe zur Welt kommt“ (249) so das Kapital von Kopf bis Zeh, aus allen Poren, blut- und schmutztriefend. (250)

(250) „Kapital“, sagt der Quarterly Reviewer, „flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel.“ (.J. Dunning, l.c.p. 35, 36.)“

Encouragieren = veraltet für: ermutigen, anfeuern

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