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Das,
was ihr da nachbetet, ist die alte
reformistische Schimäre vom friedlichen Hineinwachsen in den
Sozialismus mittels Reformen
Von
Günter Ackermann/25. Dezember
2007
Lieber
Genosse,
du schreibst: bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) sei „sehr wohl
ein Beitrag zu einer deutlich egalitäreren Gesellschaft.“
Wirklich? Wenn das so wäre, müsst ihr erst die Systemfrage stellen,
aber dann erübrigt sich BGE, weil dann jeder, der arbeiten kann, Arbeit
hat und die anderen haben auch ihr Auskommen.
Oder
das „Egalitär“ versteht ihr so, dass die Reichen über BGE die
Kohle wieder reinbekommen, die sie über höhere Steuern zu zahlen hätten.
Kurz:
Daran ist nichts egalitär. Das, was ihr da nachbetet, ist die alte
reformistische Schimäre vom friedlichen Hineinwachsen in den
Sozialismus mittels Reformen. Das hat noch nie funktioniert und wird es
auch nicht in Zukunft.
Im Übrigen könnt ihr gern träumen vom großen Wohlstand für alle
durch BGE. Wie ihr es euch auch vorstellt, wird es nicht kommen. Das
sind reine Hirngespinste und Beschäftigungsspiele für Naive in „Die
Linke“, deren Wurmfortsatz die Kommunistische Plattform ist. Das ist ohne positive
politische Außenwirkung und reines Beschäftigungsspiel.
Seid
ihr jetzt grüner als die Grünen? Ihr fordert u.a. die Finanzierung über
„eine Steuer auf den Verbrauch von Primärenergie“. Was meint ihr
damit? Treibstoff, Erdgas, Heizöl, Strom? Na prima. Wir stöhnen jetzt
schon über die hohen Energiekosten, dann kann man nur hoffen, dass euer
Konzept nicht klappt, denn dann steigen die Preise dafür nicht noch stärker.
Oder ist euer BGE dafür gedacht, dass die hohen Energiekosten jetzt zu
bezahlen sind?
Wir
sollen uns doch ein neues Auto kaufen, das mit weniger Sprit fährt –
oder gar mit Sauerkrautbrühe, meint ihr sicher, wie vor Jahren die
Grünen, als sie eineen Spritpreis von 5,-- DM forderten. Aber wir haben nicht genug Geld für
30.000 bis 40.000 € für einen Neuwagen. Bekommen wir das Geld jetzt
über euer BGE???
Der
Hausbesitzer bedroht uns mit hohen Kosten fürs Heizen und die
Stadtwerke erhöhen die Stromkosten. Soll das noch teuerer werden?
Für
was wird, nach euren Plänen, die Luxusumsatzsteuer erhoben? Wenn ihr
sowas wie Kaviar oder Porsche meinst, meinetwegen, aber kommt da genug
zusammen um BGE zu finanzieren? Denke nicht! Oder ist da auch ein gutes
Stück Fleisch oder Weintrauben, die Flasche Wein, guter Kaffee, Tee,
Theater- oder Kinokarten usw. gemeint?
Ich
sehe keine „enorme Umverteilungskomponente des linken
BGE-Modells“ von oben nach unten. Wenn es überhaupt so etwas gibt –
wenn euer Hirngespinst real werden sollte, dann von unten nach oben –
also wie gehabt.
Oder
glaubt ihr ernsthaft, die Bosse der Banken, der Konzerne usw. werden
sich auch nur ein Störeichen vom Kaviarhäppchen oder ein Tröpfchen
Champagner nehmen lassen? Die sitzen an den Hebeln der Macht und nicht
ihr Deppen, die ihr euch einbildet, mit Hirngespinsten den Menschen
soziale Wohltaten zu schenken und das auch noch egalitär nennt.
Und weil der Mensch ein Mensch ist,
drum braucht er was zu essen, bitte sehr!
Es macht ihn ein Geschwätz nicht satt,
das schafft kein Essen her.
(...)
Und weil der Prolet ein Prolet ist,
drum wird ihn kein anderer befrein,
es kann die Befreiung der Arbeiter
nur das Werk der Arbeiter sein.
Das
schreibt Brecht dazu. Euer Geschwätz ist im Interesse der Herrschenden
und soll nur verwirren und falsche Hoffnungen wecken. Satt wird keiner
davon, aber die Supersatten werden davon noch superstatter.
Erinnert
euch doch mal, dass ihr euch Kommunisten nennt, also lest mal Marx,
Lenin usw. und auch so etwas wie hier Brecht. Oder benennt euch besser um in
Reformistische Plattform, das wäre ehrlicher. Da ihr eh nicht sehr weit
weg steht von Gysi, wären die auch freundlicher zu euch. womöglich dürfte
noch einer zusätzlich Karriere machen, nicht nur Sahra. Wäre das nicht
egalitär?
Du
benennst als Kronzeugen das Sozialforum Koblenz. Die haben sich, wenn
ich mich recht erinnere, über entfremdete Arbeit Gedanken gemacht. Das
fanden wir beachtenswert.
Wenn
sich, wie geschehen, wir einen FDP-Politiker positiv zitieren, weil er
sich gegen den Krieg Israels im Libanon wandte, dann müssen wir doch
nicht auch seine gesamte liberale Scheiße für richtig halten.
Bei
Christen kommt es oft zu Sozialromantik. Wir finden es zwar beachtlich,
wenn Christen sich gegen die Schweinereien des Kapitals engagieren,
dabei stehen sie an unserer Seite, aber wir machen uns keine Illusionen.
Soziale Forderungen, Verbesserung der Lebenssituation des Proletariats,
können nicht durch Gebete, nicht durch Appelle an die Herrschenden und
auch nicht durch Parlamentsanträge erreicht werden, sondern nur im
Klassenkampf.
Und
ich bezweifle, ob ihr einen Arbeiter und/oder Arbeitslosen davon überzeugen
könnt, dass der Deutsche Bank- Chef Josef
Ackermann bedingungslos Grundeinkommen kassieren soll. Du kannst den
Proletariern auch nicht damit klar machen, dass er jetzt ja erheblich mehr Steuern
bezahlen muss, als er aus dem BGE-Topf bekommt. Bei 10,1
Millionen € Jahreseinkommen (2005) zahlt er die paar Cent mehr aus der
Portokasse. Mal abgesehen davon, dass sein Steuerberater schon dafür
sorgen wird, dass möglichst wenig abgeführt werden wird.
Ich
bestehe darauf: Das liberale Konzept des BGE und eures unterscheiden
sich nicht im Wesen, sondern nur quantitativ. Egon Erwin Kisch, der große
kommunistische Journalist und Schriftsteller, brachte einmal ein
Beispiel für Liberalität: Ein französischer Philosoph des 19.
Jahrhunderts sagte einmal: Das Gesetz, in seiner ganzen Majestät,
verbietet Arm und Reich, Brot
zu stehlen und unter Brücken zu schlafen.
Ähnelt
das nicht fatal eurer Herangehensweise?
Rotfront
Günter
Primärenergieträger:
fossile Energie (Steinkohle, Braunkohle, Torf, Erdgas, Erdöl),
Biomasse, Windenergie (atmosphärische Strömungen), Wasserkraft,
Sonnenenergie (nutzbare solare Energieeinstrahlung: Licht, Wärme),
Kernenergie (Natururan, in einem Brutreaktor kann aus 232Th
233U Thorium und aus 238U Plutonium (239Pu)
erbrütet werden, bei der Kernfusion wird durch die Fusion von
Deuterium / Tritium Helium hergestellt und dabei Energie gewonnen),
Gezeiten (Tidenhub), Geothermie (Erdwärme), Wellenkraft
(Wellenkraftwerk), Meeresströmung (Meeresströmungskraftwerk) siehe
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Leserbrief
aus der Kommunistischen Plattform der Partei „Die Linke“
Landesverband Nordrhein-Westfalen
„Mindestens
aber bestehe ich darauf, ein solidarisch über direkte Steuern
finanziertes Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) nicht ständig in eine
neoliberale Ecke zu stellen. Das betrachte ich wirklich als absolute
Zumutung!“
Vielleicht
machst Du Dir ja einfach mal die Mühe und studierst das BGE-Konzept der
Linken, was sich fundamental vom liberalen BGE-Konzept unterscheidet,
weil es über eine höhere Einkommenssteuer für SpitzenverdienerInnen,
eine Börsenumsatzsteuer, eine Sachkapitalsteuer, eine Luxusumsatzsteuer
und eine Steuer auf den Verbrauch von Primärenergie
finanziert wird.
Ergebnis
wäre übrigens eine Staatsquote von knapp 70% (analog Skandinavien 70er
Jahre). Wir sagen ausdrücklich, daß das neoliberale
Grundeinkommensmodell nach Althaus oder G. Werner ein weiterer reaktionärer
Rückschritt wäre, den wir ausdrücklich ablehnen. Dann lieber in der
Tat kein BGE! Das ewig platte Argument, warum selbst ein stinkreicher
Typ dieses BGE bekommen sollte, ist nun wirklich schon zig mal entkräftet
worden, aber Ihr verharrt in Eurer selbstgenügsamen Symbolik, ohne
zuzuhören oder zu rechnen: Dieser stinkreiche Typ müsste aufgrund der
o.a. Finanzierungsmodelle ein Vielfaches dessen einzahlen (und zwar
bedeutend mehr als im jetzigen Steuer- und Abgabensystem) als er in Form
des BGE wie alle anderen ausgezahlt bekäme.
Vor
allem kapierst Du nicht die enorme Umverteilungskomponente des linken
BGE-Modells, weil sie sich auf die direkten Steuern mit entsprechender
Steuerprogression stützt und eben nicht auf die indirekten
Verbrauchssteuern nach D. Althaus und G. Werner.
Es
ist sehr wohl ein Beitrag zu einer deutlich egalitäreren Gesellschaft.
Insofern ist es in hohem Maße grobschlächtig, verschiedene Modelle mit
völlig gegensätzlichen ökonomischen Umverteilungswirkungen in einen
Topf zu schmeißen. Diese Hetze ist schlicht von Unwissenheit geprägt.
Es
ist insofern auch schade, weil Du mir beispielsweise mal eine Mail des
Koblenzer Sozialforums geschickt hattest, in welchem die dort Aktiven (z.T.
ursprünglich aus der kath. Arbeitnehmerbewegung) sich ernsthafte
Gedanken über den marktwirtschaftlichen Warencharakter der Arbeit
gemacht hatten mit den damit verbundenen Mühsalen des alltäglichen
Lebens (bis hin schweren gesundheitlichen Problemen). In diesem
Zusammenhang mache ich auch darauf aufmerksam, daß beispielsweise das
Oldenbuger Arbeitslosenzentrum ALSO, das sich seit Jahren sehr stark und
selbstlos für die Belange der Erwerbslosen einsetzt und dabei auch die
Zeitung queer herausgebracht hat, für ein linkes BGE eintritt.
Auch
die KAB Aachen hat ein BGE-Modell entworfen, welches nach meinen bisher
unvollständigen Informationen keine so starken Umverteilungskomponenten
wie das linke BGE hat, aber angeblich sozialer als jene von D. Althaus
und G. Werner sein soll.
Was
sind demzufolge die richtigen Konsequenzen, die Du in Deinem vorletzten
Satz anmahnst? Natürlich ist es die Eigentumsfrage. Die Betriebe gehören
in gesellschaftlicher Hand und nicht in privater Hand. Das wird von
linken BGE-Anhängern auch nicht bestritten. Aber offensichtlich
unterscheiden wir uns in der Wahrnehmung der alltäglichen Probleme, die
uns zu unterschiedlichen taktischen Herangehensweisen führt.
Ich
glaube bei weitem nicht daran, daß die Mehrheit der Bevölkerung
ernsthaft in der Lage wäre, gegen die Interessen der Mächtigen eine
sozialistische Wirtschaft und Gesellschaft aufzubauen. Ich glaube
vielmehr, daß die Mehrzahl zwar ein großes Gefühl für soziale
Gerechtigkeit hat, aber aufgrund des real existierenden Alltags prekärer
Arbeitsverhältnisse, sozialer Aggressionen, Existenzängste und
Medienterror der Mächtigen (sei es in Form von Nachrichten oder Musik)
in eben genau diesem Alltag gefangen ist, weil nun mal die biologische,
geistige und psychische Kraft des Menschen Grenzen hat.
Daher
bin ich (und immer mehr Betroffene, siehe ALSO) davon überzeugt, daß
ein solidarisch finanziertes BGE der erste Schritt ist, um vom
Marktverwertungsdruck Abstand zu nehmen und über andere Formen des
Eigentums und Wirtschaftens nachzudenken.
Wir
scheinen gerade in diesem Punkt unterschiedlicher Auffassung zu sein.
Mindestens aber bestehe ich darauf, ein solidarisch über direkte
Steuern finanziertes BGE nicht ständig in eine neoliberale Ecke zu
stellen. Das betrachte ich wirklich als absolute Zumutung! |