black Channel

Wichtige Rubriken und Beiträge

+++Neu+++

Newsletter bestellen

zur Homepage

Der Krieg der herrschenden Klasse gegen das Volk

Kampf den ideologischen Diversanten

Für den Aufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands

Gegen den imperialistischen Krieg

Black Channel

Betrieb&Gewerkschaft

Bildung, Kultur & Wissen

Wider den Block der
Rechten und Trotzkisten

zur Geschichte
der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung

Wissenschaftlicher Sozialismus

Aus den Ländern

Links

Impressum

Archiv

Intern

Proletarischer Internationalismus

zurück

Der Rabbi und die Kriegshetzer

Von Otto Bruckner

Quelle: Kommunistische Initiative Wien vom 18.12.2006

Wer im Jahr 2006 meint, eine „wissenschaftliche Konferenz“ zum Thema Holocaust durchführen zu müssen, will entweder noch nicht erforschte Quellen und Dokumente zur industriell organisierten Massenvernichtung von - in ihrer Mehrzahl jüdischen - Kindern, Frauen und Männern durch die Nazi-Faschisten erschließen, oder er will dem Geschichtsrevisionismus ein Tribüne bieten.

Ganz offensichtlich hatten die regierungsnahen Organisatoren der Konferenz, die vom 10.-12. Dezember in Teheran über die Bühne ging, zweite Intention im Sinn.

Die „Experten“, die aufgeboten wurden, sind eine Horde von dilletierenden Scharlatanen, in ihrer großen Mehrzahl dem Neofaschismus nahestehend. Zwei deutsche Teilnehmer z.B. geben als ihr Herkunftsland das „deutsche Reich“ an. Wie einer Erklärung der „FIR-Bund der Antifaschisten“, einer internationalen Vereinigung von Kämpfern und Opfern aus der Zeit des Nazi-Regimes zu entnehmen ist, wurde ein Angebot von Auschwitz-Überlebenden, auf der Konferenz die Existenz der Vernichtungspolitik als Zeugen zu beweisen, ausgeschlagen.

Es wäre wohl auch sinnlos gewesen. An diesem Tisch in Teheran war kein Platz für die historische Wahrheit. Dort wurden Spekulationen über Opferzahlen und absurde Detailfragen der Vernichtungstechnologie verhandelt, wie es bei den revisionistischen „Experten“ üblich ist. Wer an diesem Tisch Platz nahm, musste das wissen. So wie es zu verurteilen ist, daß die massenhafte Tötung und Vertreibung der Juden durch den Nazifaschismus als Legitiomation für die Apartheid-, Vertreibungs- und Unterdrückungspolitik des Staates Israel gegenüber den PalästinenserInnen mißbraucht wird, ist es umso entschiedener zu verurteilen, daß der Holocaust relativiert oder gar geleugnet wird.

Die Singularität des verbrecherischen Charakters des NS-Faschismus hat im Nachkriegsösterreich dazu geführt, daß das NS-Verbotsgesetz in Verfassungsrang beschlossen wurde, und nach diesem nationalsozialistische Wiederbetätigung – zu der auch die Leugnung des Holocaust zählt – unter Strafe gestellt. Heute wissen wir, daß die sogenannte Entnazifizierung schnell einem pragmatischen Antikommunismus wich, und nicht wenige ehemalige Nazi-Größen in SPÖ, ÖVP und im neuen Staatsapparat unterkommen konnten. Auch die Sammlung „Ehemaliger“ im VdU, der FPÖ-Vorgängerorganisation geschah mit Billigung der Großparteien.

Ich gehörte zu jenen AntifaschistInnen, die in den 1980ern aktiv für das Verbot der Neo-Nazi-Organisationen ANR und NDP eintraten. Mit Sprechchören wie „Die ANR gehört verboten, das schulden wir Millionen Toten“ störten wir damals so gut wie jeden öffentlichen Auftritt der Neofaschisten und eine breite Bewegung setzte schließlich das Verbot auch durch.

Nicht selten landeten wir damals selbst vor Gericht, so mußte ich gemeinsam mit dem heutigen SPÖ-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer in einem Prozeß den Nachweis erbringen, daß NDP-Chef Burger ein Nazi sei, was uns auch gelang.

Der staatstragende Antifaschismus war in Österreich immer doppelbödig. So sehr in Gedenkreden der Opfer gedacht und „Nie wieder“ geschworen wurde, war man doch nur stückweise bereit, die Integration alter Nazis in das öffentliche Leben Nachkriegsösterreichs zuzugeben. Und der Hinweis, es gebe auch linken Totalitarismus gehörte immer mit zum guten Ton. So strickte man sich ein Weltbild zurecht, in dem der Faschismus etwas völlig außerhalb des Kapitalismus stehendes – entartetes – wäre. Eine Interpretation, die auch die „Zivilgesellschaftslinke“ in den letzten eineinhalb Jahrzehnten in Abwandlungen übernommen hat. So sieht sich auch die KPÖ – lange Jahrzehnte Erbe und Fortsetzerin des kämpferischen und gegen das Monopolkapital gerichteten Antifaschismus in der Tradition der Partisanen und WiderstandkämpferInnen – nach den Worten ihres ehemaligen Vorsitzenden Baier heute als „antitotalitäre“ Partei. Wer aber den antifaschistischen Kampf nicht zugleich als antikapitalistischen und antiimperialistischen begreift, reduziert sich selbst letztlich auf ein Engagement für die Etikette, für den „guten Ton“ in der Politik, setzt moralische Appelle an die Herrschenden ohne Gebrauchswert an die Stelle der verdichteten kommunistischen Erkenntnis „Sozialismus oder Barbarei!“

Die KPÖ duldet in ihren Reihen offen kriegshetzerische Kräfte wie die „GO Dogma“, die etwa den israelischen Überfall auf den Libanon diesen Sommer freudig begrüßten oder gemeinsam mit anderen Spinnern die USA anflehen, sie möge den Iran möglichst rasch bombardieren. Teile der alten Linken sind also offensichtlich ins proimperialistische Lager übergelaufen.

Und da verwundert es nicht, wenn nun versucht wird, aus der Rede des orthodoxen Wiener Rabbiners Moyshe Ariel Friedman auf einer Antikriegskundgebung im Sommer dieses Jahres allen AntiimperialistInnen, besonders aber der Kommunistischen Initiative Nähe zum Antisemitismus anzuhängen. Die Devise kennen wir ja: irgendwas wird schon hängen bleiben.[1]

Rabbi Friedman hat dort auf einer Bühne mit so honorigen und über jeden Antsemitismus- Verdacht erhabenen Persönlichkeiten wie Leo Gabriel und Prof. Ernst Schwarcz gesprochen. Er hat – wie andere RednerInnen auch – in scharfen Worten gegen den israelischen Angriffskrieg Stellung genommen. Sonst nichts.

Was den Rabbi getrieben hat, an der Konferenz in Teheran teilzunehmen, ist uns nicht bekannt, und letztlich ist es auch egal. Es musste ihm klar sein, in welcher Gesellschaft er da ist, und da spielt es auch keine große Rolle, was genau er dort gesagt hat. Er hat sich an einen Tisch mit den Holocaust-Leugnern gesetzt, und sich damit gleichzeitig dafür entschieden, daß er an einem anderen Tisch, nämlich dem der Solidarität, der Völkerverständigung und des Friedens kein willkommener Gast mehr sein kann. So einfach ist das.

JedeR muß sich der Folgen seines/ihres Handelns bewußt sein. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, brauchen wir allerdings keine heuchlerischen Ratschläge von Kräften, die Kriegshetzer in ihren Reihen dulden.


[1]  Ähnlich auch in der Deutschland. Teile der DKP, an der Spitze der ehemalige stellvertretene UZ-Chefredakteur Ulrich Sander. Siehe auch: Böswillig oder beschränkt?
Kritik am zionistischen Rassismus wird als antisemitisch diffamiert
von Gerd Höhne siehe oder die Äußerungen des DKP_Vorsitzenen zum Kollaborationskurs der Iraktischen KP:  siehe

Ein dubioser „Arbeiterbund für den Aufbau der KP“ vertritt sogar offen pro-zionistische Positionen und beteiligt sich an den Aktionen der Freunde der Zionisten und der Zionisten in Deutschland. Hinzugefügt sei aber, dass der „Arbeiterbund“ aus dem Trotzkismus hervor ging.

zurück

Spenden für die Homepage: Günter Ackermann, Konto-Nr.: 433 407 436,
IBAN DE62360100430433407436., BIC PBNKDEFF, BLZ: 360 100 43
Postbank Essen. Verwendungszweck: Homepage 
(Bitte eMail-Adresse und Verwendungszweck immer angeben!)

  Bitte immer angeben!