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Kubanischer
Staatsrat setzt Bildungsminister ab
Kuba:
Klassenkampf
heißt auch Bekämpfung korrupter Funktionäre und Abwehr von Verrat und
Amtsmissbrauch
Mittwoch,
23. April 2008
Auf
Vorschlag des Politbüros der Kommunistischen Partei Cubas hat der
Staatsrat der Insel den bisherigen Bildungsminister Luis Ignacio Gómez
Gutiérrez abgesetzt und an seiner Stelle Ana Elsa Velázquez Cobiella
zur neuen Ministerin berufen. Velázquez, die in
Erziehungswissenschaften promovierte, leitete bislang das Pädagogische
Institut Frank País in Santiago de Cuba. Während in den offiziellen
Mitteilungen in der kubanischen Presse kein Grund für den Wechsel an
der Spitze des Ministeriums angegeben wurde, fand der frühere
kubanische Präsident Fidel Castro klare Worte und griff den bisherigen
Minister scharf an.
In seiner heute in den kubanischen Medien unter dem Titel „Die
Lebenden und die Toten“ veröffentlichten Reflexion schreibt Fidel, er
unterstütze „vorbehaltlos“ die Entscheidung von Parteiführung und
Staatsrat, den Minister auszuwechseln und erläutert: „Der
Amtsinhaber, Luis Ignacio Gómez Gutiérrez, war wirklich erschöpft. Er
hatte Kraft und revolutionäres Bewußtsein verloren. Seine letzten
Reden hätte er nicht halten sollen, als er von künftigen Treffen mit
Erziehern aus der Hemisphäre und der ganzen Welt sprach und ein Werk übertrieb,
das nicht seines war - wie er die Gäste glauben machen wollte -,
sondern das das ureigenste Werk von zahllosen revolutionären Kadern.
(...) Ich muß darauf hinweisen, dass er im Verlauf von zehn Jahren mehr
als 70 mal ins Ausland gereist ist. In den vergangenen drei Jahren tat
er das im Rhythmus von einer Reise pro Monat und nahm immer die
internationale Zusammenarbeit Cubas als Vorwand. Aus diesen und anderen
Gründen hatte man kein Vertrauen mehr in ihn. Um es noch klarer zu
sagen: Überhaupt kein Vertrauen.“
Quelle:
http://www.redglobe.de/
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Naiv
zu glauben, Gorbatschow habe keine ihn
lenkenden Hintermänner bei den imperialistischen Geheimdiensten gehabt
Kommentar
von Jens-Torsten Bohlke
Unbedarfte
Empfänger der obigen Nachricht werden nur den Kopf schütteln, dass da
jemandem verübelt wird, viel herumgereist zu sein ... . Jedoch gibt es
klare Hintergründe, um die Entscheidung der kubanischen Staats- und
Parteiführung zu verstehen und richtig bewerten zu können.
Kuba
ist kein sonderlich finanzstarkes devisenreiches Land, schwimmt nicht in
Erdöl und Petrodollars wie beispielsweise das heutige Venezuela. Und
Dienstreisen von Vertretern des kubanischen Staates in alle Welt kosten
Dollars, belasten den angespannten Devisenhaushalt dieses
sozialistischen Landes. Dem nun ehemaligen Bildungsminister Kubas muss
dies bekannt gewesen sein, gekümmert hat es ihn offenbar nicht. Er
handelte verantwortungslos, seinen Ministerposten zu missbrauchen, um
mit einem fadenscheinigen Vorwand der Reiselust zu frönen.
Wenn
wir mal hinterfragen, wie die imperialistischen Geheimdienste die einst
mächtige sozialistische Staatengemeinschaft des Warschauer Vertrages
von innen her wirksam zersetzen konnten, dann stoßen wir auch auf
Angriffsflächen, wie sie durch Auslandsreisen von Staats- und
Parteifunktionären insbesondere nach dem Tode J. W. Stalins geboten
wurden. Zu jenem Zeitpunkt wurde in der UdSSR infolge des
revisionistischen Putsches in der KPdSU-Führung, die Macht des
Geheimdienstes beschnitten, insbesondere was die Kontrolle von Staats-
und Parteifunktionären betraf. Rasch übernahm z.B. auch die DDR-Führung
gegenüber dem MfS der DDR diese Beschneidung der Kontroll- und Überwachungsfunktion.
So reisten denn Partei- und Staatsfunktionäre dieser Länder in das
westliche Ausland und konnten dort von imperialistischen Geheimdiensten
leicht „bearbeitet“ werden. Naiv zu glauben, Schabowski hätte
wirklich so „zufällig“ den „Fehler“ begangen, die Maueröffnung
am 9. November 1989 bei jenem öffentlichen Anlass zu verkünden... .
Naiv zu glauben, Gorbatschow habe seit seiner Beziehung mit Raissa keine
ihn lenkenden Hintermänner bei den imperialistischen Geheimdiensten
gehabt... . Sehr wohl waren solche Partei- und Staatsfunktionäre nicht
nur Revisionisten von ihrem persönlichen Klassenstandpunkt her, sie
waren auch sogenannte „Reisekader“ und wurden aus Dienstgründen
zuweilen in das westliche Ausland entsandt.
All
dies geht mir durch den Kopf, wenn ich die obige Meldung aus Kuba lese.
Und ich will meine Gedanken den Leserinnen und Lesern von K-Online nicht
vorenthalten, sondern damit meinen Kommentar zu der obigen Meldung
einbringen in unsere Köpfe. |
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