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Nazi-Ritterkreuzträger
und Träger des Großen Verdienstkreuzes des
Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und
Schulterband
Josef Kammhuber

General
der Nazi-Wehrmacht und
Vier Sterne General der Bundeswehr
Präventivschlag
mit Atomwaffen gegen die Sowjetunion |
Bundeswehr-Geschichtsklitterung:
Nazi-Kriegsverbrecher
werden zu Ehrenmännern |
Sogenannte
Kriegsverbrecher
BERLIN/MÜNCHEN
german-foreign-policy
vom 24. Januar 2011 – In einer aktuellen Publikation huldigt die
Bundeswehr führenden NS-Militärs. Bei diesen habe es sich mehrheitlich
um „ehrenhaft kämpfende Soldaten“ gehandelt, erklärt das Militärgeschichtliche
Forschungsamt der deutschen Streitkräfte. Dennoch seien sie nach dem
Ende des Zweiten Weltkriegs als „sogenannte NS-Verbrecher“
gebrandmarkt worden. Ihre Reaktivierung für den Aufbau der Bundeswehr
und die Remilitarisierung Westdeutschlands wird als notwendige Reaktion
auf die „bedrohliche Ausrichtung“ des sozialistischen Machtblocks
bezeichnet. Nur die Existenz von Streitkräften habe in dieser Situation
die „staatliche Souveränität“ der Bundesrepublik sicherstellen können,
schreibt das Militärgeschichtliche Forschungsamt. Folgerichtig gelten
der Institution die vormaligen Angehörigen der nationalsozialistischen
Wehrmacht als „Glücksfall“ für die Bundeswehr, zumal sie „militärfachlich
hochbegabt“ gewesen seien. Mit diesen Aussagen wird nicht nur die überkommene
Traditionspflege der deutschen Armee aufrechterhalten, die sich bis
heute in der Benennung von Kasernen nach ehemaligen NS-Generälen
manifestiert. Die Umdeutung von Kriegsverbrechen zu gewöhnlichen
Kriegshandlungen erweist sich darüber hinaus als nützlich, um ausländischen
Opfern des NS-Terrors Entschädigungen zu verweigern. Schließlich ermöglicht
sie es, auch in operativer Hinsicht an alte deutsche Kriegserfahrungen
anzuknüpfen - Kriegsverbrechen inklusive.
„Historisch
unscharf“
Wie
das Militärgeschichtliche Forschungsamt der Bundeswehr (MGFA) in einer
aktuellen Publikation schreibt, habe es sich bei den Angehörigen der
nationalsozialistischen Wehrmacht mehrheitlich um „ehrenhaft kämpfende
Soldaten“ gehandelt. Dass zahlreiche NS-Militärs nach 1945 wegen
schwerster Kriegsverbrechen strafrechtlich belangt wurden, spielt für
das MGFA dabei lediglich eine untergeordnete Rolle: Der Begriff
„Kriegsverbrecher“ wird als historiographisch „unscharf“
charakterisiert und deshalb stets in Anführungszeichen geschrieben.
Auch von nationalsozialistischen Massenmördern ist nur als „sogenannten(n)
NS-Verbrecher(n)“ die Rede.[1]
„Alternativlos“
Dass
zahlreiche NS-Kriegsverbrecher am Aufbau der Bundeswehr in den 1950er
Jahren beteiligt waren, stellt das MGFA als alternativlos dar. Der
„Neuaufbau ohne die Soldaten der Wehrmacht“ sei „unmöglich“
gewesen, heißt es. Zur Begründung führt das MGFA einerseits den
geringen „Wehrwillen“ der westdeutschen Bevölkerung an und verweist
andererseits auf die „bedrohliche Ausrichtung der kommunistischen Mächte,
denen sich entschieden entgegengestellt werden musste“. Ohne Armee wäre
letztlich auch „der Weg zu einer gleichberechtigten Position im
westlichen Bündnis sowie einer staatlichen Souveränität versperrt“
gewesen, schreibt die Militäreinrichtung weiter. Entsprechend erscheint
die „Ausstattung der Bundeswehr mit Mehrzweckwaffen für
konventionelle und nukleare Munition“ als folgerichtig und
unabdingbar.[2]
Terrorwirkung
Im
Anschluss daran porträtiert das MGFA einen vormaligen NS-General, der
sich besonders für Atomwaffenschläge einsetzte - Josef Kammhuber.
Hatte sich Kammhuber bereits im November 1923 geweigert, gegen die
Putschisten um Adolf Hitler auszurücken, avancierte er nach der Machtübernahme
der NSDAP 1933 zu einem der engsten Vertrauten des Reichsmarschalls
Hermann Göring. Von diesem mit weit reichenden Vollmachten
ausgestattet, organisierte Fliegergeneral Kammhuber den rücksichtslosen
Luftkrieg gegen die von Deutschland überfallenen Länder. 1959,
mittlerweile Inspekteur der Bundesluftwaffe, forderte Kammhuber, die
Sowjetunion der „ausgemachte(n) Terrorwirkung“ von Atomwaffen
auszusetzen; es gehe darum, einen „vernichtenden Schlag gegen den
Lebensraum des Feindes zu führen“, erklärte der General in gewohnter
NS-Diktion.[3]
Militärfachlich
hochbegabt
Das
MGFA würdigt Kammhuber als „militärfachlich hochbegabt“.[4]
Verschwiegen wird, dass der Bundeswehrgeneral in seiner Eigenschaft als
Inspekteur der Luftwaffe 1960 die Laudatio auf einen verstorbenen
NS-Kriegsverbrecher hielt. Zu Grabe getragen wurde der vormalige
NS-General Albert Kesselring, den ein britisches Militärgericht 1947
als Verantwortlichen für die Erschießung von 335 Geiseln in den Fosse
Ardeatine in Rom zum Tode verurteilt hatte. Kesselring wurde 1952
begnadigt; die Bundesrepublik hingegen weigert sich bis heute, die
italienischen Opfer des NS-Terrors zu entschädigen - allen
entsprechenden Urteilen italienischer Gerichte zum Trotz.
Aufstandsbekämpfung
Gleichzeitig
hält Berlin auch im Fall Josef Kammhuber an der seit den 1950er Jahren
überkommenen Traditionspflege der Bundeswehr fest. Wie im Falle
zahlreicher anderer NS-Generäle und Kriegsverbrecher wurde auch nach
ihm eine Kaserne benannt. Die Kriegserfahrungen von Militärs wie ihm
wiederum werden aktuell an deutschen Universitäten ausgewertet. So
betrachtet eine Publikation der „Außen- und Sicherheitspolitischen
Studienkreise“ den Vernichtungskampf, den Wehrmacht und SS während
des Zweiten Weltkriegs in den von ihnen besetzten Gebieten führten,
scheinbar neutral unter dem Aspekt der Aufstandsbekämpfung: Behandelt
werden NS-Operationen gegen die französische Résistance ebenso wie
gegen sowjetische und jugoslawische Partisanenverbände (german-foreign-policy.com
berichtete [5]).
Bitte
lesen Sie auch unsere Rezension
des zitierten Bandes über die „Aufbaugenerationen der Bundeswehr“.
[1],
[2] Helmut R. Hammerich/Rudolf J. Schlaffer: Einleitung. In: Helmut R.
Hammerich/Rudolf J. Schlaffer/Militärgeschichtliches Forschungsamt
(Hg.): Militärische Aufbaugenerationen der Bundeswehr 1955 bis 1970.
Ausgewählte Biographien. Sicherheitspolitik und Streitkräfte der
Bundesrepublik Deutschland Bd. 10. R. Oldenbourg Verlag: München 2011
[3], [4] Wolfgang Schmidt: „Sich seines Wertes bewusst“! General
Josef Kammhuber, ebd.
[5] s. dazu Military-Scientific Community (III)
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