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Krise
des Kapitalismus ist nicht nur eine der Ökonomie
Von
Adam Antinus
Quelle:
rote
notizen Februar 2012
Auf
Kommunisten-online am 3. Februar 2012 – In den Medien wird die
derzeitige Krise vor allem als eine Krise der Ökonomie, insbesondere
der Finanzwirtschaft, dargestellt. Das verwundert aus zwei Gründen
nicht. Zum einen steht in dieser Gesellschaft die Jagd nach dem Profit,
also das ökonomische Interesse im Vordergrund, zum anderen haben die bürgerlichen
Meinungsmacher kein Interesse daran, die Krise als eine politische
Krise, oder gar allgemeine Krise des Kapitalismus erkennbar werden zu
lassen. Sie müssen die Illusion aufrechterhalten, daß die bürgerliche
Politik, der bürgerliche Staat, in der Lage ist, die Probleme zu lösen.
Was
sich gegenwärtig in der kapitalistischen Welt abspielt, ist aber weit
mehr als eine der sich periodisch wiederholenden ökonomischen Krisen,
es ist die sich gerade rasant verschärfende allgemeine Krise der
kapitalistischen Gesellschaft, die alle, sämtlich alle
gesellschaftlichen Bereiche erfasst hat. Sie zeigt sich in der Zerrüttung
der Staatsfinanzen, in den politischen „Fieberanfällen“, die
zahlreiche bürgerliche Regierungen stürzen lassen und Politiker
reihenweise zu Rücktritten veranlasst (freilich ohne daß dadurch
irgend etwas „besser“ wird), es zeigt sich im kulturellen und
moralischen Verfall, die die bürgerliche Gesellschaft immer dekadenter
erscheinen lässt, in der Zerstörung der inneren sozialen Zusammenhänge.
Es zeigt sich in der immer hemmungsloseren Vernichtung der
Lebensgrundlagen der Zivilisation im Wettrennen der imperialistischen Mächte
um die noch zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen. Der Profit
war und ist der Maßstab, der „Messbecher“ des „Erfolgs“ für
Banken und Konzerne, nur ist diese maßlose Gier inzwischen auf einem
Niveau angekommen, in der nicht nur die militärische Vernichtung,
sondern die generelle Vernichtung der ökonomischen, sozialen und ökologischen
Grundlagen der menschlichen Existenz an sich billigend in Kauf genommen
wird. Nach uns die Sintflut ist zum Motto einer unübersehbar im Abstieg
befindlichen kapitalistischen Gesellschaft geworden.
Die
Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft tritt somit immer
zwingender und dringender auf die historische Tagesordnung. Die
Alternative wäre die Fortsetzung der Auspressung vom Imperialismus
unterdrückten Völker, der Ausbeutung der werktätigen Massen, der
Vernichtung von Ressourcen und Lebensgrundlagen für den Profit bis zum
völligen Zusammenbruch der Gesellschaft und das Versinken in der
Barbarei.
Auch
wer die inneren Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge der
kapitalistischen Gesellschaft und ihrer Auswirkungen noch nicht erkennt,
spürt an den Erscheinungen, daß die Gesellschaft immer kränker wird.
Es ist ja nicht zu übersehen, daß trotz aller Beteuerungen und
heuchlerischer Bekundungen, „gegen die Armut“ hierzulande wie in der
Welt etwas zu unternehmen, die Reichen immer reicher und die Armen immer
ärmer werden.
Der
kapitalistische Raubbau vernichtet Wälder und Fluren und macht die
Weltmeere zu ausgeplünderten Abfallgruben, vergiftet die Luft und heizt
mit Milliarden und aber Milliarden Tonnen Emissionen unseren Planeten
immer weiter auf. Inhaltsleere Umwelt-Konferenzen bringen nicht mehr
zustande als unverbindliche Absichtserklärungen.
Das
kapitalistische System hat die Eigenheit, Alles und Jedes dem Profit
unterzuordnen. Auch das Gesundheitswesen. Bis vor einiger Zeit hat man
sich wenigstens noch bemüht, so zu tun, als ob die Behandlung von
Kranken, die Gesunderhaltung von Menschen eine „soziale Aufgabe“
sei. Nach diversen „Gesundheitsreformen“ spricht man nun ohne jede
Scham von Arztpraxen und Krankenhäusern so, als ob man dort Werkstoffe
verarbeite und Waren umsetze. Patienten erscheinen nur noch als
Kostenfaktor oder Gewinnquelle.
Nehmen
wir die Kultur. Die Massenmedien sind auf einem derart unterirdischen
Niveau angekommen, daß selbst die bürgerliche „Zeit“ vom Fernsehen
als „vom Volk bezahlte Verblödung“ sprach. (1) Die herrschenden
Klassen waren schon immer der Ansicht, daß ein aufgeklärtes und
gebildetes Volk für sie eine Gefahr darstellt und es daher möglichst
dumm zu halten sei. Genau so sehen dann auch die für den Massenkonsum
produzierten Medien und Programme aus. Gelegentliche „Ausrutscher“
mit Anflügen von Niveau und Kultur verschwinden in kleinen
Spartenprogrammen oder im Nachtprogramm. Kindern aus „einfachen Verhältnissen“
stellt der Staat große Hürden in den Weg, wenn es um höhere Bildung,
um Studienplätze geht und welche Geringverdiener haben schon Geld übrig
für teure Theaterkarten oder Bücher? Zuerst müssen einmal Miete,
Strom, Essen und Kleidung, die grundsätzlichen Dinge des Lebens bezahlt
werden, alles andere ist „Luxus“. Die Klassenschranken gelten eben für
alle Bereiche des Lebens. Dieselbe „Elite“, die verhindert, daß
Menschen aus ärmeren Verhältnissen einen besseren Zugang zu Bildung
und Kultur erhalten (gleichwohl sie es alle Jahre wieder verspricht),
hat dann noch die Frechheit, sich über eine unzivilisierte „Hartz-IV-Kultur“
zu mokieren und zum „Beweis“ dafür zu nehmen, daß es sich ohnehin
nicht lohne, Armen mehr Geld zu geben, die es dann eh nur
„versaufen“ würden. Ja, neben den vielen Anständigen, die sich in
dieser Gesellschaft arbeitslos oder mies bezahlt redlich und mühevoll
durchs Leben schlagen müssen, gibt in der Arbeiterklasse eine kleine
Schicht, die schon Marx und Engels „Lumpenproletariat“ nannte, die
sich den Verhältnisse ergeben, dem Alkohol, der Kriminalität
verfallen, statt klassenbewusst gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse
anzukämpfen. Aber es gibt auch die „Lumpenbourgeosie“, deren
dekadenter Lebenswandel, deren Saufgelage sich nur dadurch
unterscheiden, daß die da „unten“ sich mit billigem Schnaps
zufrieden geben müssen, und die da „oben“ im Champagner schwimmen.
Und was die Kriminalität anbelangt, wie hieß es bei Brecht? „„Was
ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank
gegen die Gründung einer Bank?“ (2) Minimale Verfehlungen kosten sehr
leicht einfachen Arbeiterinnen und Arbeitern den Job.
Milliardenverluste, verursacht von raffgierigen Bank- und Konzernbossen
führen schlimmstenfalls zum „Rauswurf“ mit millionenschweren
Abfindungen.
Der
Imperialismus verfügt heute über den höchsten Stand an technischen
Mitteln und wissenschaftlichen Methoden, doch er kann und will sie nicht
zum Wohle der Völker nutzen. Allein was Profit bringt, zählt. Er verfügt
über Waffen, die mörderischer sind, als alles, was die Welt je gesehen
hat, aber er kann die Völker, gegen die er Krieg führt, nicht auf
Dauer unterjochen. Und obwohl das Beispiel Afghanistan zeigt, daß der
Imperialismus diese Kriege letztlich nicht gewinnen kann, plant er
bereits die nächsten und bedroht so z.B. den Iran, Venezuela, Kuba, die
KDVR... Die Imperialisten reden von Abrüstung und tun nichts als altes
Gerät unter großem propagandistischen Aufwand auf dem Müll zu werfen,
während in ihren Waffenschmieden längst neue, noch furchtbarere
Vernichtungswaffen erdacht und gebaut werden.
Es
ist ihnen gelungen, vor zwei Jahrzehnten durch die Konterrevolution den
Sozialismus im Bunde mit ihren verräterischen Gesinnungsgenossen in den
europäischen sozialistischen Staaten zu zerschlagen. Doch dem
Siegesgeheul folgte der Katzenjammer. Die imperialistische Welt hat sich
nicht als der „ewige Sieger“ erwiesen. Sie versinkt krisengeschüttelt
im immer rascheren Tempo in allgemeiner Dekadenz auf allen
gesellschaftlichen Gebieten. Der Herrscherthron, den sie nach der Zerstörung
der Sowjetunion und der anderen sozialistischen Länder glaubten nun für
immer besetzen zu können, zerkrümelt ihnen unter dem Hintern.
Freiwillig
räumen werden sie ihn freilich nicht. Eher ist der Imperialismus
bereit, die ganze Menschheit mit in den Abgrund zu reißen, als von
Profit und Macht zu lassen.
Das
macht ihn in der fortschreitenden Krise so gefährlich, weil zunehmend
unberechenbarer. Als der deutsche Imperialismus in Gestalt des
Faschismus offenkundig den Krieg verloren hatte, sprach er dem deutschen
Volk das Recht auf eine weitere Existenz ab, es sollte mit ihm
untergehen, so wie er am liebsten den ganzen Erdball in die Luft gejagt
hätte, wenn er es angesichts seiner Niederlage noch gekonnt hätte.
Der
heutige Imperialismus wäre im wortwörtlichen Sinne in der Lage, die
Erde zu vernichten, um sie im Zuge seines Untergangs mit ins Grab zu reißen.
Deshalb
ist es wichtig, den Menschen zu erklären, daß die allgemeine Krise des
Kapitalismus unter den heutigen Bedingungen zu einer Existenzkrise der
Menschheit wird, wenn sich die antiimperialistischen Kräfte nicht
zusammenschließen, um die untergehende kapitalistische Gesellschaft
daran zu hindern, die Menschheit in eine vernichtende Barbarei zu stürzen.
Der
Ausweg liegt allein in der revolutionären Überwindung des Kapitalismus
und der Errichtung sozialistischer Verhältnisse. Eine Aufgabe, die nur
die Arbeiterklasse im Bündnis mit anderen Werktätigen lösen kann.
Niemand sonst wird für einen Ausweg aus kapitalistischer Krise und
Zerstörung sorgen. Den Kommunisten als bewusstester Teil der
Arbeiterbewegung kommt dabei eine besondere Verantwortung zu. Sie müssen
in diesem Kampf für eine neue, sozialistische Zukunft die politische Führung
übernehmen. Die Schaffung der nationalen wie internationalen Einheit
und Geschlossenheit ist dafür Voraussetzung!
Adam
Antinus
(1)
Zeit
Online, 29.07.2010, Vom Volk bezahlte Verblödung
(2)
Bertold Brecht, aus „Dreigroschenoper“
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His
Masters' Loyal Opposition
Über zu Tode reformierten
„Kommunismus” und die Rolle der Europäischen Linkspartei
Ein
Beitrag übernommen von der Seite der Kommunistischen
Jugend Österreichs (KJÖ) vom 2, Februar 2012 (auf
Kommunisten-online am 3. Februar 2012) – Die Überwindung des
Kapitalismus und der Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft ist die
raison d’être, also der Grund des Seins jeder kommunistischen
Organisation. No-na, möchte man hier sagen. Was aber auf den ersten
Blick klar scheint, erweist sich bei genauerem Hinsehen oftmals als
Trugschluss. Doch warum ist nicht überall Kommunismus drinnen, wo
Kommunismus drauf steht und welche Rolle spielt die Europäische
Linkspartei dabei?
Etikettenschwindel
„Kommunistische“
Parteien, die imperialistische Angriffskriege als Regierungsparteien
mittragen? „Kommunistische“ Zeitungen, an denen Rüstungskonzerne
Aktien halten? Und „linke“ Parteien, die Privatisierungen durchführen?
Gibt’s nicht? Der Blick auf „linke“ oder
„reformkommunistische” Regierungsbeteiligungen in Frankreich,
Italien oder Deutschland zeigt leider anderes. Die Französische
Kommunistische Partei (PCF) trug in der Regierung Jospin den
Angriffskrieg gegen Jugoslawien 1999 mit, ihre Minister beteiligten sich
am Ausverkauf staatlichen Eigentums. Die Zeitung der PCF, die „L’humanité“,
gehört gar zu 20 Prozent einem Konzern, der wiederum einen
15-prozentigen Anteil am Rüstungskonzern und Eurofighter-Hersteller
EADS hält. Sozialabbau und Privatisierungen trugen während ihrer
Regierungstage auch die italienische Rifondazione Comunista (PRC) bzw.
die Partito dei Comunisti Italiani (PdCI) an der Seite Romano Prodis
mit. Und in Berlin privatisierte der „rot-rote“ Senat unter tatkräftiger
Mitwirkung der Linkspartei unzählige städtische Wohnungen.
Für
diese Politik wurden die Parteien deutlich abgestraft: In Frankreich,
dem Mutterland der Revolution, spielt die einst so mächtige PCF heute
eine marginale Rolle im Widerstand gegen Sozialabbau und
Belastungspakete. Der SPD/Linke-Senat in Berlin wurde im September 2011
abgewählt. Und die früher so starke kommunistische Bewegung Italiens
ist heute nicht einmal mehr mit einem Sitz im Parlament vertreten.[1]
Schadenfreude
ist angesichts dessen aber nicht angebracht. Es gilt vielmehr zu
begreifen, dass ideologische Auseinandersetzungen innerhalb der
kommunistischen Bewegung kein Zeitvertreib für I-Tüpfelreiterinnen und
Korinthenkacker sind. Wo opportunistische Strömungen[2] Überhand
gewinnen, hat dies nämlich sehr wohl ganz praktische Auswirkungen auf
die Politik einer Partei – etwa wenn sie Kriege, Privatisierungen oder
Sozialabbau unterstützt. Linke Organisationen, die zu nützlichen
Idioten des Kapitals werden, brechen mit ihrer raison d’être. Sie
werden für die arbeitenden Menschen, die Jugend und die arme Bevölkerung
nutzlos.
Warum
kann es aber dazu kommen, dass kommunistische Parteien all ihre Ideale
über Bord werfen? Bereits in den 1970er-Jahren machte eine Reihe
kommunistischer Parteien unter dem Schlagwort „Eurokommunismus“
ihren Frieden mit dem Kapitalismus. Man wollte in der bürgerlichen
„Demokratie“ mitspielen, die Regeln waren freilich vorgegeben und
verbunden mit faulen Kompromissen auf Kosten der werktätigen und armen
Bevölkerungsschichten.
In
dieser Tradition steht ein Projekt, dass 2004 in Rom aus der Taufe
gehoben wurde: Die „Europäische Linkspartei“ (ELP). In der ELP
spielen bezeichnenderweise die oben genannten Parteien – PCF, Die
Linke, Rifondazione – eine führende Rolle. Starke, revolutionäre
Parteien wie die portugiesische PCP oder die griechische KKE gehören
ihr wiederum aus gutem Grund nicht an. Aus gutem Grund? So wie ihre
Mitgliedsparteien in den jeweiligen Staaten halbherzige Politik
betreiben, macht das die ELP auf EU-Ebene.
Von
der Wirklichkeit überholt
Wenn
die ELP positiv Bezug nimmt auf die „europäische Integration“,
offenbart sie ihre Unfähigkeit oder ihren Unwillen, die EU als das zu
begreifen, was sie in Wirklichkeit ist – ein Projekt der Banken,
Konzerne und Generäle. Sie stimmt in den Chor der leeren
Propagandafloskeln der kapitalistischen EU-Einpeitscher ein und ordnet
sich deren Spielregeln unter. Damit fällt sie zusehends hinter die
Wirklichkeit zurück: Bereits in der ersten tieferen Krise war all das
schöne Gerede von der „europäischen Einigung“ vergessen.
Stattdessen hörte und las man allerorts über „faule“ SüdländerInnen
im Allgemeinen und „faule“ GriechInnen im Besonderen. Für die
Eliten ist ihre EU nämlich keineswegs in Stein gemeißelt. Wenn sie
sich bei ihrem Streben nach globaler Dominanz als Hemmnis erweist,
werden die Eliten sie eher heute als morgen in die Luft sprengen. Die
„Europäische Linkspartei“ trabt dieser Entwicklung hinterher, unfähig
ihr eigenes Schlamassel zu erkennen, vielleicht gewillt, aber nicht in
der Lage, wirksamen Widerstand gegen die Diktatur der Banken und
Konzerne zu entfalten. Sie erinnert damit in tragischer Weise an die österreichische
Sozialdemokratie des Habsburgerreiches, die diesen zerbröselnden
feudalen Völkerkerker letztlich nicht überwinden, sondern zu einem „k.u.k.-Sozialstaat“
reformieren wollte. Auch sie wurde von der Wirklichkeit überholt.
Briefe
ans Christkind
Die
„Europäische Linkspartei“ will nun also die imperialistische EU mit
sozialen und demokratischen Inhalten füllen. Sehen wir uns die
Tatsachen an: Die einzige formell demokratische, weil von den BürgerInnen
gewählte, Ebene der EU ist ihr Parlament, das noch nicht einmal
Gesetzesanträge stellen kann. Ein Parlament, das aber nur abnicken
darf, ist kein Parlament, sondern ein Feigenblatt. Demgegenüber steht
die geballte Macht der Kommission, des Rates, der Europäischen
Zentralbank, der Wirtschaftslobbys und die immer offensichtlichere
Dominanz Deutschlands und Frankreichs. Die den Mitgliedsstaaten
auferlegte und von den Regierungen willfährig umgesetzte
Privatisierungs-, Kürzungs- und Aufrüstungspolitik ist fest in Verträge
gegossen. Diese Verträge – etwa die von Lissabon oder Maastricht –
machen aber den Charakter der EU aus. Wer sie ändern will, darf keine
Kosmetik betreiben, sondern muss das Problem an der Wurzel packen –
und damit die EU grundsätzlich in Frage stellen. Davon ist die „Europäische
Linke“ aber weit entfernt. Wer angesichts der oben skizzierten Übermacht
des Kapitals in der EU von einer Transformation dieser in eine
„Sozialunion“ träumt, sollte eher Briefe ans Christkind als
politische Programme verfassen.
Dies
gilt vor allem dann, wenn die Mitgliedsparteien der „Europäischen
Linken“ statt über außerparlamentarische Aktionen, Arbeitskämpfe
und Streiks eine Gegenmacht in den einzelnen Staaten sowie länderübergreifend
aufzubauen, sich in hohlen Phrasen und Bürokratismus verlieren. Wer
aber keine klaren Strategien für die Überwindung des kapitalistischen
Systems entwickelt, verschiebt diese auf den St. Nimmerleinstag.
Dabei
schreien die aktuellen Entwicklungen geradezu nach Antworten, die so
radikal sind wie die Wirklichkeit. Die „Europäische Linkspartei“
gibt diese aber nicht. Im Gegenteil! In Wahrheit setzt sie einen
Integrationsprozess oppositioneller Kräfte in das imperialistische
System fort: Widerstandspotentiale werden so gebündelt und in eine für
das Kapital unschädliche Richtung gelenkt. Tibor Zenker charakterisiert
die Rolle der Europäischen Linkspartei folgendermaßen: „Hier soll,
analog zu den Vorgaben der imperialistischen EU, eine “kooperative”,
kapitalismuskompatible, pseudolinke Sammlung geschehen, deren
vorrangigstes Ziel ebenfalls die Liquidierung des Marxismus und möglichst
der kommunistischen Parteien ist.“ Der langjährige Vorsitzende der
steirischen KPÖ, Franz Parteder, sieht die Aufgabe der ELP darin,
„den kommunistischen Parteien den marxistischen Giftzahn zu ziehen“.
Die
„Europäische Linkspartei“ ist damit die loyale Opposition ihrer
Herren, die zwar den einen oder anderen Missstand kritisiert, aber weder
an den Grundfesten der kapitalistischen Herrschaft rüttelt, noch Wege
zu deren Überwindung aufzeigt. Wir haben es also mit einer Linken zu
tun, die mitspielt, aber die Spielregeln nicht in Frage stellt. Das Phänomen
ist nicht neu: Der Integrationsprozess der einst revolutionären
Sozialdemokratie wurde auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges endgültig
vollzogen, bei den Grünen geschah dies in den Trümmern des zerbombten
Belgrad.
Den
Angriff abwehren!
Gerade
in einer Zeit gewaltiger Krisen braucht es dringend konsequente
Strategien und gemeinsame Aktionen. Die EU schickt sich unter der Führung
von Merkel und Sarkozy an, mit dem „sozialstaatlichen Schutt“ der
Nachkriegszeit konsequent aufzuräumen um in der weltweiten Konkurrenz
imperialistischer Mächte zu bestehen. Dazu wird die Last der Krise auf
die breite Masse abgewälzt ja sogar die Demokratie wird unter dem
Vorwand des Schutzes vor den Finanzmärkten ausgehebelt. Aktuell gibt es
mit Griechenland und Italien gleich zwei Staaten, in denen nicht gewählte
Regierungen die EU-Vorgaben auf Kosten der Bevölkerung durchpeitschen.
Entwickelt sich dagegen nicht europaweit Widerstand von unten, bleibt am
Ende ein wesentlich geringerer Lebensstandard samt Verarmung breiter Bevölkerungsteile
sowie ein repressiver Staat, der zwar noch ein parlamentarisches Mäntelchen
trägt, aber kaum noch demokratische Substanz hat. Das klingt nach
Gruselgeschichte? Das wurde über die Warnungen vor einer
Weltwirtschaftskrise vor 2007 auch gesagt…
Macht
deine Wut zu Widerstand!
Wohin
dieser Integrationsprozess hier und heute führt, lässt sich deutlich
an der Entwicklung der Bundes-KPÖ ablesen. Stück um Stück wurde der
Marxismus und damit Grundprinzipien kommunistischer Politik entsorgt. Während
die Bundes-KPÖ damit hofiertes Mitglied in der „Europäisch Linken“
wurde, ist sie hierzulande am Nullpunkt gesellschaftlicher Relevanz
angelangt.
Die
Kommunistische Jugend Österreichs und der Kommunistischen
StudentInnenverband halten demgegenüber am Marxismus-Leninismus fest
und sind bemüht, eine revolutionäre Politik im Interesse der
arbeitenden und lernenden Jugend, der ArbeiterInnenklasse und der armen
Bevölkerung zu entwickeln – ohne faule Kompromisse. Dabei dürfen wir
aber nicht den Fehler begehen, mit den Führungen der opportunistischen
Parteien – ob sozialdemokratisch, „reformkommunistisch“ oder auch
grün – auch deren Mitglieder zu verurteilen. Wir müssen sie von der
Notwendigkeit konsequenten Handelns überzeugen und mit ihnen
antikapitalistische Praxis entwickeln – als revolutionäre Kraft,
nicht als loyale Opposition.
Anmerkungen
[1]
Freilich gibt es in der PCF wie in den italienischen kommunistischen
Parteien aber auch viele aufrechte GenossInnen, die sich für eine
marxistische Erneuerung ihrer Parteien einsetzen, mit denen wir in
freundschaftlicher Verbindung stehen und denen unsere volle Solidarität
gilt.
[2]
Unter Opportunismus verstehen wir alle Strömungen innerhalb der
Arbeiterbewegung, die sich den herrschenden Verhältnissen anbiedern und
sich aus dem Verzicht auf radikale Kritik und Kämpfe politische oder
persönliche Vorteile erwarten. Als klassisches Beispiel des
Opportunismus kann die Sozialdemokratie gelten, deren Beispiel viele
„reformkommunistische“ Parteien nacheifern. |
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