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Typisch Kapitalismus:
Spekulation und Krise
im sog, „Harmonischen Sozialismus“ der „Kommunistischen“ Partei
Chinas:
Ein Beitrag eines bürgerlichen
Autors
(Redaktion
Kommunissten-online)
Chinas überhitzte
Wirtschaft
Von Artur Schmidt
Telepolis
vom 1. März 2010 –
Chinas Lokomotivenrolle für die
Weltwirtschaft dürfte in Bälde ins Stocken geraten. Letztendlich
handelt es sich beim aktuellen chinesischen Boom-Zyklus um einen von
Investments getriebenen Boom. Die Beispiele in Japan und USA haben
aufgezeigt, wie solche Zyklen enden: in einem großen Knall. Der
kommende Abschwung in China könnte sich als eine Monsterblase
entpuppen, deren Platzen erst die eigentliche weltweite Depressionsphase
einleiten wird. Damit dürfte sich der Crash von 2009 lediglich als
Ouvertüre zu einem noch größeren ökonomischen Debakel offenbaren.
Von
den meisten Investoren wird nicht gesehen, dass sich das chinesische
Wirtschaftswunder längst im Sättigungszustand befindet. Anfangs der
80er Jahre nahm der Aufschwung seinen Anfang, als erste Reformen durch
Deng Xiaoping den Grundstein für die Modernisierung Chinas legten.
Unter seiner Führung entwickelte sich China zu einer der am schnellsten
wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Ende der 80er Jahre kam es zur
Abschaffung der vom Staat festgesetzten Preise, was zu einer hohen
Inflation und letztendlich zu massiven Protesten führte.
Die
zweite Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs waren die 90er Jahre, die
vor allem von einer zunehmenden Rationalisierung der Arbeit geprägt
waren und den Grundstein dafür legten, dass Chinas Produkte die Weltmärkte
überfluteten. Die dritte Phase wurde in den letzten 10 Jahren
vollzogen, als China sich auf die Expansion der Schwerindustrien und der
Infrastrukturen fokussierte und durch die zunehmende Prosperität ein
Immobilienboom einsetzte.
Die
Immobilienblase
Wenn
es je eine größere Superblase in der Weltwirtschaft gegeben hat als
die weltweiten Derivatemärkte, dann ist es der chinesische
Immobilienmarkt. Die Situation erinnert fatal an den japanischen
Immobilien-Bubble 1990, der in eine zwanzigjährige Deflation mündete.
Im Vergleich zu China handelt es sich bei Japan lediglich um eine
Bonsai-Blase. Zwar wächst die chinesische Wirtschaft noch rasant, aber
sollte es im Immobilienmarkt knallen, dann wird sich das Wachstum im
Riesenreich massiv abkühlen.
Angeheizt
wurde der Häusermarkt vor allem durch die Rekordkreditvergabe im Jahr
2009. So stiegen die Immobilienkäufe in China im letzten Jahr um mehr
als 75 Prozent. Durch das massive Konjunkturpaket von 4000 Mrd. Yuan und
eine massive Ausweitung von Darlehen durch chinesische Banken konnte
China die Weltwirtschaft im Jahr 2009 noch stabilisieren. Möglicherweise
kommt das Gegensteuern der chinesischen Notenbank, die jüngst die
Mindestreservesätze für Geschäftsbanken anhob, zu spät, um ein
Platzen der Blase zu verhindern. Die Schlüsseltreiber für reales
wirtschaftliches Wachstum sind neu geschaffene Arbeitsplätze, Löhne,
Arbeitslosenquote, Verschuldung und Handelsbilanzüberschüsse. Diese können
sich bei einem Platzen der Immobilienblase und einem nachhaltigen Rückgang
des amerikanischen Wachstums auch in China sehr schnell drastisch
verschlechtern, insbesondere da die amerikanische Papiergeld-Ökonomie
vor allem auf Erwartungshaltungen basiert, die weder von der Demographie
noch von der Verschuldungslage her gerechtfertigt sind.
Das
amerikanische Wachstum war nur geliehen und zwar von aus China geborgtem
Geld, um damit chinesische Waren zu kaufen, d.h. China musste Amerika
Kredite geben, um damit sein eigenes Wachstum anzukurbeln. Doch je schwächer
der US-Dollar gegenüber realen Werten wie dem Gold wurde, desto mehr
steht China nun unter dem Druck sich vom maroden Papiergeld, Greenback
genannt, zu lösen.
Investitionsquote
nicht haltbar
Die
Investitionen bezogen auf das Bruttosozialprodukt erreichten im Jahr
2010 neue Höchststände. Hierbei sind Kapitalinvestitionen zum
dominanten Wachstumstreiber der chinesischen Wirtschaft avanciert und dürften
im Jahr 2009 für etwa 90 % des chinesischen Wachstums und über 50 %
des chinesischen Bruttosozialproduktes verantwortlich gewesen sein.
Der
Investment-Boom in China hält damit schon 12 Jahre an und ist etwa
doppelt so hoch wie in Deutschland in den 50er Jahren, wie in Japan in
den 60er Jahren und wie in Korea in den 80er Jahren. In derartigen
Boomphasen wird es zunehmend schwieriger, die Effizienz von
Investitionen aufrecht zu erhalten. Sollte es zu einer abrupten harten
Landung der chinesischen Wirtschaft kommen, dürfte eine chinesische
Bankenkrise und damit in Folge eine asiatische Finanzkrise
unausweichlich sein.
Das
Wachstum der Kredite in China hat sich in den letzten Jahren um etwa 50
% mehr ausgeweitet als das Bruttosozialprodukt, womit sich das Risiko
einer abrupten Kontraktion der chinesischen Wirtschaft stark erhöht
hat. Zwar ist die offizielle Staatsverschuldung Chinas nur etwa 23 % vom
Bruttosozialprodukt, jedoch gibt es so genannte außerbilanzielle
Verbindlichkeiten von Banken, die vom Staat garantiert sind, womit
Chinas Staatsverschuldung in Wahrheit 62 % vom Bruttosozialprodukt
betragen würde, was in etwa dem westeuropäischen Durchschnitt entspräche.
Hinzu
kommt, dass die chinesische Geldmenge M2 noch viel stärker aufgebläht
ist als diejenige der USA, was bezweifeln lässt, dass China weiter
Wachstumsraten von über 8 % aufrecht erhalten kann. Der Konsum wird die
Lücke nicht schließen können, wenn das Wachstum durch einen Rückgang
der Kapitalinvestitionen deutlich schwächer ausfällt.
Sättigung
erreicht
China
produziert heute mehr als 500 Millionen Tonnen an Stahl, mehr als die
EU, Japan, die USA und Russland zusammen. Im Jahr 2008 lag der Anteil an
Zement pro Staatsbürger genauso hoch wie in den Ländern mit dem größten
Housing-Bubble in Europa: Spanien und Irland. Heute ist China der
zweitgrößte Energieverbraucher der Welt und verbraucht bezogen auf das
Bruttosozialprodukt dreimal so viel Energie wie die USA.
Als
Wachstumsargument wird angeführt, dass die Urbanisierung in China
unterentwickelt sei und deshalb immer neue Millionenstädte entstehen müssen.
Dieses Argument lässt jedoch außer acht, dass viele so genannte Dörfer
und Kleinstädte in China bereits hoch industrialisiert sind. Ob die
angegebene Urbanisierungsquote von 45 % deshalb der Wahrheit entspricht,
muss stark bezweifelt werden.
Als
weiteres Wachstumsargument werden die schlechten Wohnkonditionen der
Chinesen angeführt. Jedoch wurde die Eigenheimbesitzquote in China im
Jahr 2005 mit 86 % angegeben, verglichen mit 69 % in den USA, was eher
auf eine Sättigung als auf einen riesigen Wachstumsmarkt schließen lässt.
Ein anderes Argument, welches ähnlich wie in Japan Ende der 80er Jahre
zu denken gibt, sind die Hauspreise im Vergleich zum Einkommen der
Haushalte. So liegen diese in den Großstädten beim Faktor 15 bis 20,
verglichen mit dem Faktor 9 in London und 12 in Los Angeles, als der Häuser-Boom
in den beiden Ländern im Jahr 2006 seinen Peak erreichte.
Ein
anderer Infrastrukturfaktor sollte ebenfalls zu denken geben. Die USA
hat etwa 5 mal mehr Flüsse als China, trotzdem gibt es in China mit
500.000 Brücken fast genauso viele wie in den USA, die etwa 600.000 Brücken
haben..
Hyper-Depression
Der
einzige Wachstumsbereich, in dem China noch deutlichen Nachholbedarf
hat, dürften Eisenbahnen sein, was jedoch nicht alleine dafür sorgen
kann, dass die Investitionen weiter mit 30 % pro Jahr wachsen. Vielmehr
müsste der private Konsum in den nächsten Jahren durchschnittlich um
20 bis 30 % zulegen, um weiterhin Wachstumsraten von durchschnittlich 10
% zu ermöglichen.
Legt
man die Wachstumsraten des Konsums in den USA in den Nachkriegsjahren
zugrunde, so hat das Wachstum des privaten Konsums die Marke von 10 %
pro Jahr selten überschritten, vielmehr lagen die Durchschnittswerte in
den 50er Jahren bei etwa 5 %. Auch in Japan in den 70er Jahren betrug
der 10-Jahresdurchschnitt nur etwa 6 %. Deshalb ist abzusehen, dass die
Wachstumsraten in den kommenden 10 Jahren in China deutlich geringer
ausfallen dürften, was verbunden mit der demographischen Entwicklung in
den USA, wo immer mehr Babyboomer in den Ruhestand gehen, zu einer
deutlichen Abkühlung der weltwirtschaftlichen Entwicklung führen dürfte,
da Indien und Brasilien kaum in der Lage sein dürften, diese Lücke zu
schließen.
Ein
Rückgang der chinesischen Wachstumsraten auf durchschnittlich 5 bis 6 %
bei einer zunehmend auf Konsum ausgerichteten Ökonomie hat ernsthafte
globale Konsequenzen. Chinas Lokomotivenrolle für die Weltwirtschaft dürfte
in Bälde ins Stocken geraten und ein Nachfolger, der das chinesische
Wirtschaftswunder kopieren kann, muss erst noch gefunden werden. Das
einzige Land, welches von der Bevölkerungszahl in etwa einem Jahrzehnt
dazu in der Lage wäre ist Indien. Für das Jahr 2010 könnten wir
deshalb in eine Situation kommen, die vergleichbar ist mit der Situation
in den USA im Jahr 2007. Die internationalen Finanzmärkte haben wohl
schon begonnen, einen Rückgang des chinesischen Wachstums einzupreisen,
dessen Konsequenzen wie bei allen Bubbles zu einer deflationären
Bereinigung in den chinesischen und in Folge in allen Finanzmärkten
weltweit führen dürfte. Ein China-Crash dürfte jedenfalls die
aktuelle Weltwirtschaftskrise nicht nur nachhaltig prolongieren, sondern
diese in eine Hyper-Depression münden lassen.
Quelle:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32168/1.html |